Definition: Ganzheitliche Markt- und Technologiebetrachtung Was ist Technology Intelligence?

Technology Intelligence fasst Strategien, Verfahren und Aktivitäten zusammen, mit denen Unternehmen neue Technologien und technologische Trends frühzeitig identifizieren, um Risiken oder Potenziale für das Unternehmen aufzuzeigen. Ziel ist es, dieses Wissen in die Entscheidungsfindung und in strategische Planungen einfließen zu lassen.

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Technology Intelligence - neue Technologien und Technologietrends frühzeitig identifizieren, um sie in die strategische Unternehmensplanung miteinzubeziehen.
Technology Intelligence - neue Technologien und Technologietrends frühzeitig identifizieren, um sie in die strategische Unternehmensplanung miteinzubeziehen.
(Bild: gemeinfrei (© Gerd Altmann) / Pixabay )

Die relevanten Trends frühzeitig zu identifizieren und in die Unternehmensstrategie miteinzubeziehen sind elementare Voraussetzungen, um sich am Markt zu behaupten oder gar Wettbewerbsvorteile zu erzielen. Die Abkürzung für Technology Intelligence lautet TI. Im Deutschen werden für TI teilweise die Begriffe Technologiefrüherkennung oder Technologiefrühaufklärung verwendet. Es handelt sich bei Technology Intelligence um Strategien, Verfahren und Aktivitäten im Rahmen des Technologie- und Innovationsmanagements.

Technology Intelligence verfolgt das Ziel, neue Technologien und Techniktrends möglichst frühzeitig zu identifizieren. Potenziale oder Risiken für das Geschäft des Unternehmens sollen aufgezeigt und bewertet werden. Dieses Wissen fließt kontinuierlich in Produktentwicklungen und strategische Entscheidungen oder Planungen des Unternehmens ein. Technology Intelligence hilft dem Unternehmen, sich am Markt zu behaupten oder Wettbewerbsvorteile gegenüber der Konkurrenz zu erringen.

Aufgrund des immer schneller voranschreitenden technologischen Wandels und der zunehmenden Komplexität der Technik hat Technology Intelligence in den letzten Jahre an Bedeutung gewonnen. Technology Intelligence kann für die verschiedenen Unternehmensbranchen unterschiedlich wichtig sein. Während in einigen Branchen ein technologisch stabiles Umfeld vorherrscht und technische Entwicklungen relativ langsam ablaufen, sind andere Branchen beispielsweise im IT-Umfeld von sich ständig verändernden Technologien und einer Vielzahl an Innovationen abhängig. Um die für die Technology Intelligence benötigten Informationen zu beschaffen, sie zu analysieren und für strategische Entscheidungen aufzubereiten, verfolgt TI einen systematischen, strukturierten Ansatz. In definierten, kontinuierlichen und aufeinander aufbauenden Prozessen wird versucht, die relevanten Informationen aus der großen Menge der durch die technische Entwicklung generierten Daten zu extrahieren.

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Generelle Ziele der Technology Intelligence

Wichtigstes Ziel der Technology Intelligence ist es, die für den Erfolg eines Unternehmens wichtigen neuen Technologien und Techniktrends zu einem möglichst frühen Zeitpunkt zu identifizieren und die Informationen so aufzubereiten, dass sie für strategische Entscheidungen und Planungen des Unternehmens hilfreich und nützlich sind. Auf Basis der bereitgestellten Informationen kann ein Unternehmen:

  • neue Produkte oder Dienstleistungen entwickeln und auf den Markt bringen,
  • das Wissen in Prozesse und Projekte einfließen lassen,
  • neue Geschäftspartner finden, Joint Ventures eingehen oder Unternehmen samt ihrer Technologien übernehmen,
  • Mitarbeiter schulen und auf die bevorstehenden technischen Veränderungen vorbereiten
  • neue Märkte erschließen,
  • Risiken für die zukünftige Geschäftsentwicklung minimieren.

Typischer Ablauf und die einzelnen Prozessschritte der Technology Intelligence

Technology Intelligence basiert auf einer systematischen, strukturierten Vorgehensweise. Es handelt sich nicht um eine einmalige Aktivität, sondern einen kontinuierlichen Prozess, der im Unternehmen zu etablieren ist. Der Prozess gliedert sich in verschiedene Teilprozesse. Je nach angewandter Methodik und verwendetem TI-Modell können sich die Teilprozesse unterscheiden. In der Regel handelt es sich aber um folgende grundlegenden Aktivitäten:

  • Schritt 1: Bedarfsermittlung, Planung und Organisation der Technology Intelligence.
  • Schritt 2: Identifikation möglicher Informationsquellen.
  • Schritt 3: Beschaffung der Informationen.
  • Schritt 4: Filterung und Analyse der Informationen und Identifikation relevanter neuer Technologien.
  • Schritt 5: Bewertung der ermittelten technologischen Trends hinsichtlich ihrer Bedeutung für das Unternehmen.
  • Schritt 6: Aufbereitung der Ergebnisse für strategische Planungen und Entscheidungen, Entwicklungsprozesse und Projekte.
  • Schritt 7: Ableiten von Maßnahmen und Aktivitäten - Treffen von Entscheidungen.

Im Schritt 1 des TI-Prozesses (Bedarfsermittlung, Planung und Organisation der Technology Intelligence) sind verschiedene Aspekte wie die branchenspezifische unternehmerische Tätigkeit oder die Abhängigkeit von bestimmten Technologien zu berücksichtigen, um den Informationsbedarf korrekt zu ermitteln und den TI-Gesamtprozess samt Organisationsstruktur passend zu planen. In den Schritten 2 und 3 werden die verfügbaren Informationsquellen ermittelt und die Informationen abgefragt. Im Schritt 4 geht es darum, die für das Unternehmen relevanten Informationen aus der Masse an Daten herauszufiltern und sie zu analysieren. Im Schritt 5 erfolgt die Bewertung der analysierten technologischen Trends hinsichtlich ihrer Bedeutung für das Unternehmen. Die Bewertungsergebnisse werden anschließend aufbereitet, um sie für strategische Planungen, Unternehmensentscheidungen, Entwicklungsprozesse oder Projekte verwenden zu können. Im letzten Schritt leiten die Verantwortlichen auf Basis der Technology Intelligence die entsprechenden Aktivitäten ab und treffen Entscheidungen.

Unterscheidungsmöglichkeiten der Technology Intelligence

In einigen Veröffentlichungen werden abhängig von der individuellen Zielsetzung des Unternehmens und dem Einsatz der Ergebnisse der Technology Intelligence verschiedene TI-Arten unterschieden. Die Technology Intelligence lässt sich beispielsweise in folgende Arten einteilen:

  • tätigkeitsorientierte Technology Intelligence,
  • prozessorientierte Technology Intelligence,
  • ergebnisorientierte Technology Intelligence,
  • unternehmensbasierte Technology Intelligence,
  • projektbasierte Technology Intelligence,
  • produktbasierte Technology Intelligence.

Instrumente und Methoden der Technology Intelligence

Neben guten und aussagekräftigen Informationsquellen sind die für die verschiedenen TI-Prozessschritte verwendeten Methoden und Instrumente für den Erfolg und Effizienz der Technology Intelligence entscheidend. Typische Informationsquellen sind Expertenbefragungen und -meinungen, Internetveröffentlichungen, Fachzeitschriften, Whitepapers, Datenbanken, Bibliotheken, wissenschaftliche Studien oder Patentdatenbanken. Für Befragungen kommen Interview- und Moderationstechniken zum Einsatz. Digital vorliegende Daten lassen sich mit Methoden des Text Minings extrahieren.

Im Analyse- und Bewertungsprozess bedient man sich oft des S-Kurven-Konzepts, mit dem sich Potenziale und Grenzen der Technologien aufzeigen lassen. Das sogenannte Technology Radar zeigt in visuell aufbereiteter Form die analysierten und bewerteten Technologietrends und positioniert sie abhängig von ihrem Reifegrad, ihrer Relevanz für das Unternehmen, der Branche, dem Produkt oder dem Projekt und ihrer Bedeutung für die Wertschöpfungskette. Den Abschluss der Technology Intelligence bilden häufig Workshops mit den Entscheidungsträgern. Für diese Workshops werden die Ergebnisse zielgruppenorientiert aufbereitet, um sie leicht verständlich den Entscheidungsprozessen zuzuführen.

Vorteile durch den Einsatz der Technology Intelligence in einem Unternehmen

Richtig eingesetzt bietet die Technology Intelligence einem Unternehmen zahlreiche Vorteile. Typische Vorteile der TI sind:

  • frühzeitiges Erkennen der Risiken oder Chancen neuer Technologien,
  • rechtzeitiges Reagieren auf technologische Trends,
  • schnellere Adaption neuer Technologien,
  • rechtzeitiges Lösen von veralteten Technologien,
  • Identifizierung der für ein Unternehmen relevanten neuen Technologien,
  • Entwicklung neuer Produkte oder Dienstleistungen,
  • Erschließung neuer Märkte,
  • Wettbewerbsvorteile gegenüber der Konkurrenz,
  • Behauptung am Markt – Sicherung des Fortbestands des Unternehmens,
  • Treffen der richtigen technologiebasierten Entscheidungen,
  • frühzeitige Vorbereitung der Mitarbeiter auf anstehende technische Veränderungen,
  • Optimierung der Investitionen in neue Technologien,
  • Steigerung der Produktivität im Unternehmen.

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