Cloud macht Unabhängigkeit möglich(er) Wann kommt die Technologie-Souveränität?

Ein Gastbeitrag von Konstantin Teepe* 4 min Lesedauer

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Weniger als zehn Prozent der Unternehmen entscheiden sich laut Studien für eine Cloud-Lösung von deutschen Anbietern. Und das in einer Zeit, in der das Konzept einer europäischen Technologie-Souveränität heiß diskutiert wird. Wie verringert Europa die Technologieabhängigkeiten, wenn die Unternehmen, die auf Cloud Computing angewiesen sind, nicht mitziehen?

Mehr technologische Unabhängigkeit ist möglich durch auf KMU spezialisierte und wettbewerbsfähige Anbieter von Cloud-Services aus Europa.(Bild:  Bojan - stock.adobe.com)
Mehr technologische Unabhängigkeit ist möglich durch auf KMU spezialisierte und wettbewerbsfähige Anbieter von Cloud-Services aus Europa.
(Bild: Bojan - stock.adobe.com)

Hiesige Unternehmen ziehen zunehmend in die Cloud. Cloud-Services sind ein fester, großer Bestandteil der neuen Arbeitswelt und der Entwicklung neuer digitaler Geschäftsmodelle. Eine Erhebung aus dem Jahr 2021 zeigt, dass die europäischen Cloud-Anbieter kontinuierlich Marktanteile an die globalen Cloud-Anbieter verlieren. Dabei sollte die Gesellschaft ein Interesse daran haben, die vollständige Kontrolle über ihre IT-Infrastrukturen wie auch ihre Daten in der Cloud zu haben. Per Definition ist das der Kern der Technologie-Souveränität mit den Schlüsselfaktoren Datenstandort, Zugriffskontrolle, Datenkontrolle und technologische Unabhängigkeit.

Datenstandort und Zugriffskontrolle

Ein näherer Blick auf die ersten beiden Aspekte klingt erst einmal vielversprechend: Zum einen sollten Daten innerhalb des Landes gespeichert werden, um die territoriale Kontrolle zu sichern. Zum anderen dürfen Dritte ohne Zustimmung keinen Zugriff auf diese Daten haben. Des Weiteren ist die Kontrolle über Datenbewegungen und -verarbeitung essenziell, um die Autonomie über die eigenen Daten zu behalten.

In der Gesellschaft wird die Technologie-Souveränität oft nur im Zusammenhang mit Datenschutz und dem Anbieterstandort gesehen. Aber die Cloud kennt keine Grenzen, und Daten können in Echtzeit weltweit verschickt werden. Laut einer Studie von Forrester legen deutsche Unternehmen mehr Wert auf Funktionalität und Kontrolle über ihre Daten als auf den Standort des Anbieters. Nur eine kleine Minderheit von sieben Prozent bevorzugt lokale Anbieter.

Datenkontrolle und technologische Unabhängigkeit

Europäische Unternehmen schätzen die Sicherheit und die Einhaltung der Datenschutzgesetze, die von europäischen Cloud-Anbietern garantiert werden. In der Theorie ist der Stellenwert der Datenkontrolle sowie der technologischen Unabhängigkeit beim Thema Cloud Computing für jedes Unternehmen enorm. Dabei geht es um die Fähigkeit zur Steuerung des Datenflusses und der Datenverarbeitung der eigenen Daten, wie auch um die technologische Unabhängigkeit von bestimmten Plattformen, speziellen Lösungen oder Anbietern.

Dennoch sank der Marktanteil von europäischen Cloud-Providern im Jahr 2022, während das Gesamtvolumen des Cloud-Markts in Europa laut einer Studie von Synergy Research Group gewachsen ist. Genannte Hauptprofiteure aus dem Bericht sind auch hier: Amazon, Microsoft und Google.

Bürokratische Barrieren und unterschiedliche Mentalitäten

Der Erfolg der großen Cloud-Anbieter ist nicht nur auf staatliche Subventionen und Marktgröße zurückzuführen. Mentalitätsunterschiede spielen ebenfalls eine Rolle, insbesondere im B2B-Bereich. US-Unternehmen sind offener gegenüber Neulingen im Markt als das etwas risikoscheue Deutschland. Generell sind US-Nutzer neuen Technologien gegenüber aufgeschlossener, während in Deutschland oft Zurückhaltung und Skepsis dominieren.

Ein weiteres Hindernis sind die bürokratischen Barrieren in Deutschland. In den USA und anderen Ländern ist es oft einfacher, ein Unternehmen zu gründen und zu führen. Viele der in Deutschland geltenden Regelungen, wie z. B. die Pflichtmitgliedschaft in der IHK, sind in den USA nicht üblich. Einige US-Bundesstaaten bieten sogar steuerliche Vorteile, die das Unternehmenswachstum fördern.

Ein weiterer nicht zu unterschätzender Punkt ist der Kostenvorteil der US-Cloud-Anbieter. Ein Beispiel: Ein großer deutscher Provider hatte versucht, eine souveräne Cloud für Microsoft Office anzubieten, musste diesen Service jedoch aufgrund zu hoher Kosten und mangelnder Nachfrage einstellen. Dies zeigt, dass viele Unternehmen ihre IT-Strategie hauptsächlich auf Kostenbasis festlegen. In der derzeitigen angespannten Wirtschaftslage wird noch akribischer auf Kosteneinsparungen gesetzt.

Offene Architekturen und Hybrid Cloud

„The Change of the Cloud“ wird wohl noch einige Zeit dauern, dennoch können Unternehmen bereits jetzt bei der Wahl ihrer Cloud-Lösungen sich für mehr Technologie-Souveränität entscheiden. Zwei Lösungsansätze könnten mögliche Alternativen darstellen, um die technologische Abhängigkeit im Allgemeinen zu verringern.

Zum einen könnten Unternehmen über eine Hybrid Cloud nachdenken: Public Cloud Services in Verbindung mit einer privaten Cloud sind eine vorteilhafte Kombination. Während Unternehmen ihre sensiblen geschäftskritischen Daten in der Private Cloud hosten und so die Kontrolle behalten, können sie bei der kombinierten Nutzung einer Public Cloud dennoch von den Kosten- wie auch weiteren Vorteilen wie etwa der Skalierbarkeit profitieren.

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Außerdem ist eine weitere Empfehlung, über den Einsatz von offenen Cloud-Architekturen nachzudenken, um nicht von einem einzigen Hersteller abhängig zu sein. Unternehmen behalten so die Kontrolle über die darunter liegende Hardware-Infrastruktur und Managementplattform, unabhängig von der verwendeten Technologie. Eine offene Architektur ermöglicht demnach eine höhere Flexibilität, ermöglicht Unternehmen, unabhängiger von speziellen Technologien zu agieren und fördert zusätzlich Innovation und Wettbewerb. Generell sind das zwei technologische Ansätze, die die digitale Selbstbestimmung und Technologie-Souveränität fördern können.

Mehr Einfluss für die IT-Abteilung

Datenschutz wird oft als Vorwand für unzureichende Digitalisierung genutzt, anstatt die Vorteile der Cloud und die schnelle Implementierung sicherer Lösungen in den Vordergrund zu stellen. Dabei können sich Unternehmen schon jetzt für weniger technologische Abhängigkeit entscheiden – ohne zu große finanzielle oder datenschutzrechtliche Einbußen zu haben.

Vor allem bei der Beschaffung von Cloud-Services müssen IT-Manager mehr Freiheiten und weniger Kostendruck vom Management erfahren. Dabei lohnt sich eine tiefergehende Recherche. Neben den Big Players existieren mittlerweile viele Anbieter, die sich auf kleine und mittelständische Unternehmen (KMUs) spezialisiert haben und auch das europäische Angebot wird immer wettbewerbsfähiger.


* Der Autor Konstantin Teepe ist Head of Business Industry Telco, Media, Tech and High-Tech Germany bei Eviden, einem Unternehmen der Atos-Gruppe.

Bildquelle: Eviden

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