Der Kern der Unternehmens-IT umfasst alles, was zum Unternehmen gehört: von robusten Mainframes über Serverschränke bis hin zu Desktop-Rechnern, Maschinen in Werkshallen und das gesamte Spektrum an Software-Lizenzen – besonders aber die Daten.
Cloud-Dienste werden für mittelständische Unternehmen spätestens dann interessant, sobald interne Ressourcen die enorme Leistungsfähigkeit von Cloud-Anwendungen nicht mehr wirtschaftlich abbilden können.
(Bild: MATTHIAS BUEHNER - stock.adobe.com)
Insgesamt also eine komplexe IT-Architektur, die an einigen Stellen aufgrund ihrer historischen Entwicklung möglicherweise Schwächen aufweist. Daran denken die meisten CIOs und IT-Leiter zuerst. Auf der anderen Seite steht die beeindruckende Welt der großen Cloud-Service-Anbieter, auch als Hyperscaler bekannt, die den Markt nachhaltig durch ihre Software-Anwendungen und -Services auf Abonnementbasis nachhaltig verändert haben.
Marc Benioff von Salesforce, einer der Pioniere im Bereich Software-as-a-Service (SaaS), betont die Bedeutung der vorausschauenden Planung und Flexibilität in seinem Ansatz: „Sieh immer voraus, was als Nächstes kommt. Und dann sei so flexibel, dich weiterzuentwickeln.“ Das mag nach Hellsehen klingen, aber angesichts der aktuellen wirtschaftlichen, geopolitischen und rechtlichen Herausforderungen liegt er mit dieser Forderung wohl nicht falsch.
Hyperscaler wie Amazon Web Services (AWS), Microsoft Azure und Google Cloud Services sind führende Cloud-Anbieter. Ihre IT-Infrastruktur ist darauf ausgerichtet, sich flexibel an stark schwankende Lasten anzupassen, um die steigende Anzahl von Nutzeranfragen effizient zu bewältigen.
Ursprünglich waren ihre hochautomatisierten Rechenzentren in den USA angesiedelt, was zu Compliance-Problemen bei der Datenspeicherung führte. Heute haben sie auch in Europa Fuß gefasst. Es hat sich ein Ökosystem entwickelt, in dem ein Hyperscaler nicht unbedingt ein Rechenzentrum von Grund auf errichten muss, sondern seine Dienste mithilfe lokaler Netz- und Colocation-Anbieter, die Rechenzentrumsflächen bereitstellen, auch in Deutschland anbieten kann.
Hyperscaling als Chance für den Mittelstand
Mittelständische Unternehmen können problemlos SaaS-Angebote der großen Hyperscaler nutzen, beispielsweise für Business-Intelligence-Anwendungen oder intelligente Suchfunktionen in ihren eigenen Daten. Viele Mittelständler erweitern ihr digitales Ökosystem jedoch noch weiter, indem sie auch Anwendungen anderer Software-Anbieter nutzen, die über die Plattformen oder Infrastrukturen der Hyperscaler angeboten werden. Dabei kommen auch Modelle wie Platform-as-a-Service (PaaS) oder Infrastructure-as-a-Service (IaaS) zum Einsatz.
Im Oktober 2023 prognostizierte das Marktforschungsunternehmen Gartner, dass die weltweiten Ausgaben der Endnutzer, einschließlich Privatanwender und Unternehmen, bis Ende 2023 für öffentliche Cloud-Dienste um mehr als 20 Prozent steigen würden, von 490 Milliarden auf etwa 592 Milliarden US-Dollar. Die führenden Dienste sind dabei SaaS, Infrastrukturdienste (IaaS) und PaaS.
Ein weiterer Grund, warum Cloud-Dienste für Mittelständler relevant sind, liegt darin, dass die enorme Leistungsfähigkeit von Cloud-Anwendungen mit internen Ressourcen wirtschaftlich nicht mehr abgebildet werden kann. Clouds bieten zudem stets neueste Technologien wie Artificial Intelligence (AI), deren Entwicklungsbudgets die Möglichkeiten eines Mittelständlers übersteigen würden. Die Integration einer Cybersecurity-Strategie zum Schutz der Unternehmensdaten in der Cloud in Zusammenarbeit mit den Experten des Hyperscalers ist beispielsweise wesentlich schneller und kostengünstiger umsetzbar als eine eigenständige On-Premises-Implementierung.
Für IT-Leiter eines Mittelständlers stellt sich die Frage, wo Cloud-Dienste am besten eingesetzt werden sollten. Dabei spielt auch die User Experience eine Rolle, sowohl für das eigene Personal als auch für die Kunden. Wir sind an einfache und intuitive Smartphone-Apps gewöhnt und erwarten ein ähnliches Erlebnis im Geschäftsumfeld.
Ein entscheidender technologischer Faktor ist jedoch die Tiefe des Eingriffs. Insbesondere im ERP-Bereich ist es ratsam, einen evolutionären Ansatz zu verfolgen. Die Umstellung von Frontend-Anwendungen für Kunden und Partner auf die Cloud kann relativ schnell erfolgen und wurde oft bereits umgesetzt. Je näher die Prozesse an der Produktion liegen, desto langsamer gestaltet sich jedoch der Übergang in die Cloud. Hier ist es wichtig, sich an die Transformationsgeschwindigkeiten der Kunden anzupassen.
Stand: 08.12.2025
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Datenökonomie – mit Daten Werte schaffen
Inmitten dieser Überlegungen erinnern sich IT-Verantwortliche möglicherweise an die Binsenweisheit, dass es keine „Cloud“ gibt – es ist immer nur „der Computer eines anderen“. Aber wo werden meine Daten eigentlich gespeichert? Wie sicher sind sie und wie vertraulich bleiben sie? Nutzt dieser „andere“ meine Daten, um sie weiterzuverarbeiten und eigene, kostenpflichtige digitale Mehrwertdienste daraus zu entwickeln?
Die letzte Frage weist auf ein Argument hin, das heute oft für die digitale Transformation genannt wird. Sobald ein Unternehmen alles vollständig digitalisiert hat, von der Kern-IT über die Edge bis hin zum Shopfloor, lassen sich aus dem entstehenden Datensee ganz neue Erkenntnisse gewinnen (insbesondere mithilfe von AI-Werkzeugen) und sogar völlig neue Geschäftsmodelle entwickeln. Die Zusammenarbeit mit Partnern und Kunden könnte ebenfalls völlig neue Dimensionen annehmen.
Vorsprung nutzen, Rechte bewahren
Dabei bleibt die Frage, wie man den technologischen Vorsprung der Hyperscaler nutzen kann, ohne sich gänzlich in ihre Hände zu begeben. Dies bringt auch den europäischen Gesetzgeber auf den Plan. Die Europäische Union strebt einerseits an, die digitale Transformation in Europa zu fördern, andererseits aber auch die europäische Wirtschaft vor einer dominanten Disruption von außen zu schützen – und natürlich die Rechte der Verbraucher zu wahren.
Der „EU Data Act“ dient als rechtliche Grundlage für den Austausch von Industriedaten. Die Europäische Kommission schätzt, dass bisher 80 Prozent dieser Daten ungenutzt bleiben. Sie erwartet, dass dies bis 2028 zusätzliche Wertschöpfung von etwa 270 Milliarden Euro ermöglichen und eine neue Datenökonomie einleiten könnte. Das Gesetz soll sicherstellen, dass Nutzer darüber entscheiden können, was mit ihren Daten geschieht, und Unternehmen daran hindern, einseitige Zugeständnisse zu machen. Zudem soll es den Wechsel zwischen Cloud-Anbietern erleichtern.
Die Bundesregierung plant, die mit dem EU Data Act gelegte Basis mittels sogenannter „X-Plattformen“ umzusetzen, die eine geregelte Nutzung und den Austausch von Industriedaten ermöglichen sollen. Eine wichtige Rolle soll dabei Manufacturing-X spielen, eine digitale Plattform für föderative Datenräume in der Fertigungsindustrie, die mit rund 50 Partnern aus Wirtschaft, Forschung und Verbänden aufgebaut werden soll. Während Manufacturing-X branchenübergreifend für die Industrie gedacht ist, bezieht sich Factory-X auf die deutsche Kernindustrie Maschinenbau. Alle diese X-Plattformen befinden sich derzeit jedoch noch in der Konzeptionsphase.
Wachsam in die Zukunft blicken
Um sich auf die neue Datenökonomie vorzubereiten, ist es für Mittelständler wichtig, die Weichen frühzeitig und richtig zu stellen. Es erfordert keine Hellseherei, sondern eher Voraussicht. Diese können Mittelständler am besten durch Verfolgen der Entwicklungen in den Gremien des VDMA und ZVEI im Zusammenhang mit Manufacturing- oder Factory-X gewinnen.
Bis solche Plattformen relevant werden, sollten Unternehmen – insbesondere im Mittelstand – weiterhin darauf achten, ihre eigene IT-Architektur zu verschlanken und zu modernisieren. Sie sollten außerdem Kapazitäten und Know-how für die Teilnahme an digitalen Datenräumen aufbauen. Nur so können sie eine aktive Rolle in den digitalen Wertschöpfungsketten außerhalb der Fabriktore spielen. Es ist wichtig, keine Zeit zu verlieren, um sich auf diese neue Datenökonomie vorzubereiten, sowohl intern als auch in Richtung externer Ökosysteme.
* Der Autor Björn Goerke ist Chief Technology Officer bei der ProAlpha Group.