Cloud-Infrastrukturmarkt wächst trotz Unterauslastung

Unternehmen haben oft mehr Cloud-Services als sie benötigen

| Autor: Elke Witmer-Goßner

Unternehmen nehmen inzwischen mehr Cloud-Services in Anspruch, als sie müssten – die Rechnung geht daher oft nicht auf.
Unternehmen nehmen inzwischen mehr Cloud-Services in Anspruch, als sie müssten – die Rechnung geht daher oft nicht auf. (Bild: gemeinfrei (JamesDeMers - Pixabay) / CC0)

AWS, Microsoft und Google sind die Dominatoren im Cloud-Markt: Zusammen beherrschen sie 55 Prozent des weltweiten Geschäfts mit IaaS-Angeboten. Alleine im ersten Quartal 2018 setzten sie insgesamt rund 17 Milliarden US-Dollar (ca. 14,2 Mrd. Euro) mit Cloud-Infrastrukturdiensten um. Damit wuchs der Markt gegenüber dem vergleichbaren Vorjahresquartal um fast 47 Prozent.

AWS, Microsoft und Google machen in Summe mehr als die Hälfte des weltweiten Umsatzes mit Cloud-Services.
AWS, Microsoft und Google machen in Summe mehr als die Hälfte des weltweiten Umsatzes mit Cloud-Services. (Bild: Canalys)

Über 80 Prozent der Vertriebspartner gehen davon aus, dass die meisten ihrer Kunden mehr Cloud-Services in Anspruch nehmen, als sie eigentlich benötigen und damit Geld verschwenden.
Über 80 Prozent der Vertriebspartner gehen davon aus, dass die meisten ihrer Kunden mehr Cloud-Services in Anspruch nehmen, als sie eigentlich benötigen und damit Geld verschwenden. (Bild: Canalys)

Amazon Web Services (AWS) blieb mit einem Plus von 49 Prozent in diesem Quartal der Konkurrenz voraus. Der Umsatz des Marktführers ist fast doppelt so hoch wie der des nächsten Wettbewerbers Microsoft (plus 93 Prozent), der weiterhin schneller als AWS wuchs. An dritter Stelle lag Google mit einem Plus von 89 Prozent auf 1,2 Milliarden US-Dollar. Dieser Erfolg ist einerseits darauf zurückzuführen, dass die Cloud-Akzeptanz aufgrund ihrer vielfältigen Vorteile wie Anpassungsfähigkeit, Skalierbarkeit sowie der On-Demand-Bereitstellung virtualisierter und container-basierter Ressourcen bei niedrigen Vorabkosten deutlich gestiegen ist. Darüber hinaus ist die Cloud-Nutzung inzwischen auch wesentlicher Bestandteil der digitalen Transformationsstrategien vieler Unternehmen.

Andererseits liegt der Erfolg der Anbieter auch daran, dass sie – ohne eine Absicht dahinter zu vermuten – mehr Cloud-Services verkaufen, als ihre Nutzer tatsächlich benötigen. Denn die Komplexität und der unkontrollierte Zugriff der Benutzer auf Cloud-Technologien hat dazu geführt, dass die Kunden die kostenpflichtigen Dienste zu wenig nutzen und deshalb den Return-on-Investment auch nicht vollständig realisieren können. Einer aktuellen Befragung des Marktforschungsunternehmens Canalys unter Channel-Partnern zu Folge, gehen über 80 Prozent der insgesamt 146 weltweit Befragten davon aus, dass ihre Kunden die Cloud-Ausgaben gar nicht vollständig nutzen. 58 Prozent glauben sogar, dass bis zu 20 Prozent der Cloud-Investitionen ihrer Kunden verschwendet waren, 26 Prozent sind davon überzeugt, dass die Verschwendung sogar mehr als 20 Prozent beträgt.

Bessere Beratung und ständige Kontrolle

Da immer mehr Unternehmen auf Public Cloud Services umsteigen und sich für mehrere Anbieter entscheiden und diese gleichzeitig in ihre bestehende IT-Infrastruktur integrieren, sieht Daniel Liu, Research Analyst bei Canalys, jetzt die Vertriebs- und Integrationspartner in der Pflicht. „Die Hauptaufgabe der Channel-Partner nach der Migration und Integration von Kunden-Workloads in eine hybride Umgebung besteht darin, ihnen einen besseren Einblick in die verfügbaren Cloud-Ressourcen zu geben, um die Nutzung zu optimieren. Dies wird durch Analytik und in Zukunft durch maschinelles Lernen zur Identifizierung des optimalen Cloud-Pakets oder Abonnements vorangetrieben“, erklärt Liu.

Allerdings muss der Analyst auch bedauernd zugeben, dass die Fähigkeiten, die für Workload-Cloud-Migration, Verbrauchsüberwachung, Abrechnungsanalyse, Cloud-Beratung und Integrationsservices benötigt werden, bisher Mangelware sind.

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