Verbesserte Zusammenarbeit

Standardisierung hilft NetOps und DevOps

| Autor / Redakteur: Lori MacVittie * / Stephan Augsten

Von DevOps-Standards können auch andere Teams lernen, beispielsweise NetOps-Teams.
Von DevOps-Standards können auch andere Teams lernen, beispielsweise NetOps-Teams. (© WrightStudio - stock.adobe.com)

Die Standardisierung von Tools reduziert den Integrationsaufwand in der gesamten Organisation. Was ein Team entwickelt, können andere nutzen. So lässt sich etwa die Zeit zur Umsetzung von Automatisierungsprojekten verkürzen. Daher sollten sich NetOps-Teams an den DevOps-Standards orientieren, um die Netzwerkautomatisierung zu beschleunigen.

Die meisten Entwickler möchten ihre Lieblings-Programmiersprache und ihr gewohntes Toolset am Arbeitsplatz nutzen. Doch wenn ein Team sich für Python entscheidet, das andere für PowerShell, verhindert dies den Austausch von Fachwissen. Genau das ist laut der Studie „State of Network Automation 2018“ die größte Herausforderung für NetOps.

Der Einsatz mehrerer Sprachen und/oder Tools ist also kontraproduktiv. Doch eine Standardisierung wird manchmal als unnötige Einschränkung der Flexibilität oder gar als Angriff auf die Innovationsfähigkeit angesehen. Das liegt eventuell daran, dass sie oft mit regulatorischen Konformitätsstandards verbunden ist. Sie wird häufig mit so trockenen offiziellen Bezeichnungen wie ISO 8076.905E sowie mit einer Kontrolle durch Checklisten, Auditoren und Aufsichtsgremien in Verbindung gebracht.

Keine festen Auswahlregeln

Entwickler befinden sich hier in einer vergleichsweise komfortablen Position. Denn es gibt in der Praxis kaum Normen, welche die Auswahl der Programmiersprachen, Protokolle und Frameworks in Unternehmen regeln. Diese wird eher durch praktische Überlegungen wie die Verfügbarkeit von Fachkräften für die jeweilige Lösung, Nachhaltigkeit und Gesamtbetriebskosten über die oft lange Lebensdauer von Software und Systemen bestimmt.

Studien haben gezeigt, dass die durchschnittliche Lebensdauer von Software etwa sechs bis acht Jahre beträgt. Das wurde über die letzten zwanzig Jahre hinweg ermittelt. Die Langlebigkeit nimmt bei größeren Programmen – gemessen an Codezeilen – tendenziell zu. So haben Systeme und Software mit über einer Million Codezeilen eine Lebensdauer von 12 bis 14 Jahren.

Auch Systeme zur Netzwerkautomatisierung bestehen letztendlich aus Software. Sie benötigen daher die gleiche Pflege und Wartung wie Software, die aus der Entwicklungsabteilung stammt. Wer die produktiven Prozesse im Netzwerk mit Hilfe von Code automatisieren will, muss also akzeptieren, dass ein bedeutender Prozentsatz dieser automatisierten Pipeline Software ist.

Lösungen nach Fachkräften wählen

Im Laufe der Lebensdauer dieser Software oder des Systems kümmern sich mehrere Anwender und Entwickler um Aktualisierung, Wartung, Betrieb und Änderungen. Doch dazu ist das entsprechende Know-how nötig.

Laut der genannten Studie von F5 und RedHat bildet gerade mangelndes Fachwissen für 49 Prozent der Befragten eine Herausforderung. Daher sollte keine unnötige Reibung durch die Einführung mehrerer Programmiersprachen und/oder Toolsets erzeugt werden. Zudem ist es keine gute Idee, Sprachen und Tools zu wählen, für die es nicht genügend Fachkräfte gibt.

Genau hier setzt Standardisierung an, da sie die Auswahl an Lösungen einschränkt. Dies ist vor allem wichtig, wenn NetOps den Sprung in die Entwicklung und Wartung von Systemen zur Automatisierung und Orchestrierung von Netzwerk-Bereitstellung und -Betrieb sowie der Infrastruktur von Anwendungsdiensten vollzieht.

Zwar beschränken sich Unternehmen äußerst selten auf eine einzige Programmiersprache. Doch sie tendieren dazu, nur wenige zu nutzen. So sollte sich NetOps entsprechend an den bestehenden Entwicklungs- und DevOps-Standards orientieren, weil der Fachkräftepool dadurch weiter ausgebaut wird.

DevOps ist meist schon weiter

Die Orientierung an der Entwicklungsabteilung bietet sich deshalb an, weil DevOps in der Regel schon deutlich weiter dabei ist, die Erwartung des Business nach kontinuierlichen Verbesserungen von Lösungen zu erfüllen. Jedoch handelt es sich bei NetOps und Netzwerkautomatisierung meist um ein sehr heterogenes Gesamtsystem mit sehr wenig Integration. Bei der Studie war dieser „Mangel an Integration“ mit 47 Prozent die am zweithäufigsten genannte Herausforderung für die Automatisierung von Netzwerken.

Um den Integrationsaufwand in der gesamten Organisation zu reduzieren, gilt die Standardisierung von Toolsets und – wo immer möglich – von Infrastrukturen wie Anwendungsdiensten als optimal. Dann können verschiedene Teams gegenseitig ihre Entwicklungen nutzen, um die Zeit zur Umsetzung mehrerer Automatisierungsprojekte zu verkürzen. Eine solche Wiederverwendung von entwickelten Lösungen ist ein wesentlicher Faktor bei der Verbesserung der Amortisierungszeit.

Viele Entwickler haben die Vorteile einer solchen Wiederverwendung bereits erkannt und nutzen zum Beispiel häufig Open-Source-Lösungen. So bestehen etwa 80 bis 90 Prozent der heutigen Anwendungen aus Komponenten von Drittanbietern oder Open Source. Dies beschleunigt die Entwicklung und verkürzt die Zeit zur Produkteinführung.

Das gleiche Prinzip lässt sich auf die Netzwerkautomatisierung übertragen, indem bestehende Integrationen genutzt werden. Dazu sollten Unternehmen eine Kultur des Austauschs und der Wiederverwendung in allen operativen Bereichen etablieren sowie bei Bedarf durch Standardisierung unterstützen.

Triebfeder für Innovationen

Anstatt Innovationen zu behindern, wie manche zunächst glauben, kann die Standardisierung also ein Katalysator für Innovationen sein. Durch die damit geförderte gemeinsame Nutzung von Software und Systemen in allen operativen Bereichen bündeln Unternehmen Fachkräfte und Erfahrungen, wodurch sich neue Anforderungen schneller erfüllen lassen. Sie bauen einen Pool von Experten in ihrer Organisation auf, der Input, Ideen und die Implementierung neuer Funktionen liefern kann – ohne neue Fachkräfte langwierig suchen und einbinden zu müssen.

Die Standardisierung beschleunigt auch die Umsetzung. Dies liegt vor allem an der Bekanntheit der Lösungen. Je länger Fachkräfte mit derselben Sprache sowie denselben Bibliotheken und Tools arbeiten, desto produktiver werden sie. Das führt auch zu höherer Effizienz und damit zu mehr Zeit für die Entwicklung neuer Funktionen und der Schaffung von Mehrwert.

Standardisierung als Chance

Zunächst kann Standardisierung Enttäuschungen und Widerstand bei Mitarbeitern auslösen, insbesondere wenn deren Lieblingssprache oder Toolset aus dem verfügbaren Angebot entfernt wird. Dennoch kann sie für Unternehmen zahlreiche Vorteile bringen, wenn damit eine starke Basis für Automatisierungssysteme und Software aufgebaut wird. Darüber hinaus bietet eine Netzwerk-Automatisierung neue Synergie-Möglichkeiten, um den Mehrwert über die gesamte Continuous Deployment Toolchain hinweg zu steigern.

Dennoch sollte Standardisierung kein Selbstzweck sein. Unternehmen sollten im ersten Schritt die vorhandenen internen Fähigkeiten sowie die Verfügbarkeit von externen Fachkräften vor Ort ermitteln. Dazu bietet sich ein Überblick über die Lehrpläne von Universitäten sowie die Prozesse anderer Unternehmen an, um den aktuellen Stand der Automatisierung sowie der Fähigkeiten und Fachkräfte zu analysieren. Damit lässt sich vermeiden, dass ein Unternehmen alleine eine bestimmte Sprache oder ein bestimmtes Tool verwendet und zum Beispiel nicht von Open-Source-Lösungen profitieren kann.

Um langfristig optimale Ergebnisse zu erzielen, dürfen Unternehmen Standardisierung nicht als nachgeschaltetes Thema behandeln und sich erst dann darum kümmern, wenn sie eine Implementierung bereits abgeschlossen haben. Sie ist frühzeitig in die Automatisierungsprojekte zu integrieren, um spätere Nachteile bei Betrieb oder Architektur zu vermeiden. Zudem lassen sich dann teamübergreifend Lösungen entwickeln und einsetzen, damit DevOps und NetOps gegenseitig voneinander profitieren.

* Lori MacVittie ist Principal Threat Evangelist bei F5 Networks.

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