Auf seiner Sapphire 2026 hob SAP SE neuerlich das „Autonomous Enterprise“ aufs Podest. Um deren kritische Geschäftsprozesse zu optimieren, müssten Menschen und KI nahtlos zusammenarbeiten. Dafür wurde eine ganze Reihe von neuen Produkten vorgestellt, allen voran die neue Business AI Platform.
SAPs großes Kunden- und Partnerevent setzte auch in diesem Jahr das „Autonomous Enterprise“ auf die Agenda (hier ein Foto von der Sapphire 2025).
(Bild: SAP / Fischer)
Jedes Jahr schießt die SAP anlässlich ihrer zentralen Sapphire-Konferenz Salve um Salve an Produktnews und anderen Neuheiten ab – so geschehen auch dieses Jahr in Orlando, Florida. Die Keynotes standen, analog zu denen vieler anderer IT-Schwergewichte, ganz im Zeichen des „Agentic Enterprise“ – also der Weiterentwicklung von reiner KI hin zu autonomen Business-Agenten.
SAPs CEO Christian Klein: Mit dem „Autonomous Enterprise“ verwirkliche SAP eine alte Vision.
(Bild: Dietmar Müller)
SAP-CEO Christian Klein bekundete in seiner Eröffnungs-Keynote, dass er, genau wie alle Besucher der Sapphire, die künstliche Intelligenz (KI) selbst nutzt, sowohl beruflich als auch privat. Während es im privaten Umgang ausreiche, zu 80 Prozent akkurate Ergebnisse zu erzielen – ein KI-generiertes Einhorn dürfe dann auch mal zwei Hörner haben –, müssten die Aussagen der KI zu Business-Themen jedoch präzise sein. Im Zweifelsfall drohten Wettbewerbsnachteile bis hin zur Insolvenz: „Für die geschäftskritischen Prozesse unserer Kunden ist 'fast richtig' einfach nicht gut genug“, so Klein.
Ein großes Problem sei, so der deutsche CEO weiter, dass Large Language Models (LLMs) in der Regel nicht mit Business-Zahlen trainiert wurden – was aber unbedingt notwendig wäre, wollte man beispielsweise zutreffende Prognosen von der KI erhalten. Aus diesem Grund habe die SAP ihr gesamtes KI-Portfolio business-optimiert. Was nahe liege: Als Experte für ERP sitze man in der zentralen Position, von der aus der Zugriff auf benötigte Daten – der berühmte „Kontext“, der sowohl von der SAP als auch von vielen anderen IT-Firmen derzeit bemüht wird – ein Leichtes sei.
Einführung der Business AI Platform
Wie aber fließt das Wissen in die KI ein? Klein nennt dafür die KI-Engine Joule als bevorzugte Waffe, um LLMs mit Geschäftszahlen in Verbindung zu bringen. Zum Glück verfüge man in Walldorf über rund 50 Jahre Business-Erfahrung – und diese habe dabei geholfen, die SAP Business AI Platform als das neue Fundament für den Aufbau und Einsatz von Unternehmens-KI zu entwickeln. Sie vereint die SAP Business Technology Platform, die SAP Business Data Cloud und SAPs Business AI in einer kontrollierten Umgebung.
„Wir haben die SAP Business AI Platform nicht nur selbst gebaut, sondern auch selbst bei uns angewendet, um unser Produktportfolio in eine wirklich autonome Suite umzubauen“, berichtete Head of Product & Engineering Muhammad Alam in seiner Keynote. Das Herzstück bilde der SAP Knowledge Graph, der KI-Agenten eine strukturierte Karte aller Geschäftseinheiten, Prozesse und Beziehungen über die gesamte SAP-Landschaft eines Kunden hinweg biete. Als Datengrundlage für die KI sorge er dafür, dass KI-Anwendungen, allen voran Joule, nicht halluzinierten. Die Abfragen können in natürlicher Sprache erfolgen.
Zudem könnten via MCP-Server und APIs auch Anwendungen und Datenquellen Dritter angesteuert werden: „Unser KI-Layer ist agnostisch aufgestellt“, erklärte Klein. Zur „Agnostik“ trage in diesem Fall bei, dass die Anfang des Jahres vorgestellte SAP-Lösung zum Erstellen von KI-Agenten, Joule Studio, in den Business-Layer der SAP integriert sei. Chief Technology Officer (CTO) Dr. Philipp Herzig erläuterte anschließend auf der Bühne, dass Entwickler damit in der Sprache und dem Framework ihrer Wahl arbeiten können – von Python über Claude Code bis hin zu Cursor. Das Ergebnis lasse sich anschließend in einer verwalteten Laufzeitumgebung bereitstellen, ohne dass man sich um das Infrastrukturmanagement kümmern müsse. Joule Studio 2.0, das Herzig für den Juni ankündigte, könne alles noch einmal besser und u. a. KI-Tools von Dritten verwenden.
„Joule Studio ist unsere KI-Lösung für die Entwicklung von Unternehmensagenten und agentenbasierten Workflows“, so Herzig. „Entwickler können mit den No-Code-, Pro-Code- und KI-Frameworks ihrer Wahl auf einer von SAP verwalteten Infrastruktur arbeiten.“
Die Stunde schlägt für das Autonomous Enterprise
Wozu eigentlich all die Anstrengungen rund um die KI? Natürlich um bessere Business-Entscheidungen zu treffen, so CEO Klein in seiner weiteren Keynote, sowie um eine alte Vision der SAP zu verwirklichen: das Autonomous Enterprise. Auf der Sapphire 2024 hatte sie Klein erstmals präsentiert und erklärt, dass man ein System plane, das nicht nur Daten erfasst, sondern auch Prozesse eigenständig steuern könne. Zu diesem Zeitpunkt wurde das Konzept als das nächste große Ziel nach dem „Intelligent Enterprise“ positioniert.
Stand: 08.12.2025
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Dieses autonome Unternehmen bedinge eine einheitliche KI-Plattform zum Erstellen, Kontextualisieren und Steuern von Agenten sowie eine autonome Suite zur Ausführung zentraler Geschäftsprozesse, erläuterte Klein nun: „Durch die Vereinigung der SAP Business AI Platform mit der SAP Autonomous Suite verankern wir KI-Agenten direkt in den Geschäftsprozessen, Daten und der Governance. So liefern sie präzise, konforme und sichere Ergebnisse, erschließen neue Einnahmequellen und ermöglichen signifikante Kosteneinsparungen.“
Besagte Autonomous Suite definiert eine Sammlung von mehr als 50 domänenspezifischen Joule-Assistenten in den Bereichen Finanzen, Lieferkette, Beschaffung, Personalwesen (HCM) und Kundenbindung. Diese Assistenten wiederum automatisieren End-to-End-Prozesse, indem sie eine Gruppe von über 200 spezialisierten Agenten orchestrieren. Als Beispiel nannte Klein den neuen Autonomous Close Assistant, der den Prozess des Finanzabschlusses von Wochen auf Tage verkürzen könne. „Das ist das erste Mal, dass die primären Geschäftsanwendungen von SAP darauf ausgelegt sind, Prozesse selbst auszuführen“, so Klein. Bislang hätten sie vorrangig dazu gedient, lediglich die Ergebnisse menschlicher Arbeit aufzuzeichnen.
Eine Vielzahl an Weiterentwicklungen
Wie eingangs angesprochen, werden zur Sapphire stets viele Neuheiten und Updates präsentiert. Das Unternehmen enthüllte allen voran „Joule Work“, eine KI-Engine für SAP-Anwender. Das Besondere: Anstatt durch Anwendungen zu navigieren und Daten in verschiedenen Fenstern einzugeben, sollen Nutzer damit künftig direkt und ausschließlich mit Joule interagieren können. Eine Schlüsselfunktion von Joule Work sei die Vernetzung der Nutzer mit den Joule Assistants, die wie intelligente, nach Funktionen organisierte Teamkollegen agieren. Diese Assistenten nutzen den Kontext, um die Absichten der Menschen intuitiv zu erfassen, und handeln, indem sie die entsprechenden Joule Agents unternehmensweit koordinieren.
Nach Beschreibung eines gewünschten Geschäftsergebnisses koordinierten Joule Assistants Teams von Joule Agents. „Diese liefern wiederum die passenden Erkenntnisse und automatisieren Routineaufgaben über Geschäftsbereiche und Systeme hinweg, um das Ziel zu erreichen“, so Klein. Das führe die Vision der Assistenten fort, die SAP auf seinem Connect-Event angekündigt habe.
Bei Joule Work handelt es sich um einen cloudbasierten Web-Client, der durch Mobil- und Desktop-Apps ergänzt werde. „Der Web-Client unterstützt Nutzer bei der Erledigung von Aufgaben, die Interaktionen mit cloudbasierten Geschäftsanwendungen erfordern. Die Desktop-App läuft lokal und ermöglicht es Joule, lokale Dateien und Anwendungen zu nutzen. Sie kann Nutzer zudem dabei unterstützen, tägliche Aufgaben auf ihrem Rechner zu delegieren, wie etwa die Analyse von Daten und Dokumenten, die Themenrecherche in Dateien und E-Mails oder das Erstellen von Dokumententwürfen auf Basis von Quelldaten. Die mobile App ist eine Weiterentwicklung der ‚SAP Mobile Start‘-App und ermöglicht es Anwendern, komplexe Geschäftsabläufe auch von unterwegs aus zu steuern“, erläuterte der CEO.
Die mobile App von Joule Work ist ab sofort für Kunden im „SAP Early Adopter Care“-Programm verfügbar. Das Programm für die Joule Work Desktop-App ist für das zweite Quartal 2026 geplant, die allgemeine Verfügbarkeit in beiden Fällen für das zweite Halbjahr 2026.
Neu ist außerdem „Industry AI“, eine Sammlung von acht autonomen Lösungen, die komplette Industrieprozesse ausführen und branchenspezifische Logik, Datenmodelle und regulatorische Anforderungen einbetten können. Im Szenario „SAP Autonomous Asset Management“ analysieren KI-Agenten Daten aus tausenden vergangenen Vorfällen, um die wahrscheinliche Ursache zu identifizieren und Lösungen vorzuschlagen.
Beschleunigung der Customer Journey in Richtung Autonomie
eBook „SAP-Migrationen automatisieren“
(Bild: Vogel IT-Medien)
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Bei der Migration zu SAP S/4HANA stehen Unternehmen vor zentralen Fragen: Welche Strategie ist die richtige? Wie lassen sich Risiken minimieren? Und wie gelingt der Umstieg effizient? Das eBook „SAP-Migrationen automatisieren“ zeigt Wege für eine erfolgreiche SAP-Transformation.
Zur Sapphire 2026 hat die SAP auch ihre Angebote „Rise with SAP“ und SAP „Grow“ aktualisiert. Jeder Rise-Kunde erhält innerhalb des ersten Jahres drei aktivierte Joule-Assistenten, während Grow-Kunden bereits beim Onboarding Zugriff auf das gesamte Portfolio an Assistenten erhalten. Schließlich präsentierte SAP Werkzeuge für die agentengestützte Transformation, die den Aufwand für ERP-Migrationen um etwa 35 Prozent reduzieren sollen.
Insgesamt zeigten in Orlando über 200 Aussteller und Partner ihre neuesten Projekte, nicht zuletzt Implementierungen des KI-Assistenten Joule. Parallel zur Sapphire fand die Konferenz der US-Anwendergruppe (ASUG) statt, die Einblicke in Anwenderberichte und Best Practices bot.