Stellen Sie sich eine Welt vor, in der Unternehmen durch den Einsatz von cloudbasierter künstlicher Intelligenz präzisere Vorhersagen treffen und effizienter arbeiten können. Trotz dieser verheißungsvollen Aussicht zögern viele Unternehmen, diesen Schritt zu gehen.
Wie können Unternehmen das volle Potenzial der Cloud-KI entfesseln?
(Bild: A. Solano - stock.adobe.com)
Warum ist die Cloud aber entscheidend für die Nutzung skalierbarer KI-Anwendungen? Viele Finanzdienstleister und Telekommunikationsunternehmen suchen nach Möglichkeiten, um beispielsweise die Genauigkeit ihrer Kreditrisiko- und Betrugsmodelle durch den Einsatz von KI zu verbessern. Dabei spielt die Cloud eine wesentliche Rolle.
Der Effizienzgewinn durch KI basiert auf der schnellen und sicheren Verknüpfung von Daten aus diversen Quellen. Cloud-Technologie erleichtert das Verbinden von Datenströmen und ermöglicht es verschiedenen internen Teams, sicher mit Informationen aus unterschiedlichen Systemen zu arbeiten. Über die Cloud lässt sich zudem die notwendige Rechenleistung verfügbar machen, um die umfangreichen Datenmengen, die für KI und Maschinelles Lernen (ML) erforderlich sind, effizient zu verarbeiten und zu verwalten. Sie bietet die notwendige Flexibilität und Skalierbarkeit, um genau die Softwarefähigkeiten zu entwickeln, bereitzustellen und zu betreiben, die letztendlich die Integration von KI in den Kreditentscheidungsprozess ermöglichen.
Das KI-Potenzial mit der Cloud erschließen
Laut einer im Herbst 2023 von Experian gemeinsam mit Forrester durchgeführten Umfrage unter fast 900 internationalen Führungskräften aus dem Finanzdienstleistungs- und Telekommunikationssektor setzen 79 Prozent der Entscheidungsträger aus der EMEA und APAC-Region Investitionen in Software-as-a-Service (SaaS) und Cloud-Technologie als oberste Priorität – der Anteil der in Deutschland befragten Entscheider, für die Cloud oberste Priorität ist, liegt gleich hoch (79 %).
Angesichts der Vorteile der Cloud, wie verbesserte Sicherheit, schnellere Verarbeitungsgeschwindigkeit, geringere Wartungskosten und elastische Flexibilität, ist dies kaum überraschend. Zwar sind diese Vorteile allgemein anerkannt, aber es gibt doch auch einige Herausforderungen bei der Cloud-Einführung im Bereich KI und Kreditrisikomanagement. Die sich daraus ergebenen Hürden lassen einige Unternehmen zögern, vom Cloud-Einsatz auch in diesem Geschäftsbereich zu profitieren – diese Bedenken lassen sich bei genauerer Betrachtung aber überwinden.
Wer die Cloud schon nutzt
Unsere Forschung zeigt, dass die Cloud-Einführung international bereits gut etabliert ist: Die befragten Führungskräfte geben an, dass 71 Prozent externe Cloud-Anbieter für ihre Kreditrisikosoftware nutzen (in Deutschland: 72 %), 69 Prozent nutzen sie für Identitäts- und Betrugsrisikomanagement (in Deutschland: 65 %) und 70 Prozenten setzen die Cloud für Analytics Plattformen ein (in Deutschland: 66 %).
Die Grafik (siehe Abb.) veranschaulicht die Cloud-Nutzung in verschiedenen Ländern, darunter Deutschland. Es zeigt sich, dass, obwohl Unterschiede bestehen, die meisten Länder nur geringfügig vom Durchschnitt abweichen. Laut unserer Untersuchung verzeichnet Indien die höchste und Italien die niedrigste Einführungsrate bei der Cloud-Technologie. Beide Länder liegen damit mehr als zehn Prozent über beziehungsweise unter dem Durchschnitt.
Analytics-Prozesse – ohne Cloud
Der Trend ist eindeutig: Der Übergang zur Cloud scheint unvermeidlich zu sein. Trotzdem hat aber in den meisten untersuchten Ländern etwa ein Viertel der Unternehmen den Schritt in die Cloud in diesem Geschäftsbereich noch nicht gewagt. Wo liegen die Gründe? Natürlich variiert die Einführung der Cloud je nach Unternehmenssegment, Größe und Reifegrad. Die traditionelle Auffassung ist, dass FinTechs z. B. weit besser in der Lage sind, cloudbasierte Dienste breiter und schneller zu nutzen, während größere Banken zuerst die Herausforderungen bei der Migration von Altsystemen und der Entkopplung komplexer Infrastrukturen überwinden müssen.
Vor diesem Hintergrund ist es daher sehr interessant, dass die von den in unserer Untersuchung befragten Entscheidern angeführten Hauptgründe, warum ihre Unternehmen die Cloud (noch) nicht eingeführt haben, relativ einheitlich über das gesamte Spektrum der Unternehmensgrößen hinweg verteilt sind. Wir haben uns die fünf Hürden, die Entscheider im Rahmen der Untersuchung genannt haben, einmal näher angesehen.
1. Regulatorische Bedenken
Viele Unternehmen sehen demnach den Sicherheitsaspekt als einen limitierenden Faktor beim Cloud-Einsatz für Kreditrisikobewertungen: So sind 47 Prozent (siehe Abb.) der von uns befragten internationalen Führungskräfte der Auffassung, cloudbasierte Dienste seien nicht sicher genug sind, um allen regulatorischen Anforderungen zu entsprechen. Angesichts der in vielen Geschäftsbereichen insgesamt jedoch weit verbreiteten Nutzung der Cloud, spiegelt diese Auffassung anscheinend eine subjektive Einstellung wider bzw. lässt sich auf ein sehr spezifisches Geschäftsrisiko in den betreffenden Unternehmen zurückführen.
Stand: 08.12.2025
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Allerdings ist Cloud-Technologie heute bereits ein integraler Bestandteil des Risikomanagements in der Unternehmens-IT, ähnlich wie andere Technologien. Und neben allgemeinen Datenschutzbestimmungen wie der DSGVO existieren daher gut etablierte regulatorische Richtlinien für die Nutzung der Cloud auch für das Risikomanagement, insbesondere im Finanzdienstleistungssektor, einschließlich der EBA-Richtlinien zu Auslagerungsvereinbarungen. Das Verständnis dieser Richtlinien ist daher ein wichtiger Schritt, um mögliche Bedenken bezüglich der Einhaltung regulatorischer Anforderungen zu adressieren. Seriöse Cloud-Dienste sind heutzutage so konzipiert, dass sie den regulatorischen Anforderungen gerecht werden. Dies umfasst Drittanbieter-Validierungen sowie kontinuierliche Aktualisierungen, um die Einhaltung dieser Vorschriften sicherzustellen. Dadurch verringert sich der Aufwand, der notwendig ist, um die regulatorische Konformität kontinuierlich aufrechtzuerhalten, da die Cloud-Anbieter ihre Dienste bei Bedarf anpassen.
Cloud-Anbieter erweitern zunehmend ihre Dienste, um lokale Einrichtungen anzubieten und um Bedenken bezüglich der Speicherung und Übertragung sensibler Daten über territoriale Grenzen hinweg auszuräumen. So hat Amazon Web Services (AWS) z. B. die Einführung einer europäischen souveränen Cloud bekanntgegeben. Diese unabhängige Cloud-Infrastruktur befindet sich innerhalb der EU und wird auch dort betrieben – das Problem der Datenresidenz ist dadurch gelöst.
Ein weiteres regulatorisches Hindernis, das in jüngerer Zeit stärker in den Fokus gerückt ist, betrifft Vor-Ort-Audits und -Inspektionen. Aber auch hier haben einige Cloud-Anbieter erkannt, dass solche Prüfungen in einigen Rechtsgebieten unumgänglich sind und bieten nun berechtigten Kunden die Möglichkeit, über spezielle Audit-Programme Vor-Ort-Inspektionen ihrer Einrichtungen durchzuführen.
2. Kontrollniveau
Ein anderer Grund, den ebenfalls 47 Prozent der befragten Entscheider erwähnen, sind Bedenken im Hinblick auf das Kontrollniveau beim Einsatz cloudbasierter Dienste. Auch diese Sorge lässt sich aber durch das Verstehen des Modells der geteilten Verantwortung in der Cloud entschärfen. Entscheidend hierfür ist allerdings eine informierte Entscheidung darüber, welche Clouddienste genutzt werden sollen. Im geteilten Verantwortlichkeitsmodell der Cloud werden Kontrolle und Verantwortung kombiniert.
So können sich Unternehmen, die eine umfassende Kontrolle anstreben, für ein Infrastructure-as-a-Service-(IaaS)-Modell entscheiden, das es ihnen ermöglicht, sowohl die Nutzung von Rechenressourcen als das Betriebssystem selbst zu steuern. Dies erfordert allerdings auch, dass Unternehmen hierbei die Verantwortung für das Management dieser Ressourcen sowie der darauf laufenden Software voll übernehmen.
Dagegen reduziert die Wahl eines Software-as-a-Service (SaaS)-Modells zwar die Kontrolle über die eingesetzte Rechenressourcen, überträgt jedoch auch die betriebliche Verantwortung dafür auf den Cloud-Anbieter. Unternehmen müssen sich also intensiv mit dem geteilten Verantwortungsmodell auseinandersetzen und die jeweiligen Bedingungen verstehen, um eine für sie passende Kosten-Nutzen-Abwägung durchzuführen und so ein Service-Modell auszuwählen, das ihren Bedürfnissen am besten entspricht.
3. Interne Infrastruktur-Policy
Hürde Nummer drei stellt für 44 Prozent der befragten Führungskräfte eine organisatorische Policy dar, die vorsieht, dass jede Software auf interner Infrastruktur betrieben werden muss. Obwohl es möglicherweise weitere Gründe für diese Entscheidung gibt, auf die wir hier an dieser Stelle nicht weiter eingehen können, spielt hier wahrscheinlich ein weiterer Grund eine Rolle: Einige Unternehmen verstehen vielleicht nicht vollständig die Vorteile und weitreichenden Auswirkungen, die die Einführung cloudbasierter Dienste für ihr Unternehmen haben könnte.
Denn neben der kosteneffizienten Skalierbarkeit und der Möglichkeit, bedarfsgerecht zu skalieren, können Unternehmen mit der Cloud Datensilos aufbrechen und so die Präzision ihrer Entscheidungsfindung verbessern. Da das digitale Kundenerlebnis zu einem zunehmend entscheidenden Wettbewerbsvorteil wird, besteht die Gefahr, dass Unternehmen, die den Wechsel zur Cloud im Kreditrisikoumfeld hinauszögern, auf lange Sicht ins Hintertreffen geraten. Schon heute sind Wettbewerber, die die Vorteile von Cloud und KI konsequent nutzen, in der Lage, ihr Kundenerlebnis signifikant zu verbessern.
4. Bedenken beim Übergang von On-Premises zu Cloud
Die vierte Hürde, die von 42 Prozent der befragten Entscheider in unserer Untersuchung genannt wird, betrifft Bedenken im Hinblick auf Ansatz und Zeitrahmen für den Übergang von On-Premises-Diensten zu cloudbasierten Anwendungen. Und natürlich erfolgen Veränderungen dieser Größenordnung nicht über Nacht, sondern erfordern eine sorgfältige Planung und eine schrittweise Umsetzung.
Allerdings ist der Übergang zur Cloud in letzter Zeit erheblich einfacher geworden – besonders, wenn Unternehmen hierfür mit erfahrenen Partnern zusammenarbeiten. Der große langfristige Nutzen, den sich Unternehmen durch die Cloud erschließen, macht den Übergang aber wohl eher zu einer Frage des „Wann“ und nicht des „Ob“. Sind sich Unternehmen dessen bewusst, lassen sich in der Regel auch die notwendigen Ressourcen für einen solchen Wechsel mobilisieren.
5. Sicherheitsbedenken
Der fünfte Grund, der von 40 Prozent in der Untersuchung befragten Führungskräfte ins Feld geführt wurde, warum sich die Einführung der Cloud bei ihren Unternehmen verzögert, berührt wieder das Thema Sicherheit. Sie sind der Ansicht, dass cloudbasierte Dienste noch nicht sicher genug sind, um den internen Sicherheitsrichtlinien in ihren Unternehmen voll zu genügen.
Diese Ansicht könnte früher durchaus berechtigt gewesen sein, ist aber überholt: Denn die heute von Cloud-Anbietern gebotene physische sowie digitale Sicherheit spielt sich längst auf einem anderen Niveau ab. Unternehmen können mittlerweile so schnell und so kostengünstig wie nie zuvor auf modernste Sicherheitsfunktionen ihrer Cloud-Anbieter zugreifen.
Gegen die Cloud spricht – nichts mehr
Viele Unternehmen, die mit Kreditrisiken umgehen, haben aufgrund der fortschrittlichen und vielfach sogar branchenspezifischen Sicherheitsfunktionen, die Cloud-Anbieter ihnen heute anbieten, den Umstieg von privaten zu öffentlichen Clouds vollzogen. Dabei verlassen sie sich auf höchste Standards der Datenverschlüsselung mit mehreren Schutzschichten. Sie haben heute zudem die Wahl, wenn sie externe Cloud-Anbieter für ihr Kreditrisikomanagement nutzen: Sie können die Verwaltung ihrer Sicherheitsschlüssel selbst übernehmen oder diese auf Wunsch einem spezialisierten Drittanbieter überlassen.
Viele Bedenken, die Entscheider heute noch gegen den Cloud-Einsatz in diesem sensiblen Geschäftsfeld anführen, lassen sich deutlich abmildern – vor allem auch im Hinblick auch den großen Nutzen des Cloud-Einsatzes. Der Grund ist einfach: Cloud- Anbieter werden von ihren Kunden nämlich genau daran gemessen, wie hoch das Datenschutz- und Datensicherheitsniveau ist, dass sie standardmäßig anbieten. Dadurch können sich auch Unternehmen aus datensensiblen Geschäftsfeldern mit Sicherheit auf die Cloud einlassen.
* Der Autor Jochen Werne ist CEO von Experian DACH. Er wurde im Tyto PR-Ranking 2020 als einer der 50 einflussreichsten Deutschen ausgezeichnet. Als Mitglied des Chatham House und ehemaliger Navigator der Deutschen Marine ist er ein leidenschaftlicher Verfechter der internationalen Diplomatie und hat mehrere NGOs gegründet. Seine Bemühungen wurden von internationalen Top-Publikationen gewürdigt und brachten ihm Auszeichnungen für die Förderung des globalen Verständnisses und des Umweltbewusstseins ein.