Mit Containern das Konfliktpotenzial zwischen Entwicklung und Betrieb verringern

Multi-Cloud als Chance für eine DevOps-Kultur

| Autor / Redakteur: Norman Merten* / Elke Witmer-Goßner

Container ebnen den Weg zu DevOps und damit funktionierenden Multi-Cloud-Umgebungen.
Container ebnen den Weg zu DevOps und damit funktionierenden Multi-Cloud-Umgebungen. (Bild: © Asha Sreenivas - stock.adobe.com)

Immer mehr Unternehmen führen Multi-Cloud-Strukturen ein. Die perfekte Gelegenheit für sie, zusätzlich DevOps in die eigenen Prozesse zu integrieren – und so zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Denn DevOps und Multi Cloud ergänzen sich optimal. Nur gehen Unternehmen – meist sogar Traditionsfirmen – oft falsch an die Sache heran und scheitern mit beiden Projekten.

Die Tendenz ist eindeutig: Immer mehr Firmen nutzen Multi-Cloud-Strukturen. 85 Prozent der deutschen Mittelständler setzen sich laut Crisp Research intensiv mit der Cloud auseinander, knapp zwei Drittel (65 Prozent) setzen dabei auf Hybrid- oder Multi-Cloud-Architekturen. Damit schaffen immer mehr Unternehmen ganz nebenbei beste Voraussetzungen, um darüber hinaus eine DevOps-Kultur zu etablieren – also Prozesse, bei denen Entwicklung und Betrieb eng zusammen statt wie bisher strikt getrennt voneinander arbeiten. Denn DevOps und die Multi-Cloud harmonieren optimal.

Container als Schlüssel zu DevOps und Multi-Cloud

Doch warum ist das überhaupt so? Weil die Multi-Cloud die Möglichkeit bietet, die übergreifende Zusammenarbeit zu verbessern oder zumindest das Konfliktpotenzial zwischen Entwicklung und Betrieb zu verringern. Bestes Beispiel dafür sind Container: Unternehmen holen dann am meisten aus der IT-Infrastruktur heraus, wenn sie sich unabhängig von Anbietern machen und eine Multi-Cloud-Struktur mit übergreifenden Container-Clustern betreiben.

Was das mit DevOps zu tun hat? Zum Beispiel lösen Container den klassischen Konflikt zwischen Entwicklung und Betrieb, dem Kernanliegen von DevOps. Entwickler haben innerhalb von Containern alle Freiheitsgrade und können dennoch sicher sein, dass ihre Anwendungen oder Microservices überall dort funktionieren werden, wo es geeignete Schnittstellen gibt. Es besteht also nahezu keine Gefahr mehr, dass eine Anwendung oder ein Dienst plötzlich nicht mehr läuft, nachdem das fertigentwickelte und getestete Ergebnis an Operations übergeben und in den Live-Betrieb überführt wurde.

Darüber hinaus entspricht das einfache Ausrollen von Updates mit Containern ebenfalls der DevOps-Kultur. Schließlich besteht ein Grundprinzip von DevOps in der agilen, kontinuierlichen und automatisierten Bereitstellung von Code. Die Software, die Entwickler ausrollen, wird laufend und in kurzer Folge erweitert und verbessert – so gesehen also mit Updates versorgt. Das funktioniert mit Containern vergleichsweise schnell, einfach und meist auch, ohne dass komplette Anwendungen heruntergefahren werden müssten. „Wenn eine App in mehrere Microservices geteilt wird, jeder in einem separaten Container gehostet, kann ein Teil der App aktualisiert werden, indem der Container neu gestartet wird, ohne den Rest der App zu unterbrechen“, beschreibt es beispielsweise containerjournal.com.

Besseres Verständnis entwickeln

Besonders Traditionsunternehmen, die bereits seit Jahrzehnten am Markt sind, scheitern jedoch nicht selten bei dem Versuch, DevOps zu etablieren. Ein Grund dafür ist erfahrungsgemäß, dass DevOps in erster Linie eine Frage der Kultur ist, die sich nicht aufzwingen lässt. Denn eine bestehende Kultur in einem Traditionsunternehmen zu verändern, ist deutlich schwieriger, als sie – wie etwa in einem Start-up – einfach neu aufzubauen.

Wer die komplette Arbeitsweise der Software-Entwicklung im eigenen Unternehmen beeinflussen möchte, muss alle (IT-)Mitarbeiter überzeugen. Daher ist es wichtig, die Vorteile der DevOps-Herangehensweise klar und nachvollziehbar zu vermitteln. Dabei mag das folgende Gleichnis helfen: Wer multiple Cloud-Angebote für die Entwicklung von Software nutzt und dabei auf klassische Methoden wie das Wasserfallmodell setzt, handelt wie jemand, der einen Lamborghini kauft und anschließend einen Smart-Motor einbaut. So beschreibt jedenfalls das US-amerikanische Developer-Magazin Infoworld.com den Versuch, Software in der Multi-Cloud nach traditionellen Ansätzen zu entwickeln: „Die Cloud ist tatsächlich wie ein Motor. Wenn man DevOps nicht ebenfalls nutzt, wird mindestens ein Zylinder nicht zünden, vermutlich sogar gleich mehrere. Und wenn man DevOps ohne Cloud nutzt, ist das Ergebnis ebenso schlecht. Cloud und DevOps haben eine symbiotische Beziehung.“

Darüber hinaus erhalten Entwickler hochwertigeren Code, wenn sie ihn über verschiedene Cloud-Strukturen hinweg ausrollen. Weil jeder Cloud-Provider eigene Metriken hat, nach denen er die Qualität von Code beurteilt, werden Anwendungen und Microservices nicht nur nach den unternehmenseigenen Qualitätsstandards geprüft, sondern in einer Multi-Cloud-Umgebung auch gleich von mehreren Providern. Code, der sowohl den Qualitätsansprüchen des eigenen Unternehmens als auch denen mehrerer Cloud-Plattformen entspricht, kann also demnach als sicherer, stabiler und insgesamt hochwertiger angesehen werden.

So etablieren Traditionsunternehmen DevOps

Vorzüge, die in der Theorie jedem schnell einleuchten. Argumente alleine, die die Wirksamkeit einer DevOps-Kultur in Unternehmen auf dem Papier darlegen, genügen jedoch in der Regel nicht, um einen nachhaltigen Wandel anzustoßen. Wenn sich Mitarbeiter nicht von technischen Vorzügen überzeugen lassen, ihre Arbeitsweise im Sinne der DevOps-Kultur anzupassen, haben Unternehmen darüber hinaus folgende Möglichkeiten:
1. Container zum Standard machen: Container beseitigen eine der größten Hürden zwischen Entwicklung und Betrieb und ebnen DevOps darum den Weg. Die Technologie ist nicht neu, entfaltet jedoch durch die Möglichkeiten, die Cloud Computing mittlerweile bietet, erst jetzt ihr volles Potenzial. Die Haupthürde, warum noch nicht die Mehrheit aller Unternehmen Container nutzt, ist schlicht fehlende Kompetenz. Daher gilt es, Mitarbeiter entsprechend zu qualifizieren, damit sie das nötige Handwerkszeug erwerben und damit auch gleich eine der wichtigsten Grundvoraussetzungen für DevOps und die Multi-Cloud.
2. Wände einreißen: Wer DevOps will, muss Barrieren auflösen – physische wie elektronische. Indem Unternehmen beispielsweise Datensilos abschaffen, auf die nur ein bestimmter Mitarbeiterkreis zugreifen kann. Oder Wände einreißen: Wo früher Entwicklung und IT-Betrieb räumlich getrennt voneinander arbeiteten, kann es heute im Sinne einer DevOps-Kultur sinnvoll sein, auch diese Mauern einzureißen, um die Kommunikation zu fördern.
3. Hilfe holen: Niemand muss den Wandel alleine stemmen. Ein Vermittler kann helfen: ein Mediator, der dabei unterstützt, die neue DevOps-Kultur nachhaltig im Unternehmen voranzutreiben und die einst getrennten Lager Dev und Ops zu verbinden. Zum Beispiel ein Experte eines Digitalisierers wie der QSC AG, die sich sowohl mit komplexen Multi-Cloud-Strukturen als auch mit der DevOps-Kultur bestens auskennt.
4. Veränderung dokumentieren: Ein wesentlicher Bestandteil der DevOps-Kultur besteht in der Erfolgsmessung. Dabei geht es nicht darum, den Einzelnen bloßzustellen. Sondern um Transparenz: Nur, wenn sich alle im Klaren darüber sind, wo sie geradestehen, können sie auf sich verändernde Umstände entsprechend reagieren und handeln. Messen um zu verändern, lautet die Devise.
5. Fehlerkultur prüfen: Die Erfahrung zeigt: Immer nur alles richtig machen zu wollen, erweist sich in IT-Projekten oft als kontraproduktiv. Weil dadurch jeder an den Pranger gestellt wird, der Fehler begeht. Am Ende werden Pannen vertuscht – anstatt daraus zu lernen. Weiterentwickeln, optimieren und verbessern sind die essentiellen Bestandteile einer erfolgreichen DevOps-Kultur.

Norman Merten, QSC AG.
Norman Merten, QSC AG. (Bild: QSC AG)

Langfristig kommen Unternehmen vermutlich ohnehin nicht umhin, multiple Cloud-Umgebungen zu nutzen. Eine gute Nachricht, denn wenn der Veränderungsprozess in der IT einmal im Gange ist, können Unternehmen die Gelegenheit ergreifen, die eigenen Mitarbeiter zusätzlich von den Vorzügen einer DevOps-Kultur zu überzeugen. Wenn Firmen diese Chance nutzen, können sie gleich doppelt profitieren: von dem jeweils besten Cloud-Angebot für ihren Einsatzzweck und einer modernen Arbeitsweise, die zu mehr Agilität, Geschwindigkeit und Effizienz in der Software-Entwicklung führt.

* Der Autor Norman Merten ist Innovation Architect bei der QSC AG.

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