Verbesserte Geschäftsprozesse und Wertschöpfungsketten ERP-Modernisierung ist die Chance zur Digitalisierung

Ein Gastbeitrag von Fred Cuny* 3 min Lesedauer

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Für viele Unternehmen steht die Ablösung ihrer ERP-Landschaft an. Wer dies nicht als Horrorszenario, sondern als Modernisierungsschub begreift, nutzt die Chance, neben der stabilen ERP-IT eine agile Plattform-IT aufzubauen und seine wertschöpfenden Geschäftsprozesse umfassend zu modernisieren.

Low-Code-Plattformen erleichtern die Anpassung der Software-Landschaft und eine Modernisierung der Geschäftsprozesse im Zuge einer ERP-Modernisierung.(Bild:  deagreez - stock.adobe.com)
Low-Code-Plattformen erleichtern die Anpassung der Software-Landschaft und eine Modernisierung der Geschäftsprozesse im Zuge einer ERP-Modernisierung.
(Bild: deagreez - stock.adobe.com)

ERP-Systeme sind so etwas wie das digitale Rückgrat eines Unternehmens. Hier laufen – im Idealfall – alle Informationen aus der Peripherie zusammen. Gleichzeitig wird die Peripherie mit abgestimmten Informationen und Anweisungen aus der Zentrale versorgt. Es geht also um nicht weniger als das IT-Herzstück mittelständischer Unternehmen und erst recht von Großkonzernen. ERP ist dort häufig die unternehmenskritischste Anwendung: Ohne ERP-Unterstützung läuft kein Fließband, werden weder Gehälter noch Rechnungen bezahlt und liefert kein Großhändler.

New ERP: „Cloud first“ und Big-Data-fähig

Was das angekündigte Wartungsende einer millionenfach eingesetzten ERP-Lösung auslösen kann, zeigt aktuell die SAP Business Suite 7. Ursprünglich für Ende 2025 angekündigt, wurde die Frist jetzt auf Ende 2027 angesetzt, optional ist sogar eine Verlängerung bis 2030 möglich. ERP-Spezialisten denken offensichtlich in längeren Zeiträumen als das für die IT sonst üblich ist.

Andererseits hat die Umstellung eines ERP-Systems weitreichende Konsequenzen. Sie betreffen auf technischer Ebene die Modernisierung weiter Teile der IT-Landschaft, in die es eingebettet ist. Auf der Prozessebene ist ERP quasi das Betriebssystem für das Geschäftsmodell eines Unternehmens. Und dieses muss mit der Umstellung neu erfunden – oder zumindest grundlegend angepasst – und modernisiert werden.

Sofern ein Unternehmen die Maintenance-Abkündigung nicht für einen Systemwechsel nutzen möchte, bedeutet sie den Umstieg auf SAP S/4HANA. Die neue Lösung bringt zwei große Veränderungen mit sich:

Erstens ist sie auf „Cloud first“ ausgerichtet und damit weitaus flexibler in der Bereitstellung, aber andererseits mehr auf Standardprozesse ausgelegt. Manche Funktionalitäten oder Standardapplikationen wandern sogar ersatzlos in die Cloud. Industrien und insbesondere Behörden, die Wettbewerbs-Informationen, Personal- oder Bürgerdaten nicht in die Cloud verlegen wollen, müssen sich Alternativen suchen.

Zweitens verfügt sie mit S/4HANA nun über eine In-Memory-Datenbank. Diese arbeitet zwar nach wie vor wie eine relationale Datenbank mit der klassischen Zeilen- und Spalten-Matrix, die Daten werden jedoch nicht mehr auf Storage-Systemen, sondern im Arbeitsspeicher (Memory) vorgehalten. Daraus resultiert der größte Vorteil einer In-Memory-Datenbank: die schnellere Verfügbarkeit von größeren Datenmengen, die mittelfristig den Einsatz von KI ermöglicht. Prozesse und Datensichten werden aber damit immer standardisierter, um die stabile IT effizient zu machen. Darunter leiden jedoch die Fachbereiche, die nach der stabilen IT eine agile IT wünschen, wo Anforderungen schnell in digitale Lösungen umgesetzt werden können.

Low-Code-Plattformen für die letzte Meile

Diese technischen Veränderungen eröffnen neue Möglichkeiten zur Prozessoptimierung und -modernisierung. Im Wettbewerbsumfeld könnte man auch von einem neuen Druck zur Modernisierung der Betriebsprozesse sprechen. Dies betrifft alle Unternehmensbereiche von Produktion und Logistik über Vertrieb und Marketing bis hin zu Personalwesen und Finanzen. Die schnellere Verfügbarkeit von Daten ermöglicht und erfordert die Modernisierung der Applikationen, die diese Prozesse unterstützen.

Anders gesagt: Die Anpassung der Geschäftsarchitektur erfordert eine Anpassung der Software-Landschaft. Die aber kann nicht mehr ausschließlich in der IT-Abteilung erfolgen, die in Sachen ERP meist schon mit der Infrastruktur- und Plattform-Modernisierung mehr als ausgelastet ist.

Low-Code-Plattformen verlagern die Entwicklung von Anwendungen dorthin, wo sie am dringendsten benötigt werden: in die Fachbereiche und von sogenannten „Citizen Developers“. Die spezifische Expertise kann so direkt in die Anwendungen einfließen und sie sind schneller einsatzbereit. Notwendige Änderungen oder Anpassungen werden mit drastisch reduziertem Zeitversatz direkt vor Ort vorgenommen. Das ist vor allem an der Schnittstelle zu Kunden, Partnern, Bewerbern oder Dienstleistern (der berühmten „letzten Meile“) wertschöpfend.

Mit einer Low-Code-Plattform lässt sich beispielsweise das Onboarding von Lieferanten, Mitarbeitern oder Klienten komplett digital abbilden, und zwar maßgeschneidert, multimandanten- und multikanalfähig, egal ob es sich um ein Produktions- oder ein Telekommunikationsunternehmen handelt. Damit werden die Nutzer ins Zentrum gesetzt, und mehrere IT-Prozess-Silos überbrückt.

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In der anstehenden ERP-Umstellung liegt also Druck und Chance zugleich, die Geschäftsprozesse und die Wertschöpfungsketten zu optimieren, entsprechende Applikationen selbst zu entwickeln und dafür die richtigen Methoden, Werkzeuge und Plattformen einzusetzen. Early Adopter haben dabei in der Regel die besten Karten.


* Fred Cuny ist Senior Director Solutions Consulting und CTO von Pegasystems in der DACH-Region. Mit seinem Team gestaltet er zukunftsfähige Lösungen für Automatisierung, Customer Service und Decisioning. Cuny verfügt über 20 Jahre Erfahrung in der Umsetzung von IT- und Digitalstrategien und war im Lauf seiner Karriere sowohl in Beratungshäusern als auch in Unternehmen tätig.

Bildquelle: Pegasystems

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