Freiheit statt Framework Mit Low-Code zum ERP- und CRM-Fit

Ein Gastbeitrag von Florian Rühl* 5 min Lesedauer

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Standard-ERP und Basis-CRM, das war einmal. Heute fordern Nutzer von ihrer Unternehmens- und Kunden-Management-Software agile und flexible Erweiterungsmöglichkeiten, die erstens zu ihren Business-Modellen passen, zweitens intelligent mitwachsen und drittens das maximale Maß an „Freiheit“ mitbringen. Low-Code-Plattformen können das leisten.

Low-Code hilft Administratoren dabei, Softwarepakete schnell anzupassen, etwa auf die Bedürfnisse der jeweiligen Fachabteilungen. (Bild:  putilov_denis - stock.adobe.com)
Low-Code hilft Administratoren dabei, Softwarepakete schnell anzupassen, etwa auf die Bedürfnisse der jeweiligen Fachabteilungen.
(Bild: putilov_denis - stock.adobe.com)

Fakt ist: Unternehmen mit hoher Digitalisierungsdynamik nutzen Low-Code, um damit ergänzende Apps für ihre ERP- oder CRM-Lösungen zu entwickeln und Workflows zu automatisieren. Der Bedarf für individuelle Erweiterungen im SAP-Umfeld ist dabei nicht neu und bis vor gar nicht langer Zeit musste dafür mit zig individuell programmierbaren Zusatzapplikationen und Drittlösungen gearbeitet werden, die allesamt zeit-, kosten- und wartungsintensiv waren. Zum Beispiel nutzen die Unternehmen ANWR und Viessmann Low-Code, um die Anforderungen der Fachbereiche 1:1 umsetzbar und dynamisch änderbar zu gestalten.

Die Konsequenz: Es fand und findet ein Shift statt, und zwar hin zum smarten Einsatz von Low-Code-Plattformen wie „Simplifier“, die einen Mehraufwand an Ressourcen vermeiden. Mit deren Hilfe lassen sich spezielle Anforderungen wie mobile Apps für den Vertrieb, individuelle Eingabemasken zur Datenpflege oder detaillierte Dashboards für Auswertungen viel schneller, flexibler und ressourcenschonender umsetzen.

Dasselbe gilt für automatisierte Workflows: Wo bisher noch mindestens fünf Personen, eine Excel-Tabelle und unter Umständen noch die Posttasche in einen Rechnungsbearbeitungsprozess oder Urlaubsantrag involviert waren, genügt heute ein Tastendruck und der Freigabeprozess ist durchgelaufen.

Low-Code statt Lock-in

Ob umfangreiches Echtzeitdaten-Dashboard für den Shop-Floor, Lagerverwaltungs- und Ladekontrolle-App oder Umfrage- und Feedback-Tools für beispielsweise die Bewirtung – all das und noch viel mehr lässt sich mit Low-Code-Plattformen umsetzen. Ein zusätzlicher Benefit: Low-Code spielt auch im SAP- und Clean-Core-Kontext eine immer wichtigere Rolle und kommt den Anforderungen passgenau entgegen.

Denn warum sollte man heute „SAP-Fiori“-Apps nach alter Methodik entwickeln und nicht ein modernes Multifunktions-Tool an Bord zu holen, für das weder Spezialwissen, riesige Budgets noch SAP Build erforderlich sind? Side-by-Side-Entwicklungen für die Entwicklung und Automatisierung von Anwendungen mit Low-Code: Das ist aktuell der smarte Move.

ANWR bringt SAP Sales & Service Cloud mit Low-Code auf die Überholspur

Die die ANWR Group, eine der erfolgreichsten Handelskooperationen in Europa mit 1.400 Mitarbeitern hat mithilfe von Simplifier eine bessere Kommunikation zwischen IT und Fachbereich, schnellere Entwicklungszyklen und ein optimiertes User-Feedback umgesetzt. Dafür sind wichtige Daten-Management-Prozesse aus dem Umfeld der „SAP Sales & Service Cloud“ (früher: „C4C“) durch eine einfachere Anwendungsentwicklung und deutlich bessere Usability optimiert worden, side-by-side, flexibel und voll integriert.

Eine der ersten Aufgaben ist es gewesen, das organisatorisch unglaublich aufwändige und komplexe Vertrags-Management des Mutterkonzerns mit seinen vielen Handelspartnern und deren Filialunternehmen zu optimieren. Bis dorthin mussten umfangreiche Aktualisierungen manuell erledigt werden. Der zuständige Fachbereich war dringend auf der Suche nach einer zentralen Integrationslösung. Hier kam Simplifier ins Spiel.

Wo zuvor umständlich von Profis Java-Script-Code geschrieben werden musste, lässt sich nun via „Process-Designer“ die Verkettung bereits konfigurierter Verbindungen (Connector-Calls) visuell darstellen und der Prozess automatisieren. Über „Odata“-Schnittstellen werden die Daten aus der SAP Sales & Service Cloud extrahiert, auf Low-Code-Basis ohne komplexe Programmierarbeit und das Schreiben von Business-Objekten verändert und geschrieben.

Ansprechende Oberfläche und Ergebnisse

Zusätzlich ist eine optisch ansprechende, funktionale Oberfläche erstellt worden, die die Account-Suche erleichtert. Im Hintergrund greift die Applikation auf die entsprechenden Vertragsinformationen im SAP-CRM zu. Die Dokumente werden im Anschluss bei allen Filialen automatisiert übertragen.

Die Ergebnisse sprechen für sich: Die Prozessdigitalisierung läuft, Akzeptanz und Einstieg in die SAP Sales & Service Cloud sind gestiegen. Der Anwendernutzen ist sofort sichtbar gewesen. Auch die Kosten sind gesunken und sinken nach wie.

Außerdem sind aufgrund der guten Resonanz Folgeprojekte geplant oder in Arbeit. Dazu zählen die Anbindung des Archivsystems, die Kundenanlage für C4C und „SAP S/4 HANA Finance“ (ehemals: „S/4 Finance“), sowie die Umsetzung von Logiken in der Sales & Service Cloud, aber auch die Anbindung von „Co-Pilot“, um strukturierte, direkt nutzbare Daten ausgeben zu können.

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Digitaler Wandel bei Viessmann findet mit Low-Code statt

„Digitaler Wandel als Herzstück der Unternehmensstrategie“, so lautet IT-seitig die Maxime bei Viessmann, Hersteller von Heiztechnik, Klima- und Kühlsystemen, der mit 14.500 Mitarbeitern und 68 Vertriebsgesellschaften in 31 Ländern tätig ist. Entsprechend gilt es, überholte und vor allem kostenintensive Technik zur Applikationserstellung abzulösen.

Die konkrete Herausforderung ist dabei, zwölf produktive Anwendungen innerhalb von sechs Monaten neu aufzusetzen, inklusive Anbindung an verschiedene Services und Integration des Nutzerverzeichnisses. Die Entwicklerkapazitäten aind und bleiben dabei jedoch begrenzt.

Bereits mit Low-Code-Erfahrung im Gepäck, hat sich das Viessmann-Team durch die Flexibilität und die Offenheit der „Made in Germany“-Plattform hinsichtlich Schnittstellen, die Möglichkeit zur Wiederverwendung bestehender Funktionen sowie die aktive Einbindung von Mitarbeitern aus den Fachbereichen von Simlifier überzeugen lassen. Das Ergebnis: Alle Apps sind fristgerecht migriert und sogar verbessert in den Betrieb überführt worden.

Seither entwickelt Viessmann SAP-Fiori-Anwendungen mit Simplifier auf Basis von „UI5“, oder „SAPUI5“, ein von SAP entwickeltes Open-Source-Framework für die Erstellung von Web-Anwendungen, mit HTML5, Javascript und CSS als Grundlage. Low-Code ist seither ein fester Baustein der agilen Viessmann-Innovationskultur; denn mit der Plattform gelingt es, Time-to-Market deutlich zu verkürzen, neue Anwendungen iterativ bereitzustellen und unkompliziert zu verteilen sowie die Kompetenzen aller Mitarbeiter, also auch der Nicht-Entwickler, aus dem gesamten Unternehmen einzubinden.

Der Erfolg bei Viessmann

Heute lassen sich Prototypen schnell bereitstellen, Schatten-IT wird konsequent reduziert, die Hoheit über den Quellcode liegt im Unternehmen, die Technologie ist durchgängig skalierbar und etabliert nachhaltige Innovationen und einen investitionssicheren Entscheidungskorridor. Heute profitieren die Mitarbeiter unter anderem von einem vereinfachten Bestellprozess. So lassen sich Artikel schnell über einen vereinfachten Bestellprozess bestellen, Pool-Fahrzeuge einfach reservieren, Fremdfirmen auf dem Firmengelände schnell und simpel erfassen.

Fiori-Elements versus Simplifier

Kriterium Fiori-Elements Simplifier
Technologie-Fokus SAP-zentriert, stark an OData und CDS gebunden SAP-nah, aber technologieoffen: unterstützt SAP- und Non-SAP-Systeme
Flexibilität bei UI/UX Stark standardisiert, wenig Spielraum für individuelle UX Volle UI-Freiheit & Low-Code-Ansatz & JS-Bibliotheken flexibel integrierbar
Entwicklungsgeschwindigkeit CDS & Annotationen brauchen ABAP-Know-how und Zeit Drag-and-Drop, visuelle Logik & Templates = schneller MVP und Roll-out
Integrationsmöglichkeiten Fokus auf SAP-Backend Nahtlose Integration auch von Dritt-APIs (REST, SOAP, Datenbanken etc.)
Erweiterbarkeit & Individualität Erweiterung aufwendig, oft „Hack“ außerhalb des Standards Erweiterungen und Anpassungen jederzeit
Low-Code/Pro-Code kombinierbar
Systemlandschaft Starke Bindung an SAP BTP und SAP S/4HANA Auch On-Premises, Hybrid oder Private Cloud möglich

Schon heute beeinflusst Low-Code die Zukunft von CRM und ERP maßgeblich: Flexibilität, Schnelligkeit und Benutzerfreundlichkeit werden auf ein neues Level gehoben, Geschäftsprozesse durchgängig optimiert und digitalisiert, auf Marktanforderungen kann deutlich agiler und schneller reagiert werden. Eine noch stärkere Integration verschiedenster Systeme sowie weiterer, AI-gestützter Funktionen (Stichwort „AI-infused Apps“) werden Unternehmen weiter dabei helfen, ihre Prozesse zu optimieren und zu automatisieren. All das garantiert ohne Monster-Budgets und ein Heer erfahrener Programmierer.


* Der Autor Florian Rühl ist Vorstand Simplifier AG und als Chief Sales Officer für die operative und strategische Ausrichtung von Vertrieb, Marketing und Partner-Management zuständig - im europäischen Markt im Allgemeinen und bei SAP-Kunden im Besonderen. Er sagt: Low-Code ist kein Trend, sondern schlicht die Zukunft.

Bildquelle: Simplifier AG

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