Fujitsu Forum 2019

Mittendrin in der digitalen Transformation

| Autor: Elke Witmer-Goßner

Drei Tage lang belebte Fujitsus große Hausmesse wieder das Messezentrum in München.
Drei Tage lang belebte Fujitsus große Hausmesse wieder das Messezentrum in München. (Bild: Emanuel A. Klempa / Fujitsu Technology Solutions)

Das jährlich veranstaltete Fujitsu Forum ist die wichtigste Veranstaltung des japanischen Technologiekonzerns für Kunden und Partner auf europäischem Boden. Auch 2019 lockte der Event wieder mehrere tausend Teilnehmer nach München.

Fujitsu stehe mitten im „einschneidendsten Umbau“ seiner Geschichte zu einer „Digital Transformation Company“, wo klassisches Servicegeschäft und Produkte und Lösungen zur digitalen Transformation von Unternehmen im Fokus stehen, erklärte Europachef Rupert Lehner im Vorfeld.

Schmerzlich sei zwar noch immer die in knapp einem Jahr bevorstehende endgültige Schließung der Produktion in Augsburg, diese Anpassung innerhalb der Konzernstrategie aber „unumgänglich“ gewesen. Gleichzeitig betont Lehner: Das Infrastruktur- und Produktgeschäft in Europa werde nicht eingestellt. Diese Bereiche seien nach wie vor zentrale Bestandteile und spielten in Hinblick auf die künftigen Herausforderungen der digitalen Transformation eine wichtige Rolle, die ohne Mainframes, Server, Storage- oder Thin-Client-Produkte nicht zu bewältigen sei.

Positive Signale für Standort Augsburg

Rupert Lehner, Head of Central & Eastern Europe und Products, Europe, Fujitsu Technology Solutions.
Rupert Lehner, Head of Central & Eastern Europe und Products, Europe, Fujitsu Technology Solutions. (Bild: Krier-McKee / Fujitsu Technology Solutions)

Auch gut ein Jahr nachdem das Aus der einzigen Fertigung außerhalb Japans verkündet wurde, bemüht sich Lehner, die Entscheidung aus Japan zu rechtfertigen. Schließlich hätten sich aus der „alternativlosen Situation“ letztendlich trotzdem noch einige positive Entwicklungen für Augsburg ergeben. So sei die Motherboard-Fertigung komplett an Kontron verkauft worden. Der neue Besitzer übernimmt dabei auch zahlreiche der Fujitsu-Mitarbeiter vor Ort.

Wie bereits berichtet, wird Fujitsu mit einem Teil des Servicegeschäfts in Augsburg verbleiben. Allerdings wird man hierfür den alten Standort verlassen und mit rund 350 Mitarbeitern in ein neues Gebäude im benachbarten Toni-Park umziehen. Lehner kündigte zudem an, dass voraussichtlich im April nächsten Jahres das 2018 gegründete Joint-Venture von Fujitsu und Lenovo – die Fujitsu Client Computing Limited (FCCL) – einen Forschungs- und Entwicklungsstandort in Augsburg eröffnen will. Auch dort werden voraussichtlich 120 ehemalige Mitarbeiter eine neue Beschäftigung finden.

Insofern können also vor allem Mitarbeiter aus Produktion und Vertrieb sowie Entwickler auf neue Jobs hoffen. Alle bis November 2020 nicht vermittelten Ex-Mitarbeiter werden dagegen in eine Transfergesellschaft überführt. Schlechte Nachrichten gibt es auch für das ebenfalls in Augsburg geplante Testcenter für Mainframes der BS2000er Baureihe. Die Hardware, die in Japan gebaut wird, erfährt in Deutschland marktspezifische Anpassungen. Das hierfür vorgesehene neue Rechenzentrum, für das Lehner ebenfalls den Standort Augsburg favorisiert hatte, wird jetzt aber im Großraum München errichtet.

Neuausrichtung benötigt mehr Personal

Am Standort Deutschland insgesamt, so Lehner, wird der Umbau in ein Service- und Digitalisierungsunternehmen ebenfalls weiter vorangetrieben. Größtes Augenmerk liegt dabei auf der Personalgewinnung. Fujitsu will insbesondere im Bereich Services 600 bis 800 neue Mitarbeiter einstellen. Über das Recruitment-Programm habe man auch bereits eine „hohe Resonanz“ auf dem freien Arbeitsmarkt erzielt, berichtet Lehner. Ein wichtiges Mittel im Kampf um die Talente ist für Fujitsu auch die „Central Europe Academy“. Hier arbeitet der Konzern eng mit Universitäten, Fachhochschulen und Forschungsinstituten zusammen, „um junge Kolleginnen und Kollegen zu gewinnen“, aber auch die eigenen Mitarbeiter aus- oder über Trainings weiterzubilden. Und hier investiere Fujitsu jährlich einen sehr hohen einstelligen Millionenbetrag, sagt Lehner.

Ebenfalls gestärkt werde die Zusammenarbeit mit der Global Delivery Organisation. Deutschland nutze, so Lehner, vor allem die Center in Portugal und Polen. Aber auch das Partner-Ecosystem soll weiter ausgebaut werden. „Die stärkere Komplexität der Themen braucht auch eine stärkere Vernetzung“, erklärt der Europachef. Diese reiche dann eben von Start-ups, über die Channel-Organisation bis hin zu strategischen Partnerschaften, insbesondere mit Microsoft und SAP.

Und um die eigenen Delivery-Fähigkeiten zu steigern oder in den Bereichen Service und Verkauf zu optimieren, wird Fujitsu in Europa eine sogenannte „End-to-End-Service-Factory“ aufbauen. Ziel ist es, durchgängige End-to-End-Prozesse bei Services zu schaffen, die sich auf die jeweiligen Innovationen konzentrieren. Stand heute, erklärt Rupert Lehner, sei dieses „Rückgrat des Service- und Transformationsgeschäfts“ zu 40 bis 45 Prozent fertiggestellt und weiter im Aufbau.

Produktseitige digitale Transformation

Doch der Konzern transformiert nicht nur auf strategischer Seite, erklärte CTO Dr. Joseph Reger. Auch technisch stehe man vor einem gewaltigen Umbruch und derzeit in einer vermutlich langen Übergangsphase: „Alle aktuellen Entwicklungen sind digitalisierte Unternehmungen in einer analogen Welt“, erklärt Reger. Umso wichtiger sei es, den Kunden bei den Zukunftstechniken mit „On-shore“-Maßnahmen zur Seite zu stehen, beispielsweise mit deutschsprachigen Mitarbeitern vor Ort.

Dr. Joseph Reger, Chief Technology Officer (CTO), Europe, Fujitsu Technology Solutions.
Dr. Joseph Reger, Chief Technology Officer (CTO), Europe, Fujitsu Technology Solutions. (Bild: Krier-McKee / Fujitsu Technology Solutions)

Für die wichtigsten technischen Themenfelder KI, Blockchain und dem Quanten-Computing habe man unter dem Namen „Digital Incubator“ eine neue Gruppe gegründet, um in einem kleinen Team von Spezialisten Lösungen zu entwickeln, die mit Hilfe gleichzeitig aufgebauter Communities „massentauglich“ weiterentwickelt in das Servicegeschäft übernommen werden können. Reger sieht großes Potenzial bei Künstlicher Intelligenz und ihren Anwendungen aber auch bei der Blockchain, die in Deutschland „zwar oft angeschaut, aber noch selten verwendet wird“. Neue Projekte mit der Hamburger Hafenbehörde oder der Commerzbank, die während des Forums vorgestellt wurden, zeigen das Potenzial der Blockchain-Technik. Doch auch im Mittelstand gäbe es laut Reger für „gesicherte Automatisierung“ großes Potenzial. Schließlich zeige die Praxis: „Hier sind erstaunlich anspruchsvolle Projekte möglich.“

Immer noch „konkurrenzlos“ sei Fujitsu mit seiner Digital-Annealer-Technologie unterwegs, einer nach quanten-mechanischen Prinzipien arbeitenden Optimierungslösung, um insbesondere organisatorische Anpassungen sehr schnell ausführen zu können. Für CTO Reger birgt diese Brückentechnologie noch hohes Potenzial, „weil sie sofort praktikabel“ sei.

Strategische Partnerschaften mit viel Luft nach oben

Insgesamt also erfreuliche Aussichten, mit denen Fujitsu auf seinem Forum gegenüber Kunden und Partnern punkten will und kann. Nur mit dem Cloud-Geschäft ist CEO Lehner nicht zufrieden: „Hier sind wir noch nicht da, wo wir hinwollen.“ Die Partnerschaft mit Microsoft Azure entwickele sich zwar positiv, doch am Ende wolle Fujitsu sich nicht mit der Rolle eines Microsoft-Azure-Resellers zufriedengeben. Um einer solchen Entwicklung entgegenzusteuern, sollen die Services rund um hybride Cloud-Landschaften ausgebaut werden. Fujitsu plant auch für diesen Bereich, mehr Personal einzustellen. Große Hoffnungen sind an die Partnerschaften mit Microsoft und SAP geknüpft. „Wir machen alles“, gelte schon lange nicht mehr, sagt Lehner: Fujitsu lege seinen Fokus stattdessen auf dediziertes Lösungs- und Servicegeschäft.

Über die Ankündigungen neuer Produkte und deren Anwendungsfälle lesen Sie hier weiter.

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