Service-orientierte Architekturen überwinden Systemgrenzen

Mit dem Bus in Richtung Digitalisierung

| Autor: Elke Witmer-Goßner

Der Enterprise Service Bus sorgt für freie Fahrt im Datentransfer.
Der Enterprise Service Bus sorgt für freie Fahrt im Datentransfer. (Bild: gemeinfrei markusmarcinek - Pixabay / CC0)

Die Frage bei der Digitalisierung lautet längst nicht mehr ob, sondern wie – auch für Mittelständler. Das größte Problem dabei betrifft den Datenfluss zwischen Systemen und Geräten, was vielen noch Kopfzerbrechen bereitet. Dabei könnten Service-orientierte Architekturen mit einem Enterprise Service Bus (ESB) helfen, Systemgrenzen zu überwinden.

In vielen Digitalisierungsprojekten geht es meist darum, Daten automatisiert von System A nach System B zu transferieren. Neben den häufigen Eins-zu-Eins-Verbindungen lassen sich IT-Systeme, Geräte und Maschinen auch über einen Enterprise Service Bus (ESB) koppeln. Er übernimmt die Aufgabe des Datentransporteurs. Diese Funktion ist in etwa vergleichbar mit dem Linienbusverkehr in einer Stadt: Die Kommune stellt ihren Bürgern die grundsätzliche Transportleistung bereit sowie einfach zugängliche Haltestellen. Die Busse fahren immer, egal wie viele Passagiere an Bord sind. Ähnlich ist es auch beim ESB. Systeme docken hier über standardisierte Schnittstellen an und die Daten werden in gängigen Formaten wie XML anderen mit dem Bus verbundenen Systemen bereitgestellt.

Der Enterprise Service Bus fungiert also als Backbone des Datentransfers und damit als Basis der Digitalisierung von Geschäftsprozessen. Zudem agiert er bei Bedarf auch als Übersetzer, beispielsweise bei Datums- und Währungsformaten. Die Vorteile dieses Vorgehens sind vielfältig. Im Gegensatz zu einer Vielzahl an Schnittstellen, die einzelne Systeme miteinander verbinden, werden Daten nur an den Bus übertragen. Alle Systeme, die diese Daten benötigen, erhalten sie vom Bus. Damit sinkt die Gesamtzahl der Schnittstellen, was auch den Aufwand für Wartung und Pflege verringert. Zudem sind die Schnittstellen standardisiert. Dadurch verringert sich die Abhängigkeit von einzelnen Dienstleistern. Mit der Zahl der Schnittstellen nimmt aber auch das Prozessrisiko ab. Denn ein Fehler oder Ausfall einer Export-Import-Routine führt schnell zu Verzögerungen in kritischen Abläufen und gefährdet so die Liefertermintreue.

Aufwand, der sich lohnt

Ein weiterer Vorteil, der sich oft erst später zeigt: Die Integration externer Systeme sowie der Kunden und Partner ist ebenfalls deutlich einfacher. Und einmal aufgesetzt, lassen sich weitere Systeme schneller und einfacher anbinden. Damit steigt der Automatisierungsgrad, die Prozesskosten sinken. Alles in allem gewinnen Unternehmen an Agilität, da Anpassungen in einem System, die sich auf andere Prozesse und Systeme auswirken, nur an einer Stelle dem Datentransfer zum Servicebus berücksichtigt werden müssen. Das macht Unternehmen insgesamt flexibler. Und auch Maschinen und Geräte des Industrial Internet of Things (IIoT) lassen sich einfach anbinden. Selbst für Altanlagen bieten sich hier über Minirechner – sogenanntes Edge Computing – relativ einfache Möglichkeiten.

Deshalb sollte der Einsatz einer solchen ESB-Middleware heute für viele Digitalisierungs- und Integrationsszenarien das Mittel der Wahl sein. Sie eignet sich für die Anbindung von Spezialanwendungen an ein ERP-System genauso wie für Intercompany-Prozesse oder Industrie 4.0-Szenarien. Verfechter des althergebrachten Schnittstellen-Ansatzes kritisieren allerdings, dass die Einrichtung eines ESB aufwändiger ist als die Programmierung einer klassischen Schnittstelle. Das gilt tatsächlich, stellt man die Aufwände für die ESB-Einrichtung denen einer einmaligen Eins-zu-eins-Verbindung gegenüber. Eine Service-orientierte Architektur macht sich erst bei mehreren anzubindenden Prozessen und Systemen bezahlt. Dann aber umso mehr. Denn langfristig senken Unternehmen mit dieser Architektur nicht nur Kosten für Wartung und Service von Schnittstellen. Sie vereinfachen auch die Einbindung von Partnern und Kunden in unternehmensübergreifende Prozesse. Dies macht sich nicht nur in der Prozessgeschwindigkeit bemerkbar. Unternehmen gewinnen auch spürbar an Agilität.

Ein ESB ist keine Plug-and-Play-Software, es handelt sich vielmehr um eine Standardtechnologie. Anpassungen an betriebsspezifische Anforderungen sind daher immer nötig. Jedoch nicht immer Programmierung. So lässt sich beispielsweise die proAlpha Integration Workbench (INWB) mit Parametern und Zuordnungen konfigurieren. Für gängige Szenarien gibt es zudem Templates, die den Einrichtungsaufwand merklich reduzieren. Das erleichtert die Integration von Systemen spürbar und senkt den Einrichtungsaufwand. Deshalb ist diese Lösung auch speziell für mittelständische Anwenderunternehmen praktikabel. Daher rät Lars Forseth, Product Manager bei proAlpha, allen Unternehmen, sich beim Thema Schnittstellen und Integration nicht zu Schnellschüssen verleiten zu lassen: „Eine sorgfältige Analyse, welche Daten wann in welchen Systemen gebraucht werden, zahlt sich langfristig aus. Wer die daraus abgeleitete Integrationsstrategie dann schrittweise mit einem ESB umsetzt, kann sukzessive Erfahrungen sammeln, schnell den Nutzen demonstrieren und so Kritiker überzeugen.“

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