SAP Hybris as a Service in der Praxis

Microservices + Cloud = Business der Zukunft

| Autor / Redakteur: Marcus Rübsam / Florian Karlstetter

Einsatzszenarien von Microservices.
Einsatzszenarien von Microservices. (© vectorfusionart - stock.adobe.com)

Für die Cloud entwickelten Microservices gehört die Zukunft, resümiert eine kürzlich veröffentlichte Studie von Capgemini. Denn während die Cloud eine flexible Rechenleistung bereitstelle, nutzten Cloud-native Microservices wiederum deren volles Potential. Doch nicht nur Google, Amazon und Netflix nutzen Microservices. SAP Hybris-Experte Marcus Rübsam erklärt, wie selbst IT-Anfänger mithilfe von Microservices innerhalb von zwei Wochen eine Möglichkeit entwickelten, mit deren Hilfe über hundert Millionen potentielle Geldgeber weltweit für einen guten Zweck spenden konnten.

Die Wünsche von Konsumenten ändern sich fortlaufend. Deshalb werden auch die Zyklen, innerhalb derer Innovationen entstehen müssen, immer kürzer, ebenso die zur Verfügung stehende Zeit, um diese auf den Markt zu bringen. Zeit ist daher ein wesentlicher Faktor, mit dem sich Geschäftstreibende konfrontiert sehen. Traditionelle CRM-Systeme sind darauf jedoch nicht ausreichend ausgelegt. Denn meist sind sie als Monolith aufgebaut, also ein in sich geschlossenes System, das sich in der Regel nur sehr schwer anpassen lässt.

Abhilfe für dieses Problem schafft das sogenannte Microservices-Konzept. Vereinfacht gesagt handelt es dabei um viele kleine Einzelbausteine bzw. Apps, die sich einzeln für jeweils spezielle Zwecke konfigurieren lassen. Erweist sich ein solcher Baustein im Laufe der Zeit als überholt, kann er umgehend durch einen passenderen Microservice ersetzt werden, von dem das Unternehmen überzeugt ist, dass er dem Handeln, Denken und den Erwartungen der Kunden besser entspricht. Mithilfe von Microservices können sowohl Anwendungen von Grund auf neu entwickelt als auch vorhandene Module angepasst und anschließend miteinander kombiniert werden.

Genauso schnell, wie sich also Geschäftsmodelle verändern können, lassen sich diese Apps rasch anpassen. Dies trifft ebenso auf ein auf Microservices basierende, modular aufgebaute Commerce-System als Ganzes zu. Denn es handelt sich dabei eben nicht mehr um einen Monolithen, sondern stellt ein lose verbundenes Netz von Microservices dar. So entsteht kurzer Zeit eine maßgeschneiderte Software für die Entwicklung von überzeugenden Lösungen, die sich problemlos aktualisieren und optimieren lässt.

Ein weiterer Vorteil von Microservices ist, dass ihre Funktion skalierbar ist, sodass sie auch in der Lage sind, große Mengen an Anfragen zu Spitzenzeiten zu verarbeiten - und das vor allem dank ihres Einsatzes in einer Cloud. Microservices sind darauf ausgelegt, in einer Cloud-Umgebung eingesetzt zu werden, denn so können die der Cloud zur Verfügung stehende Rechenleistung auf dynamische Weise nutzen.

Spendenaktion beim Super Bowl 50

Bestes Beispiel dafür ist der vergangene "Super Bowl 50" in den USA. Das Superbowl-Komitee entschied sich für die SAP Hybris as a Service Lösung - und das im Wissen darum, wie groß die weltweite Aufmerksamkeit für das damit verbundene Spendenprogramm "The 50 Fund" sein würde. Voraussetzung war also, dass die eingesetzte Lösung auf die Aufmerksamkeit von weltweit 167 Millionen Super Bowl-Zuschauern und damit genauso vielen, zumindest potentiellen Spendern ausgelegt sein müsste.

Selbst wenn sich nur ein Bruchteil davon für eine Spende entscheiden sollten, wäre das damit verbundene User-Aufkommen enorm: 60 Mio. Facebook-Aktivitäten zum Thema "Super Bowl 50" allgemein vermitteln eine Ahnung davon, welche große Rolle das beliebte Sportevent auch online spielt. Neben der Skalierbarkeit angesichts der Zahl der vielen potentiellen Spender war aus Sicht der Organisatoren eine weitere wichtige Anforderung, dass die Football-Fans in der Lage sein sollten, schnell und unkompliziert zu spenden, da ihre Hauptaufmerksamkeit schließlich dem Sportevent gilt. Der Anspruch an die IT-Lösung für die Spendenaktion war also sehr hoch.

Und doch gelang es aufgrund des modularen Ansatzes von Microservices, für die Spendenaktion rund um den "Super Bowl 50" innerhalb von nur zwei Wochen eine Lösung auf die Beine zu stellen. Dabei handelte es sich bei den Entwicklern nicht um erfahrene Fachleute, sondern um ein kleines Team von Technologie-Neulingen.

Sie verwendeten auf einer Microsite Komponenten, die auf dem Microservice-Ansatz basieren und für die Spendenaktion mit dem Bezahlservice Stripe verbunden wurden. Das Ergebnis war eine voll einsetzbare End-to-End-Lösung. Die dafür verwendeten Komponenten wurden von den Organisatoren für die kurze Dauer rund um das Sportevent bei SAP Hybris als Services kurzzeitig angemietet und danach wieder gekündigt. Die SAP Lösung stellt sozusagen eine Art Ökosystem rund um Microservices dar, zu dem auch eine Community von mehr als 3000 Entwicklern gehört, die sich bei Fragen gegenseitig unterstützen.

Der Spendenvorgang beim "Super Bowl 50" wurde auf der Microsite mithilfe von AngularJS gestaltet, wobei mehrere YaaS-Elemente zum Einsatz kamen. Ähnlich wie bei einem Onlineshop wurde als Standard ein Produkt im Wert von einem US-Dollar in den Warenkorb gepackt. Die Produktmenge entsprach dabei der Höhe der gewünschten Spende je Besucher. Nach dem Checkout und dem Abschluss der "Bestellung" erhielten die Spender eine Bestätigungsemail. Ein weiterer Microservice berechnete im Abstand von zehn Sekunden die Summe der bereits erfolgten Spenden, um das Ergebnis wiederum auf der Microsite darzustellen.

Flexible Einsatzszenarien

Das Beispiel verdeutlicht, wie flexibel die Anwendungsmöglichkeiten von Microservices sind. Denn wie im Fall der Super Bowl-Spendenaktion können Microservices auch im Allgemeinen einfach und schnell auf die Wünsche und Bedürfnisse von Kunden ausgerichtet werden.

Besonders wichtig ist das für die sogenannte "Customer Journey", die der Kunde im Kontakt mit dem Händler erlebt. Hierbei kommt er in Kontakt mit vielen einzelnen Touchpoints, an denen er im Zusammenhang mit vielen kleinen Interaktionen mit der Unternehmenswelt in Berührung kommt. Das kann beispielsweise das Abspielen eines Firmenvideos oder das Liken und Sharen von Unternehmensinhalten in sozialen Netzwerken sein.

All diese kleinen Interaktionen festigen die Bindung zwischen dem Kunden und dem Unternehmen. Für jeden dieser Touchpoints lassen sich Microservices einsetzen, die dem Kunden und seinen Erwartungen an diesem Touchpoint optimal entsprechen sollen. Umgekehrt lassen sich natürlich die dadurch gewonnenen Daten und Erkenntnisse unternehmensintern für tiefergehende Analysen über das Kundenverhalten verwenden.

Marcus Rübsam, Senior Vice President, Global Head Solution Management, SAP Hybris.
Marcus Rübsam, Senior Vice President, Global Head Solution Management, SAP Hybris. (Bild: SAP Hybris)

Ein gutes Beispiel dafür ist das in Zusammenarbeit mit SAP Hybris entwickelte interaktive Weinregal bei BASF. Nehmen Kunden eine Flasche aus dem Regal, übermittelt ein Lichtsensor die Information weiter und auf einem dazugehörigen Bildschirm werden Details wie Geschmacksnote oder Jahrgang des jeweiligen Weines dargestellt. Ebenso enthalten ist der sogenannte „Wine Wizard“ – ein Assistent, der nach Beantwortung mehrerer Fragen einen passenden Wein vorschlägt. Aus betrieblicher Sicht sind dabei besonders die generierten Daten interessant: Im Backend lässt sich beispielsweise analysieren, welche Weine besonders oft empfohlen, jedoch selten aus dem Regal genommen wurden. Die damit gewonnenen Einsichten erlauben eine effektivere Anordnung der Weine im Regal. Während diese Funktionalitäten anfangs noch hart kodiert waren, sind sie inzwischen mittels SAP „Bullseye“ umgesetzt. In Zukunft soll die Lösung mit den Verkaufsdaten verbunden werden, um noch genauere Erkenntnisse über die Präferenzen der Kunden zu erhalten.

Mithilfe von Microservices können Unternehmen so noch gezielter auf die Wünsche und Bedürfnisse der Kunden auf deren Customer Journey eingehen. In Verbindung mit der dynamischen Rechenleistung einer Cloud entsteht eine IT-Lösung, die Unternehmen durch flexiblen Einsatz Wachstum verspricht - oder wie es die Studienautoren von Capgemini formulieren: Microservices in einer Cloud versprechen künftig mehr Innovationen, weil in dieser Kombination agilere Business-Lösungen möglich sind.

* Marcus Rübsam, Senior Vice President, Global Head Solution Management, SAP Hybris

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