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Welch drastische Ausmaße ein solcher „Nachschlag“ haben kann, zeigt eine von IDC durchgeführte Umfrage. Rund 40 Prozent der befragten 200 IT-Entscheider gaben an, Post-Implementierungskosten tragen zu müssen, die rund die Hälfte ihres ursprünglichen Budgets betragen. Etwa zwölf Prozent sahen sich sogar mit Kosten konfrontiert, die satte drei Viertel der ursprünglich geplanten Ausgaben betrugen.
Dem Schicksal ergeben
An diesen Zahlen zeigt sich ein gravierendes Problem vieler aktueller IT-Installationen. So werden heute etwa 80 Prozent der IT-Budgets für Betriebskosten ausgegeben, nur 20 Prozent fließen in die Innovation. Eine fatale Entwicklung, kommt es doch gerade heute darauf an, auf sich verändernde Umweltbedingungen flexibel reagieren zu können. Tatsächlich aber bringen gerade Veränderungen im Geschäftsablauf das gesamte IT-Konstrukt ins Wanken und gefährden damit die Performance eines Unternehmens.
Derart angeschlagen zahlen viele Unternehmen einen hohen Preis für Post-Implementierungs-Anpassungen und betrachten ihr ERP-System in erster Linie als Kostenfaktor. Der im ROI-Gedanken verankerte Nutzen als Mittel zur Performancesteigerung rückt dabei in weite Ferne. Mit einem gewissen Fatalismus investieren einige IT-Entscheider sogar immer wieder in Systeme, die mit hohen Wartungskosten verbunden sind.
Eine solche Reaktion ist gar nicht so irrational, wie man auf den ersten Blick meinen kann. Für den Entscheider als Individuum ist diese Entscheidung durchaus nachvollziehbar. Die Firma als Ganzes allerdings zahlt einen hohen Preis. Akademische Debatten über den ROI hin oder her – hoch ist er auf keinen Fall.
Nicht der Weisheit letzter Schluss
ERP-Investitionen sollten daher eher unter dem Gesichtspunkt der „Total Cost of Change“ betrachtet werden. Dabei werden die finanziellen Aufwendungen gemessen, die eine etwaige Systemanpassung verursacht. So erhalten Unternehmen einen direkten Überblick über die laufenden Kosten und können Budgets besser einplanen.
Bei der Wahl eines ERP-Systems sollten Unternehmen also nicht einseitig auf den ROI blicken. Vor allem dürfen sie dabei nicht von der Annahme ausgehen, dass in den kommenden Jahren alles beim Alten bleibt. Wer in seine ROI-Berechnungen einige große und kleine Anpassungen einbezieht und dafür realistische Kosten ansetzt, bekommt ein sehr genaues Abbild der Wirklichkeit. Angesichts von bisweilen exorbitant hohen Total Costs of Change zeigt sich, wie lohnend ein Blick über den Tellerrand sein kann.
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