Ausbau von Cloud- und Automatisierungsangeboten Hyland auf Wachstumskurs

Redakteur: Elke Witmer-Goßner

Im letzten Jahr hieß es für viele Unternehmen quasi über Nacht: Ab ins Homeoffice! Dieser disruptive Wandel hat Schwachstellen im Content Management offengelegt und gezeigt, dass an Cloud und Automatisierung kein Weg mehr vorbeiführt.

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Automatisierung wird bei ECM- und Content-Services-Lösungen immer wichtiger – Hyland hat sich mit entsprechenden Übernahmen in Stellung gebracht.
Automatisierung wird bei ECM- und Content-Services-Lösungen immer wichtiger – Hyland hat sich mit entsprechenden Übernahmen in Stellung gebracht.
(Bild: © kentoh - stock.adobe.com)

Der Enterprise-Content-Management-Spezialist Hyland hat entsprechend sein Portfolio erweitert und kombiniert selbst entwickelte Content Services mit externer Expertise – bei Cloud-Angeboten sowie neuen Produktkategorien und Marktsegmenten. Durch die Akquisitionen von Nuxeo und Alfresco, Anbieter von Open-Source-ECM bzw. Content Services, sowie der Übernahme des deutschen Anbieters für Robotic Process Automation (RPA), Another Monday, will Hyland künftig besser aufgestellt sein, um Unternehmen bei ihren aktuellen Herausforderungen zu unterstützen. Wir haben mit Heinz Wietfeld, Regional Manager bei Hyland, über die aktuellen strategischen Weichenstellungen gesprochen.

CloudComputing-Insider: Was treibt die Wachstumsstrategie von Hyland an?

Heinz Wietfeld: Flexibilität ist Key! – Das hat nicht erst das letzte Jahr gezeigt, in dem viele Unternehmen zur Remote Work wechseln mussten. Auch Marktgegebenheiten verändern sich immer schneller. Da hat die Nase vorn, wer schnell auf neue Anforderungen reagieren kann. Für das Content Management sind daher aktuell vor allem zwei Dinge entscheidend: Bereitstellung in der Cloud und intelligente Automatisierungslösungen. Anwendungen und Inhalte müssen jederzeit und von überall aus erreichbar sein; für erstklassige Kundenerfahrungen braucht es Präzision und Schnelligkeit in Prozessen – Stichwort Bots und KI. Es sind vor allem diese beiden Aspekte, die unsere Wachstumsstrategie antreiben. Mit Another Monday haben wir letztes Jahr einen innovativen RPA-Anbieter übernommen, um unserer Automatisierungsfunktionen weiter auszubauen. Mit Alfresco und Nuxeo konnten wir unsere Cloud-Funktionalitäten erweitern und sind nun der größte Anbieter von Open-Source Content Services im Markt.

Wie positionieren Sie sich mit der Nuxeo-Akquisition im Hinblick auf Cloud-Lösungen?

Mit der Übernahme von Nuxeo verstärken wir genau wie nach der Akquisition von Alfresco im letzten Jahr unsere Cloud-First-Strategie und bieten Kunden flexible Cloud Content Services. Dabei ist es wichtig, dass wir unsere Kunden abholen: Unsere Content-Services-Plattformen Onbase und Perceptive bieten vielfältige Optionen zum Customizing und zur Konfiguration für ein einfaches Roll-out und eine schnelle Time-to-Market und Time-to-Value. Mit den Cloud-nativen Open-Source-Lösungen von Nuxeo und Alfresco bedienen wir nun auch noch einen weiteren Bereich des ECM- und Content-Services-Marktes, in dem wir bisher weniger präsent waren: Kundinnen und Kunden, die ihre Lösung selbst entwickeln und aufbauen möchten.

Wie ist Hyland in der DACH-Region in Bezug auf die Cloud positioniert?

Uns ist es wichtig, dass unsere Kunden maximale Flexibilität bei der Transformation in die Cloud haben. Wir bieten die Möglichkeit, genau den Ansatz zu wählen, der für die Anforderungen und Ressourcen des jeweiligen Unternehmens am besten sind. Daher haben wir in Sachen Cloud stark aufgerüstet: Wir fokussieren einen Großteil unserer R&D-Anstrengungen auf die Bereitstellung von Cloud-nativen, REST-API- und Microservice-basierten Architekturen – in unserem gesamten Portfolio, sowohl für unsere Content-Services-Produkte als auch für die Produkte anderer Kategorien. Außerdem hat Hyland sein weltweites Netzwerk an sicheren Rechenzentren um einen weiteren strategischen DACH-Standort in Frankfurt am Main erweitert. Damit können wir unsere Kunden in der DACH- und EMEA-Region besser unterstützen. Und selbstverständlich erfüllen wir alle regionalen Datenschutz- und Sicherheitsrichtlinien – Stichwort DSGVO.

Heinz Wietfeld, Regional Manager bei Hyland.
Heinz Wietfeld, Regional Manager bei Hyland.
(Bild: Hyland)

Sollten bestehende Hyland On-Premises-Kunden jetzt in die Cloud migrieren?

Der allgemeine Trend im Content Management geht eindeutig in Richtung Cloud. Das zeigt nicht nur eine aktuelle Studie von Forrester und Hyland, nach der mehr als die Hälfte der Unternehmen in Deutschland ihre Investitionen in Cloud-Content-Plattformen weiter intensivieren möchte. Wir beobachten diese Entwicklung auch bei unseren Kunden. Aber natürlich nutzen viele unserer Bestandskunden noch immer On-Premises und hybride Lösungen. Diese werden auch weiterhin von uns supportet. Kunden, die sich für die Nutzung der Hyland Cloud entscheiden, profitieren jedoch von maximaler Skalierbarkeit, Flexibilität und Agilität aufgrund der Multi-Cloud-Struktur, besserer Geschäftskontinuität und Disaster Recovery, höchsten Sicherheitsstandards sowie Support und Wartung durch die Hyland-Experten. Kunden, die sich für die Migration entscheiden, werden von unseren Cloud-Services-Teams unterstützt. Diese arbeiten eng mit den Kunden zusammen und nutzen ein strukturiertes Framework, um sicherzustellen, dass alle Punkte berücksichtigt werden und die Migration reibungslos verläuft – von der Identifizierung von Integrationen in interne Tools, über sicherheitsrelevante Überlegungen bis hin zu SSL-Zertifizierungen.

Welche Zielgruppen und Branchen adressiert Hyland primär?

Mit Cloud-Lösungen verhält es sich wie vor einigen Jahrzehnten mit dem Telefon oder dem Internet: Sie werden in jeder Branche eingesetzt. Das letzte Jahr hat als Katalysator gewirkt und die Nachfrage nach Cloud-Content-Management-Lösungen ordentlich angeheizt. Unsere primären Zielgruppen sind dabei in der DACH-Region vor allem Unternehmen in Branchen mit hohen Informations- und Dokumentenaufkommen, also vor allem die Versicherungs- und Finanzbranche, aber auch die Fertigungs- und Logistikindustrie mit ihren umfangreichen Backoffice-Prozessen.

Welchen Stellenwert nimmt KI in dieser Strategie ein?

Es ist keine News mehr: Die Datenvolumen wachsen und die Kundenanforderungen an Geschwindigkeit und Servicequalität steigen. Mit „Menschenhand“ allein lässt sich das nicht mehr bewältigen. Hyland setzt auf integrierte Intelligent-Automation- und RPA-Funktionalitäten, die ihren menschlichen Kollegen zur Hand gehen, um Tempo in die Prozesse und Workflows zu bringen. So lassen sich beispielsweise Freigaben von Verträgen automatisch zu den entsprechenden Verantwortlichen routen und weitere Aktionen, wie das Versenden einer individuell generierten Bestätigungs-E-Mail auslösen. Das reduziert die Durchlaufzeiten und Fehleranfälligkeit und verbessert insbesondere bei Prozessen mit personenbezogenen Daten durch geringe Beteiligung der Mitarbeitenden auch die Compliance. Unsere bestehenden Intelligent-Automation-Angebote haben wir im letzten Jahr durch die Akquisition des innovativen, deutschen RPA-Anbieters Another Monday um Robotic Process Automation erweitert. So können Kunden hochvolumige Dokumentenprozesse automatisieren und bessere Servicelevel bieten.

Was bietet Hyland Kunden für ein zukunftssicheres Information- und Content-Management?

Mit unserer Hyland-Experience-Plattform (HxP) verfolgen wir die Vision, Unternehmen alle nötigen Tools und Funktionen aus einer Hand zu liefern, die sie brauchen, um das Maximum aus ihren Daten und Inhalten herauszuholen. Und das im kompletten Unternehmen und über den gesamten Dokumentenlebenszyklus hinweg. Wir setzen dabei auf selbst entwickelte Content-Services-Lösungen, aber auch auf externe Expertise – besonders wenn es um neue Produktkategorien und Marktsegmente geht. Mit der Übernahme von Nuxeo hat Hyland beispielsweise sein Portfolio um eine viel nachgefragte und leistungsstarke Lösung für das Digital Asset Management (DAM) erweitert. Diese erleichtert mithilfe von KI und Machine Learning erheblich die Kategorisierung und Klassifizierung digitaler Assets und verschlagwortet diese automatisch mit Metadaten. Für die Umsetzung nachhaltiger und zukunftssicherer ECM- und Content-Services-Strategien kombinieren wir „Build“- und „Buy“-Software-Ansätze. So profitieren unsere Kunden langfristig von innovativen Cloud Content Services und leistungsstarken ergänzenden Lösungen, wie DAM oder RPA, um digitale Transformationsinitiativen optimal zu unterstützen.

Heinz Wietfeld ist seit Anfang 2015 bei Hyland Software beschäftigt und verantwortet als Regional Manager die Geschäftsaktivitäten in Benelux, Nord- und Osteuropa sowie in der DACH-Region. Er verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Enterprise-Content-Management (ECM)- und Content-Services-Branche und hatte verschiedene Sales- und Sales-Management-Funktionen bei internationalen ECM-Anbietern inne.

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