HPE Discover Barcelona 2024 GenAI, Supercomputing und ein Trumpf in der Hand

Von Elke Witmer-Goßner 6 min Lesedauer

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„Um das volle Potenzial von Hybrid Cloud und KI auszuschöpfen, benötigen Unternehmen einen Hybrid-by-Design-Ansatz“, sagte HPEs CTO Fidelma Russo anlässlich der jährlichen Kunden- und Partnerkonferenz Discover in Barcelona. Der Konzern hatte einiges Neues vorzustellen für virtualisierte, Cloud-native und KI-Workloads, u.a. auch rund um das Cloud-Betriebsmodell GreenLake.

Stadionstimmung zur Eröffnung der HPE Discover 2024: HPE ist offizieller Edge-to-Cloud-Partner des FC Barcelona und feiert das auch gerne mit den rund 4.300 nach Barcelona gereisten Kunden und Partnern.(Bild:  Vogel IT-Medien)
Stadionstimmung zur Eröffnung der HPE Discover 2024: HPE ist offizieller Edge-to-Cloud-Partner des FC Barcelona und feiert das auch gerne mit den rund 4.300 nach Barcelona gereisten Kunden und Partnern.
(Bild: Vogel IT-Medien)

Mit GreenLake hat Hewlett Packard Enterprise (HPE) 2018 eine Plattform ins Leben gerufen, die Unternehmen eine Cloud-ähnliche Erfahrung hinsichtlich Flexibilität und Skalierbarkeit für ihre IT-Infrastruktur bieten sollte. Im Gegensatz zu herkömmlichen Public-Cloud-Diensten ist die Lösungssuite HPE GreenLake jedoch nicht in Rechenzentren von HPE beheimatet. Stattdessen werden die benötigte Hardware und Software direkt beim Kunden vor Ort, in dessen eigenen Rechenzentren oder in Co-Location-Einrichtungen installiert. HPE übernimmt – gekoppelt an ein Usage-Modell – dabei die Bereitstellung, Verwaltung und Wartung der Infrastruktur, während der Kunde die Kontrolle über seine Daten und Anwendungen behalten kann.

CEO Antonio Neri stellt in seiner Keynote klar: Zahlreiche neue Produkte und Services werden die Position HPEs als führenden Anbieter hybrider Cloud-Lösungen stärken.(Bild:  Hewlett Packard Enterprise)
CEO Antonio Neri stellt in seiner Keynote klar: Zahlreiche neue Produkte und Services werden die Position HPEs als führenden Anbieter hybrider Cloud-Lösungen stärken.
(Bild: Hewlett Packard Enterprise)

Die Produktpalette hat sich seitdem kontinuierlich erweitert. Heute umfasst GreenLake umfangreiche IT-Services und -Ressourcen – von Compute- und Storage-Leistungen, einer Private-Cloud-Bereitstellung bis hin zu Datenmanagement und Analytik. Damit sei das GreenLake-Konzept, statt einer einzelnen Lösung eine Service-Suite anzubieten, sehr gut aufgegangen, erklärt Marc Fischer, der seit Februar 2023 die Deutschlandgeschäfte von HPE leitet. Vor allem Managed Services – deren Anteil in GreenLake auch in Folge des Fachkräftemangels deutlich gestiegen ist – würden gut nachgefragt.

Künstliche Intelligenz ohne Grenzen

Das Interesse sei aber auch mit der breiten Verfügbarkeit generativer künstlicher Intelligenz (GenAI) noch einmal deutlich gestiegen. Viele Unternehmen, bestätigt Chief Technologist Thomas Meier, bevorzugten inzwischen standardisierte Plattformen – auch für KI-Anwendungen, hier vor allem für die Einführung von Assistenten. Allerdings nicht als Public-Cloud-Service. Hier sei die anfängliche Begeisterung aufgrund unerwartet hoher Kosten oder veränderter Anforderungen hinsichtlich der Regulation abgeebbt. Gleichzeitig wachse die Skepsis, KI-Anwendungen in Public Clouds laufen zu lassen. Politische Unsicherheiten trügen das ihre dazu bei, dass viele Unternehmen ihre kritischen Workloads wieder selbst kontrollieren wollen.

Diese Argumente für Private-Cloud-Betrieb einerseits und zunehmende KI-Nutzung in Unternehmen bestimmen die aktuelle Produktstrategie HPEs, die bei der diesjährigen HPE Discover in Las Vegas sowie ihrem europäischen Ableger jüngst in Barcelona vor Kunden und Partnern ausgebreitet wurde. Im Prinzip hätten sich die Anforderungen der Unternehmen an Technik nicht geändert, sagte HPEs CEO Antonio Neri anlässlich der bisher teilnehmerstärksten HPE Discover auf europäischem Boden Mitte November: Hybride IT-Umgebungen bestimmten das Bild, ebenso hybride Datennutzung – denn Daten seien schließlich „überall“. Neu sei aber das Tempo, mit dem Technik für Innovation und Transformation genutzt werde – man blicke nur auf die rasante Adaption von GenAI. Und: „KI kennt keine Grenzen.“

Darauf zu reagieren, habe sich HPE zum Ziel gesetzt: Innovationen mit hoher Flexibilität anzubieten – egal ob auf Compute-Seite, bei Storage, im Netzwerk oder bei Services. War es bisher Computerleistung (computer power) fordere „AI for Business“ nun Hochleistung im Rechenzentrum (high-power computing). In diese Richtung habe sich auch GreenLake entwickelt, erklärte Fidelma Russo. HPEs Technologiechefin sei „sehr stolz und begeistert“ über den Fortschritt der Hybrid-Cloud-Strategie hinter GreenLake, und das bis jetzt umfassendste GreenLake-Cloud-Portfolio präsentieren zu können. Ein „großer Meilenstein“ auf dem Weg dahin sei im Laufe des Jahres die Akquisition von Morpheus gewesen zur Unterstützung des Hybrid-Cloud-Plattformbetriebs sowie die Integration der 2023 zugekauften IT-Operations-Management-Plattform OpsRamp für vereinfachtes, übergreifendes Management hybrider Multi-Vendor- und Multicloud-Umgebungen.

HPE Private Cloud AI – erst starten, dann skalieren

Mit GenAI, so Russo weiter, sei es wichtig geworden, die Workloads an die Daten zu bringen. Und um die generative künstliche Intelligenz voll nutzbar und wertschöpfend zu machen, müssten Geschäftsprozesse stark transformiert werden. Private-Cloud-Lösungen sollen für KI-Anwendungen schneller verfügbar sein. Networking, Hybrid Cloud und AI seien daher die zentralen Themen von HPE.

Gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen Deloitte – spezialisiert auf Prozessmanagement – präsentierte HPE seinem europäischen Ökosystem die neue „HPE Private Cloud AI“. Diese schlüsselfertige Lösung – Technologiepartner Nvidia macht sie „in 30 Sekunden einsatzbereit“ – soll KI-Workloads sicher und effizient vor Ort oder in Co-Location-Umgebungen ermöglichen. Die Plattform kombiniere HPEs Infrastruktur mit Nvidias KI-Technologien und Deloittes Branchenexpertise. Ziel ist es, die Komplexität bei der Implementierung von GenAI zu reduzieren und die „Time-to-Value“ für Unternehmen zu verkürzen.

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Durch diese Lösung könnten Organisationen KI-Anwendungen wie virtuelle Assistenten oder datenbasierte Analysen schnell und sicher bereitstellen – ohne die Datenhoheit zu gefährden, verspricht Russo. Zudem adressiere die Lösung auch steigende Sicherheitsanforderungen, da sensible Daten am Ort ihrer Entstehung verarbeitet würden. Mit HPE Private Cloud AI „bringen wir die KI zu den Daten und nicht die Daten zur KI“, betont Russo.

HPE Private Cloud AI stellt KI-Frameworks, Modelle und Workflows bereit, die an branchenspezifische Anforderungen angepasst sind. Ein Highlight ist beispielsweise die Integration von Deloittes C-Suite AI auf HPE GreenLake. Diese Lösung will CFOs dynamische, interaktive Berichte und tiefgehende Analysen liefern, die Geschäftsentscheidungen vereinfachen können. Oder Atlas AI, das KI-gestützte Anwendungen in den Bereichen Life Sciences und Landwirtschaft bereitstellt.

Leistungsstark und energieeffizient

HPE stellt Supercomputer „El Capitan“ vor

Mit „El Capitan“ hat HPE den im Moment schnellsten Supercomputer der Welt in Betrieb genommen. Mit einer Leistung von 1,742 Exaflops und einer Energieeffizienz von 58,89 Gigaflops pro Watt steht der zu 100 Prozent lüfterlose, direkt flüssigkeitsgekühlte „El Capitan“ auf der Green500-Liste unter den 20 energieeffizientesten Systemen weltweit. Die Plattform, die die Leistung von El Capitan ermöglicht, wird durch HPEs Supercomputing-Lösung HPE Cray EX realisiert. Sie ist ausgestattet mit AMD Instinct MI300A APUs, die CPU- und GPU-Kerne mit hochbandbreitigem Speicher in einem Paket integrieren, dem HPE Slingshot Interconnect und einer maßgeschneiderten Speicherlösung. HPE Slingshot, ein Ethernet-basiertes Hochgeschwindigkeitsnetzwerk, bildet das Rückgrat von „El Capitans“ kollektiver Rechenleistung, die auf über 11.000 Knoten verteilt ist.

Die Exascale-Supercomputer von HPE (im Bild „El Capitan“) belegen die ersten drei Plätze auf der Liste der weltweit leistungsstärksten Systeme.
(Bildquelle: HPE)

Gebaut wurde „El Capitan“ für die National Nuclear Security Administration (NNSA) und das Lawrence Livermore National Laboratory (LLNL). HPEs Supercomputer wird dort für KI-gestützte Forschung und hochauflösende 3D-Modellierung und -Simulation in den Bereichen Rüstung und Militär, Energiesicherheit, Klimaschutz, Wirkstoffentwicklung und Stromnetzmodernisierung.

Größte Wegbereiter für KI und Cloud

HPEs Verantwortlicher für Speichertechnologien, Jim D’Orisio, sieht in der bisherigen Fähigkeit der Unternehmen, nur einen Bruchteil der vorhandenen Daten nutzen zu können, einen Flaschenhals für die Zukunftstechnologie KI. Storage müsse hier schneller und flexibler reagieren können, so dass Unternehmen das Potenzial aus Daten heben könnten, um schneller, günstiger und effizienter am Markt zu sein.

Mit dem neuen Alletra Storage MP X10000 stellte HPE einen ultraschnellen Objektspeicher vor – angeblich bis zu sechsmal schneller als Konkurrenzlösungen. Entwickelt für Daten im Exabyte-Bereich, soll er Datenspeicherung und -wiederherstellung optimieren und sich besonders für moderne Datenbanken und KI-Anwendungen eignen.

Ein Bolide darf inzwischen auf keiner IT-Konferenz fehlen. HPE will als Technologiepartner im Formel-1-Team Mercedes AMG Petronas beweisen: „Insight wins the race!“(Bild:  Vogel IT-Medien)
Ein Bolide darf inzwischen auf keiner IT-Konferenz fehlen. HPE will als Technologiepartner im Formel-1-Team Mercedes AMG Petronas beweisen: „Insight wins the race!“
(Bild: Vogel IT-Medien)

Nicht zu vernachlässigen sei auch der Part des Networking als „größter Wegbereiter für KI und Cloud“. Mit künstlicher Intelligenz erreiche Netzwerktechnologie „ein neues Level“, so HPE-Chef Neri in seiner Keynote. Durch den Kauf von Juniper Networks – die Übernahme soll Ende dieses Jahres, spätestens Anfang 2025 abgeschlossen sein – könne HPE mehr cloud- und KI-native Technologien für Rechenzentren anbieten und damit den durch hybride Clouds und KI veränderten Anforderungen an die Infrastruktur gerecht werden – weil „traditionelles Denken hier nicht mehr funktioniert“, so Neri.

Für regulierte Umgebungen, die eine sichere Cloud-Nutzung benötigen ohne Internetzugang, hat HPE „air-gapped Private Clouds“ eingeführt. Diese Lösungen richten sich an Organisationen, die sensible Daten vor externem Zugriff schützen müssen. Die Option „disconnected“ zu sein, erklärt Deutschlandchef Fischer, kommen jenen Unternehmen entgegen, die das „Flottenmanagement“ von immer mehr Plattformen und Systemen über die Cloud aus Sicherheitsbedenken nicht mehr wollen.

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Zweite Option für Virtualisierung neben VMware

Das in Barcelona anwesende C-Level von HPE wurde nicht müde zu betonen: Das Highlight in diesem Jahr ist der Launch von HPE VM Essentials, einer Software für die einfache Verwaltung virtualisierter Workloads. Damit zielt der Konzern direkt auf VMware by Broadcom, die zuletzt aufgrund einer veränderten Lizenzpolitik viele Nutzer verärgert, irritiert und sogar verloren hatte. „Wir bieten mit HPE VM Essentials eine zweite Option für Virtualisierung“, erklärt der deutsche CTO Meier. Viele Kunden hätten sich eine Alternative gewünscht, „an Stelle des in diesem Produktfeld bisher vorherrschenden single-source“.

Ab Dezember soll die Lösung stand-alone zum Testen verfügbar sein, im kommenden Jahr auch integriert angeboten werden. HPE VM Essentials lässt sich nahtlos in bestehende Hypervisor-Workloads integrieren und ermöglicht Live-Migration und Datensicherung sowie ein einheitliches Management über hybride Umgebungen hinweg – und das bei bis zu fünfmal geringeren Betriebskosten. Das ist doch mal eine Ansage an den bisherigen Platzhirschen.

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