Wo stehen die Unternehmen der DACH-Region bei der Einführung und Nutzung von Cloud und KI? Und wie beeinflussen diese Projekte Entscheidungen zu Infrastrukturen und Bereitstellungsumgebungen? Der neue Enterprise Cloud Index liefert eine aktuelle Bestandsaufnahme.
Deutsche Unternehmen – insbesondere aus dem Mittelstand – bevorzugen die Datenverarbeitung am Edge wegen der Nähe zum Netzwerk und niedrigerer Latenzen.
Nutanix hat die achte Ausgabe seines jährlichen Enterprise Cloud Index (ECI) vorgestellt. Sie zeigt den Status quo des Cloud Computings in Deutschland im Vergleich zu den Aktivitäten weltweit. „Der ECI liefert uns immer einen Schnappschuss in Sachen Nutzung des Cloud Computings und zeigt uns, wie Deutschland, Österreich und die Schweiz, also die DACH-Region, im internationalen Vergleich abschneiden“, so Thomas Herrguth, General Manager von Nutanix Deutschland, bei der Präsentation der Ergebnisse.
Edge und Geschwindigkeit im Mittelstand
Und diese überraschen durchaus an der einen oder anderen Stelle – allen voran, wenn es um den Einsatz von Edge Computing geht. Denn DACH-Unternehmen priorisieren Edge-Deployments, um Entscheidungen schneller und datennah zu treffen – in der Fabrik, im Lager, in der Filiale. Und zwar viel massiver, als das die internationalen Wettbewerber tun. Tatsächlich stehen der globalen Edge-Nutzung von 43 Prozent massive 65 Prozent Anteil der Unternehmen gegenüber, die Container am Edge betreiben. Bis in drei Jahren sollen die Zahlen auf 55 respektive 77 Prozent steigen. Deutschland liegt damit konstant rund 22 Prozentpunkte über dem weltweiten Schnitt – heute und in naher Zukunft.
„In den deutschsprachigen Ländern spielt der Maschinenbau nach wie vor eine bedeutende Rolle; in der Fertigung werden vor Ort Unmengen an Daten generiert, teils unstrukturierte wie Videoaufnahmen. Die Übertragung dieser Mengen ins Rechenzentrum dauert ihre Zeit“, analysierte Beat Müller, Director Systems Engineering bei Nutanix in der Schweiz und Österreich, die Lage. Latenz sei bei der Datenübertragung im Mittelstand nach wie vor ein großes Thema, erläuterte Herrguth. „Kostengünstiger und schneller geschieht die Verarbeitung in Containern at the Edge, deswegen wächst dieses Segment in der DACH-Region im internationalen Vergleich schneller“, assistierte Müller. Zudem fördere die KI den Einsatz von Containern.
Ganze 81 Prozent der DACH-Unternehmen verarbeiten am Rand, weil das Netzwerknähe und eine niedrige Latenz verspricht. Weltweit ist das nur für 74 Prozent entscheidend. Die deutschsprachigen Anwender nennen zudem zu 79 Prozent eine „umgebungsübergreifende Konsistenz“ als Grund für den Edge-Computing-Einsatz; sie liefere eine „zuverlässige Leistung und Kompatibilität über alle Umgebungen hinweg“. Weltweit nennen das 75 Prozent als entscheidenden Grund.
Bare Metal als Fundament
Stärker als global üblich setzen die DACH-Firmen auch auf eine Bare-Metal-Infrastruktur, die ihnen maximale Performance und Kontrolle verspricht. „Neben der Latenz ist die Sicherheit das große Thema des deutschen Mittelstandes“, berichtete Herrguth. Bare Metal verspreche diese insbesondere für Produktionsumgebungen. „Für die vorausschauende Wartung von Maschinen werden Daten in Echtzeit benötigt“, fuhr der Deutschland-Chef fort. „Das richtet den Fokus auf Bare Metal, bei dem die KI direkt auf der Hardware installiert ist, ohne dass eine Virtualisierungsschicht dazwischen liegt.“
Die Zahlen sind auch hier eindeutig: 75 Prozent der DACH-Firmen nutzen containerisierte Apps auf Bare Metal, weltweit sind es lediglich 56 Prozent. Betrachtet man ausschließlich KI-Anwendungen, so sind es 20 zu 14 Prozent. Deutschland und seine Nachbarn sind hier keineswegs Nachzügler, wie gerne kolportiert wird; sie halten einfach viel von Security, wie Beat Müller erklärte. Passenderweise hat Nutanix auf seiner .NEXT Conference in Chicago im April 2026 „NKP Metal“ vorgestellt, um Kubernetes-Bereitstellungen direkt auf Bare-Metal-Infrastrukturen zu unterstützen. „Es gibt praktisch kein Kundengespräch mehr, in dem Kubernetes kein Thema wäre“, berichtete Herrguth.
Schatten-KI wird zum Problem
Thomas Herrguth leitet seit Februar 2025 als General Manager das Deutschlandgeschäft von Nutanix.
(Bild: Nutanix)
In Bezug auf künstlicher Intelligenz (KI) auf Bare Metal sieht der deutsche General Manager eine immer größere Gefahr durch Schatten-KI auftauchen: „Wir sehen dieses Problem in unseren eigenen Reihen – jeden Tag tauchen neue KI-Tools auf, die unsere Mitarbeiter natürlicherweise nutzen wollen, dabei geht der Überblick verloren. Es braucht daher eine zentrale Stelle im Unternehmen, die den KI-Einsatz koordiniert. Manchmal ist eben weniger mehr.“
Positiv sei, dass das Bewusstsein für die Gefahren der KI – beispielsweise die Abwanderung von kritischen Daten und Geschäftsinterna oder halluzinierte Prognosen auf Basis falscher oder unzureichender Daten – spürbar zunehme. Unter Nutanix als zentraler Plattform sei eine Ausbreitung des IT-Schattens praktisch nicht möglich, auch Silos würden so einfach aufgelöst.
Stand: 08.12.2025
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Souveränität als Grundvoraussetzung
Der ECI hat des Weiteren ergeben, dass Anwender in der DACH-Region die digitale Souveränität zu 95 Prozent (!) als Grundvoraussetzung für jede Infrastrukturentscheidung betrachten. Das sagt eigentlich alles. „Digitale Souveränität stellt sich weniger als Geschäftsziel heraus denn als Mittel, das gewissermaßen selbstverständlich gegeben sein muss, um das Geschäft voranzubringen“, so Herrguth.
Das Thema beschäftige ihn und insbesondere Nutanix als US-amerikanischen Anbieter sehr intensiv. „Im Mittelstand in der kompletten DACH-Region führen wir zur Souveränität sehr, sehr viele Gespräche, wobei der Ton nicht selten ideologisch aufgeladen ist.“ Er gibt den Anwendern zu bedenken, dass Nutanix generell keinen Zugriff auf Kundendaten habe. Zudem werde oft vergessen, dass der Nutanix-Hypervisor AHV auf der Open-Source-Technologie KVM basiert. Die Lösung nutze also eine quelloffene Grundlage, sei zudem mit proprietärer Orchestrierungs- und Verwaltungssoftware gekoppelt, um die Bedienung zu erleichtern und die Innovationsgeschwindigkeit hochzuhalten. „Wir sind nicht der Feind, sondern vielmehr Teil der Lösung“, wiederholte Herrguth mehrmals.
Auch sieht er in der Diskussion um souveräne Daten die Hardware zu wenig beleuchtet. „Alle reden über die Cloud, also Software, aber wie uns die Geschichte gelehrt hat, können auch in der Hardware Backdoors versteckt sein.“ Darüber hinaus ist er der Meinung, dass letztendlich nicht alle Risiken des Geschäftslebens ausgeschaltet werden könnten; Autarkie sei auf Unternehmensebene eine Illusion. Herrguth plädierte stattdessen für ein „aktives Abhängigkeitsmanagement“ statt endloser Diskussionen um Souveränität. „Souveränität bedeutet eben keine vollständige Autarkie, sondern Autonomie mit bewusstem Management von unumgänglichen Abhängigkeiten.“
Zur Studie Wakefield Research hat den achten jährlichen Enterprise Cloud Index (ECI) im November vergangenen Jahres im Auftrag von Nutanix erhoben. Es wurden 1.600 Cloud-, IT- und Entwicklungsverantwortliche ab Manager-Ebene dafür befragt, darunter 100 Unternehmen aus Deutschland mit mehr als 500 Mitarbeitern. Für den weltweiten Vergleich wurden Manager in Australien, Brasilien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Italien, Japan, Mexiko, den Niederlanden, Saudi-Arabien, Singapur, Spanien und den USA kontaktiert.