Enterprise Mobility Summit 2017

Digitalisierung und Smart Workspace im Fokus

| Autor: Andreas Donner

Der fünfte Enterprise Mobility Summit fand am 28. und 29.09.2017 in der Villa Kennedy in Frankfurt am Main statt.
Der fünfte Enterprise Mobility Summit fand am 28. und 29.09.2017 in der Villa Kennedy in Frankfurt am Main statt. (Bild: Donner / VIT)

Der fünfte Enterprise Mobility Summit der Vogel IT-Akademie Ende letzter Woche war der bisher beste! Auf hohem Niveau bestimmten Themen wie Digital Workspace, Prozessintegration, Security, und DSGVO bzw. GDPR die Inhalte der Veranstaltung, die mit knapp 160 Teilnehmern auch wieder sehr gut besucht war.

„Digitalisierung beginnt beim Arbeitsplatz“, sagte Nicole Dufft, Independent Vice President bei PAC, in ihrer Keynote zur Eröffnung des fünften Enterprise Mobility Summits der Vogel IT-Akademie, dem Veranstaltungsbereich des Augsburger Verlagshauses Vogel IT-Medien, am vergangenen Donnerstag. Und, dass zu diesem Arbeitsplatz mobile Geräte wie Smartphones, Tablets und Notebooks nicht nur dazugehören, sondern mittlerweile essentieller Bestandteil desselben sind, muss an dieser Stelle schon gar nicht mehr erwähnt werden.

Noch vor zwei Jahren spielten hitzige Diskussionen rund um Bring Your Own Device und die Integration mobiler Geräte in die Unternehmens-IT eine gewaltige Rolle auf dem Summit. In diesem Jahr kräht kein Hahn mehr nach dem gescheiterten BYOD-Konzept und das Management mobiler Devices ist längst fester Bestandteil in der Unternehmens-IT und deshalb auch nicht mehr wirklich diskussionswürdig.

Dagegen geht es in den Keynotes, Thinktanks, Podiumsdiskussionen, und Best-Practice-Präsentationen dieses Jahres um Prozessintegration und den Wandel des Arbeitsplatzes im Rahmen der Digitalisierung sowie die damit einhergehenden Herausforderungen für Unternehmen und Mitarbeiter – und das aus aktuellem Anlass natürlich häufig vor dem Hintergrund der nahenden Deadline in Sachen DSGVO-Umsetzung im Mai 2018.

Im Mittelpunkt: Der Mensch

Und so umreißt die Eingangs-Keynote von Nicole Dufft die Inhalte des Summits ganz treffend: „Der Mensch und nicht die Technologie muss im Mittelpunkt stehen“, sagt Dufft, und charakterisiert damit den hohen Reifegrad, den die Diskussionen rund um Digitalisierung und Mobility mittlerweile eingenommen haben. Klar ist dabei, dass die IT-Arbeitsumgebung in den allermeisten Unternehmen längst als geschäftskritisch angesehen werden kann, und dass moderne IT die Basis jeder Digitalisierung sein muss. Dennoch nutzt auch die modernste und beste Infrastruktur nichts, wenn sie nur ihrer selbst willen zum Einsatz kommt.

So verschwenden auch in bereits gut digitalisierten Unternehmen Wissensarbeiter heute noch rund 36 Prozent ihrer Arbeitszeit für unkreative Routinetätigkeiten. Stimmt die Prozessintegration und ist die Digitalisierungsstrategie eines Unternehmens bis ins Detail durchdacht, dann lassen sich derartige Routine-Aufgaben weitestgehend automatisieren und damit minimieren.

Gerade im Hinblick auf den Smart Workspace – also den voll digitalisierten Arbeitsplatz – verschwimmen die Grenzen zwischen ortsgebundenen Systemen und Mobility zunehmend. Konzepte, die dasselbe Look & Feel sowie identischen Funktionsumfang unabhängig vom Endgerät ermöglichen, lassen das Bewusstsein für Mobilität schwinden. Und so kann ein Mitarbeiter mit digitalisiertem Arbeitsplatz am Ende einer Arbeitswoche wahrscheinlich gar nicht mehr sagen, ob und welche Teile seiner Arbeit an stationären oder mobilen Geräten erledigt wurden – vielleicht auch deshalb, weil die Art des Endgeräts sogar während eines Arbeitsschrittes wechselt. Und genau so muss es sein: Mobility muss über das Thema Digitalisierung derart in die Unternehmensprozesse und Arbeitsweisen der Mitarbeiter integriert sein, dass es keine erkennbare Trennlinie mehr gibt.

Roter Faden DSGVO

Breiten Raum nahm auf dem Enterprise Mobility Summit auch das Thema Europäische Datenschutz-Grundverordnung ein. In zahlreichen Best-Practice-Präsentationen und Roundtables war die DSGVO zentral präsent und hielt durch gezielte diesbezügliche Fragen der Teilnehmer oft auch am Rande Einzug in „themenfremde“ Vorträge.

Doch so wichtig und präsent das Thema auf dem Summit auch war – die Umsetzung der DSGVO ist an sich nur zu einem sehr kleinen Prozentsatz an IT im allgemeinen und an Mobility im speziellen gekoppelt. Zu gut und gerne 85 % lässt sich die DSGVO rein strategisch, prozessual und organisatorisch regeln. In Sachen IT reicht dann oft nur die Änderung kleiner Code-Bereiche oder die Anpassung einiger Konfigurationen.

Dies legte zumindest Wilfried Reiners, Fachanwalt für IT-Recht und Lehrbeauftragter an der europäischen Privathochschule Munich Business School, in seiner Keynote eindrücklich dar. Und Reiners weiß wovon er spricht, schließlich hat er bereits mehr als 150 Umstellungen auf DSGVO-Konformität in mittleren und großen Unternehmen erfolgreich betreut. Außerdem stellt Reiners fest, dass die allermeisten mittleren und großen Unternehmen das Thema längst im Griff haben. Sicher fehle es hier und da noch an dem einen oder anderen Detail, aber grundsätzlich sei man auf dem Weg. Für kleinere Unternehmen, die das Thema immer noch angstvoll vor sich herschieben, hat Reiners einen Rat: Machen! Loslegen! Anfangen! So schwer und komplex sei das Thema nämlich nicht – was man spätestens merke, wenn man sich aus Sicht des eigenen Unternehmens intensiv mit der Materie befasse.

Ausflug in fremde Welten

Wie in jedem Jahr konnte auch der aktuelle Summit im Bereich der Keynotes mit sehr zukunftsgerichteten Themen aufwarten, die für viele der Teilnehmer aktuell zwar (noch) keinen praktischen Hintergrund haben, dennoch ungemein spannend und hochinteressant waren – wie immer quasi das Salz in der Suppe des Summits.

So berichtete Dr. Bruno Michl vom IBM-Forschungslabor im schweizerischen Rüschlikon über künftige Einsatzmöglichkeiten und die Bedeutung von Wearables sowie über den aktuellen Stand und die Forschung in Sachen Quanten-Computing. Hintergrund ist hier die dringend benötigte Aktualisierung unserer auch mobil massenhaft verwendeten Verschlüsselungstechnologien. Denn die klassisch auf Primzahlen-Faktorisierung aufgebauten heutigen Verschlüsselungen lassen sich mit Quantencomputern selbst bei 256 Bit Länge innerhalb weniger Minuten knacken. Aktuelle Rechnertechnologien brauchen dafür noch mehrere Monate oder gar Jahre. Spätestens wenn die Quanten-Computer die Forschungslabors dieser Welt verlassen, wird es also Zeit…

Ebenfalls sehr zukunftsorientiert und nicht auf mobile Technologien beschränkt, war das Thema der Keynote von Andrei Martchouk, Managing Director von KI decentralized. Er machte die Blockchain greifbar und erläuterte, wie die neue Technologie unsere Geschäftsprozesse revolutionieren wird.

Sehr viel Mobilitäts-naher ging es dann im Keynote-Vortrag „Spectrum of Mobile Risk“ von Mike Murray, Vice President of Security Research bei Lookout, zu. Murray skizzierte ein düsteres Bild der mobilen Sicherheit und unterstrich die Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels im Security-Bewusstsein der CIOs und CSOs.

Denn bisher waren Unternehmensnetze sicher. Jahrzehntelang haben Experten und Fachfirmen alles dafür getan, Unternehmensnetze abzusichern. Mit Erfolg: die Infektionsrate in Unternehmensnetzen ist verschwindend gering, auch wenn spektakuläre Fälle immer wieder anderes suggerieren.

Anders im mobilen Bereich. Hier liegt die Infektionsrate von Smartphones bspw. deutlich über fünf Prozent. Wenn überhaupt, dann sind nur auf Android-Geräten Abwehrmechanismen für IT-Gefahren zu finden – und auch diese arbeiten nur mit sehr zweifelhaftem Erfolg. iOS-Geräte bleiben in puncto Security-Tools dagagen komplett außen vor. Und das bei Geräten, die 24 Stunden täglich, 365 Tage im Jahr mit ihrem Besitzer quasi verwachsen sind. Die GPS-Tracking, Kamera und Mikrophon beinhalten und auf denen sich alle relevanten Daten des Besitzers finden – von Fotos über Adressen bis hin zur geschäftlichen und privaten Korrespondenz. Zudem sind die Geräte bei den meisten Menschen der zweite Faktor einer Zweifaktor-Authentifizierung und nicht selten Zugangsausweis zu Unternehmens-Gebäuden. Auf jeden Fall stellen diese ungesicherten Devices aber eine Tür ins Firmennetz dar: ein Horror für Sicherheitsverantwortliche.

Zahlen & Fakten: Die Enterprise Mobility Study 2017

Fester Bestandteil des Enterprise Mobility Summits, zu dem erneut Spitzenvertreter aus Anbieter- und Anwenderunternehmen eingeladen waren, war auch in diesem Jahr die exklusive Erst-Präsentation der Ergebnisse der Enterprise Mobility Studie 2017, die IP-Insider unter seinen Lesern im zweiten und dritten Quartal 2017 durchgeführt hat.

Besonders spannend bei der Präsentation durch Werner Nieberle, Geschäftsführer der Vogel IT-Medien, war in diesem Jahr der Vergleich der Ergebnisse mit den Werten der Umfragen aus den Jahren 2015 und 2016. Registrierten Lesern von IP-Insider steht die Enterprise Mobility Study 2017 ab sofort kostenfrei zum Download zur Verfügung (eine Registrierung ist ebenfalls kostenfrei möglich).

Die Award-Verleihung gehört auch in diesem Jahr dazu.
Die Award-Verleihung gehört auch in diesem Jahr dazu. (Bild: Donner / VIT)

And the Winner is…

Ebenfalls wie in den letzten Jahren gehörte auch in diesem Jahr die Verleihung der Enterprise Mobility Awards zum Programm des Summits. Prämiert werden dabei konkrete Anwender-Projekte mit Pilot-Charakter. Insgesamt über 30 Bewerbungen um den begehrten Award erreichten die Jury um Nicole Dufft (Independent Vice President , Pierre Audoin Consultants (PAC)), Philipp Hübsch (Leiter Channel Sales, mediaTest digital), Werner Nieberle (Geschäftsführer, Vogel IT-Medien) und Andreas Vollmer (Geschäftsführer, appealing) in diesem Jahr.

Nach einer intensiven Erstbewertung bereits im Vorfeld des Summits durch die Jury, waren die Anbieter der neun besten Lösungen aus den Kategorien „Business Process Mobilization“, „Customer Relations / Recruitment“ und „Workforce Mobility / Digital Workspace“ aufgerufen, ihre Projekte auf dem Enterprise Mobility Award in fünfminütigen Präsentations-Slots vorzustellen.

Die Gewinner des Enterprise Mobility Award 2017 in der Kategrorie „Workforce Mobility / Digital Workspace“ sind auf Platz eins die Volkswagen AG mit "HID MOBILE APP", auf Platz zwei VMware mit "VMware Airwatch bei der Lufthansa Cargo" und auf Platz drei CHG-Meridian mit seinen "Enterprise Mobility Solutions".

In der Kategorie „Business Process Mobilization” gehen die Plätze eins bis drei an Namics mit "Mobinostics", an das "Digitales Autohaus" von Gudat Consulting und an den "Einsatz mobiler Endgeräte für Senioren in einer klinischen Studie" von Cyberfish.

Und auf dem Siegerpodest der Kategorie „Customer Relations / Recruitment“ finden sich auf Platz eins die Deutsche Post DHL Group mit ihrem Entwicklungspartner Seven Principles und der "POSTIDENT App", auf Platz zwei die BKK Linde mit "Digitaler Service »Familienbestandspflege«" und auf Platz drei die PlanetHome Group mit Ihrer Idee zu "Alexa Skill und Chatbot als neue Kanäle der Kundenkommunikation".

Nächstes Jahr, gleiche Zeit, selber Ort

Für das kommende Jahr hat die Vogel IT-Akademie erneut die Villa Kennedy in Frankfurt reserviert und so wird es Ende September / Anfang Oktober auch im Jahr 2018 heißen: Herzlich willkommen zum Enterprise Mobility Summit. Man darf gespannt sein, welche Themen den Kongress im kommenden Jahr prägen werden.

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