Digitale Souveränität Freiheit mit der Cloud

Ein Gastbeitrag von Mark Neufurth* 5 min Lesedauer

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In einer Zeit, in der sich geopolitische Ereignisse überschlagen, wird es für Unternehmen immer wichtiger zu wissen, wo ihre Daten gespeichert werden, ohne dass Dritte darauf zugreifen können. Das Konzept der digitalen Souveränität in Verbindung mit der Cloud bietet hierfür die Lösung.

Die Anforderungen der Unternehmen an Cloud-Anbieter sind hoch – bei der Auswahl sollte neben Kosten und Funktionalität auch der Faktor digitale Souveränität berücksichtigt werden.(Bild:  Lulla - stock.adobe.com)
Die Anforderungen der Unternehmen an Cloud-Anbieter sind hoch – bei der Auswahl sollte neben Kosten und Funktionalität auch der Faktor digitale Souveränität berücksichtigt werden.
(Bild: Lulla - stock.adobe.com)

Der Begriff der Souveränität im Kontext der Digitalisierung hat wenig mit der ursprünglichen staatstheoretischen Definition zu tun. Bei der digitalen Souveränität geht es nicht um die allgemeine staatliche Souveränität, sondern um die Fähigkeit eines Staates, aber auch anderer Rechtssubjekte wie Unternehmen, ihre Daten selbstbestimmt zu kontrollieren, zu schützen und zu gestalten – und darüber hinaus Herr über digitale Anwendungen, Prozesse sowie die Lieferkette zu sein. So stärken sie ihre digitale Resilienz.

Der US-amerikanische CLOUD Act (Clarifying Lawful Overseas Use of Data Act) beispielsweise hat vielen Organisationen vor Augen geführt, dass digitale Souveränität unabdingbar ist, um sicherzustellen, dass sie die volle Kontrolle über ihre Daten haben. Denn dieses Gesetz – flankiert von FISA Section 702 oder den angedachten KYC-Regeln (Know Your Customer) auf Basis der IIEPA-Sanktionsvorschriften – erlaubt es den US-Behörden, oft ohne richterliche Anordnung oder besondere Vorkehrungen Daten anzufordern, die auf US-amerikanischen Servern von Internetprovidern, IT-Dienstleistern und Cloud-Anbietern ortsunabhängig gespeichert sind.

Mehrheit der deutschen Unternehmen möchte mehr digitale Souveränität

Digitale Souveränität ist ein wichtiges Anliegen für Unternehmen, wie eine Umfrage von Ionos in Zusammenarbeit mit Techconsult ergeben hat. So sind 79 Prozent der befragten Unternehmer der Meinung, dass digitale Souveränität für sie selbstbestimmtes Handeln bedeutet. Für 78 Prozent ist es die Hoheit über die eigenen Daten und Applikationen. Wichtig ist den Befragten mit jeweils 68 Prozent auch, dass sie strategische Abhängigkeiten vermeiden und dass sowohl der rechtliche als auch der tatsächliche Standort ihrer Dienstleister (z.B. Cloud-Anbieter) in Deutschland oder der EU liegt. Dies zeigt, dass das Bedürfnis nach mehr Resilienz und Handlungsfähigkeit durch europäische Lösungen durchaus beachtlich ist.

Bis dahin ist es jedoch noch ein weiter Weg. Denn wie die Umfrage veranschaulicht, sind noch immer mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen stark von Nicht-EU-Dienstleistern anhängig. Vor allem in den Bereichen Infrastructure-as-a-Service (IaaS) und Software-as-a-Service (SaaS) schätzen 59 Prozent der Befragten ihre Abhängigkeit von außereuropäischen Dienstleistern als sehr hoch ein. Auch bei KI-Anwendungen geben mehr als 50 Prozent der Unternehmen eine hohe Abhängigkeit an. Als Gründe werden vor allem Kostenvorteile (43 %), fehlende Alternativen in Deutschland und der EU (35 %) sowie fehlende interne Kompetenzen (35 %) genannt.

Die Lösung: Multicloud-Ansatz und vertragliche Regelungen zu Serverstandorten

Um hier Abhilfe zu schaffen, versuchen 84 Prozent der befragten Unternehmen, vertragliche Regelungen über Datenspeicherorte, Zugriffsrechte und Sicherheitsmaßnahmen zu treffen. 82 Prozent wollen weniger proprietäre Hardware einsetzen. Ein weiterer Baustein in der Strategie von drei Vierteln der Befragten ist ein Multicloud-Ansatz, um ihre Souveränität zu stärken. Damit wird nicht nur eine einseitige Abhängigkeit von einzelnen Anbietern vermieden, sondern auch die damit verbundene Flexibilität, Redundanz und Ausfallsicherheit erhöht.

Hier kommen die Cloud-Anbieter ins Spiel, von denen die befragten Unternehmen sehr konkrete Vorstellungen haben. Über 82 Prozent halten Transparenz über die Zugriffsrechte auf Daten und die Zugangs- und Rechtekontrolle (IAM) für sehr wichtig. An dritter Stelle steht mit 80 Prozent die garantierte Rechtekontrolle. Die am häufigsten kritisierte Punkte sind mangelnde Interoperabilität und mangelnde Performance mit jeweils 35 Prozent. Defizite werden auch bei der Zugriffs- und Rechtekontrolle (32 %) sowie bei der Einhaltung von Compliance-Anforderungen (31 %) gesehen. Servicepartner aus dem Netzwerk der Cloud-Dienstleister helfen bei der Realisierung von Multicloud.

Die Cloud als Werkzeug, um Freiheit zu erlangen

Wie die Umfrage zeigt, sind die Anforderungen an Cloud-Anbieter hoch und die meisten Cloud-Anbieter haben sicherlich noch Verbesserungspotenzial. Bei der Auswahl eines Anbieters sollten Unternehmen darauf achten, dass ihre Cloud-Lösung flexibel, skalierbar und maximal verfügbar ist. Auch wenn die Faktoren Kosten und Funktionalität wichtig sind – der Faktor digitale Souveränität sollte ebenso berücksichtigt werden. So ist es auch wichtig zu prüfen, ob der ausgewählte IT-Dienstleister die gewünschten Anforderungen im Kontext der digitalen Souveränität erfüllt.

Die Wahl des richtigen Cloud-Anbieters ist die halbe Miete für ein gesundes Maß an digitaler Souveränität. Doch es gibt noch mehr Möglichkeiten, diesen Souveränitätsgrad zu erlangen. Fünf Schritte dazu:

1. Bestandsaufnahme und Entwicklung einer Strategie: Unternehmen sollten alle verwendeten digitalen Ressourcen und Technologien identifizieren. Dabei ist es auch hilfreich, Abhängigkeiten zu analysieren und zu bewerten. Anschließend sollten sie klare Ziele definieren, um die digitale Souveränität zu erreichen und eine Strategie entwickeln, die den Schutz, die Kontrolle und den verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Ressourcen festlegt.

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2. Stärkung der Unabhängigkeit: In einem zweiten Schritt sollten die Unternehmen ihre Abhängigkeit von Nicht-EU-Anbietern verringern. Proprietäre Systeme sollten reduziert und dosiert Open-Source-Technologien eingesetzt werden, um mehr Kontrolle zu erlangen.

3. Gewährleistung von Datensicherheit und Datenschutz: Unternehmen sollten sicherstellen, dass sie die DSGVO und andere wichtige europäische Vorschriften und Standards einhalten. Darüber hinaus sollten sie robuste Sicherheitsmaßnahmen implementieren. Dazu gehören Firewalls, Verschlüsselung und Zugangskontrollen.

4. Schulungen und Sensibilisierung von Mitarbeitenden: Digitale Souveränität hat nicht nur technische Komponenten. Unternehmen sollten ihre Beschäftigten über die Bedeutung der digitalen Souveränität sensibilisieren und regelmäßige Schulungen für Mitarbeitenden abhalten. Darüber hinaus sollten sie sicherstellen, dass alle geltenden Gesetze, Vorschriften und Standards in Bezug auf die digitale Souveränität eingehalten werden.

5. Überprüfung, Anpassung sowie Vorbereitung und Management möglicher Krisen: Als letzten Schritt sollten Unternehmen das Sicherheitsmanagement ihrer IT-Infrastruktur überprüfen, um Schwachstellen zu identifizieren und zu beheben. Schließlich sollten sie ihre Strategie kontinuierlich an die sich verändernde Technologie- und Bedrohungslandschaft anpassen und Notfallpläne für den Fall von Cyberangriffen, Datenverlusten oder anderen digitalen Schadensereignissen entwickeln.


* Der Autor Mark Neufurth ist Lead Strategist Marketing bei Ionos SE mit 25 Jahren Erfahrung in Webhosting und Cloud IT. Er startete bei 1&1 Internet AG, leitete Marktanalysen, entwickelte Strategien und unterstützte M&As. Später managte er Produkte und Monetarisierung bei XING. Seit 2013 ist er im Cloud-B2B-Bereich tätig, verantwortete bei Ionos Cloud die Markteinführung und Profitabilität der Produkte und gestaltet nun die Unternehmensstrategie.

Bildquelle: Ionos SE

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