Neben Private, Public und Hybrid Cloud gewinnt in deutschen Unternehmen die Multi-Cloud an Bedeutung. Sie verspricht mehr Resilienz, Flexibilität und wirtschaftliche Vorteile, erfordert aber klare Ziele.
Eine Multicloud-Umgebung basiert weniger auf technischen Einzelentscheidungen, sondern ist insgesamt als strategisches Betriebsmodell konzipiert.
Trotz anfänglicher Skepsis ist die deutsche Wirtschaft in der Cloud angekommen. Laut Bitkom Cloud-Report 2025 nutzen jetzt neun von zehn deutschen Unternehmen Cloud Computing. Hintergrund der Einführung war vielfach die Digitalisierung, etwa neue digitale Services für Kunden zur Zustandsüberwachung von Anlagen oder zur vorausschauenden Wartung. Diese innovativen Lösungen werden meist über die Cloud angeboten, denn der Aufbau einer spezifischen Infrastruktur ist häufig teuer und aufwändig.
Doch die Art des Cloud-Betriebsmodells variiert erheblich, wie der EuroCloud Pulse Check 2025 des eco-Verbandes ergab. So nutzen 14 Prozent der befragten Firmen ausschließlich Private, 14 Prozent nur Public Cloud. Die häufigste Strategie der Cloud-Nutzung ist die Hybrid Cloud (57 Prozent). Damit ist die Verbindung von Clouds mit einer eigenen Infrastruktur gemeint.
In vielen Unternehmen ist das notwendig, um historisch gewachsene Infrastrukturen aus Alt-Systemen weiter nutzen zu können. Ein typisches Beispiel sind Banken und Versicherungen, die seit langem selbst entwickelte Kernbanksysteme betreiben. Das hybride Nutzungsmodell wird jedoch häufig mit dem Einsatz mehrerer Clouds kombiniert. Nur etwa 14 Prozent der befragten Unternehmen nutzen ausschließlich Public Clouds mehrerer Anbieter.
Multicloud als Antwort auf hybride IT-Landschaften
Eine Multicloud-Strategie bedeutet, dass ein Unternehmen verschiedene Cloud-Anbieter parallel nutzt, um Workloads, Daten und Anwendungen sinnvoll zu verteilen. Es geht in erster Linie darum, Abhängigkeiten zu verringern und bestimmte Vorteile einzelner Anbieter zu nutzen.
Empfehlenswert für die Auswahl der Cloud ist der Best-of-Breed-Ansatz. Unternehmen setzen dabei nicht auf einen großen Anbieter für alles, sondern wählen für jede Aufgabe den besten Partner. Das können Lösungen sein, die besonders leistungsfähig bei Datenanalyse und KI sind, Clouds mit sehr gutem globalem Content-Delivery-Netz oder Clouds, die bestimmte Branchenanforderungen besser abdecken.
Unternehmen erhöhen damit ihre Resilienz und Innovationsgeschwindigkeit. Sie können außerdem gezielter auf Marktveränderungen reagieren. Richtig aufgesetzt, ist eine Multi-Cloud-Architektur auch wirtschaftlich, weil Unternehmen Anbieter und Preise flexibel vergleichen können. So können sie anhand der Preise entscheiden, wo sie Workloads betreiben oder Daten speichern. In der Praxis reicht die Umsetzung von Multicloud von „ein paar Anwendungen laufen verteilt“ bis zu einer konsistenten Infrastruktur mit einheitlichen Standards.
Das bedeutet aber auch eine steigende Komplexität. Sie lässt sich mit dem richtigen Orchestrierungskonzept beherrschen und in echten Mehrwert verwandeln. Die koordinierte Orchestrierung von Anwendungen, Infrastruktur und Betriebsprozessen über mehrere Cloud-Plattformen hinweg sorgt dafür, dass eine verteilte Cloud-Landschaft als zusammenhängendes System funktioniert und nicht als lose Sammlung einzelner Plattformen.
Orchestrierung macht die Multicloud beherrschbar
Zentral für die Orchestrierung ist die automatisierte Bereitstellung aller Anwendungen und Services anhand von standardisierten Beschreibungen. Diese legen fest, welche Komponenten benötigt werden und welche Anforderungen an Skalierung und Verfügbarkeit gelten. Dadurch werden alle Vorgaben korrekt umgesetzt und es wird möglich, Workloads gezielt und in absehbarer Zeit von einer Cloud die andere zu verlagern.
Mögliche Kriterien für die Verlagerung sind beispielsweise höhere Kosten, die Überlastung einer bestimmten Region oder eines bestimmten Anbieters oder aber strategische Entscheidungen wie die Art der Daten, die bei diesem Anbieter gespeichert werden. Es gibt jedoch eine wichtige Voraussetzung: portabel aufgebaute Anwendungen, beispielsweise als Container unter Kubernetes. So geht der Cloud-Wechsel flüssig vonstatten und wird nicht zu einem aufwändigen Migrationsprojekt.
Deshalb müssen Unternehmen in ihrer Multicloud-Strategie darauf achten, dass Daten und Anwendungen relativ schnell zwischen den unterschiedlichen Clouds hin und her bewegt werden können. Eine statische Multi-Cloud-Strategie bedeutet, dass beispielsweise KI-Modelle nur in einer bestimmten Cloud arbeiten. Eine dynamische Strategie sorgt dagegen von Anfang an dafür, dass es für jedes Anwendungsgebiet mehrere Alternativen gibt.
Stand: 08.12.2025
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Hier bieten sich die zahlreichen deutschen und europäischen Cloud-Provider an, die in den letzten Jahren entstanden sind. Sie kombinieren technologische Stärke mit rechtlicher Nähe, Compliance-Transparenz und Datenhoheit. Deshalb werden sie in zunehmendem Maße von den Unternehmen für einzelne Bereiche gebucht. Laut dem EuroCloud Pulse Check nutzen 66 Prozent der befragten Unternehmen europäische Anbieter für Backup und Disaster Recovery und 64 Prozent für Kubernetes- und Compliance-Lösungen.
Diese Zahlen sprechen dafür, dass die meisten Unternehmen den Einstieg in die Multi-Cloud Schritt für Schritt angehen. Denn es handelt sich dabei nicht um ein Plug-and-Play-Projekt. Es braucht eine Analyse der bestehenden IT-Landschaft, klare Zieldefinitionen und gute Kommunikation zwischen IT, Fachbereichen und Dienstleistern. Unternehmen sollten zunächst einmal die Abhängigkeiten der einzelnen Anwendungen und Workloads untereinander bewerten.
In einem zweiten Schritt sollten Unternehmen alle geschäftskritischen Prozesse genau analysieren und hinterfragen. Anschließend gilt es, den Zeithorizont der Migration zu bedenken. Mittelständler besitzen häufig standardisierte Workloads und können deshalb recht schnell migrieren. Größere Unternehmen benötigen dagegen mehr Zeit und Planung. Der Lohn ist eine zukunftsfähige, resiliente Architektur. Denn die Vorbereitung aller Anwendungen und Services für die Multicloud ist auch eine Chance zur IT-Modernisierung, weil sich Altlasten gezielt abbauen und Systeme zukunftsfähig neu aufstellen lassen.
Zusammengenommen zeigt sich, dass die Multicloud weniger auf technischen Einzelentscheidungen basiert, sondern insgesamt ein strategisches Betriebsmodell ist. Klare Ziele über die Weiterentwicklung der IT-Infrastruktur geben die Richtung vor, Standardisierung und Automatisierung helfen bei der Umsetzung. Ein wesentliches Erfolgskriterium ist zudem die Governance. Multicloud bedeutet, mehrere Abrechnungsmodelle und Kennzahlen gleichzeitig im Blick zu haben. Dazu gehört ein zentrales Monitoring und ein aktives Kostenmanagement. Wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, sorgt die Multicloud für digitale Souveränität und Resilienz.
* Der Autor Peter Höhn ist Chief Commercial Officer (CCO) von Plusserver.