Jenseits der Cloud-Giganten wächst und gedeiht eine neue Generation von Anbietern: flink, agil und einfach ganz anders. Ist das die Cloud von morgen?
Im Kontext der Pandemie müssen immer mehr Unternehmen ihre Cloud-Migrationen und Cloud-Infrastrukturprojekte beschleunigen, was der digitalen Transformation aber nur einen erheblichen Produktivitätsschub verleihen kann.
Cloud-Start-ups im Jahre 2020 fallen in eine ungewöhnliche Zeit. Alle Aspekte des Lebens drehen sich nun um die Cloud, denn Social Distancing und Work-from-Home-Policies sind während der Coronavirus-Pandemie zum neuen Normalzustand geworden. Der „Shift“ in die Cloud wäre auch so geschehen, doch die Pandemie hat diese Adoption noch weiter beschleunigt.
Cloud-Applikationen wie Zoom, DocuSign, Citrix, Microsoft Teams und Slack ermöglichen die cloud-gestützte Collaboration in einem bisher nie gekannten Ausmaß. Cloud-Anbieter wie Amazon Web Services, Microsoft Azure und die Google Cloud bilden das Fundament für Telearbeit und die globale Kommunikation des nun virtualisierten Hauptquartiers mit dem verteilten und dezentralisierten Homeoffice.
Mit Vollgas in die Cloud
Für junge Cloud-Firmen wirkt die Pandemie wie ein Wachstumsbeschleuniger. Laut dem Analystenhaus Gartner werden die Ausgaben für das Cloud Computing in diesem Jahr um satte 19 Prozent zulegen – wohlgemerkt in einer Konjunkturumgebung, in der die Wirtschaft insgesamt möglicherweise ganz deutlich schrumpft.
Viele IT-Planer hat die neue Normalität kalt erwischt. Bisher laufen laut Gartner bereits 33 Prozent der IT-Projekte in der Cloud. Ursprünglichen Prognosen zufolge sollte diese Zahl bis zum Jahre 2022 auf 55 Prozent klettern. Mit der ungeplanten Pandemie dürfte dieses Ziel ein ganzes Jahr früher erreicht werden, glauben mittlerweile dieselben Analysten. Innerhalb der nächsten Dekade sollen Unternehmen eine Billion US-Dollar für die Cloud ausgeben, d.h. 0,862 Billionen Euro – eine stolze Summe.
Die spannendsten Neugründungen
Eine Cloud-Infrastruktur für Datenstreaming Aiven entwickelt sich zu einem Plattformprovider von Cloud-Infrastrukturen für Daten-Streaming nach dem Database-as-a-Service-Betriebsmodell. Aiven hat u.a. gemanagte Open-Source-Datenbanken, Event-Streaming, Cache, Search- und Graphing-Lösungen im Köcher. Das finnische Cloud-Startup hat seine deutsche Niederlassung in der Metropole Berlin. Das Unternehmen bietet Managed Services für quelloffene Datenbanken wie Apache Kafka and Cassandra, Elasticsearch, M3 und PostgreSQL an. Das erst vier Jahre alte Aiven kann mittlerweile auf über 500 Kunden verweisen, darunter Unternehmen wie Atlassian, Comcast, OVO Energy und Toyota.
Das finnische Start-up Aiven möchte eine quelloffene Cloud für Datenstreaming bauen.
(Bild: Aiven)
Im Februar 2020 konnte Aiven eine Series-B-Funding-Runde in Höhe von 40 Millionen US-Dollar unter der Leitung des Wagniskapitalfonds IVP absolvieren. Nach der Verdreifachung der Umsatzrate auf 12 Millionen US Dollar im letzten Jahr (2019) konnte das Unternehmen die Zahl seiner Mitarbeiter auf 42 verdoppeln. Mit den neuen Investitionen von IVP wolle Aiven die Belegschaft verdreifachen und neue Open-Source-Technologien wie M3 und Fink ins Programm aufnehmen. Neue Features der Enterprise-Klasse könnten bald hinzukommen.
DevSecOps mit Fuzz-Testing für die Cloud GitLab Inc. ist ein sogenanntes Open-Core-Unternehmen: sein Geschäftsmodell basiert auf kommerziellen Diensten rund um einen „Technologiekern“ aus quelloffenem Code. Das Unternehmen verkauft Funktionalität und Support für eine gleichnamige DevOps-Plattform in Form gestaffelter Abonnements. Es handelt sich hierbei um eine einzelne Cloud-Anwendung für den gesamten Softwareentwicklungs- und Betriebslebenszyklus von Cloud-Software. Unter der neuen Channel-Chefin Sher Stalie hat das Unternehmen ein dreigleisiges Partnerprogramm implementiert, um die Marktreichweite von GitLab vor dem geplanten Börsengang auszubreiten. Um sein Angebot an DevSecOps-Features zu stärken, erwarb Gitlab im Juni 2020 das Cloud-Unternehmen Peach Tech aus Seattle und die israelische Fuzzit aus Tel Aviv. Bei Peach Tech handelt es sich um einen Cloud-Spezialisten für Sicherheitssoftware zum Testen von APIs. Das Unternehmen glänzt durch Fähigkeiten zum Untersuchen von Protokoll-Fuzz und zur Gewährleistung dynamischer Anwendungssicherheit. Mit Fuzzing ist eine Methode zum Testen der Widerstandsfähigkeit von Cloud-Software gemeint. Fuzzit hat eine solche Lösung für kontinuierliche Fuzz-Tests und abdeckungsgesteuerte Tests im Portfolio. Beide Cloud-Startups stärken das Produktportfolio von GitLab Inc. um kritische DevSecOps-Features für die automatisierte Qualitätskontrolle von Softwarecode in Anwendungen, welche der Eingabe aus öffentlichen Netzen ausgesetzt sind. Cloud-Software dürfte bald (noch) besser werden.
Stand: 08.12.2025
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Datengetriebene Entscheidungen in Echtzeit Imply bietet eine cloud-native Echtzeit-Analyselösung zum Speichern, Abfragen und Visualisieren ereignisgesteuerter Daten. Die Lösung basiert auf der Open-Source-Echtzeit-Analysedatenbank Apache Druid (https://druid.apache.org/) und wird in Public oder Private Clouds als selbst gehosteter oder Managed Service ausgeführt.
Analytics im Selbstbedienungsverfahren: Schematische Darstellung der Funktionsweise der cloud-basierten Datenauswertungsplattform Imply.
(Bild: Imply)
Das kalifornische Start-up entstand im Jahre 2015 aus der Initiative der Kernentwickler von Druid und konnte die legendäre Wagniskapitalfirma Andreessen Horowitz für seine Idee gewinnen. Seit seiner Gründung brachte es Imply auf eine Finanzierung in Höhe von 45,3 Millionen US-Dollar. Allein im Dezember des vergangenen Jahres erhielt das Unternehmen eine Finanzspritze über 30 Millionen US-Dollar und konnte seine Bewertung auf 350 Millionen US-Dollar erhöhen. Die Mittel sollen die Entwicklung der Plattform weiter vorantreiben und den Nutzern datengetriebene Entscheidungen erleichtern.
Cloud-to-Cloud-Backups OwnBackup ist ein Anbieter von Cloud-to-Cloud-Backups und Lösungen zur Datenwiederherstellung. OwnBackup kann automatisierte Backups von SaaS- und PaaS-Daten ausführen, wobei er schwerpunktmäßig Nutzer von Salesforce-basierten Anwendungen adressiert. Die 2015 gegründete Firma hat ihren Sitz in Englewood Cliffs, im US-Bundesstaat New Jersey. Das Unternehmen ist ein zertifizierter ISV-Partner mit dem Status Salesforce Gold und erhielt im Jahre 2018 die begehrte Auszeichnung Salesforce Appy Award. Das kleine Cloud-Start-up belegte im letzten Jahr (2019) den 102. Platz auf der jährlichen Liste der 500 am schnellsten wachsenden Privatunternehmen des Inc.-Magazins. In einer Finanzierungsrunde der Serie C, an der sich Salesforce Ventures beteiligte, konnte OwnBackup 23,35 Mio. US-Dollar einheimsen. Mit dieser Finanzierungsspritze möchte das Unternehmen seine Präsenz in Europa verstärken.
Neue Impulse aus dem Inland
Doch auch unter den deutschen Cloud-Start-ups gibt es viele anwendungsorientierte, praxisnahe Cloud-Dienste für die digitale Transformation des Mittelstands, darunter Plancraft aus Hamburg und Planstack aus Augsburg.
Digitalisierte Auftragsverwaltung für Handwerksbetriebe Das Hamburger Start-up Plancraft GmbH hat sich zum Ziel gesetzt, die Auftragsverwaltung im Handwerk zu digitalisieren. Handwerker sollen den Papierkram mit Hilfe von Cloud-Diensten in den Griff bekommen. Plancraft adressiert Handwerker, die eine benutzerfreundliche Cloud-Plattform für administrative Aufgaben rund um die Auftragsabwicklung benötigen. Plancraft habe ihre Cloud-Lösung gemeinsam mit Handwerkern entwickelt, die sich mit ihrer Zunft auskennen und keine IT-Experten werden wollen.
Das Hamburger Cloud-Start-up Plancraft des deutschen Gründerteams Alexander Noll, Richard Keil und Julian Wiedenhaus möchte Handwerkern gewerkeübergreifendes Arbeiten erleichtern.
Bisherige Lösungen seien entweder altbackene Softwareanwendungen, die eigene Server brauchen, oder schlecht umgesetzte Webapps, welche den Handwerker mit unnötigem Ballst überfordern. Plancraft setze als erste PGA (Progressive WebApp) in diesem Markt „ganz neue Standards in puncto UX, fokussierter Features und intuitiver Bedienbarkeit“, glauben die Gründer Julian Wiedenhaus, Alexander Noll und Richard Keil. Wiedenhaus ist gelernter Maschinenbauer. Noll ist Betriebswirt, Bauingenieur und Energieexperte. Keil ist der IT-Experte im Team. Im ersten Schritt geht es an die Einrichtung des eigenen Layouts und des eigenen Teams. Auch die Kalkulation des ersten Angebots geht leicht von der Hand. Zu den weiteren Features zählen die schnelle Auftragsbearbeitung inklusive der Erstellung von Angeboten, Aufmaßen und Abschlagsrechnungen. Auf diese Weise können Handwerker ihren Kunden die Auftragsdokumente im Handumdrehen liefern und dabei auch kurzfristige regulatorische Änderungen wie die bis Jahresende auf 16 Prozent gesenkte Umsatzsteuer berücksichtigen. Plancraft legt die Projektdaten in der Cloud an. Mittels flexibler Ordner für Projekte, Aufträge, Kunden oder auch als Ablage können die beteiligten Handwerker den Überblick über ihr Projekt behalten. Für Handwerks-Projekte gehören sogenannte Leistungsverzeichnisse ins Pflichtenheft. Plancraft greift hier den Handwerkern mit einer Vielzahl von Features unter die Arme. Die direkte Kalkulation von Aufmaßen im Cloud-Dokument und die intelligente Suche nach bestehenden Positionen erleichtert das Projektmanagement in Plancraft. Plancraft ist unter anderem EXIST- und ESF-gefördert. EXIST ist ein Förderprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi). Der Europäische Sozialfonds ESF gilt als Europas wichtigstes Instrument zur Förderung der Beschäftigung und sozialer Integration in Europa.
Agiles Baustellenmanagement in der Cloud Die Planstack GmbH aus Augsburg digitalisiert – und „agilisiert“ – das Baustellenmanagement.
In seiner Zentrale im Augsburger Technologie- und Gründerzentrum aiti-Park tüftelt die Planstack GmbH an ihrer Cloud-Plattform für das agile Baustellenmanagement.
(Bild: Planstack GmbH)
Mit digitaler Baudokumentation soll das agile Baustellenmanagement Realität werden. Planstack hat sich vorgenommen, die Aktivitäten von Bauunternehmern, Gewerken und Käufern miteinander effizient zu koordinieren. In der cloud-basierten Anwendung von Planstack kommen alle Projektbeteiligten auf einer Plattform zusammen. Alle Aufgaben von der Bemusterung über das Management von Sonderwünschen und Mängeln bis hin zur Schlüsselübergabe lasse sich so softwaregesteuert koordinieren. Die Umsetzung von Sonderwünschen klingt einfacher als ihre praktische Umsetzung. Denn Käufer möchten ihre Baueinheit nach eigenen Wünschen und Vorstellungen anpassen, nur lassen sich die Mehrkosten dafür nur schwer vorhersehen. Aus der Sicht der Kundenmanager verursacht die Bearbeitung von Sonderwunschanfragen mit allen Beteiligten eine Menge Zeitaufwand. Dieser fließt natürlich am Ende in die Preiskalkulation mit hinein; der eine oder andere Kunde springt aber von der Umsetzung ab, wenn der Aufpreis seine Budgetvorstellung übersteigt. Um für alle Beteiligten den Abstimmungsprozess an dieser Stelle zu vereinfachen, hat Planstack den sogenannten Sonderwunschkatalog umgesetzt.
* Das Autorenduo Anna Kobylinska und Filipe Pereira Martins arbeitet für McKinley Denali Inc. (USA).