Warum technische Marktführerschaft alleine nicht mehr reicht

Deutschlands Zukunft liegt in digitalen Diensten

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Noch ist Deutschland technischer Marktführer am Weltmarkt. Aber eben nur „noch“. Die Gefahr, digital abgehängt zu werden, ist groß. Auf dem Spielfeld Industrie 4.0, insbesondere in den Bereichen Analyse und Transformation haben andere Nationen die Nase vorn. Vorreiter ist hier die USA. In allen Konsum- und Investitionsgüterindustrien nimmt der Softwareanteil aber schon seit Jahren zu. Gerade die digitalen Serviceangebote, die sogenannten Apps, zeigen, wie bahnbrechend die Digitalisierung für viele traditionelle Unternehmen sein kann. Dies bekam vor allem die Musik- und Medienbranche hart zu spüren.

Gefahr läuft auch die Automobilbranche. Autos aus Deutschland fahren auf allen Straßen dieser Welt, sind technische Zugpferde und noch immer unsere Wirtschaftsgaranten. Aber während deutsche Autohersteller bei IoT noch vorwiegend an teure Assistenzsysteme denken, zeigt Googles bald serienreifes Self-Driving Car, wie schnell Wertschöpfung abfließen kann. Auch wenn die deutschen Autobauer Daimler, BMW und Audi ähnliche Konzepte für autonomes Fahren erarbeiten, verdeutlicht doch dieses Beispiel: Neue, ungeahnte Konkurrenzsituationen verwischen die Grenzen zwischen den Branchen immer mehr.

Die Accenture-Untersuchungen zeigt aber auch: Deutschland ist dran an der Industrie 4.0. Viele Unternehmen agieren bereits als Service-Anbieter der eigenen Produkte, indem sie ein digitales Ökosystem errichten. Das ist auch dringend nötig. Schließlich kann sich die Akzeptanz von Produkten sehr schnell ändern, was am Beispiel des Autos erkennbar ist. Einst des Deutschen liebstes Kind und Statussymbol, verliert es heute gerade bei jungen Menschen an Bedeutung, wie die vor allem in Städten erfolgreichen Carsharing-Modelle zeigen. Auf diesen Trend hat beispielsweise Daimler mit der Übernahme der App MyTaxi reagiert. Beim Einsatz digitaler Technologien belegen die Branchen IT-Industrie und Telekommunikation sowie Medien und Entertainment die Spitzenplätze, gefolgt von der Automobilindustrie. Hoffnung machen Handelsunternehmen wie Otto oder Zalando, die in Sachen Smart Services vorbildlich sind.

Jetzt Gas geben!

„Everything as a Service“ – intelligente Produkte, in intelligenten Netzen betrieben, mit internetbasierten Diensten verknüpft – heißt die Devise für alle Branchen, egal ob Gesundheitsbranche, Landwirtschaft, Finanz- und Versicherungsbranche, Fertigung oder Verwaltung. Für Riemensperger hat Deutschland die besten Voraussetzungen, auch bei der Digitalisierung Spitze zu sein. Nur beeilen müsse man sich: „Das globale Wettrennen um die Datenhoheit im Internet der Dinge ist voll entbrannt.“ Immer mehr Unternehmen forcieren vernetzte Produkte und „As-a-Service“-Dienste. Bis zum Jahr 2020 sollen über 50 Milliarden Gegenstände vernetzt sein, die Daten speichern, via Internet verteilte Dienste nutzen oder produktbezogene Informationen senden.

Accenture-Chef Riemensperger fordert die deutsche Industrie daher auf, diesen Wachstumsmarkt nicht anderen zu überlassen, und angestrengt in Sachen Softwarearchitekturen und Datenanalytik zu forschen. Alle Unternehmen, auch die Mittelständler, seien aufgerufen, sich die Fragen zu stellen: Lassen sich unsere Produkte dauerhaft mit dem Internet verbinden und als „As-a-Service“-Dienste verpacken? Können wir Elemente unserer Wertschöpfungskette vollständig digitalisieren? Würde diese Digitalisierung die Kontrollpunkte der Wertschöpfungskette zu unseren Gunsten verschieben? „Unternehmen, die gute Antworten auf diese Fragen haben, haben auch beste Aussichten auf zusätzliches Wachstum“, ist Riemensperger überzeugt. Politische und rechtliche Rahmenbedingungen wie ein digitaler Binnenmarkt in Europa sowie ein verbesserter EU-Datenschutz sind weiteres Rüstzeug, dass Deutschland die Führungsrolle beim industriellen Internet einnehmen kann.

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