Cloud-Nutzung in Österreich Deutschland ist den Nachbarn ein Stück voraus

Von lic.rer.publ. Ariane Rüdiger 4 min Lesedauer

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In seinem Cloud-Monitor 2023 untersuchte KPMG Österreich die dortige Cloud-Nutzung durch Unternehmen. Fazit: Österreich hinkt der Cloud-Nutzung in Deutschland noch etwas hinterher, holt aber kräftig auf.

Unternehmen in Österreich stehen mit Cloud Computing vor ähnlichen Herausforderungen, wie  deutsche Cloud-Anwender – und machen die gleichen Erfahrungen.  (Bild:  frei lizenziert kirill_makes_pics - Pixabay /  Pixabay)
Unternehmen in Österreich stehen mit Cloud Computing vor ähnlichen Herausforderungen, wie deutsche Cloud-Anwender – und machen die gleichen Erfahrungen.
(Bild: frei lizenziert kirill_makes_pics - Pixabay / Pixabay)

KPMG befragte auch 2023 wie schon seit 2020 österreichische Unternehmen nach ihrer Cloud-Nutzung. Vertreten waren 200 Firmen ab 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Dabei beschäftigten 35 Prozent bis 249 Personen, 52 Prozent 250 bis 4.999 und der Rest über 5.000. Der Schwerpunkt lag also auf dem klassischen bis gehobenen Mittelstand.

Wichtigste Feststellung: Die Cloud ist auch in Österreich für alle Unternehmen mit wenigen Ausnahmen unverzichtbar geworden. 93 Prozent sagen, sie nutzen die Cloud in irgendeiner Form.

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Zwei Drittel in der Multi-Cloud

Und auch die Multi-Cloud ist inzwischen keine exotische Erscheinung mehr: 68 Prozent der österreichischen Befragten gaben an, Multi-Cloud-Computing zu betreiben, also mehr als einen Cloud Service Provider zu nutzen. Besonders groß ist der Anteil bei den Unternehmen ab 250 Mitarbeiter mit 73 Prozent. Hier zeigt sich allerdings derzeit noch eine große Differenz zu Deutschland, denn dort sind bereits 82 Prozent Multi-Cloud-Nutzer.

Große Unternehmen sind in Österreich übrigens besonders zurückhaltend, wenn es darum geht, voll auf Public Cloud umzusteigen. Sie bevorzugen entweder die Private Cloud (54 %) oder aber hybride Modelle (43 %).

Cloud First wird Standard

Hinsichtlich der Cloud-Transformation ist die Norm mittlerweile auch in Österreich die Umsetzung neuer Anwendungen als Cloud First (43 %). Das ist gegenüber dem Vorjahr ein erheblicher Anstieg um etwa ein Viertel, denn 2022 setzten nur 33 Prozent auf diese Anwendungsstrategie.

Dennoch ist Deutschland auch in diesem Bereich schon weiter in der Cloud-Transformation. Hier sind es 57 Prozent, die Cloud First bevorzugen. Allerdings ist wohl davon auszugehen, dass sich diese Unterschiede eher schnell als langsam einebnen.

Cloud-Only-Anteil verdreifacht

Besonders stark hat sich der Anteil der österreichischen Befragten erhöht, die bereits eine Cloud-only-Strategie verfolgen. Es sind nämlich inzwischen 22 Prozent – 2022 waren es nur sieben Prozent. Diejenigen, die Cloud Only überzeugt, haben sich also verdreifacht. Vergleichszahlen zu Deutschland gab es hier nicht.

Die KPMG-Analysten spekulieren inzwischen, ob man Cloud First als Brückentechnologie in die Cloud-Only-welt betrachten muss. Das würde langfristig das Ende von On-prem-Infrastrukturen mit Ausnahme der Private/Hybrid Cloud bedeuten.

Immer mehr Anwendungen in die Cloud

Die im Folgenden genannten Zahlen beziehen sich ausschließlich auf Österreich. Für eine rasante Durchdringung gerade auch mit Public-Cloud-Services spricht die Zahl der Anwendungen, die die Befragten jetzt und in Zukunft in die Public Cloud verlegen wollen oder bereits dort betreiben.

Abgefragt wurden die Werte für heute und die Prognosen für 2026. Danach gaben 39 Prozent der Unternehmen über 250 Mitarbeiter an, dass sie schon heute mehr als vier von zehn Applikationen in der Cloud haben. In Deutschland lautet der entsprechende Wert 43 Prozent und ist damit nicht weit entfernt.

42 Prozent dieser Befragten sagen, sie wollten in drei Jahren, also 2026, schon mehr als sechs von zehn Anwendungen in die Public Cloud verlagert haben. In Deutschland wollen 50 Prozent in drei Jahren auf diesem Stand sein.

Transformationstreiber IT

Wer treibt die IT-Transformation voran? Vor allem die IT-Leitung mit 59 Prozent. Deren Rolle scheint in Deutschland übrigens stärker zu sein. Hier gaben 75 Prozent der Befragten ein, die IT habe bezüglich der Cloud den Hut auf.

Bei 38 Prozent der befragten österreichischen Unternehmen widmet sich die Geschäftsleitung oder der Vorstand dem Cloud-Thema. 33 Prozent der Firmen haben ein Cloud Excellence Center. Außerdem verwendet rund ein Drittel besonders der großen Unternehmen die Services externer Dienstleister für die Durch- und Umsetzung des Cloud Computing.

Leistung ganz vorn bei Auswahlkriterien

Welche Kriterien dominieren die Auswahl eines Cloud-Services oder -Dienstleisters? Stabilität und Leistungsfähigkeit liegen hier mit 70 Prozent Nennungen eindeutig vor. Für österreichische Mittelständler (250 bis 4.999 Beschäftigte) ist die Vertrauenswürdigkeit und Compliance des Anbieters besonders wichtig (76 %, insgesamt 69 %).

Drittwichtigstes Kriterium sind Unabhängigkeit und Offenheit des Cloud-Providers (60 %). Besonders für Großunternehmen spielt es eine Rolle, dass der Anbieter Rechenzentren im EU-Gebiet hat (insgesamt 52 %, Großunternehmen 57 %).

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Sicherheit wichtigstes strategisches Ziel

Bei den strategischen Zielen der Cloud-Nutzung liegt inzwischen die Sicherheit mit 57 Prozent ganz vorn, während in den Anfangsjahren der Cloud stets Kostenaspekte das Bild dominierten. Die schaffen es mit 41 Prozent gerade noch auf Platz 5. Am zweitwichtigsten ist die Digitalisierung interner Prozesse (48 %). Auf Platz drei liegt die Entwicklung innovativer Produkte und Dienste (43 %), an vierter Stelle die Entwicklung neuer, digitaler Geschäftsmodelle (42 %).

Die letztgenannten Gründe werden, so vermutet KPMG im sich derzeit verschlechternden ökonomischen Umfeld eher an Bedeutung gewinnen. Bieten sie doch die Chance, sich vom Wettbewerb positiv abzuheben.

Sicherheits-Services zunehmend vom CSP

Dass Sicherheit das wichtigste strategische Ziel ist, hat Gründe: Immerhin nutzen inzwischen 54 Prozent der Befragten Cloud-native Sicherheitsservices ihres Cloud-Providers. Hier haben die Dienstleister also deutlich nachgerüstet, obwohl noch immer 60 Prozent der Anwender für Sicherheitsdienste auch auf Dritttanbieter zurückgreifen. Von den bezogenen Cloud-Security-Services dienen 57 Prozent der Netzwerksicherheit.

Sicherheit ist auch in einem anderen Aspekt ein Top-Thema: DevOps und DevSecOps werden inzwischen von 71 Prozent der Anwender verwendet. Dabei liegen Public-Cloud-User mit 80 Prozent vorn. Diese Technologien und Prozesse bringen vor allem mehr Sicherheit (81 %), bessere Qualität (56 %) und mehr Agilität (50 %). Kostensenkung nennen als Vorteil demgegenüber nur 29 Prozent.

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Cloud-Services als ESG-Tool

Interessant ist, dass rund ein Viertel der Befragten Cloud-Services auch aus ESG-Gründen strategisch einsetzen. Beispielsweise, so KPMG, sei es ohne Cloud-Services kaum möglich, das komplexe ESG-Reporting form- und fristgerecht zu erledigen.

Die Umstellung auf das cloud-basierte SAP S/4 HANA ist heute für 32 Prozent der befragten Cloud-Anwender ein Ziel. Auch dieser Anteil dürfte, so KPMG, mit dem herannahenden Serviceende für Nicht-Cloud-Bezugsmodelle steigen.

Kostenmanagement

Schließlich noch einige Ergebnisse zum Kostenmanagement, das im Bereich der Cloud-Nutzung als FinOps bezeichnet wird. Grundsätzlich ist Cloud Computing kosteneffizient. So konnten 57 Prozent der Befragten ihre IT-Kosten durch den Cloud-Einsatz senken – laut KPMG um bis zu 50 Prozent.

Dennoch ist das kein Selbstläufer, denn bei 15 Prozent der Anwender stiegen die Kosten durch den Cloud-Einstieg. Die wichtigsten Probleme liegen dabei anscheinend auf Seiten der Entwickler: 29 Prozent sagen, sie könnten diese Zielgruppe nur schwer zu Maßnahmen der Kostenoptimierung motivieren. 27 Prozent beklagen Verständigungsschwierigkeiten zwischen Finanz- und Technik/Engineering. Und 25 Prozent haben Schwierigkeiten dabei, den von der Cloud versprochenen Automatisierungsgrad zu erreichen.

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