EMEA ISG Index für das erste Quartal 2019

Der Outsourcing-Markt in DACH und EMEA ist weiter auf Wachstumskurs

| Autor: Elke Witmer-Goßner

Unternehmen lassen sich die Lust auf digitale Transformation nicht durch negative Schwingungen auf dem Weltmarkt vermiesen.
Unternehmen lassen sich die Lust auf digitale Transformation nicht durch negative Schwingungen auf dem Weltmarkt vermiesen. (Bild: gemeinfrei Geralt/Pixabay / Pixabay)

Der Sourcing-Markt in den Handelsregionen DACH bzw. EMEA bleibt auch im ersten Quartal 2019 auf Erfolgskurs. Das zeigen die aktuellen Daten des EMEA ISG Index zum Outsourcing-Markt. Dieser berücksichtigt alle kommerziellen Outsourcing-Verträge mit einem Jahresvolumen (Annual Contract Value, ACV) von mindestens vier Millionen Euro.

Das Wirtschaftswachstum in Europa und China hat sich verlangsamt, es herrscht weiter Unsicherheit wegen des Brexits und viele Großunternehmen erwarten im zweiten Halbjahr eine geschäftliche Abkühlung in den USA – generell besteht weiter die Furcht vor einem umfassenderen, weltweiten Abschwung. Der Sourcing-Markt zeigt sich von diesen negativen Tendenzen aber noch wenig beeindruckt: „Ungeachtet dessen sind die langfristigen Aussichten für das Sourcing positiv“, lautet die Prognose von Friedrich Löer, Partner bei ISG Information Services Group Germany. „Wir sagen dem weltweiten As-a-Service-Markt weiterhin ein Jahreswachstum von 25 Prozent voraus. Vor allem die Nachfrage nach Infrastructure-as-a-Service bleibt anhaltend stark, da die Unternehmen weiter in ihre digitale Transformation investieren. Für das traditionelle Sourcing hingegen senken wir unsere Jahresprognose von 4,5 Prozent auf 3,2 Prozent Wachstum. Hier wirken sich der vergleichsweise verhaltene Start der amerikanischen Märkte und die weltweit verbreiteten makroökonomischen Sorgen stärker aus.“

Nichtsdestotrotz legte das traditionelle Sourcing in Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 63 Prozent auf über 3 Milliarden Euro zu. Die Zahl der Neuverträge stieg um 23 Prozent an. Ursache sind unter anderem die Unterzeichnung einiger Verträge, die zuvor wegen der Unsicherheit in Zusammenhang mit dem Brexit sowie einer sich abkühlenden deutschen Wirtschaft vertagt wurden. Aber auch von erhöhten M&A-Aktivitäten (M&A, Mergers & Acquisitions) in DACH konnte das traditionelle Sourcing profitieren. Zudem befeuerte die steigende Nachfrage nach Rechenzentrumskapazitäten das IT-Outsourcing, um Digitalisierungsprojekte wie das autonome Fahren, Big-Data-Analytics sowie das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) zu realisieren. Im Sog dieser steigenden Nachfrage schwang sich auch der Sourcing-Markt in EMEA auf Rekordhöhen – trotz der anhaltenden wirtschaftlichen Unsicherheit im Zusammenhang mit dem Brexit. Im ersten Quartal dieses Jahres erreichte er einen Gesamtmarktwert von 3,9 Milliarden Euro, was einem Plus von 23 Prozent gegenüber dem gleichen Quartal des Vorjahres entspricht.

Sourcing-Markt wächst branchenübergreifend

Beim traditionellen Sourcing weist die ISG-Studie für das erste Quartal 2019 ein ACV von 2,6 Milliarden Euro auf, was im Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres einem Plus von 24 Prozent entspricht. Dabei stieg das Marktvolumen des IT-Outsourcings (ITO) um fast 30 Prozent. Dies ist vor allem die Folge des Wachstums von Services bei Application Development & Maintenance (ADM) sowie einigen großen Infrastruktur-Neuprojekten. Business Process Outsourcing (BPO) legte um 10 Prozent zu. Das As-a-Service-Vertragsvolumen wuchs um 21 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro, da mehr und mehr Aufgaben in die Cloud verlagert werden. Das Wachstum des ersten Quartals geht alleine auf das Konto von Infrastructure-as-a-Service (IaaS), das um 33 Prozent auf über 1 Milliarde Euro anstieg. Währenddessen gab Software-as-a-Service um 4 Prozent auf 346 Millionen Euro nach.

Sowohl mit Blick auf die As-a-Service-Vertragsaktivitäten als auch auf das traditionelle Sourcing wiesen in EMEA alle Branchen in den vergangenen zwölf Monaten eine wachsende Nachfrage auf. Führend waren die Fertigungsindustrie und Finanzdienstleister, die beide jeweils ein ACV von 2,5 Milliarden Euro verzeichneten und dabei um 47 Prozent beziehungsweise 37 Prozent wuchsen. In beiden Branchen nahm das As-a-Service-Vertragsvolumen im Vergleich zu den zwölf Monaten zuvor um ein Drittel zu. Der Handel meldete trotz eines allgemein eher verhaltenen Marktumfelds beim As-a-Service-ACV ein Plus von 33 Prozent im Vergleich zu den zwölf Monaten zuvor. Die Schwierigkeiten, mit denen derzeit viele etablierte Handelsunternehmen zu kämpfen haben, bringen viele von ihnen dazu, digitale Technologien einzusetzen, um ihre Agilität zu verbessern und Kosten zu senken.

Weiter Zurückhaltung in Großbritannien

Das Marktvolumen des traditionellen Sourcings im Vereinigten Königreich (United Kingdom, UK) wuchs in den vergangenen zwölf Monaten im Vergleich zum Vorjahr um moderate 7 Prozent, obwohl die Anzahl der abgeschlossenen Neuverträge gleichblieb. Angesichts des erneut verschobenen Austrittsdatums und der damit einhergehenden Ungewissheit über die zu erwartenden Brexit-Modalitäten zeigen sich britische Unternehmen bei ihren Investitionen ins traditionelle Sourcing weiter zurückhaltend. Stattdessen konzentrieren sie ihre Ausgaben auf neue Technologien, die ihre Agilität und Effizienz erhöhen.

Dafür legte das ACV des gesamten Sourcing-Markts im ersten Quartal 2019 um 12 Prozent auf 10,8 Milliarden Euro zu. Bei einem Plus von im Jahresvergleich 26 Prozent stieg das Vertragsvolumen von As-a-Service erstmals über die Fünf-Milliarden-Euro-Marke, während das traditionelle Sourcing um 2 Prozent nach oben kletterte.

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