Eigentum bringt Unkosten und eine Bindung mit sich. Und warum sollte man eigentlich etwas kaufen, wenn man es günstiger und flexibler als Service von einem spezialisierten Anbieter buchen kann? Der Siegeszug von As-a-Service-Angeboten, wie Infrastruktur, Hardware, Anwendungen und ähnliches, scheint ungebrochen. Welches Potenzial steckt in XaaS?
XaaS hilft Unternehmen dabei, Innovationen schneller umzusetzen und im globalen Wettbewerb agil zu handeln.
XaaS wird in diesem und in den nächsten Jahren eine bedeutende Rolle spielen. In den „Technology Predictions 2020“, die wir von GP Bullhound kürzlich veröffentlicht haben, wird „Everything-as-a-Service“ als einer der wichtigsten Trends aus diesem Umfeld benannt – bedingt vor allem durch die Entwicklung der letzten Jahre hin zu Cloud Computing und durch die diversen Initiativen großer Marktplayer. So kündigte beispielsweise HP vor kurzem an, sein gesamtes Portfolio an Unternehmenslösungen über abonnementbasierte, Pay-per-Use- und As-a-Service-Modelle anbieten zu wollen. Selbst klassische Unternehmen, die eher als Produkthersteller etabliert sind, experimentieren bereits seit einigen Jahren mit der Umstellung auf Service-Angebote: So stellte Rolls-Royce seine Power-per-Hour-Strategie vor. Für seinen Kunden Nor Lines beispielsweise übernimmt Rolls-Royce statt eines Verkaufs die komplette Verantwortung für die auf den Schiffen installierte Rolls-Royce-Ausrüstung – angefangen beim Einbau bis hin zu den Wartungs- und Reparaturarbeiten. Nor Lines zahlt pro Nutzungs-Stunde und pro Schiff für den Gesamtservice.
Die Cloud als Basis
Das Konzept des Cloud Computing macht es möglich, Produkte und Dienstleistungen als Service zu beziehen. Die Cloud versteht sich dabei als externe Ressource, auf der zum Beispiel eine bestimmte Applikation läuft. Nutzer greifen auf diese Applikation zu, ohne sie bei sich installieren oder sich überhaupt Gedanken machen zu müssen, welche Infrastruktur dafür benötigt wird. Der Nutzer bucht ein Service-Versprechen mit festgelegten Bedingungen.
Die zunehmende Nutzung von Infrastructure-, Plattform- und vor allem Software-as-a-Service-Angeboten (IaaS, PaaS, SaaS) macht deutlich, dass Unternehmen bereit sind, serviceorientierte Lösungen anzunehmen. Gleichzeitig zeigen diese drei verschiedenen Cloud-Ebenen, wie flexibel das Konzept ist: Der Kunde kann sich – natürlich in einem gewissen Rahmen – die Infrastruktur und die Leistungen zusammenstellen, die er benötigt. Der Dienstleister stellt sicher, dass die Dienste funktionieren. Dazu gehören die Implementierung, Updates und Maintenance, Safety und Verfügbarkeit sowie – je nach Anwendungsfall – Skalierbarkeit und Security.
Warum XaaS das Gebot der Stunde ist
XaaS begegnet einigen wichtigen Anforderungen, denen sich IT-Abteilungen seit Jahren gegenübersehen. IT-Ressourcen und IT-Dienste sind derart essentiell für die meisten großen und mittelständischen Unternehmen, dass es keine Alternative zum weitgehend reibungslosen Betrieb gibt. Steht der IT-Betrieb, stockt das Business. Aus der Verantwortung für IT ist die Verantwortung für Operations geworden.
XaaS verhilft den Verantwortlichen im Unternehmen zu mehr Flexibilität und Agilität. Durch die Implementierung eines serviceorientierten Betriebsmodells entfällt ein erheblicher Teil der finanziellen und operationellen Belastung, die mit der Anschaffung und Bereitstellung von IT einhergehen. Die Ressourcen können nach Bedarf skaliert werden und erzeugen Kosten nur im Verhältnis zur tatsächlichen Nutzung. Routinearbeiten entfallen, Kosten für Altsysteme ebenso. So zeigte eine Studie von Deloitte („Deloitte Insights: Accelerating Agility with XaaS“), dass Unternehmen, die mehr XaaS nutzen, auch mit höherer Wahrscheinlichkeit mehr Kosten sparen. In konkreten Zahlen ausgedrückt heißt das Folgendes: Werden etwa ein Viertel der Unternehmens-IT-Services als XaaS-Lösungen umgesetzt, sind Kosteneinsparungen von etwa 32 Prozent möglich. Beträgt der Anteil von XaaS mehr als 75 Prozent an der Unternehmens-IT, belaufen sich die Betriebskosteneinsparungen auf durchschnittlich 67 Prozent.
Zu dieser Senkung der Betriebskosten kommt zudem eine Steigerung der Effizienz. Systeme und Anwendungen können schneller zur Verfügung gestellt werden und sind stets auf dem aktuellen Stand. Hin und wieder fällt der Terminus der „Demokratisierung der Innovation“: Cloudgetriebene Kapazitäten sind weniger kostenintensiv und unkompliziert zugänglich für eine größere Zielgruppe. Eine gute, zuverlässige technische Basis aufzubauen, ist heute bei der Umsetzung von Geschäftsideen und Geschäftsprozessen kein Hindernis mehr.
Stand: 08.12.2025
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Aber: XaaS ist kein Selbstläufer
Bei allen Vorteilen, die XaaS-Strategien in den nächsten Jahren Schubkraft verleihen werden, sind auch solche Services kein Rund-um-Sorglos-Paket, das in jedem Fall direkt Kosten spart. Zunächst sollten IT-Verantwortliche prüfen, welche Teile der IT-Services sich für die Auslagerung eignen und welche nicht. Hier können Datenschutzbedenken, besondere Verfügbarkeitsanforderungen oder auch die Nutzung von sehr speziellen Anwendungen eine Rolle spielen. Und natürlich kostet auch die Transition zu einem neuen Betriebsmodell Geld. Die Integration in bereits bestehende Systeme oder das Einbinden von Services verschiedener Anbieter ist bisweilen eine echte Herausforderung. Zudem muss die Verbindung zu den Dienstleistern mit einer entsprechenden Bandbreite samt geringer Latenz sichergestellt werden. Wenn diese nur mangelhaft arbeitet, nützt die höchste Verfügbarkeit des externen Service nichts.
Immer wieder wird befürchtet, dass sich die Unternehmen durch die externen Service-Angebote in eine Vendor-Abhängigkeit begeben. Nicht ganz zu Unrecht: Stellt der Service Provider beispielsweise einen bestimmten Dienst ein oder steht ein solcher nicht zuverlässig und performant zur Verfügung, kommt es zu Störungen, die ein Unternehmen selbst kaum beeinflussen kann. Zwar sind XaaS-Angebote prinzipiell so konzipiert, dass ein Provider-Wechsel möglich ist, jedoch ist dies mit zusätzlichem Aufwand und vorübergehenden Beeinträchtigungen oder Ausfällen verbunden. Es gilt deshalb – wie schon in Bezug auf Security-Aspekte – auch hier entsprechende Vorkehrungen zu treffen.
Agilität im globalen Wettbewerb – als Service
Julian Riedlbauer, Partner und Leiter des Deutschlandbüros von GP Bullhound, zum Thema „XaaS“.
(Bild: GP Bullhound)
Doch auch wenn man diese wichtigen Aspekte in die Überlegungen einbezieht, überzeugt XaaS durch seine Vorteile. Denn selbst wenn sie in manchen Business Cases kaum direkt Kosten sparen, sind Einmal-Lizenzgebühren über längere Zeiträume gerechnet oft preiswerter als eine Monatsgebühr – auch wenn man bedenkt, dass eine gut ausgestattete Virtual Machine im PaaS-Modell häufig mehr als ein eigener Server kostet. Zudem können sie sich auch als geschäftskritisch erweisen. Wenn IT-Verantwortliche weniger Zeit in die Implementierung und Wartung von Ressourcen und Services investieren müssen, können sie ihre Expertise in die Weiterentwicklung der eigenen IT-Strategie einbringen. Der unkomplizierte Zugang zu Services hilft Unternehmen enorm dabei, Innovationen schneller umzusetzen und im globalen Wettbewerb agil zu handeln.
Tatsächlich werden sich die As-a-Service-Angebote in den nächsten Monaten und Jahren nochmals deutlich erweitern. Neben den eher übergreifenden Lösungen Infrastruktur-Services wird die Zahl der Spezial-Services, Fach-Applikationen und kleineren Services mit wenigen, spezialisierten Funktionen, stark wachsen. Außerdem bleibt das Angebot keineswegs auf IT-Lösungen begrenzt. XaaS kann alles sein, was sich in einem User- oder nutzungsabhängigen Preismodell abrechnen lässt.
Der Autor: Julian Riedlbauer, Partner und Leiter des Deutschlandbüros von GP Bullhound.