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AWS Summit online 2020 EMEA Das „new normal“ und die fünf Wellen der inneren Einstellung

| Autor / Redakteur: Michael Matzer / Elke Witmer-Goßner

Während des AWS Summit Online 2020 EMEA hat Werner Vogels, CTO von Amazon.com, anhand der aktuellen Corona-Krise verdeutlicht, welchen Stellenwert die Cloud für Unternehmen besitzt. So stellte er fest, „dass sich im Jahr 2020 und darüber hinaus die meisten Organisationen diesem Modell zuwenden werden, in dem jeder Mitarbeiter von überall und zu jeder Zeit auf jede Anwendung oder jeden Dienst zugreifen kann.“

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CTO Werner Vogels hielt auf dem AWS Summit Online 2020 EMEA eine inspirierende Keynote.
CTO Werner Vogels hielt auf dem AWS Summit Online 2020 EMEA eine inspirierende Keynote.
(Bild: © AWS / Matzer)

Entsprechend wichtig sei es, so Vogels weiter, Unternehmen den Zugang zur Cloud überall auf der Welt zur Verfügung zu stellen. Zu diesen Zugängen gehört auch ein parallel zur Veranstaltung von Amazon Web Services (AWS) vorgestelltes neues Endgerät für Edge Computing. Das für den Außeneinsatz entworfene AWS Snowcone ergänzt die bisherige Snow-Appliance-Familie von Edge-Devices am unteren Ende: So klein wie eine Schuhschachtel, lässt es sich sogar mit einer Drohne transportieren.

Höhere Cloud-Reichweite

Mit dem robusten AWS Snowcone können Nutzer Daten vor Ort sammeln und verarbeiten sowie die Daten entweder offline – durch Transport des Geräts – oder online an die AWS-Cloud in der jeweiligen Region liefern.

AWS Snowcone ist für den Einsatz unter ungünstigen Wetterbedingungen – hier Regen – ausgelegt.
AWS Snowcone ist für den Einsatz unter ungünstigen Wetterbedingungen – hier Regen – ausgelegt.
(Bild: AWS)

„Dies ist sinnvoll in Gegenden wie etwa der Wüste oder auf einer Ölbohrplattform, wo es keinen Cloud-Zugang gibt oder die Cloud schlecht zugänglich ist, wo nur ein schlechter oder gar kein Netzwerkzugang vorhanden ist oder wo der Zugang zu teuer ist“, sagte Constantin Gonzalez, Principal Solution Architect bei Amazon Web Services in Deutschland. „Auch in einem Katastrophengebiet oder an einem Film-Set könnte so ein verbundenes Endgerät Daten sammeln, analysieren und das Ergebnis mit AWS DataSync an eine Zentrale schicken.“

Snowcone, das von AWS ausgeliefert wird, ist mit 8 TB Storage, zwei CPUs und 4 GB RAM sowie einem USB-C-Anschluss als Strom- und Datenanschluss ausgestattet. Auch ein Zusatzakku lässt sich anschließen. Mit den Maßen 23 x 15 x 8 cm passt es in eine amerikanische Alu-Mailbox und sein Gewicht von 2,1 kg lässt sich mit einer Drohne transportieren.

Das E-Ink-Etikett auf dem Gehäuse von AWS Snowcone wird automatisch erzeugt und nach dem Herunterladen der gespeicherten Daten restlos gelöscht.
Das E-Ink-Etikett auf dem Gehäuse von AWS Snowcone wird automatisch erzeugt und nach dem Herunterladen der gespeicherten Daten restlos gelöscht.
(Bild: AWS)

Für den physischen Rücktransport wird ein E-Ink-Etikett erzeugt, das die Adresse angibt. Nach Ankunft wird es ans Stromnetz angeschlossen, mit Amazon OpsHub zugänglich gemacht und mit dem lokalen Netzwerk oder einem Server verbunden. Ethernet- und Wifi-Anschlüsse sind vorhanden, um die Daten per NFS von der EC2-Instanz herunterzuladen oder über die OpsHub Benutzeroberfläche. Um die Daten online auf einen S3-Bucket, Amazon EFS oder Amazon FSx for Windows File Server herunterzuladen, wird Amazons Datenabgleichsfunktion DataSync für S3 benötigt, das ebenfalls auf Snowcone vorliegt.

Nach dem Rücktransport werden alle noch vorhandenen Daten im S3-Bucket des Nutzers gespeichert, bevor sie auf dem Gerät restlos gelöscht. Das betrifft auch Daten, die den vor- bzw. bisherigen Nutzer identifizieren könnten. Ein Video der Amazon-Technologen Jeff Barr und Bill Vass zu Snowcone stellt das neue Produkt auf recht witzige Weise vor.

Durch die Unterstützung von Amazon IoT Greengrass und EC2 kann ein Unternehmen Snowcone als IoT-Hub, Datensammelpunkt, Anwendungswächter und Analysemaschine nutzen. Das bedeutet, dass das Gerät nur diejenigen Daten an die Zentrale schickt, die wirklich von Bedeutung sind, und somit das Rechenzentrum entlastet. Das ist besonders dann nötig, wenn keine Kühlmöglichkeit für solch ein Rechenzentrum vorhanden ist.

Die Frage nach der Datensicherheit

„Alle Daten sind bei Amazon mit hochsicheren 256-Bit-Schlüsseln und dem AWS Key Management Service (KMS) gesichert“, versichert Constantin Gonzalez, „daher ist auf Snowcone keine höhere Sicherheit nötig. Die Verwendung des TLS-Protokolls mit starken Schlüsseln reicht.“ Außerdem sei SnowCone mit einem Trusted Platform Module (TPM) ausgestattet, das eine Manipulation verhindere. Das ist sicherlich im Militärbereich, in der Wirtschaft und bei vertraulichen Inhalten sinnvoll.

So funktioniert der Ablauf der Nutzung von AWS Snowcone.
So funktioniert der Ablauf der Nutzung von AWS Snowcone.
(Bild: AWS)

Ein Beispiel für den vertraulichen Einsatz von Snowcones ist Deluxe Entertainment, ein US-amerikanischer Dienstleister für die Filmwirtschaft. „Die Mitarbeiter schicken Snowcones an Kinobesitzer, so dass diese das Gerät mit dem neuesten Film aus Hollywood etc. an USB-C, Ethernet oder WLAN anschließen können“, berichtet Gonzalez. Dann werde die EC2-Instanz mit ihrer Software ausgeführt und die Daten stehen dem neuen Nutzer zur Verfügung. Auf diese Weise wird der neueste Blockbuster in 8K-Qualität nicht mehr teuer übers Internet übertragen, sondern per Kurier sicher an alle Kunden verteilt. Indiskretionen, wie sie bislang für Ärger gesorgt haben, gehören demnach der Vergangenheit an.

Die Videodaten eines Interviews lassen sich sofort auf einem Snowcone-Gerät speichern. Man sieht deutlich das Ethernet-Kabel, das von der Kamera zum Gerät führt. Rechts davon ist ein USB-C-Slot und ein Netzanschluss zu sehen.
Die Videodaten eines Interviews lassen sich sofort auf einem Snowcone-Gerät speichern. Man sieht deutlich das Ethernet-Kabel, das von der Kamera zum Gerät führt. Rechts davon ist ein USB-C-Slot und ein Netzanschluss zu sehen.
(Bild: AWS)

In umgekehrter Richtung können Filmteams ihre neuesten Aufnahmen sicher und zuverlässig vom Set ohne Netzwerk ans Hauptquartier schicken. „Der Snowcone Service prüft beim Herunterladen der Snowcone-Daten auf einen S3-Bucket deren Vollständigkeit und Fehlerlosigkeit“, so Gonzalez weiter.

Snowcone ist derzeit in den zwei US-Regionen East (Virginia) und West (Oregon) verfügbar. Die Verfügbarkeit in anderen AWS-Regionen soll in den kommenden Monaten sukzessive ausgebaut werden. „Das Pricing für Snowcone", so Gonzalez, „liegt bei 60 US-Dollar inklusive fünf Tage Vor-Ort-Verbleib. Der Transfer von Daten in die Cloud kostet 0,00 US-Dollar, der Download aus der Cloud nur 0,03 US-Dollar pro GB.“

IDC analysiert die Rolle der Cloud

Während der Corona-Krise haben die Marktforscher von IDC „Die Rolle der Cloud auf dem Weg zur neuen Normalität“ untersucht und sind dabei auf „Fünf Wellen der inneren Einstellung“ gestoßen. Es gebe Denkanstöße in zwei Gruppen, wie die IDC-Analystin Carla Arend berichtet. In der ersten Gruppe der befragten deutschen Unternehmen wird der Nutzen der Cloud klar erkannt und deshalb „wird in dieser Gruppe noch mehr in die Cloud (IaaS etc.) investiert“. Die zweite Nutzergruppe sehe die Cloud eher als laufende Betriebskosten an: „Weil sie wegen des massiven Umsatzrückgangs auf Kostenoptimierung bedacht ist, fährt diese Nutzergruppe ihre Investitionen in die Cloud zurück“. Die gute Nachricht über die Gruppe 1 lautet daher: „58 Prozent der Unternehmen in Europa halten ihre Cloud-Investitionen für IaaS aufrecht oder erhöhen es. In Deutschland sind es sogar 60 Prozent“, sagte Carla Arend.

In ihrer Studie beschreibt sie die Charakteristika der fünf Phasen, mit der Unternehmen in Europa auf die Corona-Krise reagieren.

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Während der fünf Phasen der Corona-Krise fokussierten die Unternehmen demnach auf Business Continuity (26 Prozent in Deutschland vs. 20 Prozent in EU), Kostenoptimierung (24 Prozent in D, 34 Prozent in EU), Geschäftliche Resilienz in der Mitte der Krise (28 Prozent in D, 24 Prozent in EU), gezielte Investitionen im Aufschwung (8 Prozent in D, 9 Prozent in EU) sowie die Gestaltung des künftigen Unternehmens in der neuen Normalität (14 Prozent in D, 10 Prozent in EU). In der Rezession war es z.B. vordringlich, die Kurve der Rezession abzuflachen, die der Abschwung mit sich brachte.

Die Rolle der Cloud verteilte sich dabei während der fünf Phasen wie folgt: 44 Prozent der deutschen Unternehmen nutzten die Cloud in der ersten Phase für Krisenmanagement, Business Continuity, Widerstandskraft und Security. In der zweiten Phase, dem Abschwung, nutzten 42 Prozent der deutschen Unternehmen die Cloud für Kostenoptimierung, den Ausstieg aus dem Rechenzentrum sowie für die Modernisierung ihrer Anwendungen mithilfe von „Lift & Shift“, also der Portierung und Auslagerung.

In Phase 3 wurde die geschäftliche Widerstandskraft durch optimierten Betrieb und das Vermeiden von Ausfallzeiten gestärkt. Die gezielten „Investitionen“ in Phase 4 betrafen Mitarbeiter (Kurzarbeit, Entlassungen) und Produkteinsparungen. In der letzten Phase, die bereits die neue Normalität gestaltet, fokussieren 42 Prozent der Befragten auf Innovationen, sie investieren vor allem in cloud-native Anwendungen für das optimale Kundenerlebnis.

„Wir gehen davon aus“, so Arend abschließend, „dass es im zweiten Halbjahr 2020 eine Überprüfung der Cloud-Investitionen geben wird und eventuell eine Rightsizing-Welle, vor allem wegen der eingebrochenen Umsätze.“

(ID:46668041)

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