Cloud-Trends 2026 Cloud-Strategien zwischen KI-Innovation, digitaler Souveränität und Kostendruck

Von Elke Witmer-Goßner 6 min Lesedauer

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Künstliche Intelligenz wird zum festen Bestandteil von Cloud-Strategien, während geopolitische Risiken, steigende Kosten und Sicherheitsanforderungen den Handlungsspielraum von Unternehmen einengen. Welche Cloud-Trends 2026 entscheidend werden – von souveräner KI über Multicloud-Architekturen bis hin zu Cloud-Sicherheit – zeigen Einschätzungen führender Branchenexperten.

Cloud-Strategien für 2026 bewegen sich im Spannungsfeld von KI-Innovation, digitaler Souveränität, Sicherheit und Kostenkontrolle.(Bild: ©  Mia - stock.adobe.com)
Cloud-Strategien für 2026 bewegen sich im Spannungsfeld von KI-Innovation, digitaler Souveränität, Sicherheit und Kostenkontrolle.
(Bild: © Mia - stock.adobe.com)

Cloud-Nutzung erreicht die nächste Phase

Laut der jüngsten „Cloud Business Survey 2025“ von PwC setzen bereits 74 Prozent der Unternehmen in Deutschland auf Cloud-Lösungen, was einen Anstieg von 13 Prozentpunkten seit 2023 darstellt. Diese Entwicklung markiert den Übergang von der Migrationsphase zur Optimierung komplexer Cloud-Infrastrukturen und der Integration innovativer Technologien wie künstliche Intelligenz (KI) in die Geschäftsstrategie.

Uwe Geier, Ionos
„Die Kür wird nun zur Pflicht: Unternehmen müssen die Kontrolle über ihre Daten und Systeme behalten, um regulatorische Vorgaben und Sicherheitsanforderungen zu erfüllen.“

Bildquelle: Ionos

Die aktuelle Studie zeigt, dass 69 Prozent der Unternehmen mehrere Cloud-Modelle nutzen, wobei Multicloud-Umgebungen zur Norm werden. Dieser Ansatz bietet zwar erhöhte Flexibilität, bringt jedoch auch eine zunehmende Komplexität und Herausforderungen bei der Integration mit sich. Datenschutz und Sicherheit sind laut über 50 Prozent der befragten Führungskräfte zentrale Bedenken in der Cloud-Nutzung.

Geopolitische Spannungen haben zudem dazu geführt, dass fast drei Viertel der Befragten ihre Cloud-Strategien angepasst haben, um lokale Hosting-Optionen und Angebote, die auf digitale Souveränität abzielen, stärker zu berücksichtigen.

KI als Auswahlkriterium für Cloud-Anbieter

KI wird zu einem entscheidenden Faktor in der Cloud-Entwicklung: 67 Prozent der Unternehmen betrachten die KI-Fähigkeiten ihrer Cloud-Anbieter als wichtiges Auswahlkriterium. Allerdings zeigt sich, dass Deutschland im Vergleich zur EMEA-Region hinterherhinkt, besonders hinsichtlich der Kompetenzen der Mitarbeiter im Umgang mit KI.

Trotz eines erwarteten Anstiegs der Cloud-Budgets in 84 Prozent der Fälle bleibt das Kostenmanagement eine große Herausforderung. Nur 11 Prozent der Unternehmen haben effektive FinOps-Praktiken implementiert, die für Transparenz und Optimierung in der Finanzverwaltung entscheidend sind.

Auf dem Weg zur Cloud 3.0: Hybrid, souverän und KI-zentriert

John Roese, Dell Technologies
„Unternehmen werden sich zunehmend an diese souveränen Rahmenbedingungen anpassen und ihre Aktivitäten innerhalb regionaler Grenzen skalieren. […] Dies wird lokale Innovationen vorantreiben, die eine direkte Auswirkung auf die Bürger und Volkswirtschaften haben, und stellt eine grundlegende Veränderung dar: KI wird von einem globalen Konzept zu einer starken lokalen Realität.“

Bildquelle: Dell Technologies

Diese Anliegen stehen auch 2026 im Vordergrund. Die Auswirkungen der steigenden Komplexität und der Drang nach Innovationen auf die Unternehmensstrategien zwingen Unternehmen einen erfolgsversprechenden Weg zwischen Kostenkontrolle und technologischen Fortschritten zu finden. Im Hinblick auf die bedeutenden Trends für 2026 äußern sich verschiedene Experten zu Cloud-Strategien, künstlicher Intelligenz (KI), Sicherheit und digitaler Souveränität.

Benjamin Lay, Director PreSales Communications & Cloud Solutions Europe North (EUNO) bei Alcatel-Lucent Enterprise, prognostiziert, dass im kommenden Jahr „KI-Clouds“ zum Mainstream werden. Unternehmen werden spezielle Cloud-Lösungen benötigen, die auf ihre Trainings- und Inferenz-Workloads zugeschnitten sind. Gleichzeitig wird die Hybrid-Cloud an Bedeutung gewinnen, insbesondere für große Unternehmen, die Flexibilität und Compliance schätzen.

Andreas Kadler, Plusserver
„Europa darf nicht wieder in dieselbe Falle tappen wie beim russischen Gas. Unsere Abhängigkeit von US-Clouds ist ein geopolitisches Risiko. […] Wir müssen im kommenden Jahr offene Standards und Interoperabilität etablieren, bei klarer politischer Rückendeckung für echte europäische Alternativen. Digitale Souveränität bedeutet, dass Europa handlungsfähig bleibt. Selbst dann, wenn andere den Stecker ziehen.“

Bildquelle: Plusserver

Laut des Capgemini-Reports „TechnoVision Top 5 Tech Trends to Watch in 2026“ durchläuft die Cloud-Technologie einen Wandel hin zu einer hybriden, souveränen Architektur. Pascal Brier, Chief Innovation Officer bei Capgemini und Mitglied des Group Executive Committee, betont, dass KI das Rückgrat der Unternehmensarchitektur bilden wird und strategische Autonomie für Unternehmen an Bedeutung gewinnen muss.

Uwe Geier, Senior Director Cloud Solutions bei Ionos, hebt hervor, dass Unternehmen die Kontrolle über ihre Systeme aus geopolitischen und regulatorischen Gründen sichern müssen, um den Veränderungen im Wettbewerb gerecht zu werden.

Souveräne KI und datengetriebene Architekturen

Die Meinungen zu KI sind eindeutig: KI wird immer mehr zur zentralen Rückgratstruktur der Cloud-Nutzung. John Roese, CTO und Chief AI Officer von Dell Technologies, hebt hervor, dass souveräne KI-Ökosysteme für die nationale Interessen von großer Relevanz sind und Unternehmen sich an diese neuen Rahmenbedingungen anpassen müssen.

Arno Schäfer, Upcloud
„Wer weiterhin blind auf US-Technologie setzt, riskiert nicht nur sensible Daten, sondern auch Vertrauen, Handlungsspielräume und wirtschaftliche Unabhängigkeit. Ein Beispiel: Die Debatte um die Chatkontrolle zeigt, dass Regulierung und Technologie eng verzahnt sind. Neutralität ist hier strategische Intelligenz – unreflektierte Zustimmung dagegen kann teuer werden.“

Bildquelle: Upcloud

Scott Gnau, Head of Data Platforms bei Intersystems, warnt jedoch davor, dass viele generative KI-Projekte aufgrund unzureichender Datenqualität scheitern. „KI muss näher an die Daten rücken“, stellt er fest, und betont, dass der Fokus auf Datenqualität und schnelle Verarbeitung gelegt werden sollte. Auch Claus Jepsen, Chief Technology Officer von Unit4, spricht sich dafür aus, dass die Datenhoheit im nächsten Jahr an Bedeutung gewinnen werde, um einer uneinheitlichen Regulierung gerecht zu werden und rechtliche Vorgaben einzuhalten.

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Daten als Fundament: Warum Speicher wieder strategisch wird

Thomas Demoor, CTO von Impossible Cloud, betont die wachsende Relevanz von Datenspeicherlösungen im Jahr 2026: „Speicher rückt mit der Zunahme datenintensiver Anwendungen wieder ins Zentrum der IT-Strategie. Künstliche Intelligenz ist auf Daten angewiesen – und darauf, wie schnell, sicher und nachhaltig sie verarbeitet werden.“

Thomas Demoor, Impossible Cloud
„Speicher ist wieder sexy! […] Der Grund ist klar: Künstliche Intelligenz lebt von Daten – und davon, wie schnell, sicher und nachhaltig sie verarbeitet werden können. […] Hochverfügbare Cloud-Speicherlösungen werden damit zum Fundament der nächsten Innovationswelle: Sie verbinden Performance, Datenschutz und Resilienz – und machen Speicher zu einer der spannendsten Schlüsseltechnologien des Jahres 2026.“

Bildquelle: Impossible Cloud

Unternehmen erkennen, dass es künftig nicht nur um Kapazität geht, sondern auch um die Architektur, den Standort und die Kontrolle über ihre Daten. „Wer seine Daten souverän und georedundant speichert, kann Rechenlasten flexibler steuern und regulatorische Anforderungen besser erfüllen.“ Hochverfügbare Cloud-Speicherlösungen werden zum Grundpfeiler der nächsten Innovationswelle, da sie Performance, Datenschutz und Resilienz miteinander verbinden. Demoor sieht Speicher daher als eine der Schlüsseltechnologien des kommenden Jahres.

Sicherheit, Resilienz und Reporting

Im Bereich Sicherheit ist das eindeutige Signal, dass Cloud Security 2.0 zur neuen Norm wird. Uwe Geier von Ionos ist überzeugt, dass Unternehmen durch striktere Sicherheits- und Reportingpflichten schlimmeren Cyberangriffen standhalten können. Plusserver-CEO Andreas Kadler macht deutlich, dass die Abhängigkeit von US-Wolken „ein geopolitisches Risiko“ darstelle, und fordert, dass digitale Souveränität eine zentrale Rolle einnehmen müsse, um die Kontrolle über Daten zurückzugewinnen.

Für Arno Schäfer, CEO von UpCloud, sind vor allem flexible Hybrid-Cloud-Lösungen notwendig, um den Anforderungen an Datensicherheit und Verfügbarkeit gerecht zu werden.

Europa unter Druck: Abhängigkeiten werden zum Risiko

Digitale Souveränität sehen die Experten als entscheidenden Wettbewerbsfaktor in Europa. Der Cloud-Experte von Ionos, Uwe Geier, bemerkt, dass digitale Souveränität nicht länger ein abstraktes Konzept, sondern ein praktischer und notwendiger Aspekt für europäische Unternehmen geworden ist. Markus Brunhold, CEO von BSI Systems, weist darauf hin, dass „digitale Souveränität zum Prüfstein europäischer Unabhängigkeit“ wird. Er warnt, dass Unternehmen, die ihre Daten außerhalb Europas lagern, nicht nur Kontrolle, sondern auch Zukunftsperspektiven aufs Spiel setzen.

Die bereits erwähnte Capgemini-Studie schlussfolgert, dass Unternehmen darauf hinarbeiten müssen, eine „resiliente Interdependenz“ aufzubauen, um ihre Abhängigkeiten zu minimieren und die Kontrolle über kritische Technologien zurückzugewinnen.

Cloud, KI und Souveränität wachsen zusammen

Zusammenfassend skizzieren die Experten eine Zukunft, in der Cloud-Strategien, KI-Integration und digitale Souveränität untrennbar miteinander verbunden sind. Unternehmen müssen proaktiv agieren, um die Herausforderungen der kommenden Jahre zu meistern.

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