Die Irritation unter CFOs über unklare Cloud-Ausgaben wächst. FinOps, IT-Automatisierung und KI-gestützte Lösungen können dabei helfen, das Cloud-Kostenmanagement zu verbessern. Hierzu gehören Planung, Verwaltung und Transparenz.
Die Investition in FinOps lohnt sich durchaus.
(Bild: Sutthiphong - stock.adobe.com)
Als „CFO” einer Familie scannen Mann oder Frau die Stromrechnungen. Oftmals treten Irritation und Frustration auf, wenn man die Auflistung des Kostensprung und der Ursachen nicht nachvollziehen kann. So kann man sich vorstellen, dass viele CFOs bezüglich der Cloud-Ausgaben in ihrem Unternehmen ein ähnliches Szenario durchmachen.
IT-Systeme werden immer komplexer, was in vielen Unternehmen zu erheblichen Effizienz- und Monitoring-Engpässen führt. Bei IBM besteht die Hauptaufgabe des Teams des Autors, Michael Dreher, in enger Absprache mit den Kunden für solche Fälle darin, entsprechende IT-Automatisierungslösungen zu identifizieren und zu implementieren. Cloud- und Hybrid-Cloud-Technologien bieten als Grundlage für die digitale Transformation viele Vorteile. Das reicht von Kosteneinsparungen bis hin zu mehr Flexibilität, Sicherheit und automatisiert erfolgenden Software-Updates. Diese Vorteile gehen jedoch mit unterschiedlichen Kostenblöcken einher, die zum Teil schwer zu messen und zu verwalten sind.
Cloud-Ausgaben richtig einplanen
Cloud-Ausgaben setzen sich aus vielen Komponenten zusammen. Das macht eine konkrete Vorhersage, wie sich diese Kosten entwickeln werden, oft schwierig. Während einige offenkundige Faktoren relativ einfach nachzuvollziehen sind, ist eine Kostenevaluation in anderen Bereichen schwierig und ungenau. Beispielsweise wenn es um kompliziertere Vorgänge wie Kubernetes-Workloads geht, mit denen Software in der Cloud bereitgestellt, skaliert und verwaltet wird, oder die KI-Modell-Inferenzierung und -Bereitstellung.
Die Cloud-Komplexität hat noch längst nicht ihren Höhepunkt erreicht: Durch den vermehrten Einsatz von KI wird es immer mehr Anwendungen und größere Datenmengen geben, dieser Trend wird sich in den nächsten Jahren weiter zuspitzen. IDC geht davon aus, dass sich allein die Zahl der durch generative KI neu entstehenden Anwendungen bis 2028 auf eine Milliarde belaufen könnte.
Man sollte auch nicht davon ausgehen, dass sich der Shift in die Cloud und die damit verbundenen Kosten automatisch in entsprechenden Umsatz- und Gewinnsteigerungen auszahlen wird.
Laut The Cost of Cloud Report 2024 von Civo verzeichneten 60 Prozent der Unternehmen im vergangenen Jahr einen Anstieg der Cloud-Ausgaben, und 40 Prozent von ihnen gaben an, dass die Kosten um mehr als 25 Prozent gestiegen sind. Wenn man größere Makrofaktoren, wie zum Beispiel eine gekürzte Ressourcenlage, inflationäre Preissteigerungen und Ausgaben für neue Technologien einbezieht, wird schnell klar: CFOs benötigen bei der Verwaltung von Cloud-Kosten eigentlich deutlich mehr Transparenz und folglich Unterstützung.
Um ein effizienteres Management der Cloud-Kosten kommt man nicht herum. Entsprechend hat die IT-Branche reagiert und den sogenannten „FinOps“-Ansatz entwickelt: Dabei handelt es sich um ein operatives Framework für die Verwaltung von Cloud-Kosten und die Maximierung des Business-Mehrwerts, von Finance, Management,Engineering bis zum Betrieb.
IT-Automatisierung für mehr Transparenz
Die Arbeit von CFOs wird in der Regel daran gemessen, inwieweit sie die Budgeterwartungen erfüllen können, zum Beispiel indem sie dafür sorgen, dass Innovationsvorhaben wie Ausgaben auf Kurs bleiben. Ich behaupte, genau in diesem Punkt könnten CIOs ihren CFO-Kollegen noch viel stärker unter die Arme greifen: Sie könnten dafür sorgen, dass KI-gestützte FinOps-Technologien und -Praktiken eingeführt werden, die es IT-Teams ermöglichen, den Aufwand für die Kosten-Nachverfolgung deutlich zu reduzieren.
Der „True Cost Explorer“ ermöglicht Kunden, jede Frage zu Cloud-Kosten visuell und einfach zu beantworten – egal, ob es sich um einen Finanz-, Geschäfts- oder Betriebsanwender handelt.
(Bild: IBM)
Entsprechende Automatisierungslösungen helfen, Ressourcenmanagement, Observability und Kostentransparenz in den Griff zu bekommen und Cloud-Kosten zu entschlüsseln. Auch überflüssige Ressourcen können so schneller identifiziert und reduziert werden, zum Beispiel wenn eine Überversorgung mit CPUs/GPUs oder Speicherplatz besteht. Letztendlich profitieren die CFOs von einem hohen Maß an Transparenz im IT-System und können Budgetentscheidungen schneller treffen.
Um heute mehr Licht in das Dunkel der Cloud-Kosten zu bringen, müssen CFOs, CIOs, Ingenieure, DevOps und Cloud-/KI-Teamleiter das Problem gemeinsam anpacken. Die präzise Abstimmung von Geschäfts- und Finanzergebnissen hilft, unnötige IT-Ausgaben zu identifizieren und zu reduzieren. Eine gute FinOps-Lösung bedeutet immer, dass alle Mitwirkenden über das gleiche Maß an Transparenz und Verantwortung verfügen.
Stand: 08.12.2025
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Kostenoptimierung bei TUI
Ein Beispiel dafür ist die TUI Group. Das Touristikunternehmen wollte Kosten einsparen, indem es die Cloud-Ausgaben für alle Konten und Serviceanbieter vollständig transparent machte. TUI entschied sich damals für die FinOps-Lösung Apptio Cloudability – Apptio ist heute ein IBM-Brand. Seit der Implementierung sorgt die Plattform für eine kontinuierliche Korrelation der Cloud-Ausgaben mit den Unternehmenszielen und liefert Berichte auf Anwendungs- und Geschäfts-Einheitsebene.
Das gestattet TUI heute fundierte Entscheidungen über ihre Cloud-Investitionen, eine bessere Budgetverfolgung auf Team-Ebene sowie eine vollständige Kostentransparenz über alle Konten und Service-Provider hinweg, einschließlich der für Container, Support und Shared Services. Mit der Cloudability-Implementierung kann das Unternehmen den Mehrwert seiner Cloud-Strategie und der damit verbundenen Ausgaben belegen, diese möglichst niedrig halten und die Agilität im Betrieb beibehalten. Nach eigenen Angaben konnte TUI angesichts des Einbruchs im Tourismus im Jahr 2020 dadurch die Cloud-Kosten halbieren, ohne die Geschäftskontinuität beeinträchtigen zu müssen.
Warum sich die Investition in eine FinOps-Lösung lohnt
Die zusätzlichen Anschaffungskosten für den Kauf einer FinOps-Lösung können sich für Unternehmen in weniger als zwei Jahren amortisieren – oft sogar schon innerhalb von zwölf Monaten. CFO, CIO und andere Fachfunktionen sollten gemeinsam an einem Strang ziehen, um zu mehr Transparenz bei den Cloud-Kosten zu kommen.
* Der Autor Michael Dreher verantwortet seit April 2024 das IBM Automation Geschäft in Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH), seit Februar 2025 als Vice President Automation IBM DACH. Der Softwarebereich IT-Automation bei IBM umfasst Lösungen zu Technology Business Management, Infrastruktur-Automatisierung sowie Anwendungsentwicklung und -integration. Dreher startete seine Karriere bei IBM 1998 mit einer Ausbildung zum IT-Spezialisten und leitete u.a. von 2018 bis 2024 den Bereich IBM Defense in Deutschland.