Alternative Cloud-Provider können Anwendern oft besser weiterhelfen als die amerikanischen Hyperscaler. In dieser Reihe stellen wir Beispiele dafür vor. Heute mit Aiven ein finnisches Unternehmen, dessen deutsche Niederlassung sich in Berlin findet.
Aiven ist ein finnisches Unternehmen, dessen deutsche Niederlassung sich in Berlin findet.
(Bild: gemeinfrei, marselelia / Pixabay)
Die Gründer von Aiven waren für F-Secure und Nokia tätig, bis sie 2016 ihr eigenes Unternehmen ins Leben riefen und sich auf die Verwaltung unternehmenskritischer Dateninfrastrukturen konzentrierten. Ihre Lösung besteht seit Anfang an in einer Open-Source-Cloud, die seit einiger Zeit auch in Deutschland angeboten wird. Im Rahmen der Reihe „Alternativen zu den Hyperscalern“ sprachen wir mit Heikki Nousiainen, CTO und Co-Founder von Aiven.
CloudComputing-Insider: Herr Nousiainen, Aiven ist das erste finnische Cloud-Unternehmen, das wir in unserer Reihe mit Alternativen zu den drei großen Hyperscalern vorstellen. Wie schlägt sich die Nationalität in der Arbeit nieder? Tut sie das überhaupt? Anders gefragt: Was ist typisch finnisch an Ihrem Angebot?
Heikki Nousiainen: Unsere finnischen Wurzeln spiegeln sich in unseren Werten Offenheit, Zusammenarbeit und Mut wider. Wir haben Aiven 2016 gegründet, weil wir das Gefühl hatten, dass es eine Lücke auf dem Markt für Cloud-Infrastrukturen gibt. Wie viele andere Entwickler haben wir viel Zeit damit verbracht, uns mit Dateninfrastrukturen auseinanderzusetzen, anstatt uns auf die Lösung von Herausforderungen, die Entwicklung großartiger Anwendungen und das zu konzentrieren, was wir am besten können. Wir waren vier „Techies”, die eine nahtlose Datenverwaltungslösung schaffen wollten, die es Entwicklern und Unternehmen ermöglicht, Open-Source-Datentechnologien einzusetzen und darauf aufzubauen, ohne dass sie unbedingt Experten für deren Betrieb benötigen. Wir wollten die Open-Source-Technologien, die wir lieben, leichter zugänglich machen. Mit diesem Ziel vor Augen haben wir unsere Jobs an den Nagel gehängt und Aiven gegründet, um das Leben von Entwickler zu verbessern. Seitdem sind wir gewachsen und wollen global denken, ohne unsere Werte und unsere Unternehmenskultur aufzugeben. Es ist verrückt, wenn man bedenkt, dass wir erst vor sechs Jahren gestartet sind und nun zusätzlich zu unserer Präsenz in den USA und Europa Niederlassungen in Singapur, Australien und Japan eröffnet haben.
Heikki Nousiainen, CTO und Co-Founder von Aiven.
(Bild: Aiven)
Aiven weist sich auf seiner Site als Teil der Open-Source-Community aus. Wie weit stecken Sie in der Szene drin? Bestehen da enge Beziehungen?
Nousiainen: Open Source ist das Herzstück unseres Angebots, und wir glauben fest an dieses Konzept. Wir wollen daher einen größeren Beitrag zur Entwicklung dieser Technologien leisten, nachhaltige Gemeinschaften pflegen und dafür sorgen, dass die Open-Source-Projekte aktiv und gesund bleiben. Zusätzlich zu den Beiträgen zur Fehlerbehebung, zur Funktionalität oder zur Verbreitung unserer Erfahrungen haben wir im letzten Jahr das OSPO (Open Source Program Office) ins Leben gerufen, um die Nachhaltigkeit und Zukunft von Open-Source-Projekten zu sichern. Unser OSPO arbeitet hauptberuflich in Projekten und Gemeinschaften, trägt zu Open-Source-Projekten bei und sorgt dafür, dass die Wartungsarbeiten auf mehr Personen verteilt werden. Diese Maßnahmen tragen dazu bei, den "Bus-Faktor" in vielen OSS-Projekten zu verringern, die derzeit von einigen wenigen Personen in ihrer Freizeit gepflegt werden. Darüber hinaus haben wir das Plankton-Programm ins Leben gerufen, mit dem wir die zusätzliche Arbeit und die kleinen Verbesserungen des Ökosystems, die unsere Mitarbeiter außerhalb ihrer regulären Aufgaben leisten, unterstützen und anerkennen können. Im Rahmen dieses Programms können Mitarbeiter eine Vergütung für die Zeit beantragen, die sie außerhalb ihrer Arbeit in Open-Source-Aktivitäten investieren.
Aiven bietet eine Cloud-Plattform für die Verwaltung von Open-Source-Datenbank-Technologien wie Kafka, M3, Cassandra, OpenSearch, PostgreSQL, MySQL, Redis, InfluxDB und Grafana. Wie funktioniert das, wie nutzt man das?
Nousiainen: Um auf unsere Mission zurückzukommen: Wir wollen es Entwicklern ermöglichen, ihre Anwendungen und Innovationen auf der Grundlage der besten Open-Source-Tools zu entwickeln. Um dieses Ziel zu erreichen, hosten wir eine Reihe von verschiedenen und leistungsstarken Technologien, um sicherzustellen, dass wir eine Reihe von verschiedenen Anwendungsfällen abdecken können. Bei Aiven kann man einen Dienst abonnieren, den wir innerhalb von Minuten bereitstellen und verfügbar machen. Nehmen Sie Apache Kafka als Beispiel: ein sehr leistungsfähiges und nützliches Tool in den heutigen Software-Architekturen, dessen Einsatz und Betrieb jedoch ein gewisses Maß an Fachwissen und Erfahrung erfordert. Das ist der Kernwert von Aiven: Als Entwickler erhalten Sie Zugang zu den besten Technologien und Bausteinen der Branche, ohne dass Sie die Zeit oder die Details zu den betrieblichen Belangen benötigen. Wir glauben auch, dass der Wert dieser Technologien größer ist als die Summe ihrer Teile. Wir arbeiten hart daran, die Kombination und Integration dieser Technologien so einfach wie möglich zu gestalten, damit die Entwickler das Potenzial der gesamten Datenverarbeitungsströme nutzen können.
Die Plattform richtet sich vorrangig an Entwickler, richtig? Oder können auch andere Bereiche im Unternehmen profitieren? Wie ändert sich die Arbeitsweise von Entwicklern durch den Einsatz der Plattform?
Nousiainen: Ja, ursprünglich war es unsere Aufgabe, Entwicklern das Leben leichter zu machen, und durch eine Datenplattform wie Aiven gewinnen Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil, indem sie alles bis zur Perfektion rationalisieren. Sie können auf die zuverlässigsten und zukunftssichersten Technologien zugreifen und diese einsetzen, damit Ihr Unternehmen sein höchstes Potenzial erreichen kann. Schnellere Markteinführung, sofortige Skalierbarkeit, überlegene Sicherheit und vollständige Kontrolle über Ihre Daten und Ausgaben sind nur einige der vielen Vorteile, die unser einzigartiger Service bietet. Man könnte also sagen, dass sich unsere Plattform auf Entwickler konzentriert, aber auch auf die Anpassung an den sich schnell verändernden Status Quo des Cloud-Datenmanagements und der digitalen Unternehmen. Wir möchten dazu beitragen, Unternehmen mit der besten Datentechnologie auszustatten, damit sie sich auf die Wertschöpfung durch ihr Angebot konzentrieren können.
Eine Grundsatzfrage: Wie können Unternehmen Open Source-Geschäftsmodelle anhand von Echtzeit-Daten anpassen und aufbauen?
Nousiainen: Es ist kein Geheimnis, dass Daten heutzutage eine zentrale Rolle spielen und die Geschwindigkeit, mit der Unternehmen mit ihnen interagieren, ein entscheidender Erfolgsfaktor sein kann. Unserer Ansicht nach sind die Unternehmen, die Daten für ihre gesamte Entscheidungsfindung nutzen, am besten für den Wettbewerb und die Innovation auf dem Markt gerüstet. Die Fähigkeit, immer schneller zu bewerten, anzupassen, zu verändern und zu optimieren, setzt voraus, dass wir in der Lage sind, immer größere Datenmengen in immer kürzeren Abständen oder in Echtzeit zu verarbeiten. Und wir versuchen, diese Anforderungen mit geeigneten Technologien zu erfüllen. Apache Kafka eignet sich hervorragend für diese Echtzeit-Streaming-Funktion. Vor kurzem haben wir Apache Flink angekündigt, um die Echtzeitverarbeitung von Datenströmen zu ermöglichen. Unsere jüngste Ergänzung des Portfolios ist Aiven für ClickHouse, eine hoch skalierbare Open-Source-Data-Warehousing-Lösung. Die spaltenorientierte Datenbank ist für die analytische Online-Verarbeitung (OLAP) konzipiert und unterstützt leistungsfähige analytische Abfragen, um z. B. das Kundenverhalten oder die Auswirkungen einer Softwareänderung in Echtzeit zu verstehen.
Stand: 08.12.2025
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Anwender können sich auf der Plattform also Open-Source-Dienste sowie eine Cloud/Region auswählen. Welche Clouds stehen für deutsche Anwender zur Auswahl? Die Hyperscaler plus Telekom? Oder noch andere?
Nousiainen: Aiven unterstützt heute die drei großen Hyperscaler-Infrastrukturen: AWS, Azure und GCP sowie DigitalOcean und Upcloud. Aiven Services können in den meisten der angebotenen Regionen eingerichtet und betrieben werden. Mit Azure zum Beispiel können Kunden ihre Aiven Services neben anderen acht Regionen in Europa in Deutschland Nord oder Deutschland West Zentral betreiben.
Multi-Cloud-Szenarien sind demnach auch möglich – was ist ein für einen deutschen Anwender typisches Setup?
Nousiainen:Multi-Cloud ist ein sehr häufig verwendeter Begriff, bei dem wir unsere Kunden fragen, welches Ziel sie mit ihrer Strategie verfolgen. In den meisten Fällen lautet die Antwort „Unabhängigkeit“ oder keinen „Vendor Cloud-Lock-in“. Nun, das ist ein gültiger Ansatz, aber die nächste Frage lautet: Wenn Sie Service A in Cloud A betreiben, gibt es dann genau denselben Service in Cloud B? Die Antwort lautet höchstwahrscheinlich nein. Ein Wechsel von A nach B würde manuelle Migrationsschritte, Converter, eine Menge Tests usw. erfordern. Handelt es sich hierbei um einen Multi-Cloud-Ansatz oder eher um eine Multi-Vendor-Strategie, wie wir sie aus der HW-Vendor-Zeit kennen? Mit Aiven sind Kunden in der Lage, echte Multi-Cloud-Strategien zu integrieren, bei denen das OpenSource-Projekt auf jeder der Cloud-Plattformen ausgeführt oder transparent zwischen diesen migriert werden kann. Ein weiterer Anwendungsfall kann die Redundanz zwischen Cloud-Anbietern sein: Wenn Cloud A aufgrund eines größeren Ausfalls nicht verfügbar ist, möchten Kunden eine DR-Option in einer anderen Cloud haben. Mit Aiven Apache Kafka und Apache Mirrormaker kann dies erreicht werden, und zwar ohne Managementaufwand, denn genau das tun wir für unsere Kunden.
Die vier Gründer von Aiven: v.l.n.r. Hannu Valtonen, Oskari Saarenmaa, Heikki Nousiainen und Mika Eloranta.
(Bild: Aiven)
Können Sie uns ein, zwei deutsche Vorzeigekunden und deren bezogenen Leistungen nennen?
Nousiainen: Beginnen wir damit, dass Aivens Managed OSS-basierte DataServices branchenunabhängig sind. Jedes Unternehmen, unabhängig seiner Größe, das mit der Verwaltung einer beliebigen Kombination der von Aiven bereitgestellten Datendienste zu kämpfen hat, ist ein potenzieller Nutzer. Wir haben zum Beispiel einen großen Softwarehersteller, der für jeden seiner Kunden eine Aiven PostgreSQL Datenbank integriert. Dies ermöglicht eine flexible Skalierung nach oben und unten, je nach Nutzung durch die Kunden, ohne tiefes Fachwissen über die Datenbank. Der Ansatz könnte als „richtig dimensionierte Ressourcen pro Kunde“ anstelle eines „One-Size-Fits-All“-Ansatzes angesehen werden. Ein anderer Aiven-Kunde kombiniert mehrere Dienste der Aiven-Plattform, um die Engine für seinen Online-Shop bereitzustellen. Es handelt sich um eine Kombination von Streaming-, Such- und Datenbankdiensten in der bestmöglichen Form. Ein Kunde aus der Lebensmittelbranche nutzt Aiven for Apache Kafka als zentralen Messaging-Service für die Verarbeitung aller Kundenbestellungen und deren Status. Anschließend werden Projektionen in PostgreSQL- und OpenSearch-Instanzen durchgeführt. Diese Instanzen erfüllen unterschiedliche Anforderungen: die Transaktionsgarantien, um sicherzustellen, dass die Bestellungen in der richtigen Reihenfolge bearbeitet werden, und OpenSearch, um die Analyse und Überwachung des gesamten Geschäfts zu erleichtern.
Wollen Sie uns noch Ihr Sicherheitskonzept näher beschreiben? Welche Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, welche dedizierte VMs und welche Compliance-Zertifizierungen kommen zum Einsatz?
Nousiainen: Klar, denn bei Aiven priorisieren wir Sicherheit bei allem, was wir tun. Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst, wenn Entwickler uns ihre Daten anvertrauen, die sowohl vertraulich als auch jederzeit verfügbar sind. Aiven implementiert eine Reihe von Sicherheitskontrollen, angefangen bei der stets aktivierten Verschlüsselung von Daten im Ruhezustand und bei der Übertragung, über die sofortige Anwendung von Software-Sicherheitspatches für alle unsere Dienste bis hin zu definierten, überwachten und geprüften Kontrollen, Richtlinien und Prozessen für die Verwaltung des Zugriffs auf unsere Plattformen. Wir halten uns an die allgemein anerkannten Informationssicherheitsstandards und werden in regelmäßigen Abständen extern geprüft und attestiert und sorgen für kontinuierliche Schulungen und Sensibilisierungsprogramme für unsere Mitarbeiter. Außerdem führen wir ein kontinuierliches Bug-Bounty-Programm durch, bei dem wir die ethische Hacker-Community einladen, unsere Systeme kontinuierlich auf externe Schwachstellen zu testen.
Wie stehen Sie zu „souveränen“ Clouds nach dem Vorbild von Gaia-X?
Nousiainen: Initiativen wie Gaia-X fördern offene Standards, um den Übergang zu erleichtern und die Auswahl für Ihren Bedarf an Datenverarbeitung und -verwaltung zu erleichtern. Wir sind große Befürworter der Wahlfreiheit der Kunden und verfolgen daher die Fortschritte dieser Initiative mit Interesse. Die potenziellen gemeinsamen Begriffe und Rahmenbedingungen für den Umgang mit Kundendaten unter Einhaltung der Sicherheits- und Datenschutzvorschriften und der Wahlmöglichkeiten der Nutzer sind eine sehr willkommene Entwicklung.