Studien zeigen digitale Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft 16 Monate: So lange kämen Unternehmen ohne Digitalimporte aus

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Fast alle deutschen Unternehmen sind abhängig von digitalen Technologien und Diensten aus dem Ausland. Laut einer Bitkom-Umfrage könnten sie einen Ausfall dieser Importe durchschnittlich 16 Monate verkraften. Eine Studie von Vodafone kommt zu einem ähnlichen Ergebnis.

Ob Chips, KI-Anwendungen, Cloud-Dienste oder Software: Die große Mehrheit der deutschen Unternehmen importiert digitale Technologien und Services aus dem Ausland und stuft sich damit als stark abhängig von Digitalimporten ein.(Bild:  Bitkom)
Ob Chips, KI-Anwendungen, Cloud-Dienste oder Software: Die große Mehrheit der deutschen Unternehmen importiert digitale Technologien und Services aus dem Ausland und stuft sich damit als stark abhängig von Digitalimporten ein.
(Bild: Bitkom)

96 Prozent der vom Branchenverband Bitkom befragten Unternehmen importieren digitale Technologien oder Dienstleistungen. Dazu zählen vor allem Geräte wie Smartphones und Notebooks, Hardware-Komponenten, Cloud-Dienste, Software und Anwendungen für Cybersicherheit. Zwei Drittel erwarten, dass Deutschlands Abhängigkeit von digitalen Importen in den kommenden fünf Jahren zunimmt.

94 Prozent stufen die deutsche Wirtschaft als stark oder eher abhängig von ausländischen Technologien und Leistungen ein. Auch die Unternehmen selbst sehen sich überwiegend betroffen: Unter den Digitalimporteuren halten sich ebenfalls 94 Prozent für abhängig. Im Durchschnitt könnten Firmen einen vollständigen Ausfall ihrer digitalen Importe 16 Monate lang bewältigen. 2025 hatte Bitkom noch 14 Monate ermittelt.

Die Angaben stammen aus einer repräsentativen Befragung des Digitalverbands Bitkom unter 602 Unternehmen mit mindestens 20 Beschäftigten. Sie wurde anlässlich des heute stattfindenden Digital-Gipfels der Bundesregierung durchgeführt.

Sorgen über US-Technologien nehmen deutlich zu

Die wichtigsten Herkunftsregionen für digitale Importe sind die EU, die USA und China. 83 Prozent der Unternehmen mit Digitalimporten beziehen Technologien oder Leistungen aus der EU, 88 Prozent aus den USA und 80 Prozent aus China.

Besonders stark schätzen die Firmen ihre Abhängigkeit von China ein: 88 Prozent sehen sich davon abhängig, darunter 61 Prozent stark. Bei den USA sagen das insgesamt 87 Prozent. Zugleich wächst die Besorgnis über diese Abhängigkeiten. 73 Prozent der Unternehmen machen sich Sorgen über Deutschlands digitale Abhängigkeit von den USA – 2024 waren es 38 Prozent. Bei China stieg der Anteil im selben Zeitraum von 69 auf 79 Prozent.

Ausfälle würden das Kerngeschäft treffen

Ein Wegfall digitaler Importe wäre nach Einschätzung der Unternehmen weit mehr als ein Problem für die IT-Abteilung. 93 Prozent erwarten Auswirkungen auf Produktion oder Leistungserbringung. 91 Prozent rechnen mit Folgen für Vertrieb und Verkauf, 87 Prozent für Logistik und Lieferketten. Auch Einkauf, Kundenservice und technische Infrastruktur wären häufig betroffen.

Viele Firmen treffen bereits Vorkehrungen: 44 Prozent setzen verstärkt auf Anbieter aus Deutschland und Europa, 41 Prozent halten größere Vorräte an wichtigen Komponenten vor. 40 Prozent bereiten sich darauf vor, Anbieter oder Systeme wechseln zu können. Nur 3 Prozent haben bislang keine Maßnahmen ergriffen.

Unternehmen fordern Investitionen und mehr digitale Souveränität

Trotz des gestiegenen Risikobewusstseins bleibt der Preis für Unternehmen das wichtigste Kriterium bei der Wahl ausländischer Geschäftspartner. 97 Prozent nennen die finanziellen Konditionen; 93 Prozent achten auf das technologische Know-how. Sicherheitsstandards spielen für 89 Prozent eine Rolle. Zugleich sehen viele Unternehmen kaum kurzfristige Alternativen: 68 Prozent sagen, für bestehende Abhängigkeiten von ausländischen Partnern gebe es keine Ausweichmöglichkeiten. 85 Prozent halten globale Wertschöpfungsketten für zu stark verflochten und sprechen sich für mehr Regionalisierung aus.

Der politische Auftrag fällt laut Umfrage deutlich aus: 97 Prozent fordern höhere Investitionen in digitale Schlüsseltechnologien, ebenso viele wollen die digitale Souveränität Deutschlands dringend stärken. Bitkom plädiert unter anderem für mehr Investitionen in Halbleiter, künstliche Intelligenz, Cloud-Technologien und Rechenzentren sowie für diversifizierte Lieferketten und stärkere europäische Technologiepartnerschaften.

Vodafone-Studie bestätigt wachsende Abhängigkeit

Europa ist bei digitalen Schlüsseltechnologien abhängiger geworden, während die USA und China ihre Abhängigkeit verringert haben. Das zeigt auch die Vergleichsstudie des Center for Advanced Security, Strategic and Integration Studies (CASSIS) der Universität Bonn und des Vodafone Instituts. Ihr „Digital Dependence Index“ erfasst 51 Länder von 2010 bis 2023. Die Skala reicht von 0 (unabhängig) bis 1 (vollständig abhängig).

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Europas Durchschnittswert stieg um 0,5 Prozentpunkte auf 0,69. China senkte seinen Wert auf 0,43, die USA auf 0,38. Deutschland liegt mit 0,73 auf Rang 25 und ist damit seit 2010 abhängiger geworden – vor allem bei Software und IT-Diensten.

Besonders groß sind Europas Lücken laut Studie bei Plattformen und Technologiepatenten: Die Abhängigkeit erreicht dort Werte von 0,98 beziehungsweise 0,99. Bei Hardware und IT-Dienstleistungen fällt sie geringer aus. Deutschlands vergleichsweise gute Position bei Patenten reicht im globalen Vergleich nicht aus, um den Rückstand zu den USA, China und Südkorea aufzuholen.

Die Forschenden warnen zudem vor dem „Irland-Effekt“: Der Sitz vieler US-Konzerne in Irland verzerrt die europäischen Handelszahlen. Ohne Irland würde Europas Bilanz bei digitalen Dienstleistungen laut Studie von einem Überschuss in ein Defizit von rund 350 Milliarden US-Dollar kippen.

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