Storage in der Cloud

Rückführung aus der Cloud: ja oder nein?

| Autor / Redakteur: Fausto Vaninetti* / Florian Karlstetter

Für Unternehmen, die den Schritt in die öffentliche Cloud noch nicht gemacht haben, bieten Cloud-Management-Plattformen möglicherweise die beste Möglichkeit, eine effektive Brokering-Lösung für IT-Services zu finden.
Für Unternehmen, die den Schritt in die öffentliche Cloud noch nicht gemacht haben, bieten Cloud-Management-Plattformen möglicherweise die beste Möglichkeit, eine effektive Brokering-Lösung für IT-Services zu finden. (Bild: Nmedia/stock.adobe.com)

In einem Gastbeitrag wirft Fausto Vaninetti von der SNIA Cloud Storage Initiative (CSI) einen kritischen Blick auf die Datenhaltung in der Public Cloud. Obwohl die Verbreitung der öffentlichen Cloud weiter voranschreitet, gibt es nach Ansicht des Experten auch klare Belege dafür, dass es Unternehmen gibt, die die öffentliche Cloud wieder verlassen.

Als anbieterunabhängige Einrichtung, deren Ziel es ist, das Wissen über neue Technologien unter Endnutzern zu verbreiten, hat die Storage Networking Industry Association (SNIA) eine technische Arbeitsgruppe zum Thema Storage in der Cloud ins Leben gerufen – die SNIA Cloud Storage Initiative (CSI).

Die CSI ist eine führende, unabhängige und neutrale Autorität im Bereich der Speicherung in Cloudumgebungen. Das Expertengremium befasst sich mit der Verbreitung, dem Wachstum und der Standardisierung von Cloudspeichern und Datenservices in der Cloud. Das Ziel der Vereinigung ist die Förderung der Interoperabilität und Portabilität von Daten, die in der Cloud gespeichert werden, um zu verhindern, dass Endnutzer an ein System gebunden werden. Die SNIA hat auch die Cloud Data Management Interface (CDMI) entwickelt: eine funktionale Anwendungsschnittstelle zum Erstellen, Abrufen, Aktualisieren und Löschen (CRUD) von Daten in der Cloud. Diese Schnittstelle ist mittlerweile zum ISO/IEC 17826 Industriestandard geworden und die neueste Version unterstützt unter anderem OpenStack Swift und Amazon S3.

Das Phänomen der „Cloud Repatriation“

In der Vergangenheit befanden sich alle kritischen IT-Assets und Daten von Unternehmen in Rechenzentren, doch heutzutage ist ein Teil davon in die öffentliche Cloud abgewandert. Cloudanbieter verkaufen keine Assets oder Geräte wie traditionelle IT-Anbieter, sondern IT-Services. Diese Entwicklung von On-Premises hin zur Cloud begann vor einigen Jahren und es sieht jetzt so aus, als ob sie sich jetzt wieder umkehrt. Dieses Phänomen wird häufig als „Cloud Repatriation“ also Datenrückführung aus der Cloud bezeichnet.

Obwohl die Verbreitung der öffentlichen Cloud weiter voranschreitet, gibt es auch klare Belege dafür, dass es Unternehmen gibt, die die öffentliche Cloud wieder verlassen. Laut einer Studie von 451 Research haben 68 Prozent der Benutzer Workloads von der öffentlichen Cloud in eine private Cloudumgebung migriert. Wenn Organisationen große Erfolge verzeichnen und die extern gehosteten Anwendungen ausreifen oder die Auslastung steigt, verlieren die anfänglichen Geschwindigkeits- und Kostenvorteile der öffentlichen Cloud an Bedeutung im Vergleich zum Gesamtwert und der Rentabilität. Mit diesen neuen Metriken sind die Funktionen und Kosten einer eigenen Infrastruktur denen eines Services einfach überlegen.

Es gibt mehrere Fallstudien von Unternehmen, die ihre IT-Assets wieder in die eigenen vier Wände ihrer Rechenzentren gebracht haben. Die Rückführung aus der Cloud kann aus den unterschiedlichsten Gründen stattfinden.

In einigen Fällen sind es die Kosten: Die öffentliche Cloud ist attraktiv und preiswert, solange Workloads begrenzt sind und ihr Umfang sich ständig ändert. Auch die rein sporadische Nutzung von IT-Ressourcen stellt eine gute Voraussetzung für die Cloud dar. Jedoch gilt genau das Gegenteil, wenn Workloads ständig laufen und große Mengen an Bandbreite benötigen. Für andere Organisationen erfüllt die öffentliche Cloud möglicherweise einfach nicht ihre Bedürfnisse, weil die Wartungsfenster des Anbieters nicht zu den Anforderungen des Unternehmens passen. Diese Reibungen haben dazu geführt, dass einige Cloudbenutzer jetzt zögern, Services in der öffentlichen Cloud zu nutzen, nachdem sie einen geplanten oder ungeplanten Service-Ausfall erlebt haben.

Entwicklung der Gesetzgebung in Sachen Datenhoheit

In anderen Fällen wollen Analysten ihre Daten nicht in der öffentlichen Cloud haben, da das deren schnelle Verarbeitung und Auswertung erschwert (vielleicht hätten sie gar nicht erst in die öffentliche Cloud gehen sollen). Ein weiterer Grund, Workloads zurückzuholen, ist die Entwicklung der Gesetzgebung in Sachen Datenhoheit.

Durch den verstärkten Fokus auf Vertraulichkeit und den Umgang mit sensiblen Daten, der durch strenge regulatorische Gesetze wie die EU-Richtlinien nötig wird, entscheiden einige Unternehmen, ihre Daten sicherheitshalber aus der öffentlichen Cloud zu holen, da sie sich dort möglicherweise außerhalb der Landesgrenzen oder nicht einmal an einem einzigen Standort befinden.

Ganz allgemein sind der Speicherstandort und die Verfügbarkeit von prüfbaren Datenzugriff-Logs berechtigte Bedenken der Benutzer der öffentlichen Cloud, die normalerweise mit speziellen Zusicherungen seitens der Cloudanbieter hinsichtlich des Speicherstandorts und Replizierung aus der Welt geschafft werden. Trotz all dieser Aspekte haben wir uns noch nicht mit den Sicherheitsaspekten im weiteren Sinne befasst. Obwohl öffentliche Clouds von Experten auf Ihrem Gebiet professionell gesichert werden, besteht doch die Sorge, dass diese riesigen Datenpools ein besonders appetitliches Ziel für Hacker darstellen.

Die Kernaussage ist, dass die öffentliche Cloud natürlich eine Daseinsberechtigung hat, aber die vorherigen Strategien doch nie verdrängen wird. On-Premises-IT stellt nach wie vor einen absolut sinnvollen Ansatz dar und die Beispiele von Unternehmen, die ihre Daten aus der Cloud zurück ins eigene Rechenzentrum holen, unterstreicht diesen Punkt. Aber selbst wenn Workloads zurück in die Rechenzentren gebracht werden, möchte man auf die Vorteile der öffentlichen Cloud eigentlich nicht mehr verzichten.

Private Cloud als Alternative

Die neue On-Premises-IT ist nun eine private Cloud, zu der Standardisierung, schnelle Bereitstellung von IT-Services, Self-Service-Portale, Automatisierung und flexible Kostenmodelle schlichtweg dazugehören. In einigen Fällen kann das Management der gesamten Hardware an einen externen Anbieter abgegeben werden, damit die Mitarbeiter sich voll und ganz auf die Anwendungsentwicklung und Innovationen konzentrieren können.

Fausto Vaninetti, Mitglied des Board of Directors der SNIA Europe.
Fausto Vaninetti, Mitglied des Board of Directors der SNIA Europe. (Bild: SNIA Europe)

Eine nicht enden wollende Welle an Werbung hat uns in der Vergangenheit glauben lassen, dass es nur eine Cloud gibt – die öffentliche. Aber das ist natürlich völlig falsch. Selbst die Natur ist nicht einverstanden. Sehen Sie mal in den Himmel: Gibt es etwa nur eine Wolkenform? In Realität gibt es mehrere Cloudarten, wobei die private Cloud an einem Ende des Spektrums und die öffentliche am anderen zu finden ist. Und die Hybrid-Cloud ist irgendwo in der Mitte angesiedelt. In ihr verschmelzen die unterschiedlichen Nutzungsmodelle (On-Premises, managed/hosted und öffentliche Cloud) mit verschiedenen Workloads (traditionell, cloudfähig und cloud-nativ). Hier geht es um mehr als nur um mehrere Cloudplattformen: Sie müssen integriert und miteinander verglichen werden, wobei die Workload-Portabilität das wichtigste Kriterium darstellt.

Ohne diese Eigenschaft würde es sich nicht um eine Hybrid-Cloud, sondern um eine komplexe Umgebung handeln. Für Unternehmen, die die öffentliche Cloud nutzen, könnte die Rückführung ein absolut logischer Schritt sein, um die Größe ihrer Workloads an die verfügbaren Cloudplattformen anzupassen.

Für Unternehmen, die den Schritt in die öffentliche Cloud noch nicht gemacht haben, bieten Cloud-Management-Plattformen möglicherweise die beste Möglichkeit, eine effektive Brokering-Lösung für IT-Services zu finden.

* Fausto Vaninetti, Mitglied des Board of Directors der SNIA Europe

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