Wiit-Deutschlandsprecher Christoph Herrnkind fordert deutsche Provider auf, sich unter dem Motto „Cloud4Europe“ dem Mailänder Mutterhaus anzuschließen. Mit dessen breitgefächerten Portfolio seien sie besser in der Lage, neue und größere Aufgaben anzugehen. Die Strategie erinnert an die des Fiat-Konzerns.
Die „Wiit Cloud Days 2023“ fanden auf dem Hockenheimring statt.
(Bild: WIIT)
Die Wiit S.p.A. wurde in Mailand geboren und versteht sich als europäischer Anbieter von Hybrid und Hosted Private Clouds mit Spezialisierung auf Business Continuity Services und geschäftskritische Anwendungen. Rund die Hälfte des Business entfällt auf Deutschland. Besonders die Entwicklung von Value-Added Services, das zunehmende Cross Selling an Kunden von akquirierten Unternehmen sowie die Neukundengewinnung habe die Entwicklung vorangetrieben.
Im Januar 2023 hat die Gruppe die Akquisition des Münchner Cloud-Anbieters Global Access Internet Services vermeldet. Nach der Übernahme der myLoc Ende 2020, der Mivitec GmbH im Juli 2021, der Release42 (Boreus GmbH und Gecko Gesellschaft für Computer und Kommunikationssysteme m.b.H.) im Oktober 2021 und der Lansol GmbH im September 2022 stellte die Akquisition einen weiteren Schritt des Projekts „Cloud4Europe“ dar. Das Projekt zielt darauf ab, die Wiit-Gruppe als einen europäischen Marktführer im Bereich der Cloud für kritische Anwendungen zu positionieren.
Im Geschäftsjahr 2022 hat der Umsatz 118,8 Millionen Euro betragen und war im Vergleich zum Vorjahr um 54 Prozent gestiegen, der bereinigte EBITDA legte um 43 Prozent auf 42,2 Millionen Euro zu. Ein Jahr nach dem offiziellen Start in Deutschland sprachen wir anlässlich der „Wiit Cloud Days 2023“ auf dem Hockenheimring wieder mit dem Deutschlandsprecher der Gruppe, Christoph Herrnkind:
Cloud-Computing-Insider: Herr Herrnkind, Wiit hat jede Menge Übernahmen in Deutschland vorzuweisen, die jüngste war im Januar – die Strategie erinnert an Fiat, das mittels Zukäufen zum Stellantis-Konzern wurde. Mit seinen 14 Marken ist er heute der viertgrößte Automobilhersteller der Welt nach verkauften Fahrzeugen. Wollen Sie es in Sachen Cloud genauso machen?
Christoph Herrnkind: Wir streben einen gesunden Mix aus Akquisitionen und natürlichem Wachstum an. Bislang sind wir natürlich um mehr als zehn Prozent jährlich gewachsen, durch die Akquisition hat sich unseren Wachstumsprozess beschleunigt. Im Endeffekt wollen wir mit unserem Projekt Cloud4Europe anderen Unternehmen, die alleine nicht groß genug sind, die Möglichkeit geben, die digitale Transformation umzusetzen. Dafür stellen wir seit zweieinhalb Jahren unser volles Portfolio für die komplette Betreuung zur Verfügung.
Das tun andere auch – warum sollte ich mich als eigenständiger deutscher Provider unter den Mantel von Wiit stellen? Was würden Sie als den Unique Selling Point (USP) von Wiit definieren?
Christoph Herrnkind, Sprecher von Wiit in Deutschland.
(Bild: WIIT)
Herrnkind: Die Antwort kann ich aus eigener Erfahrung geben – ich komme ja von MyLoc aus Düsseldorf, der Verkauf der MyLoc an Wiit bot uns in den vergangenen zweieinhalb Jahren das Potenzial für die Weiterentwicklung unserer IT-Infrastruktur und Cloud-Lösungen für unsere Kunden. Es wurde auf Seiten Wiits sehr viel Wert darauf gelegt zu verstehen, wie ein vergleichsweise kleiner Anbieter zum Mehrwert der Gruppe beitragen kann. Es geht also nicht darum, kleinere Unternehmen zu kaufen und dann auseinanderzunehmen, sondern alle sollen davon profitieren. Für den Erfolg eines Cloud-Providers gibt es ja gute Gründe – diese zu verstehen, hilft uns als Gruppe, uns insgesamt besser aufzustellen. Auf der anderen Seite hilft das breite Portfolio von Wiit dem kleineren Provider, seine Kunden vorteilhafter zu betreuen. Ich habe die Zusammenarbeit mit den italienischen Kollegen in den vergangenen zweieinhalb Jahren als äußerst fruchtbar erlebt. Die wollen gerne noch dazulernen und geben dafür Ressourcen an die Hand, mit denen der kleinere Anbieter sein Geschäft ausbauen kann.
..sein Geschäft ausbauen kann zu Premium Services, wenn ich das richtig verstehe. Wie definieren Sie „Premium“ Services im Vergleich zu schnöden Normalservices?
Herrnkind: Premium Cloud Services sind kein Produkt, sondern eine Lösung, die wir anbieten und die aus ganz unterschiedlichen Bausteinen bestehen kann. Der Vorteil für den kleinen Provider besteht darin, dass wir ihm das komplette Portfolio der Wiit-Gruppe zur Verfügung stellen. Das enthält enormes Potential für Wachstum. Wir entwerfen, implementieren und verwalten maßgeschneiderte, hybride und Multi-Cloud-Cloud-Modelle, die das volle Potenzial der Cloud ausschöpfen. Premium Cloud ist eine Lösung mit einem hohen Serviceniveau für Anwendungen und kritische Unternehmensprozesse. Das Ganze auf unserer Plattform, die den Mix aus verschiedenen Infrastrukturen – von Edge Computing bis Public Cloud – absichert. Premium Services stehen für spezialisierte Fähigkeiten, Zertifizierungen und erstklassige firmeneigene Ressourcen, um auch anspruchsvolle Serviceverträge zu erfüllen.
Das war jetzt etwas allgemein – wir wollen wissen, was Wiit anders macht als andere, um als „Premium“ wahrgenommen zu werden.
Herrnkind: Nun, wir bauen unsere Infrastruktur kontinuierlich aus und investieren laufend strategisch in unsere Anlagen, um so Zuverlässigkeit, Sicherheit und Datenschutz durch unsere Premium-Services zu gewährleisten. Als nächstes freuen wir uns auf die Fertigstellung des ersten deutschen Rechenzentrums mit Tier-IV-Zertifizierung des Uptime Institute, die wir in der zweiten Jahreshälfte 2023 erwarten. Wir sind bereits heute in der Lage, von der Infrastruktur über den Managed Service Part bis hin zum Software Service Part wirklich alle Schritte, alle Evolutionsstufen der Digital Transformation anbieten zu können. Entsprechend hat der Kunde bei uns die Wahl, welchen Baustein er aus unserem Baukasten auswählen will. Diese Reise wird weitergehen, wir wollen weiteren Unternehmen die Chance geben, daran teilzuhaben. Sie bekommen die Chance, Teil von etwas Großem zu werden, mit der klaren Vision, dass Deutschland noch viel mehr digitale Transformation nötig hat. Der Mehrwert für unsere Kunden besteht darin, dass sie sich auf ihre Kernservices konzentrieren können und nicht genötigt sind, ihre IT beziehungsweise ihre Services optimal in der Cloud hosten zu müssen – denn darum kümmern wir uns. In unseren Kundengesprächen fragen wir als erstes nach den gewünschten Applikationen und der erwarteten Verfügbarkeit. Auf Basis dieser Informationen entwickeln wir mit unseren Pre-Sales-Experten und Solution-Architects die bestmögliche Lösung. Da gibt es unterschiedliche Lösungsszenarien, etwa das Hybrid-Modell mit Public und Private Cloud, für die der Kunde sich dann entscheiden kann.
Stand: 08.12.2025
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Wenn ich Sie korrekt verstanden habe, fordern Sie deutsche Provider aktiv dazu auf, sich unter dem Mantel von Wiit zu vereinen und eben diese Premium Services ebenfalls anzubieten, ist das richtig?
Herrnkind: Ja, absolut. Das ist unser Cloud4Europe-Ansatz, der aktuell noch stark auf Deutschland fokussiert ist, im kommenden Jahr aber sicherlich auf Europa ausgedehnt wird. Unser Ziel ist es, die sowohl in Deutschland als auch Italien aufgebaute Plattformen, die sehr gute Anknüpfungspunkte bieten, für kleinere Anbieter zu öffnen. Dann können sie auch Kunden mit höheren Ansprüchen versorgen, weil unser Portfolio entsprechend breit gefächert ist.
Apropos anspruchsvoll. Die ganze Branche redet über generative Künstliche Intelligenz (KI) – Wiit nicht. Dabei tobt insbesondere in Italien ein großer Streit darum, für Wochen war die KI-Software ChatGPT in Italien gesperrt. Ist die KI für Wiit kein Thema, weil es sich um einen italienischen Konzern handelt?
Herrnkind: Das täuscht – das Projekt Cloud4Europe verfolgt das Ziel, zum führende Cloud-Anbieter für geschäftskritische Anwendungen in ganz Europa aufzusteigen. Regionale Beschränkungen auf Länderebene können daher kein Thema für uns sein. Und so ist es auch im Falle der KI. Unsere Kollegen in Stralsund haben bereits mehrere entsprechende Projekte am Laufen, wir dürfen auf deren Fortgang gespannt sein. Noch ist KI kein Kernthema von uns, aber wir setzen uns aktiv auseinander damit und überlegen als Cloud-Anbieter für KI entsprechende leistungsstarke Infrastrukturen bereitzustellen. Gerade auch die Kollegen in Mailand sind sehr daran interessiert.
Davide Capozzi, Director of Business Integration, Innovation & IT bei Wiit in Mailand, erläuterte an der Seite von Herrnkind: Ja, das stimmt. Das vorübergehende Verbot in Italien hatte rein datenschutzrechtliche Gründe: Der ChatGPT-Betreiber OpenAI musste auf Betreiben von Italiens Regierung unter anderem eine Altersprüfung für Nutzer sowie die Möglichkeit zum Widerspruch zur Verwendung privater Daten einbauen. Damit hat Italien als Gründungsstaat der EU mit seinen weitreichenden Datenschutzgesetzen allen Bürgern der Europäischen Union einen weiteren guten Dienst geleistet. Seit dem 28. April hat OpenAI alle von der italienischen Regierung gestellten Forderungen umgesetzt und ist wieder online. Für Wiit stellt ChatGPT und die generative KI generell eine äußerst interessante Möglichkeit dar. Wie viele andere suchen wir gerade nach Wegen, diese Potentiale für unsere Kunden bestmöglich zu nutzen. Bei der Suche, bei der Spracheingabe, und vielleicht noch bei ganz anderen Sachen.
Sie haben keine Angst, dass die KI uns allesamt um unsere Jobs bringen wird?
Capozzi: Wir gehen davon aus, dass die KI uns in unseren Jobs unterstützen, sie uns aber nicht wegnehmen wird. Wir gehen in Italien sehr positiv an Natural Language Processing (NLP), Machine Learning (ML), Sentiment und Emotional Analysis heran. Wir sollten neue Technologien nicht negativ gegenüberstehen, sondern diese als eine große Chance erkenne, welche allen Europäern im Idealfall ein besseres Leben ermöglichen.
Meine Herren, wir danken für das rasante Gespräch!