Cloud First war gestern, jetzt heißt es Cloud Smart. Immer mehr Unternehmen holen Workloads zurück ins eigene Rechenzentrum. Und zwar weil Kosten, Compliance und Performance in der Praxis oft für On-Prem sprechen.
Die richtige Cloud-Strategie ist auch für den Erfolg des Unternehmens entscheidend.
(Bild: NicoElNino - stock.adobe.com)
Der Cloud-First-Ansatz, ein Favorit für viele IT-Strategen, verspricht Unternehmensabläufe unter den Gesichtspunkten Agilität, Skalierbarkeit und Kostenoptimierung komplett neu zu gestalten. Aber auch hier gilt: „Es ist nicht alles Gold, was glänzt.“
Im Jahr 2025 haben viele Unternehmen ihre inzwischen sehr cloud-lastigen Strategien neu bewertet und festgestellt, dass sich für bestimmte Arbeitslasten eine lokale Infrastruktur besser eignet. Diese Entwicklung hat zu einem Umdenken hin zu einem Cloud-Smart-Ansatz geführt, bei dem die Vorteile der Cloud mit einer pragmatischen, nachhaltigen Optimierung der eigenen IT kombiniert werden.
Die Cloud-First-Ära: Was lief gut, was nicht?
Cloud First war für viele Unternehmen nicht nur eine neue Strategie, sondern ein Paradigmenwechsel. Der Ansatz bot Flexibilität auf Knopfdruck: Schnelle Bereitstellung, nutzungsbasierte Modelle und das Versprechen von nahezu unbegrenzter Skalierbarkeit – ein attraktives Angebot.
Doch mit zunehmender Cloudnutzung schlichen sich nach und nach versteckte Kosten ein, beispielsweise Egress-Gebühren für die Übertragung von Daten, die viele Budgetverantwortliche in Unternehmen unvorbereitet getroffen haben. Neben solchen finanziellen Aspekten gab es auch Herausforderungen in Bezug auf Regulatorik und Compliance. Neue regulatorische Rahmenbedingungen wie die DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) oder CCPA (California Consumer Privacy Act) haben die Cloud von einem One-Stop-Shop zu einem Compliance-Minenfeld gemacht. Und auch die Performance war nicht perfekt. Bestimmte Workloads – insbesondere solche, die geringe Latenz oder hohe Leistung erforderten – waren für Public-Cloud-Umgebungen schlicht nicht geeignet und liefen in traditionellen lokalen Umgebungen effektiver und reibungsloser.
Argumente für die Rückverlagerung in die eigene IT-Umgebung: Kosten, Compliance und Kontrolle
Je deutlicher die Nachteile einer Cloud-First-Strategie werden, desto attraktiver wird für Unternehmen die Rückverlagerung bestimmter Workloads in die eigene IT-Umgebung, vor allem wenn dies mehr Kosten einspart als ursprünglich erwartet. Wie eine Studie „The Cost of Cloud, a Trillion Dollar Paradox“ von Andreessen Horowitz zeigt, können laufende Kosten durch eine Verlagerung von Workloads aus der Cloud in optimierte lokale Umgebungen um mehr als 50 Prozent reduziert werden. Diese Zahl klingt überraschend, ergibt aber Sinn, wenn man versteckte Kosten wie Egress-Gebühren berücksichtigt, die sich schnell summieren können. Ein gutes Beispiel für die Rückverlagerung von Workloads ist Dropbox. Das Unternehmen konnte durch diese Entscheidung insgesamt 75 Millionen US-Dollar in nur zwei Jahren einsparen.
Und auch Datenschutz und Compliance sind gute Argumente für eine Rückverlagerung. Da die entsprechenden regulatorischen Rahmenbedingungen weltweit immer strenger werden, stehen Unternehmen zunehmend unter Druck, sensible Daten unter ihrer direkten Kontrolle zu behalten. On-Premises-Lösungen bieten in Sachen Datenspeicherung oftmals ein höheres Maß an Sicherheit und Transparenz – und damit geringere Compliance-Risiken. Für Unternehmen, die große Mengen an sensiblen Daten verarbeiten, beispielsweise im Gesundheits- oder Finanzdienstleistungssektor, ist dies sogar noch wichtiger.
Nicht zuletzt kommt es bei bestimmten Anwendungsfällen wie Echtzeitanalysen oder dem Training von KI-Modellen auf Millisekunden an und weit entfernte Cloud-Server können oftmals nicht die entsprechende Leistung abliefern. Lokale Lösungen hingegen bieten diese sofortige Verarbeitungsleistung und sind daher für solche Fälle mit hohen Leistungsanforderungen unverzichtbar.
Hybrid Cloud als Mittelweg
Als Reaktion auf die Komplexität einer Rückverlagerung von Workloads setzen viele Unternehmen stattdessen auf einen Hybrid-Cloud-Ansatz. Dieser vereint Public Cloud, Private Cloud und lokale Infrastruktur in einem attraktiven Mittelweg für Unternehmen, die ihre IT optimieren möchten.
Laut Gartner werden bis zum Jahr 2027 90 Prozent aller Unternehmen Hybrid- oder Multicloud-Lösungen nutzen, um so das Beste aus beiden Welten zu bekommen. Indem sie sensible Workloads aus Compliance- und Kostengründen in der On-Premises-Umgebung belassen und die Public Cloud für weniger kritische Anwendungen nutzen, können Unternehmen die gewünschte Flexibilität erreichen, ohne Kompromisse eingehen zu müssen, beispielsweise hinsichtlich Performance.
Stand: 08.12.2025
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Ein großer Vorteil von Hybrid-Cloud-Lösungen sind die verfügbaren Integrationen, also Tools, die eine nahtlose Orchestrierung zwischen lokalen und Cloud-Umgebungen ermöglichen und Unternehmen so noch mehr Flexibilität bieten, um in einer sich ständig verändernden Welt wettbewerbsfähig zu bleiben.
Rückverlagerung in der Praxis: Branchen, die den Wandel anführen
Bestimmte Branchen sind bereits heute führend in der Rückverlagerung von Workloads aus der Cloud, und zwar aufgrund ihrer besonderen Anforderungen. So verlagern große Banken und Trading-Unternehmen ihre Hochfrequenz-Trading-Plattformen zunehmend wieder in ihre eigenen Umgebungen, um Latenzverzögerungen zu vermeiden, die sich negativ auf Trading-Prozesse auswirken können, bei denen es oft auf Sekundenbruchteile ankommt. JPMorganChase beispielsweise hat stark in die eigene Infrastruktur investiert, um Transaktionen schneller abwickeln zu können und gleichzeitig zu gewährleisten, dass alle relevanten regulatorischen Standards eingehalten werden.
Krankenhäuser und Forschungseinrichtungen verlagern sensible Patientendaten ebenfalls in eigene Umgebungen zurück, um Datenschutzvorgaben einzuhalten. Die Mayo Clinic nutzt beispielsweise einen dezentralen Ansatz für die Verwaltung von Daten, indem sie anonymisierte Daten in verschlüsselten Containern innerhalb ihrer privaten Cloud-Infrastruktur speichert. Auf diese Weise stellt die Klinik sicher, dass sie die alleinige Kontrolle über die entsprechenden Daten hat, wodurch sich das Risiko eines unbefugten Zugriffs verringert, und ermöglicht gleichzeitig Forschungskooperationen unter Einhaltung aller relevanten Datenschutzvorgaben.
Wichtige Überlegungen vor der Rückverlagerung von Workloads
Anstatt die Rückverlagerung von Workloads zu überstürzen, sollten Unternehmen zunächst einige wichtige Faktoren abwägen, denn die Rückverlagerung ist keine Patentlösung für jeden. Vielmehr geht es darum, zunächst die Gesamtbetriebskosten (TCO - Total Cost of Ownership) sorgfältig zu analysieren und dabei auch Infrastrukturinvestitionen, Personalkosten und Kosten für die laufende Wartung zu berücksichtigen. Entscheidend ist, zu verstehen, welche Workloads besser für lokale Umgebungen geeignet sind und welche weiterhin in der Cloud abgebildet werden sollten. Der Erfolg einer Rückverlagerung hängt zudem zum großen Teil davon ab, ob die für die effektive Wartung der lokalen Infrastruktur notwendige Expertise im eigenen Unternehmen vorhanden ist oder nicht.
Moderne Technologien wie hyperkonvergente Infrastruktur (HCI) und Containerisierung bieten Flexibilität und Skalierbarkeit und erleichtern gleichzeitig die Verwaltung von On-Premises-Umgebungen. HCI konsolidiert beispielsweise Rechenleistung, Speicher und Netzwerke in einem zentralen, softwaregesteuerten System, um Komplexität zu reduzieren und im Vergleich zu traditionellen On-Premises-Umgebungen eine schnellere Bereitstellung zu ermöglichen. Bei Containerisierung werden Anwendungen mit ihren Abhängigkeiten gebündelt, sodass sie auch in verschiedenen Umgebungen ohne Kompatibilitätsprobleme reibungslos ausgeführt werden können.
Die Nutzung dieser Technologien ermöglicht es Unternehmen, das Beste aus zwei Welten zu bekommen: Die Agilität der Cloud und die Sicherheit, Leistung und Kostenvorteile einer lokalen Infrastruktur.
Der Ausblick: Rückverlagerung von Workloads, künstliche Intelligenz und Edge Computing
Der technologische Fortschritt, einschließlich neuer Technologien wie künstlicher Intelligenz (KI) und Edge Computing, hat einen signifikanten Einfluss auf Cloud-Strategien. KI, und insbesondere das Training großer Sprachmodelle (LLMs), erfordert eine enorme Rechenleistung, die oftmals am besten über lokale Hardware bereitgestellt werden sollte. Unternehmen setzen dafür zunehmend auf Nvidia-DGX-Systeme und ähnliche Hochleistungsgeräte.
Gleichzeitig verlagert Edge Computing immer mehr Datenverarbeitungsprozesse näher an ihre Datenquellen, wo die entsprechenden Daten in Echtzeit analysiert und verarbeitet werden können. Dieser Trend, in Kombination mit den Anforderungen von KI, verdeutlicht noch einmal die zunehmende Verlagerung von Workloads, um eine lokalisierte, effizientere Verarbeitung von Daten zu ermöglichen.
Fazit: Cloud Smart, nicht Cloud First
Der Wechsel von einer Cloud-First- hin zu einer Cloud-Smart-Strategie ist Ausdruck eines ausgereifteren Ansatzes für die Unternehmens-IT. Da sich Unternehmen auch weiterhin kontinuierlich an neue Herausforderungen anpassen müssen, wird es in diesem Zusammenhang stark darauf ankommen, das richtige Gleichgewicht zwischen Cloud- und On-Premises-Lösungen zu finden. Denn bei der Rückverlagerung von Workloads geht es nicht darum, die Cloud und ihre Vorteile aufzugeben, sondern einen Ansatz zu finden, der maßgeschneidert, pragmatisch und kostengünstig ist.
In den kommenden Jahren werden Unternehmen zunehmend Cloud-Smart-Strategien verfolgen müssen, mit denen sich die Skalierbarkeit der Cloud mit der Kontrolle und Leistung von On-Premises-Lösungen kombinieren lassen. Es geht im Jahr 2025 nicht mehr nur darum, wo die Workloads liegen, sondern darum, die klügste Entscheidung zu treffen, um langfristigen Erfolg sicherzustellen.
* Die Autorin Sneha Banerjee ist Enterprise Analyst bei ManageEngine. Ihre Forschung konzentriert sich auf die Bereiche Technologie, Datenschutz und Unternehmenserfolg.