Schweizer Telekom-Riese legt Kubernetes-Architektur offen Swisscom veröffentlicht komplette souveräne Cloud-Infrastruktur

Von Elke Witmer-Goßner 2 min Lesedauer

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Der größte Schweizer Telekommunikationsanbieter hat seine gesamte Kubernetes-Architektur transparent auf der CNCF-Plattform publiziert. Die in nur neun Monaten realisierte souveräne Private Cloud könnte zum Vorbild auch für deutsche Unternehmen in regulierten Branchen werden.

Swisscom hat eine souveräne Kubernetes-Plattform auf seiner eigenen Infrastruktur in Schweizer Rechenzentren aufgebaut – eine produktionsreife, softwaredefinierte Cloud-Plattform auf bestehender Bare-Metal-Infrastruktur.(Bild:  Swisscom (swisscom.ch))
Swisscom hat eine souveräne Kubernetes-Plattform auf seiner eigenen Infrastruktur in Schweizer Rechenzentren aufgebaut – eine produktionsreife, softwaredefinierte Cloud-Plattform auf bestehender Bare-Metal-Infrastruktur.
(Bild: Swisscom (swisscom.ch))

Swisscom setzt mit der Veröffentlichung seiner vollständigen Kubernetes-Architektur auf der Website der Cloud Native Computing Foundation ein deutliches Zeichen gegen die weit verbreitete Annahme, dass eine komplett herstellerunabhängige Lösung mit Open-Source-Technologien nicht möglich sei.

60 Prozent Migration in neun Monaten

Sebastian Scheele, CEO und Mitbegründer des Hamburger Unternehmens Kubermatic, zeigt sich beeindruckt von der Geschwindigkeit der Umsetzung. Innerhalb von nur neun Monaten nach Inbetriebnahme migrierte Swisscom 60 Prozent seiner internen Anwendungs-Workloads auf die neue Plattform. Die produktionsreife, softwaredefinierte Cloud-Plattform wurde dabei auf bestehender Bare-Metal-Infrastruktur in Schweizer Rechenzentren aufgebaut, was die strikte Datensouveränität gewährleistet.

Orchestrierung statt Neuerfindung: Der intelligente Technology-Stack

Da KubeVirt für die Abstraktion sorgt, wird KVM als Hypervisor auf Bare-Metal-Servern eingesetzt. Aus Sicht des Kunden (Customer X) verwaltet der Administrator seines Benutzerclusters alle dargestellten Auswahlmöglichkeiten und Abstraktionen, sodass Kunden eigenständige Entscheidungen treffen können.(Bild:  Kubermatic)
Da KubeVirt für die Abstraktion sorgt, wird KVM als Hypervisor auf Bare-Metal-Servern eingesetzt. Aus Sicht des Kunden (Customer X) verwaltet der Administrator seines Benutzerclusters alle dargestellten Auswahlmöglichkeiten und Abstraktionen, sodass Kunden eigenständige Entscheidungen treffen können.
(Bild: Kubermatic)

Das Herzstück der Swisscom-Lösung bildet eine sorgfältig komponierte Orchestrierungsschicht aus etablierten CNCF-Komponenten. KubeVirt übernimmt die VM-Abstraktion, während Kube-OVN für softwaredefiniertes Networking mit vollständiger Mandantenisolierung sorgt. KubeOne stellt die Control Plane bereit, und die Kubermatic Kubernetes Platform verwaltet den gesamten Cluster-Lebenszyklus sowie Multi-Tenant-Umgebungen. ArgoCD kümmert sich um die Bereitstellung, Kyverno um die Durchsetzung von Richtlinien. Diese Architektur zeigt, dass es weniger um personelle Ressourcen als vielmehr um die richtige Auswahl und Verknüpfung der Bausteine geht.

Keine Kompromisse bei der Datensouveränität

Der entscheidende Treiber hinter der Swisscom-Initiative ist die rechtliche Anforderung „Daten bleiben in der Schweiz“. Für Schweizer Banken und Regierungsbehörden, die den Kubernetes-Service extern beziehen, wäre eine Hyperscaler-Lösung keine Option gewesen. Die Gefährdung durch den US CLOUD Act und ausländische Regulierung wird durch die souveräne Infrastruktur vollständig eliminiert. Kubermatic Kubernetes Platform ist in diesem Konzept kein nachträgliches Add-on, sondern die zentrale Ebene, die einen komplexen CNCF-Stack in einen verkaufbaren Dienst für höchst regulierte Branchen transformiert.

Besondere Bedeutung kommt KubeVirt zu, das Swisscom ermöglicht, Legacy-VMs und containerisierte Workloads auf derselben Control Plane zu betreiben. Diese Flexibilität beseitigt den Zwang zur vollständigen Containerisierung vor der Modernisierung und beschleunigt die Transformation erheblich. Der Ansatz beweist, dass Cloud-native Infrastruktur und bestehende Systeme nicht im Widerspruch stehen müssen.

Day-2-Realität: Betrieb ist die wahre Herausforderung

Sebastian Scheele, CEO von Kubermatic: Der Swisscom-Case zeigt, „es muss nicht alles containerisiert werden, bevor man etwas modernisieren kann“.(Bild:  Kubermatic)
Sebastian Scheele, CEO von Kubermatic: Der Swisscom-Case zeigt, „es muss nicht alles containerisiert werden, bevor man etwas modernisieren kann“.
(Bild: Kubermatic)

Scheele betont, dass der Aufbau des Stacks nicht die eigentliche Schwierigkeit darstellte. Die wahre Herausforderung liege im Betrieb nach dem Start gemäß den SLA-Anforderungen eines Telekommunikationsunternehmens. Upgrade-Pfade, Ausfalldomains und Incident Response auch um zwei Uhr morgens für eine Plattform bereitzustellen, auf die sich zahlende Kunden verlassen – dieses „Day 2“-Problem sei der Punkt, an dem Architekturentscheidungen auf operative Realität treffen.

Blaupause für Europa: Bankwesen, Gesundheit und Verteidigung

Kubermatic ist nicht nur Partner, sondern Kernbestandteil dieser Infrastruktur. Dass Swisscom die Architektur als Referenz auf CNCF veröffentlicht hat, signalisiert die Absicht, anderen regulierten Unternehmen einen Weg aufzuzeigen. Scheele stellt die entscheidende Frage für CTOs: Nicht, ob eine souveräne Cloud technisch machbar ist, sondern wer als nächstes ein solches Projekt realisiert. Das europäische Bankwesen, das Gesundheitswesen und die Verteidigung gelten als prädestinierte Einsatzbereiche für ähnliche souveräne Infrastrukturen und damit als potenzielle Nachahmer des Swisscom-Modells.

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