Auf der TechEd 2023 in Bangalore kündigte CTO Jürgen Müller die Integration von KI-Funktionen in praktisch alle Produkte seines Hauses an. Wichtigste Neuerungen sind die KI-gestützte Entwicklungsumgebung SAP Build Code, die Einbettung einer Vektordatenbank in SAP HANA Cloud sowie die AI Foundation für die App-Entwicklung unter SAP BTP.
Die SAP hielt ihre TechEd 2023 in Bangalore, Indien, sowie virtuell ab.
(Bild: SAP)
Anfang November hielt die SAP ihre TechEd 2023 in Bangalore, Indien, sowie virtuell ab. Das beherrschende Thema war – wie könnte es anders sein – die generative künstliche Intelligenz (KI). Schon in der Eröffnungs-Keynote von Chief Technology Officer (CTO) Jürgen Müller wurde deren Sicherheit und die verantwortungsvolle Einführung in Unternehmen breit besprochen. Er sieht keinen Weg an der KI vorbeiführen und sparte nicht mit Superlativen – KI sei eine echte Revolution, kein Marketing-Gag, und werde unser aller Leben „dramatisch“ verändern.
Jürgen Müller, Chief Technology Officer (CTO) bei SAP SE.
(Bild: Müller / Screenshot SAP TechEd)
Entsprechend will er den Kollegen bei Salesforce, Oracle oder Microsoft insofern folgen, als künftig prinzipiell jedes Produkt künstlich intelligent werden soll. Und jeder Programmierer. "SAP steht für Code – und diesen künftig zu erstellen, wird sehr intelligent werden. Die dynamische Technologie- und Geschäftslandschaft von heute bedeutet, dass jeder Entwickler ein KI-Entwickler sein muss", so das Mitglied des Vorstands der SAP SE. Unterstützung wurde ihm durch Thomas Saueressig zuteil, der den Bereich SAP Product Engineering und damit die Anwendungsentwicklung verantwortet.
Thomas Saueressig leitet den Vorstandsbereich SAP Product Engineering mit weltweiter Verantwortung für alle Bereiche der Anwendungsentwicklung.
(Bild: Müller / Screenshot SAP TechEd)
Als die wichtigste KI-Innovation bezeichnete Müller „SAP Build Code-Lösungen“, die die auf der TechEd 2022 vorgestellte Low-Code-Lösung SAP Build mit KI-gestützten und für die Java- und JavaScript-Entwicklung optimierten Entwicklungswerkzeugen sowie dem erst kürzlich präsentierten Copiloten „Joule“ anreichern sollen. Dieser bette Funktionen zur Codegenerierung für Datenmodelle, Anwendungslogik und die Erstellung von Testskripten ein. Anwender können dann Fragen stellen oder ein zu lösendes Problem per Sprachbefehl formulieren.
SAP Build Code „vereinheitliche darüber hinaus bisher getrennte Design- und Laufzeitdienste“. Das bedeutet im Klartext, dass SAP Build Code künftig Daten auch von Drittanbietersoftware nutzen kann. Dafür gibt es im SAP Business Accelerator Hub neu eine vereinfachten API-Verwaltung plus APIs, vorgefertigte Integrationen, Business Services und Vorlagen.
Entwicklern sollen die wichtigsten Werkzeuge und Funktionen im Paket angeboten werden. Zunächst allerdings nur ausgewählten Kunden und Partnern, die allgemeine Verfügung sei für das erste Quartal des kommenden Jahres geplant. Interessierte Entwickler könnten die neuen Lösungen aber heute schon in einer Demo begutachten.
Erweitertes SAP HANA
Als zweite große KI-Baustelle kündigte Müller ein um Vektordatenbankfunktionen erweitertes SAP Hana vor - ebenfalls für das erste Quartal 2024. Zur Erklärung: Vektordatenspeicher verwalten unstrukturierte Daten wie Texte, Bilder oder Audiodaten und stellen so den Kontext für KI-Modelle bereit. Die neuen Funktionen sollen SAP-Entwicklern helfen, in einem sicheren Rahmen umfangreich branchenspezifische Kundendaten zu nutzen und Retrieval Augmented Generation (RAG) zu ermöglichen. RAG ist eine Möglichkeit, die Ausgabe eines Large Language Models ( LLM) mit gezielten Informationen anzureichern, ohne das zugrundeliegende Modell selbst zu verändern. So kann KI kontextbezogene Antworten auf Basis ganz aktueller Daten liefern.
Neu seien auch ein intelligentes Szenario-Lifecycle-Management für SAP S/4HANACloud. Damit lassen sich Extraktion und Übertragung von Daten aus SAP S/4HANA Cloud an SAP AI Services durchführen – Admins können so mehrere trainierte Modelle aktivieren, die auf spezifische Geschäftskontexte zugeschnitten sind. Dafür seien auch die SAP AI Services überarbeitet worden, so trainiere das Business Service Data Attribute Recommendation nun Modelle deutlich schneller und könne mehrere Inferenzanfragen offline verarbeiten sowie Prognose-Parameter leichter identifizieren.
Neues Entwickler-Hub: AI Foundation
„Drittens“, so Müller, „wird künftig AI Foundation, ein neuer One-Stop-Shop, Entwickler beim Erstellen von KI-gestützten Anwendungen auf der SAP Business Technology Platform (SAP BTP) unterstützen“. AI Foundation enthalte alles Nötige für die Arbeit unter SAP BTP, „etwa sofort einsetzbare KI-Services, KI-Management, KI-Workload-Management, Zugang zu Geschäftsdaten sowie KI-Laufzeit- und Lebenszyklusmanagement auf Basis von SAP AI Core, SAP AI Launchpad und SAP HANA Cloud plus Zugriff auf große Sprachmodellen.“ Müller will die AI Foundation auch als Basis für eingebettete KI-Funktionen im gesamten Portfolio nutzen – und das alles schon ab diesem Quartal.
Der Hub biete außerdem Werkzeuge für Prompt-Engineering, Experimente und ähnliche Funktionen. So könnten KI-Entwicklungsteams eine Eingabeaufforderung an mehrere LLMs übermitteln und die generierten Ergebnisse in aller Ruhe vergleichen. Der KI-Hub werde darüber hinaus mit den bereits geschilderten Vektorfunktionen in SAP HANA Cloud verbunden.
Stand: 08.12.2025
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Müller erinnerte daran, dass er vor rund einem Jahr die Verpflichtung formuliert hatte, bis 2025 zwei Millionen Fachkräfte zu qualifizieren. Aus diesem Grund habe man die bereits verfügbaren kostenlosen KI-Lerninhalte mit rollenbasierten Zertifizierungen und weiteren Gratis-Lernressourcen für Backend-Entwickler, die das ABAP-Entwicklungsmodell nutzen, ergänzt. Diese seien umgehend auf der SAP Learning-Website verfügbar. Im kommenden Jahr sollen generative KI-Funktionen für ABAP-Programmierer folgen, auch eine Systemprompt-Bibliothek für Testdaten sei in der Planung.
Überwältigende Liste an Neu- und Weiterentwicklungen
Die von Müller und Saueressig plus weitere, im Laufe der Veranstaltung präsentierten neuen Anwendungen und Weiterentwicklungen sind Legion. Zu den Wichtigsten zählen u.a.:
Joule wird in praktisch jede Anwendung integriert, etwa in die SAP Analytics Cloud oder den Regulatory Change Manager von SAP BTP. Mit letzterem können Anwender nun rechtliche Probleme und komplexe Compliance-Herausforderungen diskutieren und lösen.
SAP Signavio ist jetzt für das Monitoring von Geschäftsprozessen über alle SAP- und Drittanbieteranwendungen hinweg direkt mit der SAP Integration Suite verbunden. Möglichkeiten zur Automatisierung sollen selbstständig angezeigt und Prozessverbesserungen vorgeschlagen werden.
SAP Build Process Automation nutzt nun ebenfalls den Joule-Copilot, um Workflows und Geschäftsregeln zu erstellen. Auch gebe es eine neu gestaltete Benutzeroberfläche plus Zugriff auf das SAP Business Accelerator Hub.
Verbesserte Editorfunktionen in SAP Build sollen die Implementierung von Prozessen vereinfachen, die mit SAP Signavio, SAP Build Code oder SAP Business Process Management modelliert wurden. Prozessmodellierungs-Frameworks erlauben nun die grafische Darstellung von Prozessen, die dann per Drag-and-Drop implementiert werden könnten.
Die Advanced Event Mesh-Plattform der SAP Integration Suite kann jetzt gängige Geschäftsereignisse erfassen und dann Workflows in SAP Build Process Automation initiieren.
Die KI-Plattform DataRobot erlaubt es künftig, benutzerdefinierte KI-Modelle in SAP-Build-Lösungen einzubinden.
Die containerisierte Edge Integration Cell-Laufzeitumgebung ist jetzt allgemein für die SAP Integration Suite verfügbar.
Graph wird Teil der API-Management-Funktion in der SAP Integration Suite. Graph bietet Zugriff auf Unternehmensdaten über eine API mit OData4 oder GraphQL. Die Low-Code- und Pro-Code-Lösungen von SAP wie SAP Build Apps, SAP Process Automation und SAP Build Code unterstützen Graph nun ebenfalls.
Es gibt neue Funktionen für das semantische Onboarding in SAP Datasphere.
SAP Cloud SDK für Java wird voraussichtlich noch im vierten Quartal 2023 als Open-Source-Projekt verfügbar sein. Es erleichtere die Erstellung von Erweiterungen auf SAP BTP. Die nächste Hauptversion des Java SDK, Version 5, soll ebenfalls noch dieses Jahres freigegeben werden.
Ein neues SAP BTP Guidance Framework soll einen zentralen Zugangspunkt für
Methoden und Best Practices mit SAP BTP bietet. In dessen Rahmen werde es auch einen neuen Entwicklerleitfaden für SAP BTP geben.
Neue Funktionen der SAP Customer Data Platform wie kontextbezogene Tags für Daten und eine direkte Verbindung zu SAP Emarsys Customer Engagement.
Das SAP Central Business Configuration-Tool und SAP S/4HANA Cloud, Public Edition, erhalten zwei zusätzliche Tenants, einen für das Customizing und einen für das Testen. Sie stehen zunächst nur ausgewählte Early-Adopters zur Verfügung.
Kunden der Lösung RISE with SAP, die SAP S/4HANA Cloud, Private Edition, die weiter mit einem ERP Clean Core arbeiten, erhalten ein neues Prämienprogramm. Ein Clean Core stellt sicher, dass Unternehmen die neuesten Versionen mit minimalen oder gar keinen Änderungen verwenden, nachdem sie von Altsystemen in die Cloud migriert sind.
Dies sind, wie gesagt, nur Auszüge aus der langen Liste an Überarbeitungen und Neuentwicklungen, die auf der TechEd präsentiert wurden. Denn, wie Müller ein weiteres Mal proklamierte: "Die einzige Konstante ist der Wandel". Dies habe für Unternehmenssoftware schon immer gegolten.
„Aber nun leitet eine neue Art von Technologie - maschinengenerierte Texte, Bilder und Medien, die die menschliche Kreativität nachahmen - eine völlig neue Ära der Transformation ein. Diese Technologie, die als generative künstliche Intelligenz bekannt ist, hat eine Innovationswelle ausgelöst, die die Art und Weise, wie Unternehmen arbeiten, dramatisch verändern wird. Und wir bei SAP sind perfekt positioniert, um diese KI-Revolution in Unternehmen voranzutreiben.“