Raus aus dem Rechenzentrum, rein in die Cloud – das würde SAP gerne bei seinen Anwendern sehen. Stichtag ist 2027. Aber KI-Angebote wie den Chatbot „Joule“ macht SAP nur seinen Cloud-Kunden, die S/4HANA nutzen. Solche begrenzten Angebote und Perspektiven stießen auf den Technologietagen der DSAG auf erneute Kritik.
Drängende Fragen zu aktuellen technologischen Entwicklungen zu thematisieren und zu beantworten ist Zweck der Technologietage der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe e. V. (DSAG), dieses Jahr im Congress Center in Hamburg.
(Bild: SAP)
Kürzlich fanden in Hamburg die DSAG-Technologietage 2024 vor 3.000 Besuchern statt. Das Motto lautete „Black Box – From Vision to Reality“. Sebastian Westphal, Technologieverstand der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe, und Jürgen Müller, Chief Technology Officer der SAP, hatten viele offene Fragen zu klären. Denn die Ankündigungen auf der TechEd 2023, dem DSAG-Jahreskongress 2023 und der Bilanzkonferenz im Juli 2023 versetzten die Anwender in Alarmbereitschaft. Die heißesten Themen lauteten generative und wirtschaftlich einsetzbare KI, „Rise“ bzw. „Grow with SAP“ und das Wartungsende für ECC in 2027 bzw. 2030. Das Dauerthema Nachhaltigkeit kam ein wenig zu kurz.
Sebastian Westphal, Technologieverstand der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (li)., und Jürgen Müller, Chief Technology Officer der SAP, waren sich nicht in allen Fragen einig.
(Bild: SAP)
KI oder auch nicht
In einer Pressemitteilung ließ der Walldorfer Konzern verlauten, dass KI-Funktionen künftig nur in der Cloud verfügbar wären. Das wäre in Ordnung, weil, wie Müller berichtete, 99 Prozent der KI-Anwender unter den SAP-Kunden sowieso schon in der Cloud seien, um beispielsweise S/4HANA nutzen zu können. S/4HANA kann man zwar auch im eigenen Haus nutzen, aber nur noch bis 2040, und für die Migration in die Cloud bietet SAP seit kurzem einen Anreiz in Form von Gutschriften.
DSAG-Fachvorstand Sebastian Westphal hält dagegen: „Aktuell nutzen laut SAP 24.000 Kunden ‚KI‘-Szenarien; dies umfasst aber im Wesentlichen die Narrow-KI-Szenarien (v.a. Machine Learning) und nicht die Generative KI, also v.a. SaaS-Lösungen wie etwa in SAP SuccessFactors. Daher ist diese Zahl nur bedingt als Begründung geeignet. Eine große Zahl an Bedarfsträgern sind die Kunden, die ein S/4 on-premises auf einer Cloud-Infrastruktur aufgebaut haben; diese möchten oder können gegebenenfalls nicht in einen RISE-Vertrag wechseln und sind weit mehr als nur zwei Prozent.“
Seit der SAP-Ankündigung im Sommer 2023, künftige Innovationen wie KI nur noch via „Rise with SAP“-Premium-Angebot zur Verfügung zu stellen, sind viele Kunden verunsichert, die auf S/4HANA Private Cloud oder On-Premises gesetzt haben. „Die Nutzung von KI ausschließlich an Cloud-Vertrags- und -Betriebsmodelle zu binden, ist zudem technisch nicht haltbar, können doch Large-Language-Modelle jederzeit unabhängig hiervon integriert werden“, kritisiert Sebastian Westphal, Fachvorstand Technologie der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe e. V. (DSAG).
SAPs CTO Jürgen Müller zeigte die aktuelle Architektur der SAP Business Technology Platform BTP, die auch KI-Prozesse integriert.
(Bild: Matzer - SAP)
Hermann-Josef Haag, stellvertretender DSAG-Vorstandsvorsitzender, weist auf den zweiten Haken hin: „Die Kunden brauchen bei der Einführung von KI-Funktionen wie SAP Joule Sicherheit hinsichtlich Planung und Kosten. Doch bei den Kosten hapert es bereits bei der Abrechnung mithilfe der von SAP angekündigten AI Units.“ Worin diese bestehen sollen, sei bislang unklar. Die von OpenAI („ChatGPT“) abgerechneten „Token“ für Wort- und Textlängen könne man nicht auf Business-Daten anwenden, wendet Haag ein. Denn SAP strebe kein Bot-Business für Endanwender an, sondern die Einbettung von KI-Funktionen in Geschäftsanwendungen, die Daten verarbeiten.
„Wegen unklarer Security-Regelungen“, so Haag, „nutzen nur wenige On-premises-Anwender KI-Funktionen.“ Dies gelte insbesondere in den regulierten Branchen. „Dazu zählen Banken und Versicherungen, die Energiewirtschaft, alle KRITIS-Unternehmen, die für die kritische Infrastruktur unentbehrlich sind, und schließlich die öffentliche Verwaltung.“ Sie unterliegen dem Zwang, sich an ständig ändernde Gesetze, Verordnungen und Vorschriften halten zu müssen. „Manche gehen bereits zur Selbstregulierung über“, berichtet Haag.
Migration in die Cloud
Die Anwender haben an SAP harsche Kritik geübt. Die Kritik entzünde sich an der „Ausschließeritis“ der SAP, also KI nur in Vertragsmodellen wie „Rise“ und „Grow“ anzubieten, so Westphal. „Positiv ist, dass SAP aber nun schon Funktionen in den SaaS-Plattformen und übergreifenden Lösungen wie der SAP Analytics Cloud (SAC), SAP Start und auf der BTP (Business Technology Platform) embedded anbietet sowie eine Integration von LLM-Modellen über den Generative AI Hub auf der BTP. Das ist eine wichtige Präzisierung der damaligen Aussage.“
Nun stehen die KI-Funktionen laut Westphal auch für Private Cloud zur Verfügung, zuerst in SAP Start und in SuccessFactors. Der Pfad dorthin lautet „Rise with SAP“. In die Public Cloud geht’s mit dem Programm „Grow with SAP“, erläutert Hermann-Josef Haag, Stellvertretender Vorsitzender der DSAG. „Aber das Prinzip Lift and Shift wird nur eine provisorische Lösung bieten können. Die Kunden müssen für die Cloud-Nutzung ihre Geschäftsprozesse neu denken und diese auch leben.“
Stand: 08.12.2025
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Auslagerung an Partner
Diese Entwicklung wirft ein Schlaglicht auf die neue Strategie der SAP, die noch stärker als bisher auf KI und Cloud-Business ausgerichtet ist. Dementsprechend werden auch schon mal 3.000 Arbeitsplätze weltweit gestrichen.
Mit dem SAP Security Configuration Dashboard sollen SAP-Anwender künftig die Sicherheit ihrer Systeme im Griff haben.
(Bild: Matzer - SAP)
Der Kahlschlag scheint auch bestimmte Applikationen zu erreichen. Westphal erwidert: „Das hat aber weniger mit der Restrukturierung zu tun: Die aktuell laufende Variante der ADS (Adobe Document Services) on-premises läuft auf dem Java Stack. Dieser ist ab 2027 abgekündigt (Extended Maintenance bis 2030), hier sind lizenzrechtliche Gründe die Ursache. Die ADS werden in SAP-Systemen benötigt, um zu drucken, bzw. PDFs, die etwa per Mail verschickt werden, zu generieren.“
Der bisherige Public-Cloud-Service sei für hochperformante Produktprozesse aufgrund der Latenzzeiten der Internetübertragung nicht einsetzbar, nun habe SAP angekündigt, eine lokale Variante auf der HANA XSA bereitzustellen. Fragen zur Migration vom Java Stack auf die HANA XSA sind noch offen, ebenso zum kommerziellen Modell. In jedem Fall war dies ein großer Erfolg für die Unternehmen und die DSAG.“
„Das Nachfolgeprodukt des Adobe Document Services“ ist die „Lösung SAP Forms Service by Adobe“, eine Lösung im Sinne vieler Unternehmen, die sich u. a. mittels eines entsprechenden DSAG-Positionspapiers für dieses alternative Produkt eingesetzt haben“, erläutert Westphal. Ein Punkt rund um das Dokumenten-Management bleibe allerdings offen. So fehle nach wie vor ein einheitliches Harmonized Document Management (HDM) über das komplette SAP-Portfolio hinweg. Das Identitätsmanagement mit SAP IDM erleide das gleiche Schicksal. Jürgen Müller: „In diesem Punkt werden wir mit Microsoft partnern und dessen Produkt Entra ID nutzen.“
Mit Embedded AI sollen SAP-Anwender künftig auf zahlreiche LLM-Anbieter zugreifen können. Die Anbieter sind ganz unten aufgeführt.
(Bild: Matzer - SAP)
Westphals relativiert: „Nur das IDM läuft aus, ADS und HDM bleiben, daher ist dieser Rückschluss auf ein identisches Schicksal nicht ganz zutreffend. Und für das IDM haben User jetzt Klarheit, denn SAP hat ein Memorandum mit einer Nachfolgelösung (Microsoft Entra ID, ehemals Azure Active Directory) unterzeichnet. Die DSAG wird jetzt gemeinsam entsprechende Migrationsservices und -szenarien bewerten und erwartet eine entsprechende Unterstützung der SAP für die betroffenen Kunden.“
DSAG-Forderungen auf einen Blick
• Die technische Integration von KI-Modellen ist offen zu gestalten und darf nicht von kommerziellen Vertragsmodellen abhängig gemacht werden. • Für das Identity-Management braucht es eine klare Ziellösung von SAP mit Migrationsszenarien und -services. • Ein einheitliches Harmonized Document Management über das komplette SAP-Portfolio hinweg. • Übergreifende End-to-End-Geschäftsanwendungen für SAP Datasphere und SAP Analytics Cloud sowie ein erweitertes Lizenzmodell für Gelegenheitsnutzer. • Erhebliche Fortschritte in den Bereichen Data Fabric/Data Mesh sowie moderne Data-Lakehouse-Architekturen. • Security-Tools für den Solution Manager über 2027 hinaus. Erste Signale von SAP, dass diese Funktionalitäten künftig in der Zielplattform SAP Cloud ALM bereitgestellt werden sollen, können nur der Anfang sein. • Flexibel steuerbare Cloud-Services um Always-on-Szenarien und Reserved Instances abzulösen. • Der Energieverbrauch muss bei Cloud-Services und dem Aufbau cloud-basierter Infrastrukturen berücksichtigt werden. • Green Ledger darf im Sinne der Nachhaltigkeit nicht gegen Aufpreis und nur für Rise-with-SAP-Premium-Kunden bereitgestellt werden.
Datasphere und Analytics
Für jede Art von wirtschaftlicher KI spielen Daten und deren Verfügbarkeit und Qualität eine grundlegende Rolle. Ohne gute und viele Daten kann eine KI keine gültigen, verlässlichen Aussagen machen. Da aber viele SAP-Anwenderfirmen ihre Daten noch in alten Business Warehouse-Installationen verwalten, ist ein Migrationspfad für diese Schätze in die neue SAP Datasphere nötig. Diesen Pfad stellt SAP u. a. mit BW Bridge bereit.
„Neben der Live-Connection der SAP Analytics Cloud zu allen SAP-Produkten braucht es diese auch zu Non-SAP-Quellen. Auch sind entsprechende Migrationsszenarien unter Anrechnung von Bestandslösungen sowie seit Jahren ein Lizenzmodell für Gelegenheitsnutzer:innen von Nöten“, so Sebastian Westphal. „Bei einem Blick auf die Analytics-Architekturen der Zukunft sind bei anderen Anbietern erhebliche Fortschritte in den Bereichen Data Fabric/Data Mesh sowie bei modernen Data-Lakehouse-Architekturen zu verzeichnen. Hier benötigen Anwendungsunternehmen eine zeitnahe Bereitstellung der von SAP bereits angekündigten Lösungen auf Basis der SAP Datasphere.“
Auf die Datasphere greifen künftig auch alle Analytics-Cloud- und KI-Funktionen zu. Sie erledigt föderierte Datenverwaltung, bei der die abgefragten Daten vor Ort bleiben, so dass die Netzwerke entlastet werden, was dann auch für Datenexporte gelten soll. Der Generative AI Hub ermöglicht die Integration mit LLM-Modellen über die BTP.
Die Datasphere ist Teil der Business Technology Platform (BTP), auf der künftig auch eine neue geschaffene Business Transformation Suite laufen soll.
Sie besteht laut Westphal aus den drei heutigen Produkten bzw. Akquisen LeanIX, Signavio und Cloud ALM. „Plug and Gain“ sei heute schon Teil von Signavio und biete eine vorkonfigurierte Analyse von SAP-Systemen unter Nutzung von Benchmarks und Abweichungsanalysen von SAP-Best Practices. „‚Plug and gain‘ ist somit heute schon nutzbar, wohingegen die Transformation Suite noch nicht existiert, sondern nun entwickelt wird, dies wird nun Tempo aufnehmen, aber lange (Jahre) dauern.“
Solche Prozesse sollen als Standardaufgabe auch das Berichtswesen hinsichtlich Nachhaltigkeit unterstützen. „Denn die Datenflut erzeugt einen Energiehunger der Rechenzentren, der wiederum zu erhöhtem CO2-Ausstoß und Wasserverbrauch führt“, erläuterte Westphal.
Aus den Komponenten Signavio, Lean IX und Cloud ALM (Application Lifecycle Management) soll die SAP Transformation Suite entstehen.
(Bild: Matzer - SAP)
Es gehe um die Bereitstellung von SAP-Produkten, um Unternehmen generell bei der Berichterstattung zur Nachhaltigkeit zu unterstützen. „Das hat nicht nur mit deren Wasserverbrauch zu tun. Denn um beim konkreten Ressourcenverbrauch nachhaltig agieren zu können, braucht es entsprechende SAP-Lösungen. Daher ist die Aussage von SAP, dass das Green-Ledger nur gegen Aufpreis und ausschließlich für Rise-Premium-Kunden bereitgestellt wird, besonders kritisch zu bewerten. Und es ist zu fragen, wie ernst es SAP mit der Ankündigung wirklich meint, Unternehmen auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit zu unterstützen.
„Durch diese einseitige Preispolitik und die Einstellung der bisherigen Produkte Sustainability Control Tower und Sustainability Footprint Management werden Anwenderunternehmen angehalten, sich nach Alternativlösungen mit langfristigen Einsatzszenarien umzuschauen. Das ist ein Szenario, das weder im Sinne der SAP noch im Sinne der DSAG-Anwendungsunternehmen ist.“