KI-fähige Cloud-ERP für die Praxis NTT Data und SAP AppHaus treiben Business-KI-Strategie voran

Von Elke Witmer-Goßner 5 min Lesedauer

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NTT Data Business Solutions wird zentraler Treiber für skalierbare KI-Integration in Cloud-ERP-Umgebungen. SAP AppHaus erweitert damit das globale Partnernetzwerk. Ziel: Aus Design-Thinking-Workshops sollen marktreife AI-Lösungen entstehen. Soweit das Announcement. Doch was bedeutet das jetzt für IT-Verantwortliche?

Vom Labor in die Produktion: Im SAP AppHaus entstehen keine Prototypen für die Schublade, sondern marktreife KI-Lösungen für Cloud-ERP-Systeme.(Bild:  frei lizenziert KC_Woon /  Pixabay)
Vom Labor in die Produktion: Im SAP AppHaus entstehen keine Prototypen für die Schublade, sondern marktreife KI-Lösungen für Cloud-ERP-Systeme.
(Bild: frei lizenziert KC_Woon / Pixabay)

SAP AppHaus und NTT Data Business Solutions haben die Erweiterung ihrer globalen SAP AppHaus Alliances-Partnerschaft bekannt gegeben. Der Fokus liegt auf der Integration von SAP Business AI in Cloud-ERP-Transformationen – ein strategischer Shift, der isolierte KI-Pilotprojekte durch unternehmensweite, skalierbare Lösungen ersetzen soll.

Im Zentrum steht die Kombination der SAP-AppHaus-Methodik (Human-Centered Approach to Innovation, HCAI) mit dem GenAI Accelerated Toolkit von NTT Data. Dieses Framework ermöglicht es Kunden, hochwertige Anwendungsfälle für künstliche Intelligenz (KI) zu identifizieren, Prototypen auf der SAP Business Technology Platform (SAP BTP) zu entwickeln und sie direkt in SAP S/4HANA Cloud-Landschaften zu industrialisieren – von Stammdatenmanagement über Partnerökosysteme bis zu Logistikprozessen.

„Mit Cloud ERP Supercharged definieren wir bewusst neu, wie SAP Business AI in SAP-Umgebungen eingesetzt wird“, erklärt dazu Nicolaj Vang Jessen, Executive Managing Director bei NTT Data Business Solutions. „Es geht nicht um isolierte Anwendungsfälle, sondern darum, KI direkt in Cloud-ERP-Prozesse einzubetten.“ Mark Wheeler, Global Head of Product Engineering & AI Customer Success bei NTT Data Business Solutions, ergänzt: „Unsere Partnerschaft mit SAP AppHaus markiert den Übergang von isolierten KI-Anwendungsfällen zu unternehmensweit eingesetzter SAP Business AI.“ Die Kombination von menschenzentriertem Design mit der GenAI Accelerated Toolkit ermögliche es Kunden, ihre KI-Ambitionen direkt in SAP-Cloud-ERP-Umgebungen umzusetzen und so Geschwindigkeit, Qualität und Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.

NTT Data will sich als führender SAP-AI-Partner im globalen Markt positionieren. Mit dem GenAI Accelerated Toolkit verfüge man über proprietäre KI-Assets in Form wiederverwendbarer Templates und Use-Case-Bibliotheken. Zudem werde KI direkt in Cloud-ERP-Transformationen integriert, statt isolierte AI-Projekte umzusetzen. Für IT-Entscheider bedeutet das: NTT Data kann End-to-End-Services von der KI-Strategie bis zur Industrialisierung bieten – mit nachgewiesener Skalierungserfahrung in erfolgreichen Kundenprojekten wie beispielsweise bei Amey oder Aspen Pumps.

SAP AppHaus: Vom Design-Labor zum globalen Innovationsnetzwerk

Doch was genau ist SAP AppHaus? Für IT-Entscheider, die SAP AppHaus bislang als reines „Design-Thinking-Labor“ wahrgenommen haben, lohnt sich ein zweiter Blick: Seit der Gründung 2013 in Heidelberg hat sich das Konzept aktuell zu einem globalen Netzwerk von 24 Innovationspartnern mit über tausend Kundenprojekten sowie mehr als 300 Erfolgsgeschichten entwickelt. Es ist also schon lange kein bloßer Experimentierraum mehr, sondern ein strategisches Ökosystem für marktreife, skalierbare Lösungen auf SAP BTP.

Die SAP-AppHaus-Methodik kombiniert Design Thinking, Design Doing und Architecture Thinking und stellt Endnutzer konsequent ins Zentrum. Der Prozess folgt fünf aufeinander aufbauenden Phasen: In der Explore-Phase werden Geschäftschancen wie Prozessoptimierung oder UX-Verbesserung identifiziert. Die Discover-Phase dient der Analyse von Nutzerbedürfnissen durch multidisziplinäre Teams aus Designern, Entwicklern und Fachexperten. In der Design-Phase erfolgt Rapid Prototyping auf SAP BTP. Die Deliver-Phase umfasst Industrialisierung und Integration in bestehende SAP-Landschaften wie S/4HANA oder SuccessFactors. Schließlich sorgt die Run-&-Scale-Phase für kontinuierliche Optimierung und Skalierung.

Dabei ist der Ansatz nicht ausschließlich theoretisch: 80 Prozent der AppHaus-Projekte erreichen die Skalierungsphase, was deutlich über dem Branchendurchschnitt für Innovationsprojekte liegt.

Das Netzwerk von SAP AppHaus umfasst heute SAP-eigene Standorte in Heidelberg, Berlin, New York, Palo Alto, Seoul und Walldorf sowie über 20 Partner-Teams weltweit. Zu den wichtigsten Partnern gehören neben NTT Data mit mehr als 15.000 SAP-Spezialisten in über 30 Ländern, Sovanta aus Hamburg mit 27 UX-Designern, Flexso und Agilita aus Belgien und der Schweiz, Bluestonex aus Großbritannien oder auch Enmore Energy. Das Alliances-Programm von SAP AppHaus, das 2024 gestartet wurde, hat bereits über 700 Partner geschult, darunter Deloitte, IBM und DXC Technology. Ziel ist die Befähigung zur Umsetzung von SAP Business AI, Joule Copilot und Agentic AI-Lösungen in Kundenumgebungen.

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Praktische Nutzung: Drei Einstiegspunkte

Der erste Einstiegspunkt sind Co-Innovation Workshops. Der Start erfolgt mit einem vierwöchigen AppHaus-Sprint: Dabei werden drei bis fünf KI-Use-Cases mit hohem Business Value identifiziert. Es folgt Rapid Prototyping auf SAP BTP, beispielsweise die Joule-Integration für automatisierte Dokumentenverarbeitung. Vor der Skalierung erfolgt eine Validierung mit Endnutzern.

Der zweite Einstiegspunkt ist die Nutzung von Accelerator Packages. IT-Teams erhalten Zugriff auf zertifizierte Templates über den SAP Partner Finder: Dies umfasst Master Data Management mit SAP Business Data Cloud, Joule-gestützte Logistikprozesse und Agentic AI für Partner-Ökosysteme. Der Vorteil liegt in reduziertem Entwicklungsrisiko und schnellerer Time-to-Value.

Der dritte Einstiegspunkt ist Partner-Enablement durch Schulung interner Teams über das SAP AppHaus Alliances-Programm: Unternehmen können Train-the-Trainer-Workshops belegen wie z. B. HCAI für Agentic Systems, erhalten Zugang zu einer Use-Case-Bibliothek mit über 100 Beispielen und können Zertifizierungen für SAP-Business-AI-Implementierungen erwerben.

Technologie-Stack: SAP BTP als Kern

Alle AppHaus-Lösungen bauen auf der SAP Business Technology Platform (BTP) auf: Diese umfasst SAP Build für Low-Code- und No-Code-Entwicklung zur schnellen App-Entwicklung, SAP Business AI inklusive Joule Copilot und generativer AI-Services, SAP Business Data Cloud für KI-gestütztes Data Management sowie Agentic AI für autonome Agenten zur Prozessautomatisierung.

Allerdings ist zu beachten: Die Projekte setzen bestehende SAP-Infrastruktur voraus, insbesondere S/4HANA und BTP-Lizenzen. Für Greenfield-Szenarien sind Investitionen in BTP-Kapazitäten erforderlich.

Lessons Learned: Was funktioniert, was nicht

Aus über tausend Projekten lassen sich klare Erfolgsfaktoren ableiten: Multidisziplinäre Teams, die Business, IT und Design kombinieren und nicht rein IT-getrieben arbeiten, sind entscheidend. Der Nutzerfokus vor Technologie verhindert durch die HCAI-Methodik „Lösung sucht Problem“-Projekte. Rapid Prototyping mit drei- bis vierwöchigen Sprints und sofortigem Nutzerfeedback beschleunigt den Fortschritt. Zudem sollte die Skalierung von Anfang an mitgedacht werden, da die Architekturen ja auf SAP BTP basieren und keine Legacy-Insellösungen entstehen sollen.

Typische Stolpersteine zeigen sich in drei Bereichen: Fehlende Change-Management-Strategien führen dazu, dass technisch perfekte Lösungen an mangelnder Nutzerakzeptanz scheitern. Isolierte KI-Initiativen bleiben ohne Integration in ERP-Core-Prozesse in ihrem Impact begrenzt – genau das adressiert aber die NTT-Data-Erweiterung. Außerdem sind unklare Business-Cases problematisch, da die AppHaus-Methodik messbare KPIs vor Projektstart erfordert.

Fazit: Vom Workshop zur Produktivität

Für IT-Entscheider ist SAP AppHaus 2026 weit mehr als ein „Innovation Lab“, sondern ein produktives Ökosystem mit bewährten Methoden durch das HCAI-Framework, einer Skalierungsrate von 80 Prozent und bietet marktreife Assets.

Die NTT-Data-Ankündigung zeigt den nächsten Schritt: KI wird nicht mehr experimentiert, sondern systematisch in ERP-Core-Prozesse integriert. Unternehmen können sich messbare Vorteile sichern: schnellere Prozesse, bessere Entscheidungen und höhere Nutzerakzeptanz.

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