Der Mittelstand treibt seine digitale Transformation voran. Bei Resch Maschinenbau betrifft diese Entwicklung verschiedene Geschäftsprozesse, die die Mitarbeitenden nun selbst auf eine ERP-Lösung in der Public Cloud umstellen. Eine Mammutaufgabe, die aber lösbar ist.
Für Maschinenbauer ist der Sprung in die Public Cloud nicht einfach. Deshalb ist es wichtig, einen erfahrenen Partner zu finden.
Seit 60 Jahren stellt Resch Maschinenbau in Bayern Fertigungsteile, Baugruppen und Komplettmaschinen her. Die Kunden sind international und in vielen Branchen tätig: Getränke und Lebensmittel, Verpackung, Pharma und Kosmetik. Mit der vor rund 20 Jahren gegründeten Schwesterfirma Power-Heat-Set vertreibt der Mittelständler zudem Systeme für die Thermofixierung bei der textilen Teppichherstellung. Immer mehr Maschinen fertigt das Traditionsunternehmen dabei nach Auftrag an. Die Geschäftsprozesse sind vielfältig, der Digitalisierungsbedarf hoch. Den Verantwortlichen war klar: Die firmeneigne IT-Abteilung braucht Unterstützung.
Cloud oder nicht Cloud?
Anfangs hatte die Unternehmensführung an klassisches Hosting gedacht. Dann lernte sie in drei Workshops das ERP-Cloud-System S/4HANA kennen – mit Best-Practice-Beispielen für alle relevanten Anwendungen. Das hat sie überzeugt. „Der Sprung in die Public Cloud ist nicht einfach“, sagt Robert Böck, kaufmännischer Geschäftsführer bei Resch Maschinenbau. „Da wollten wir einen Partner, dem wir vertrauen und von dem wir wissen, dass er es schaffen kann.“
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Diesen Partner fand Resch in Cpro Industry. Das SAP-Partnerunternehmen unterstützte das Unternehmen bei der Entscheidungsfindung und begleitet die gesamte Cloud-Migration. Das Besondere: Der Maschinenbauer führt die Migration selbst durch. Die Mitarbeitenden säubern und qualifizieren alle Daten und bringen sie ins neue System ein. Dafür bekommen sie Aufgaben, die Cpro Industry kontrolliert. Eine Mammutaufgabe, für die sich Resch 14 Monate Zeit nimmt. Anfang 2024 sollen alle Module live gehen. Das umfasst die Bereiche Sales and Distribution, Finance, Controlling, Production Planning, Material Management und Extended Warehouse Management.
Gleiche Kapazität bei mehr Output
„Die Walldorfer Lösung überzeugt vor allem in den Bereichen Fertigungsplanung und Lagermanagement“, sagt Böck. Dort vermutet er das größte Optimierungspotenzial. „Die anonyme Fertigung ist derzeit mit Abstand unsere größte Baustelle“, erklärt er. Das vorhandene System ist noch auf die bisher übliche projektorientierte Produktion abgestimmt. Es verknüpft jeden Fertigungsauftrag fest mit einem Kunden. „Zu unserem früheren Geschäftsmodell passte das“, sagt Böck. „Inzwischen liegt unser Schwerpunkt allerdings in der Auftragsfertigung, die wesentlich mehr Flexibilität benötigt.“
Bislang müssen die Fertigungsmitarbeiter rund 4.000 Aufträge im Blick behalten und priorisieren. „Mit der neuen Cloud-Lösung wird die Zahl der scharfen Fertigungsaufträge auf unter 1.000 sinken, und unsere Produktion wird wesentlich flexibler“, prognostiziert Böck.
Preisschwankungen automatisiert abbilden
Flexibilität gewinnt auch in der Lagerverwaltung weiter an Bedeutung, denn die Zeiten stabiler Preise sind vorbei. „Die Märkte sind hochgradig volatil“, sagt Robert Böck. „Allein der Stahlpreis ist in den letzten 1,5 Jahren mehr als 50 Prozent gestiegen.“ Hier manuell neu zu bewerten oder aus dem Bauch heraus nachzukalkulieren, kommt für Böck nicht infrage. Er hofft auf ein besseres Produktkosten-Controlling mit der Cloud. Denn aktuelle Preisschwankungen bildet die neue SAP-Software automatisiert ab und übernimmt sie in wenigen Klicks für den jeweiligen Auftrag. So kann der Maschinenbauer seine Kunden früher über Kostenänderungen informieren und selbst vorausschauend planen.
Welche Funktionalitäten und Prozesse die neue Software abdecken sollte, haben alle Beteiligten in einem dreitägigen Digital Discovery Assessments (kurz: DDA) definiert. Dabei halfen die bereits vorhandenen Best-Practice-Beispiele. Mit ihnen ließen sich – nach Evaluation des Ist-Zustands – schnell Lösungen für die konkreten Anforderungen finden. Der Maschinenbauer und seine Schwesterfirma nutzen dieselbe Cloud-Umgebung, aber zwei unterschiedliche Buchungskreise. Neuerungen erfolgen automatisch und ohne Releasewechsel. Das erhöht die IT-Sicherheit – ein wichtiger Punkt angesichts der zunehmenden Cyberangriffe. Die automatischen Updates entlasten aber auch die IT-Abteilung im täglichen Business, und sie müssen nicht nach weiteren Fachkräften suchen.
Geschwindigkeit aufnehmen und halten
Der Fachkräftemangel macht dem Unternehmen zurzeit sehr zu schaffen. Dabei ist es nicht alleine: Laut Ingenieurerhebung des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau haben fast 60 Prozent der Unternehmen offene Stellen für Techniker. Bei Resch und Power-Heat-Set arbeiten knapp 200 Menschen und erwirtschaften einen jährlichen Umsatz von rund 25 Millionen Euro – Tendenz steigend. Die Auftragsbücher sind voll, die Materialkosten hoch. Um im Wettbewerb zu bestehen, setzt das Traditionsunternehmen deshalb auf Automatisierung, Prozessoptimierung und Flexibilität.
Stand: 08.12.2025
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Seine Digitalisierungsoffensive startete der Maschinenbauer 2020, im Sommer 2021 entschied er sich für die Public-Cloud-Lösung. „Als kleines Unternehmen haben wir sehr ähnliche Anforderungen wie große“, sagt Robert Böck. „Deshalb setzen wir auf die Best-Practice-Prozesse und die automatisierte Daten-Strukturierung in der ERP-Cloud. Mit den Standardfunktionen können wir die meisten Anforderungen unserer täglichen Arbeit abdecken – das verkürzt die Umstellungsphase.“ Sobald die ersten Prozesse laufen, will Resch weitere Optimierungspotenziale erschließen, beispielsweise durch die Integration vorhandener CAD-Systeme oder den Ausbau von Product Lifecylce Management (kurz: PLM) und Customer Relationship Management (kurz: CRM).
* Der Autor Andreas Schäfer leitet seit April 2022 den Geschäftsbereich Midmarket SAP Deutschland und ist Mitglied der Geschäftsleitung.
Dieser Artikel erschien zuerst auf unserem Partnerportal MM MachinenMarkt.