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Barrierefreiheit für Menschen mit Sehbehinderungen PDFs richtig taggen und aufbereiten

| Autor / Redakteur: Peter Ganza * / Florian Karlstetter

Laut der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) sind Blindheit und Sehbehinderung ein Problem des Alters. Während im Jahr 2010 über 100.000 Menschen in Deutschland neu erblindeten, sollen es 2030 bereits 125.000 sein. Je älter die Menschen werden und je mehr Sehkraft sie altersbedingt verlieren, desto mehr Hilfe benötigen sie – auch im Umgang mit neuen Medien.

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Xenos Enterprise Server 3.0 unterstützt die Umwandlung von Print-Streams in sehbehindertengerechte Online-PDFs.
Xenos Enterprise Server 3.0 unterstützt die Umwandlung von Print-Streams in sehbehindertengerechte Online-PDFs.
( Archiv: Vogel Business Media )

Sind Menschen mit Sehbehinderungen im Internet unterwegs, müssen sich Internetseiten oder einzelne Dokumente dementsprechend aufbereiten lassen. Was aber genau bedeutet das für Unternehmenswebseiten?

Internet mit Hindernissen

Viele Finanz- und Telefonanbieter stellen heutzutage vorrangig Kontoauszüge über das Internet – in erster Linie als PDF – bereit. Keine einfache Situation für Menschen mit Sehbehinderungen. Ein Finanzanbieter mit circa 1,5 Millionen Kunden kann also damit rechnen, dass mindestens ein Prozent seiner Kunden in irgendeiner Form sehbehindert ist. Diese wiederum benötigen Zugriff auf ungefähr eine Million Dokumente pro Jahr, je nachdem wie häufig sie ihre Informationen online abrufen.

Denn: die Forschung zeigt, dass die sehbehinderte Gemeinschaft nicht nur eine der aktivsten Online-Gruppen, sondern auch eine der treuesten ist. Laut einer Studie von Aktion Mensch nutzen Menschen mit Sehbehinderung das Internet öfter als Menschen ohne Sehbeeinträchtigung. Während ein durchschnittlicher Bundesbürger in der Woche an 5,1 Tagen ins Internet geht, nutzen sehbehinderte Menschen das Internet an 6,5 Tage in der Woche. Aber nicht nur deswegen sollten Unternehmen, die Kontoauszüge oder andere Dokumente online bereitstellen, sehbehinderte Kunden nicht vergessen.

Die aktuellen Vorschriften für barrierefreie Webseiten sind nach Ansicht von Viviane Reding, der EU-Kommissarin für Kommunikation zu länderspezifisch. Daher schlägt sie die Richtlinien des World Wide Web (W3C)-Konsortiums vor, um eine europäische Vereinheitlichung zu erlangen. Deshalb sollten die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) des W3C-Konsortiums für Webseiten in Europa übernommen werden. Die Richtlinien setzen einen Maßstab für Webseiten-Anbieter, um die Verfügbarkeit von digitalen Inhalten sowie downloadbaren Dokumenten zu gewährleisten.

PDF-Dokumente oft fehlerhaft programmiert

Bei digitalen Rechnungen setzen viele Unternehmen in Deutschland auf elektronische Formate, die als PDF (Portable Document Format) den Endkunden erreichen. Doch gerade diese Formatierung ist alles andere als sehbehindertenfreundlich. Aufgrund der Nichtunterstützung von Taggings sowie fehlender Standards und Tools können Screenreader, die Webinhalte vorlesen können, nicht eingesetzt werden. Um diesem Problem entgegenzuwirken, setzen bereits viele Unternehmen auf externe Berater bzw. Organisationen, die die PDFs manuell auf Tauglichkeit prüfen. Ein problematischer Ansatz, denn neben der Kostspieligkeit und dem Aufwand, PDFs extern mit bestimmten Kennzeichnungen zu versehen, werden firmeninterne Daten nur ungern an Dritte weitergegeben.

Um den aufwendigen Bearbeitungsprozess von PDFs künftig zu umgehen und die Situation für Sehbehinderte zu verbessern, haben sich bereits verschiedene PDF-Arbeitsgruppen dieses Problems angenommen und Anforderungen für PDF-Tagging formuliert, um die Barrierefreiheit solcher Dokumente zu bewältigen.

Auf der nächsten Seite erfahren Sie die fünf wichtigsten Punkte, die diesbezüglich beim Tagging von PDF-Dateien berücksichtigt werden sollten.

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