Oracle Analytics Cloud Version 6 Oracle tunt die Cloud-Analytics-Funktionen

Autor / Redakteur: Karin Johanna Quack / Nico Litzel

Datenanalyse gehört schon länger zu den Kernkompetenzen von Oracle. Doch jetzt erst schiebt der einstige Datenbank-Spezialist diesen Geschäftszweig ins Scheinwerferlicht. Release 6.0 der Analytics-Plattform OAC bietet einen kürzeren Analyse-Workflow, eine bequemere Nutzeroberfläche sowie eine Vielzahl von Konnektoren für unterschiedliche Datenquellen.

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Mit OAC lassen sich auch Taktiken für Sportwettkämpfe analysieren. Nach dem Segel-Team „SailGP“ ist auch der Rennstall Red Bull Racing Honda kürzlich eine Partnerschaft mit Oracle eingegangen.
Mit OAC lassen sich auch Taktiken für Sportwettkämpfe analysieren. Nach dem Segel-Team „SailGP“ ist auch der Rennstall Red Bull Racing Honda kürzlich eine Partnerschaft mit Oracle eingegangen.
(Bild: Red Bull Racing)

Die Ankündigung beschwor die sprichwörtliche eierlegende Wollmilchsau: Die „neue Generation“ der Oracle Analytics Cloud (OAC) versetze alle Mitarbeiter eines Unternehmens in die Lage, Daten zu analysieren; sie tauge für alle Anwendungsfälle; und sie könne auf alle dafür notwendigen Daten zuzugreifen, so versprach T.K. Anand, Senior Vice President Oracle Analytics. Damit nehme die Reise von den Rohdaten über die Erkenntnis zur Aktion Fahrt auf, wodurch die Organisation agiler und schließlich profitabler werde.

Der ehemalige Microsoft-Manager T.K. Anand zeichnet heute als Senior Vice President für den Analytics-Bereich von Oracle verantwortlich.
Der ehemalige Microsoft-Manager T.K. Anand zeichnet heute als Senior Vice President für den Analytics-Bereich von Oracle verantwortlich.
(Bild: Oracle)

Tatsächlich wartet die Version 6.0 der SaaS-Plattform unter anderem mit einer neuen Nutzeroberfläche namens „Redwood“ sowie vielen innovativen Funktionen auf, welche das Schlagwort von der „Neuen Generation“ womöglich rechtfertigen. Nach Darstellung von Björn Ständer, Business Development Director Oracle Analytics & Data Innovation, hat OAC bereits zwei Entwicklungsphasen durchlaufen: „Zuerst haben wir Analytics mit vorgegebenen, also quasi kuratierten Daten in die Cloud verlegt, dann haben wir das Thema Self Service nach vorn gebracht, und im dritten Schritt fügen wir jetzt Augmented Analytics hinzu.“

Wie Ständer weiter erläutert, versteht das Marktforschungsunternehmen Gartner unter dem Begriff Augmented Analytics solche Funktionen, die es dem Nutzer oder der Nutzerin ermöglich, aus den analysierten Daten substanziellere Erkenntnisse zu ziehen als bisher, indem sie sie beispielsweise mit zusätzlichen Informationen anreichern oder aber tiefer bohren.

Zu diesen Funktionen zählt Oracle unter anderen:

  • „intelligente“ Aufbereitung der Rohdaten;
  • Verarbeitung natürlicher Sprache für Eingabe und Output;
  • Analyse von Graphen-Netzwerken;
  • Darstellung der Ergebnisse auf unterschiedlichen geografischen Ebenen;
  • Assoziations- und „Marktkorb“-Analysen für Marketing-Zwecke;
  • Integrierte Text-Analysen;
  • tiefere Integration von Machine-Learning-Modellen in den Analyse-Workflow;
  • transparente Gewichtung der ML-Algorithmen.

Durchgängige Nutzererfahrung

Mit „Redwood“ will Oracle den künftigen Standard für das User-Interface all seiner Produkte setzen. Die visuelle „Design-Sprache“ soll den Anwenderinnen und Anwendern immer eine identische „Erfahrung“ vermitteln – egal, ob sie im Web-Browser oder auf der mobilen App unterwegs sind.

Die neu designte App vermittelt dem User beispielsweise die Visualisierung der Analyseergebnisse über Dashboards. Zudem lassen sich mit ihrer Hilfe die Erkenntnisse mit dem ganzen Team teilen.

Ebenfalls in die Kategorie „Nutzer-Komfort“ fallen die neuen Funktionen für die Verarbeitung „natürlicher“ Sprache. Sie erlauben zum einen die relativ formlose Anfrage in 28 unterschiedlichen Sprachen einschließlich vieler Abkürzungen und Synonyme. Zudem ermöglicht die „Natural Language Generation Engine“ auch den Output, also die Präsentation der Analyseergebnisse, in Umgangssprache. Wer lieber zuhört als liest, kann – zumindest in der App – auch den Podcast-ähnlichen Audio-Output wählen. Die Demonstration dieser Funktion im Rahmen der Produktankündigung klang durchaus „natürlich“.

KI über die gesamte Analyse-Pipeline

Beinahe schon State of the Art ist die Integration von Machine-Learning-Funktionen in den Analyse-Workflow. Oracle will jedoch einen Schritt weiter gehen. Zur angestrebten „Demokratisierung des Zugriff auf die Datenanalyse“ gehöre, dass nicht nur die IT, sondern auch die Endanwender zahlreiche Funktionen der „Künstlichen Intelligenz“ nutzen könnten – und zwar über den gesamten Workflow aus Vorbereitung (Prepare), Modellierung, Exploration, Verteilung (Share) und Nutzung (Consume).

Das beginnt schon bei der „smarten“ Datenvorbereitung: Eine „Profiling Engine“ hilft, schadhafte oder heikle Daten herauszufiltern, und gibt, falls möglich, Hinweise für eine Reparatur. Dank einer eingebauten, erweiterbaren Knowledge Base erhält die Nutzerin oder der Nutzer darüber hinaus Vorschläge für die Anreicherung der Daten.

Heiß diskutiert wird derzeit, ob ML-Modelle möglicherweise unzureichend hinterfragte Vorurteile enthalten. Werden etwa bestimmte Bevölkerungsgruppen mithilfe von Algorithmen benachteiligt? Um diese Frage zu beantworten, sind detaillierte Informationen über das Modell, die implementierten Einflussfaktoren und deren Gewichtung notwendig. Mit der neuen OAC-Version erlaubt es Oracle, Wahrscheinlichkeiten in den Ergebnissen vorherzusagen und das Modell notfalls zu korrigieren – zumindest dann, wenn es im hauseigenen Autonomous Data Warehouse erstellt wurde.

Stärken und Schwächen

Für die Gartner-Analysten gehört Oracle im Bereich Analytics- und BI-Plattformen zu den „Visionären“. So ist es im „Magischen Quadranten“ vom Februar dieses Jahres dokumentiert. Wie die Marktbeobachter festgestellt haben, investiert Oracle „aggressiv“ in Augmented Analytics und stellt derartige Funktionen früher als viele Mitbewerber bereit. Zudem biete die Plattform ein hohes Maß an Automation, beispielsweise sich selbst generierende Insights. Auch die Anwenderunterstützung und die Integration in die Oracle-Produktpalette erhalten Lob.

Letzteres offenbart laut Gartner aber auch einen Schwachpunkt: OAC sei stark „Oracle-zentriert“. Was keineswegs bedeuten soll, dass die Plattform nicht auch fremde Datenquellen analysieren könne. Im Gegenteil: Die Liste der verfügbaren Konnektoren umfasst die unterschiedlichsten Datenhaltungssysteme – angefangen von Excel und Dropbox über fremde Datenbanksysteme aus dem proprietären wie dem Open-Source-Umfeld, darunter auch von Amazon Web Services (AWS) und Google, bis hin zu weniger weit verbreiteten Analytics-Werkzeugen und populären Anwendungen wie Salesforce.

Was Gartner moniert, ist vielmehr die enge Beziehung zwischen den Oracle-Applikationen und der OAC-Plattform zum Zeitpunkt der Entwicklung. So lasse sich der Werkzeugkasten Fusion Analytics Warehouse (FAW) nur zusammen mit den Oracle-eigenen Enterprise-Anwendungen verwenden. Um eine gleichwertige Funktionalität zu erzielen, müssten andere Anwender mithilfe von OAC eigene Anwendungen erstellen. Deshalb werde Oracle mit OAC wohl vorwiegend die vorhandene Kundenbasis adressieren.

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Über den Autor

 Karin Johanna Quack

Karin Johanna Quack

Freie Journalistin für Wirtschaft und Technik