Geschäftszahlen und Ausblick Oracle schwimmt oben im Fahrwasser des KI-Dampfers

Von Elke Witmer-Goßner und dpa 3 min Lesedauer

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Partnerschaften mit Microsoft, den ChatGPT-Entwicklern OpenAI und Google sollen das künftige Geschäft von Oracle antreiben. Doch schon jetzt entwickelt sich der SAP-Konkurrent aus den USA unerwartet positiv.

Der Softwarekonzern Oracle überzeugte seine Anleger mit hohen Buchungen für seine Programme und mit Partnerschaften für die künftigen Geschäfte. (Bild:  Oracle. STG Design)
Der Softwarekonzern Oracle überzeugte seine Anleger mit hohen Buchungen für seine Programme und mit Partnerschaften für die künftigen Geschäfte.
(Bild: Oracle. STG Design)

Bereits vergangenen November hatte der Schulterschluss mit Microsoft während der Oracle World 2023 für Verblüffung gesorgt. Da war es fast zwingend und kaum überraschend, dass auch OpenAI mit ins Boot genommen wird. Oracle, Microsoft und OpenAl wollen gemeinsam die Azure-Al-Plattform auf Oracle Cloud Infrastructure (OCI) erweitern und zusätzliche Kapazitäten für OpenAl bereitstellen. „OCI wird die Azure-Plattform erweitern und es OpenAI ermöglichen, weiter zu skalieren“, sagte Sam Altman, Chief Executive Officer von OpenAI, der damit innerhalb einer Woche nach seinem Deal mit Apple nun auch das Schwergewicht Oracle zu seinen Kunden zählen darf.

„Der Wettlauf um das führende Sprachmodell weltweit aufzubauen ist in vollem Gange und führt zu einer unbegrenzten Nachfrage nach der Gen2-KI-Infrastruktur von Oracle“, sagte Larry Ellison, Chairman und CTO von Oracle. OpenAI werde sich Tausenden von KI-Innovatoren aus allen Branchen weltweit anschließen, die ihre KI-Workloads auf der OCI KI-Infrastruktur ausführen: Adept, Modal, MosaicML, Nvidia, Reka, Suno, Together AI, Twelve Labs, xAI und andere werden OCI-Supercluster verwenden, um KI-Modelle der nächsten Generation zu trainieren und zu inferenzieren.

Multicloud-Partnerschaft mit Google Cloud

Google Cloud will künftig zudem OCI-Datenbankservices und High-Speed-Netzwerkverbindungen mit Oracle anbieten. Damit sollen Cloud-Migration, Multicloud-Bereitstellung und -Management für Anwender leichter werden.

Cross-Cloud Interconnect von Google Cloud wird zunächst in elf globalen Regionen ausgerollt. Allgemeine Workloads sollen dann ohne cloudübergreifende Datenübertragungsgebühren bereitgestellt werden. Noch in diesem Jahr soll das neue Angebot Oracle Database@Google Cloud verfügbar sein mit der höchsten Oracle Database- und Netzwerkperformance sowie den gleichen Funktionen und Preisen wie OCI.

Oracle Database@Google Cloud soll Kunden direkten Zugriff auf Oracle Database-Services ermöglichen, die auf OCI ausgeführt und in Google Cloud-Data-Centern bereitgestellt werden. Laut Anbieter soll das neue Angebot Kunden helfen, ihre Migration in die Cloud zu beschleunigen, um IT-Umgebungen zu modernisieren. Sie profitierten außerdem von den Vorteilen der Google Cloud-Infrastruktur, den Tools und KI-Services, einschließlich Daten und Analysen, Vertex AI und der Gemini-Grundmodelle von Google Cloud.

Gutes Geschäftsergebnis mit Datacenter-Leistungen

Im vierten Geschäftsquartal (Ende Mai) erzielte Oracle einen Umsatz von 14,3 Milliarden US-Dollar (13,3 Mrd. Euro), ein Plus von drei Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Das war zwar weniger als von Analysten zuvor erwartet. Mit Rechenkraft in Cloud-Datencentern (IaaS) legte Oracle allerdings ein deutliches Plus um 42 Prozent auf 2,0 Milliarden US-Dollar hin, was leicht über den Schätzungen lag. Bei Cloud-Programmen zur Unternehmenssteuerung, wo Oracle direkt mit SAP konkurriert, fiel das Wachstum merklich schwächer aus als gedacht. Unter dem Strich ging der Nettogewinn im Quartal um fünf Prozent auf 3,1 Milliarden US-Dollar zurück.

Allerdings kündigte Oracle-Chefin Safra Catz dank hoher Buchungen eine Beschleunigung beim Wachstum insgesamt an. Im neuen Jahr soll der in Aussicht gestellte Schub bei KI-Anwendungen den Umsatz im zweistelligen Prozentbereich anziehen lassen. Allein im vierten Quartal habe das Unternehmen Verträge für über 12,5 Milliarden US-Dollar rund um KI-Technik unter Dach und Fach gebracht, sagte sie.

Börse reagiert positiv, Analysten auch

Der Nachrichtendienst dpa-AFX Broker berichtet über ein äußert positives Feedback der Anleger nach den Oracle-Ankündigungen. Nach Bekanntgabe der Geschäftszahlen 2023/2024 und Oracles Optimismus rund um das Geschäft mit Künstlicher Intelligenz sprangen die Aktien des US-Software-Unternehmens auf ein Rekordhoch.

Kurzfristig werde Oracle wohl von der Zusammenarbeit mit Microsoft und Google profitieren, schrieb Analyst Brent Thill von der Investmentbank Jefferies. Dass Microsoft das KI-Sprachmodell ChatGPT auf der Cloud-Infrastruktur von Oracle (OCI) trainiere, lasse darauf schließen, dass die KI-Angebote des Windows-Konzerns stärker nachgefragt seien, als Rechenkapazitäten bestünden. Längerfristig würden jedoch eher Microsoft und Google die Früchte ernten, vermutet der Experte.

Beeindruckt zeigte sich Thill von der zuletzt starken Nachfrage nach den IT-Angeboten von Oracle. So sei der sogenannte bereits gesicherte zukünftige Umsatz (Remaining Performance Obligation, RPO) im Schlussquartal um 44 Prozent nach oben geschnellt. Im dritten Quartal habe die Wachstumsrate noch 29 Prozent betragen. Von einem gesamten RPO von zuletzt 98 Milliarden Dollar entfallen laut Thill allein gut 12,5 Milliarden Dollar auf 30 Aufträge im Zusammenhang mit KI.

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Oracle habe im vergangenen Quartal zwar beim Umsatz die eine oder andere Zielmarke verpasst, die KI-Story sei aber „stark genug, um die Stimmung zu heben“, schrieb UBS-Analyst Karl Keirstead und rät weiter zum Kauf der Papiere. Raimo Lenschow von Barclays lobte: Vor allem die Wachstumssignale des Managements dürften noch mehr Anleger davon überzeugen, dass Oracle ein weiterer starker Profiteur des KI-Themas sei.

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