Fork-Release für Filesharing angekündigt

Nextcloud wirbt um ownCloud-Klientel

| Autor / Redakteur: Dirk Srocke / Florian Karlstetter

Fork geplant: Bisher hinter ownCloud vereinte Entwickler gehen künftig getrennte Wege.
Fork geplant: Bisher hinter ownCloud vereinte Entwickler gehen künftig getrennte Wege. (Bild: Nextcloud.com / ownCloud.com)

Nach seinem Ausscheiden als CTO und Community Leader bei ownCloud bringt Frank Karlitschek sein vorheriges Unternehmen mit dem Konkurrenzprojekt Nextcloud in Bedrängnis. OwnCloud musste jetzt seinen Sitz in Lexington schließen.

Er hat 2010 den ersten Code des ownCloud-Projektes geschrieben und zählte im Jahr darauf zu den Mitgründern des Unternehmens ownCloud Inc. Nach seinem Ausstieg Ende April wagt Frank Karlitschek nun mit mit „Nextcloud“ einen „Reboot“ als direkter Mitbewerber.

Dabei gibt sich die Nextcloud GmbH alles andere als bescheiden. Mit zwei oder drei Leuten zu starten sei keine Option gewesen, verkündet Karlitschek in einem von Bryan Lunduke geführten Interview auf YouTube. Vielmehr habe man ein größeres Team gebildet; ein signifikanter Teil der „Core Group“ sei mit an Bord.

Nextcloud will Spreed.ME integrieren

Finanzielle Sorgen brauchen sich Karlitschek und sein Team derzeit offenbar nicht zu machen. Als Partner präsentiert Karlitschek Niels Mache – einen langjährigen Freund, Open-Source-Fürsprecher und Vorstandsvorsitzenden der Stuttgarter struktur AG. Die bietet mit Spreed.ME ein WebRTC-basiertes Videokonferenzsystem an, das künftig mit Nextcloud integriert werden soll. Mit der Nextcloud-Software sollen künftig zudem einige Funktionen frei verfügbar werden, die bislang der kostenpflichtigen ownCloud Enterprise Edition vorbehalten waren.

Eine erste geforkte Nextcloud-Version soll in den kommenden Wochen erscheinen und werde bis auf kleinere Verbesserungen und Bugfixes noch im Wesentlichen der aktuellen OS-Version 9.0 von ownCloud entsprechen. Anwender sollen ihre Installationen bequem auf Nextcloud umstellen; ownCloud-Kunden mit laufenden Verträgen stellt Karlitschek Support ohne zusätzliche Kosten in Aussicht.

OwnCloud macht dezimiert weiter

OwnCloud gibt sich von den aktuellen Entwicklungen überrascht und enttäuscht, will das bestehende Produkt trotz von Nextcloud abgeworbener Entwickler allerdings weiter unverändert anbieten und weiterentwickeln. Für die US-Niederlassung in Lexington, MA bedeute der Nextcloud-Start jedoch das Ende: Weil der Hauptkreditgeber in den USA die Kreditlinie gestrichen habe, sei man nach amerikanischem Recht gezwungen gewesen, die ownCloud Inc. mit sofortiger Wirkung zu schließen. Acht Mitarbeiter mussten entlassen werden.

Jetzt wollen alle die Community stärken

Grund für Karlitscheks Weggang von ownCloud waren offenbar Differenzen über die Art und Weise, wie die Filesharing-, Synchronisations- und Kollaborations-Software weiterentwickelt werden soll. Bereits jetzt ist klar: Das Nextcloud-Warenzeichen soll von der Community gehalten werden, das Contributor License Agreement wird abgeschafft. Endanwendern verspricht Nextcloud derweil verlässlichere Updates und zusätzliche Funktionen.

Auf der eigenen Homepage betont Nextcloud zudem die Bedeutung eines sorgsam balancierten Gleichgewichts der Anforderungen eines Unternehmens und seinen Kunden sowie Nutzern und der Community. An der von Kartlitschek geforderten Stärkung der Community arbeitet mittlerweile auch ownCloud nach eigenem Bekunden: Eine vor einigen Tagen vorgestellte Foundation solle demnach langfristig die Community stärken und eine kostenlose, vollständig auf Open Source basierende Version von ownCloud zur Verfügung stellen.

Das Board der Foundation werde sich aus sieben Mitgliedern zusammensetzen, darunter ownCloud-Entwickler, Vertreter von Organisationen, die ownCloud entwickeln und nutzen sowie ein ownCloud-Repräsentant.

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