Souveräne Cloud von AWS Neuer Ansatz für Datensicherheit in Europa

Von Moritz Roetter* 5 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Die AWS European Sovereign Cloud adressiert die wachsenden Anforderungen an Datensicherheit und Compliance. Daten innerhalb Europas sollen so verwaltet werden können. Auch die Public Cloud bietet viel Innovationspotenzial.

Souveräne Clouds haben in Zukunft eine enorme Bedeutung für Europas Datensicherheit. Mit seiner Expertise in AWS unterstützt der hiesige Autor Unternehmen bei der Implementierung robuster und sicherer Cloud-Strategien.(Bild: ©  Daniel - stock.adobe.com)
Souveräne Clouds haben in Zukunft eine enorme Bedeutung für Europas Datensicherheit. Mit seiner Expertise in AWS unterstützt der hiesige Autor Unternehmen bei der Implementierung robuster und sicherer Cloud-Strategien.
(Bild: © Daniel - stock.adobe.com)

Die Cloud ist längst zu einem Grundpfeiler moderner IT-Strategien geworden. Doch mit der wachsenden Bedeutung digitaler Infrastrukturen steigt auch das Bedürfnis nach Kontrolle. Besonders Organisationen aus regulierten Branchen – etwa dem Gesundheitswesen, dem Finanzsektor oder der öffentlichen Verwaltung – stehen vor einem Dilemma: Sie wollen von den Vorteilen der Public Cloud profitieren, müssen gleichzeitig jedoch rechtliche Vorgaben und Sicherheitsanforderungen einhalten. Die Lösung liegt in einem neuen Modell: souveräne Clouds, die Flexibilität und Innovationskraft mit Kontrolle und Unabhängigkeit vereinen. AWS hat dieses Spannungsfeld erkannt und reagiert mit der Ankündigung der European Sovereign Cloud.

Deshalb denken Organisationen um

Cloud-Technologie ist kein Nice-to-have mehr, sondern Voraussetzung für digitale Wettbewerbsfähigkeit. Doch je stärker Unternehmen auf digitale Dienste setzen, desto sensibler wird das Thema Datensicherheit. Der US CLOUD Act verpflichtet amerikanische Anbieter, auf Anforderung Daten an US-Behörden weiterzugeben – selbst dann, wenn diese Daten in europäischen Rechenzentren liegen. Das widerspricht nicht nur dem europäischen Datenschutzverständnis, sondern stellt auch ein strategisches Risiko dar.

Vor allem in Zeiten geopolitischer Spannungen wird das Thema Souveränität drängender. Was passiert, wenn politische Interessen den Datenfluss beeinflussen? Was, wenn ausländische Regierungen den Zugriff auf kritische IT-Systeme fordern oder behindern? Immer mehr Organisationen hinterfragen deshalb ihre Abhängigkeit von globalen Hyperscalern und suchen nach Alternativen, die mehr Kontrolle und Resilienz versprechen.

Digitale Souveränität bedeutet, dass Organisationen selbst bestimmen, wo und wie ihre Daten gespeichert, verarbeitet und geschützt werden. Es geht um mehr als nur Datenschutz – auch der Betrieb, die Steuerung und die Weiterentwicklung digitaler Systeme sollen eigenständig erfolgen. Ziel ist eine IT-Infrastruktur, die unabhängig von politischen, rechtlichen oder wirtschaftlichen Einflüssen Dritter funktioniert. Studien wie die ZEW-Konjunkturumfrage bestätigen: Eine Mehrheit der Unternehmen misst digitaler Souveränität hohe Bedeutung bei, sowohl für den eigenen Geschäftserfolg als auch für die europäische Wirtschaft insgesamt.

Die AWS European Sovereign Cloud im Überblick

Mit der European Sovereign Cloud schafft AWS ein Angebot, das speziell auf die Anforderungen europäischer Kunden zugeschnitten ist. Herzstück ist ein neu gegründetes Unternehmen mit Sitz in der EU, das operativ und finanziell vollständig vom US-Mutterkonzern abgekoppelt ist. Der komplette Betrieb – inklusive Support, Infrastruktur und Personal – erfolgt ausschließlich innerhalb Europas. Damit stellt AWS sicher, dass weder der US CLOUD Act noch andere außereuropäische Regelwerke das Zugriffstor auf Daten oder Systeme öffnen können.

Gleichzeitig bleibt die technologische Basis erhalten: Kunden nutzen die gewohnten AWS-Services, APIs und Tools – von Datenbanken und Speicherlösungen über Analytics, KI und IoT bis hin zu Sicherheits- und Entwickler-Tools. AWS garantiert damit höchste Performance und Skalierbarkeit, ohne bei der Souveränität Kompromisse einzugehen.

Vollständig europäisch

Die neue Region entsteht bewusst in Brandenburg, da in Deutschland besonders hohe Datenschutzstandards gelten. Bis 2040 will AWS rund 7,8 Milliarden Euro in den Aufbau investieren. Geplant sind mehrere Verfügbarkeitszonen, die Ausfallsicherheit und Redundanz sicherstellen. Für Transparenz und Kontrolle sorgen Services wie AWS Control Tower zur zentralen Account-Verwaltung, Security Hub für Sicherheitsrichtlinien sowie CloudTrail zur lückenlosen Protokollierung von Änderungen.

Zwar konnten Unternehmen schon bisher AWS-Regionen innerhalb der EU nutzen, etwa in Frankfurt. Doch dabei blieb ein Restrisiko: Metadaten – also Informationen über Dateigrößen, Zugriffsrechte, IP-Adressen oder Nutzungsverhalten – wurden oft zu Supportzwecken in Drittländer übertragen. Auch die Steuerung und der Support lagen in globalen Händen. Die neue souveräne Cloud setzt hier an und geht einen entscheidenden Schritt weiter: Sie trennt sich vollständig – sowohl physisch als auch logisch – vom globalen AWS-Netzwerk. Daten, Metadaten, Abrechnungssysteme und Management laufen ausschließlich über europäische Strukturen.

Wie reagieren andere Anbieter?

Auch Microsoft und Google haben das Potenzial souveräner Clouds erkannt. Sie setzen bislang jedoch vor allem auf Partnerschaften mit europäischen IT-Unternehmen. So entsteht etwa die Delos Cloud auf Microsoft-Basis unter Mitwirkung von SAP und Arvato-Systems. Google kooperiert mit T-Systems, um eine souveräne Cloud für den deutschen Markt anzubieten. Diese Angebote sind Schritte in die richtige Richtung – doch bei vielen fehlt die vollständige Unabhängigkeit vom US-Mutterkonzern.

Jetzt Newsletter abonnieren

Täglich die wichtigsten Infos zu Cloud Computing

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Parallel treten europäische Anbieter wie Ionos oder Stackit auf den Plan. Sie bieten in puncto Souveränität überzeugende Konzepte, können aber beim Leistungsumfang noch nicht mit den großen Hyperscalern mithalten. AWS kombiniert mit der Sovereign Cloud beide Stärken: umfassende Funktionalität und volle Kontrolle.

Das neue Angebot richtet sich in erster Linie an Organisationen mit besonders sensiblen Daten und hohen Compliance-Anforderungen – etwa öffentliche Einrichtungen, KRITIS-Betreiber oder Unternehmen im Gesundheits- oder Finanzsektor. Zwar fallen die Kosten höher aus als bei der klassischen AWS-Cloud, doch der Zugewinn an Sicherheit und Rechtskonformität kann diesen Aufpreis rechtfertigen. Durch hybride Architekturen lassen sich zudem effiziente Szenarien schaffen: Sensible Daten wandern in die Sovereign Cloud, weniger kritische Workloads bleiben in der Standardregion.

Erst vorbereiten, dann effizient migrieren

Unternehmen sollten nicht bis zum offiziellen Start Ende 2025 warten. Wer sich frühzeitig mit der eigenen Datenlandschaft befasst, reduziert späteren Aufwand. Eine zentrale Frage: Welche Applikationen und Daten sind wie kritisch? Je klarer die Einteilung, desto gezielter lässt sich migrieren. In vielen Fällen lohnt sich eine Neustrukturierung der Applikationslandschaft – etwa durch Entkopplung sensibler Komponenten. Ergänzend helfen Zero-Trust-Konzepte und Verschlüsselungstools dabei, auch heute schon hohe Sicherheitsstandards in bestehenden Regionen umzusetzen.

Die Migration in eine souveräne Cloud erfordert Know-how, Ressourcen und Erfahrung. Laut einer Umfrage von CIO, CSO und Computerwoche sehen 90 Prozent der befragten Unternehmen großen Beratungsbedarf. Ein qualifizierter Partner kann hier den Unterschied machen – idealerweise mit nachgewiesener AWS Digital Sovereignty Competency. Wichtig ist zudem, dass der Dienstleister aus der EU stammt und umfassende Leistungen abdeckt – von der initialen Beratung über Architektur und Migration bis hin zu Managed Services.

Neue Handlungsspielräume für Europa

Digitale Souveränität wird zum Schlüsselfaktor für IT-Strategien in Europa. Mit der European Sovereign Cloud reagiert AWS auf einen wachsenden Bedarf und eröffnet Organisationen neue Handlungsspielräume. Wer frühzeitig handelt, schützt nicht nur seine Daten, sondern stärkt auch seine digitale Zukunftsfähigkeit. Die Cloud bleibt ein zentraler Innovationstreiber – mit der richtigen Architektur auch unter souveränen Bedingungen.


* Der Autor Moritz Roetter ist Expert Presales Consultant für AWS bei SoftwareOne. Nach seiner Ausbildung zum Fachinformatiker für Systemintegration sammelte er als Cloud-Architekt in verschiedenen Unternehmen umfassende Praxiserfahrung mit Schwerpunkt auf Amazon Web Services (AWS). Dank seiner Zertifizierung als AWS DevOps Professional bringt Moritz Roetter fundiertes Fachwissen in der Umsetzung skalierbarer, effizienter und sicherer Cloud-Lösungen mit.

Bildquelle: SoftwareOne GmbH

(ID:50512236)