Digitale Souveränität in der öffentlichen Verwaltung Mehr Unabhängigkeit durch Multicloud-Strategien

Ein Gastbeitrag von Holger Pfister* 4 min Lesedauer

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Die Cloud ist längst kein Fremdwort mehr für deutsche Behörden. Doch wie lässt sich dabei digitale Souveränität gewährleisten? Bei der Vermeidung einseitiger Abhängigkeiten spielt der strategische Umgang mit Multicloud-Umgebungen eine Schlüsselrolle.

Die Cloud gilt als Erfolgsfaktor. Digitale Souveränität wird in Europa immer wichtiger. Die Verwaltung setzt zunehmend auf Multicloud.(Bild: ©  Burhan - stock.adobe.com)
Die Cloud gilt als Erfolgsfaktor. Digitale Souveränität wird in Europa immer wichtiger. Die Verwaltung setzt zunehmend auf Multicloud.
(Bild: © Burhan - stock.adobe.com)

Die öffentliche Verwaltung in Deutschland setzt zunehmend auf Cloud-Dienste. Jüngst wurde bekannt, dass sich die Ausgaben des Bundes für die Cloud-Nutzung von 2021 bis 2024 verdoppelt haben. An der Cloud führt für Behörden also mittlerweile kaum noch ein Weg vorbei: Laut einer Studie von Wegweiser Research & Strategy und Capgemini planen 66 Prozent der befragten Behörden, in Zukunft verstärkt Cloud-Services zu nutzen. 60 Prozent der Verantwortlichen gehen davon aus, dass die IT-Ausgaben für Cloud-Lösungen in den nächsten Jahren weiter steigen werden.

Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Einerseits machen die Anforderungen an mehr Modernisierung und Digitalisierung die schnelle Einführung neuer Technologien notwendig – was sich mithilfe skalierbarer Cloud-Services effektiv umsetzen lässt. Andererseits stellen viele Technologieanbieter ihre Lösungen heute auch ausschließlich als Cloud-Dienste bereit. Ein vollständiger Umstieg auf Public Cloud-Angebote kommt für die meisten Organisationen jedoch nicht infrage. Innerhalb der öffentlichen Verwaltung bevorzugt die Mehrheit der IT-Entscheider Private Cloud-Lösungen (56 %) oder Services der Deutschen Verwaltungscloud (53 %). Public Cloud-Services wollen hingegen derzeit nur 23 Prozent der Befragten einsetzen.

Langfristig wird es wohl auf eine Kombination unterschiedlicher Cloud-Angebote hinauslaufen – eben eine Multicloud-Strategie. Mit Blick auf die digitale Souveränität ist es ein sinnvoller Schritt: So lassen sich Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern vermeiden und gleichzeitig die Resilienz der IT-Infrastruktur gegenüber Cyberangriffen, Ausfällen oder anderen Störungen stärken. Allerdings bringt dieser Ansatz auch neue Herausforderungen mit sich.

Durchgängige Sicherheit als Grundvoraussetzung

Öffentliche Einrichtungen arbeiten mit hochsensiblen personenbezogenen Daten. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an Datenschutz, Datensouveränität und IT-Sicherheit. Die Nutzung von Cloud-Diensten muss jederzeit DSGVO-konform erfolgen und Sicherheitsstandards wie ISO 27001 oder den BSI-Grundschutz erfüllen. Behörden müssen jederzeit nachvollziehen können, wo ihre Daten gespeichert sind, wie sie verarbeitet werden und wer darauf zugreifen kann.

Auch Anpassungen an neue gesetzliche Vorgaben, etwa durch Änderungen auf EU- oder Bundesebene, sollten sich ohne großen Aufwand über sämtliche Systeme hinweg umsetzen lassen. Ein weiteres Sicherheitsmerkmal ist die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, die sicherstellt, dass die Entschlüsselung von Meta- und Nutzerdaten ausschließlich auf den Endgeräten der Nutzer erfolgt. Kürzliche Aussagen der Bundesregierung machen jedoch deutlich, dass hier noch Nachholbedarf besteht: Von den mindestens 32 genutzten Cloud-Services der Hyperscaler Google, Amazon, Microsoft und Oracle verfügt aktuell nur ein Dienst über diese Sicherheitsvorkehrung.

Maximale Portabilität und Interoperabilität ermöglichen

Um die Unabhängigkeit von einzelnen Anbietern im Rahmen von Multicloud-Strategien zu erreichen, ist vor allem eines erforderlich: Flexibilität. Behörden sollten zunächst in der Lage sein, zwischen Anwendungen, Daten und Workloads zwischen verschiedenen Cloud-Umgebungen zu verschieben. Diese sogenannte sollte auf ein Maximum gesteigert werden.

Gleichzeitig ist Interoperabilität entscheidend: Unterschiedliche Systeme und Dienste müssen nahtlos miteinander kommunizieren können, etwa bei der Nutzung von Speicher-, Analyse- oder Kommunikationsfunktionen aus unterschiedlichen Clouds. Nur wenn Datenflüsse und Prozesse über Systemgrenzen hinweg reibungslos funktionieren, ist eine funktionierende Multicloud-Architektur gegeben.

Plattformübergreifendes Management reduziert Komplexität

Eine Multicloud-Strategie erhöht zwangsläufig die Komplexität der IT-Infrastruktur. Diese Komplexität sollte jedoch nicht dazu führen, dass der operative Aufwand unverhältnismäßig steigt. Um diesen beherrschbar zu halten, benötigen Behörden ein zentrales, plattformübergreifendes Management. Das Ziel: Alle Anwendungen, Daten und Workloads zentral zu steuern, zu überwachen und zu verwalten – unabhängig davon, auf welcher Cloud sie laufen.

Gelingt dies nicht, entstehen neue Silos, Mehrkosten und ein hoher manueller Verwaltungsaufwand. Tools für Monitoring, Identity & Access Management (IAM) oder Compliance sollten daher übergreifend einsetzbar sein. Nur so lassen sich Synergieeffekte nutzen und die IT-Organisation effizient steuern.

Open Source als Enabler

Eine sichere und leistungsfähige Multicloud-Umgebung setzt voraus, dass die eingesetzten Technologien offene Standards unterstützen und in jeder Umgebung gleich gut funktionieren. Der Einsatz bestimmter Open-Source-basierter Technologien, etwa die Containerisierung mit Kubernetes, ermöglichen nicht nur die oben erwähnte Portabilität, sondern auch Automatisierung und Skalierbarkeit. So lassen sich Lastspitzen einfach abfangen, Kapazitäten flexibel erweitern und die Wirtschaftlichkeit des IT-Betriebs verbessern.

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Plattformen zum Management von Kubernetes-Clustern helfen dabei, Aufgaben rund um die Bereitstellung, Verwaltung und Skalierung containerbasierter Anwendungen zu automatisieren. Sicherheitsfunktionen wie Role-Based Access Control (RBAC) und zentrale Richtlinienverwaltung schützen zudem die Infrastruktur vor unautorisierten Zugriffen und vereinfachen die Governance.

Die Deutsche Verwaltungscloud als Blaupause

Die Cloud eröffnet Behörden viele Möglichkeiten, um die Digitalisierung von Verwaltungsprozessen zu beschleunigen. Digitale Souveränität ist dabei keine Option mehr, sondern eine Notwendigkeit. Multicloud-Strategien bieten hierbei große Chancen, erfordern aber klare Prinzipien: Sicherheit, Portabilität, Interoperabilität, gute Steuerbarkeit – und auch Offenheit.

Diese Entwicklung wird bereits durch die Deutsche Verwaltungscloud gestützt. Sie ist als Multicloud-Architektur konzipiert und soll es Bund, Ländern und Kommunen ermöglichen, souverän, rechtskonform und effizient auf moderne Cloud-Infrastrukturen zuzugreifen. Sie kann hier als Blaupause dienen, noch viel wichtiger ist allerdings der richtige strategische Ansatz. Denn nur wer diesen Weg strategisch geht und auf die notwendigen Anforderungen achtet, schafft eine moderne, digital souveräne und krisenfeste Verwaltung.


* Der Autor Holger Pfister ist General Manager von Suse in der DACH-Region.

Bildquelle: Suse

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