KPMG-Cloud-Monitor Cloud-Strategie in der Finanzbranche

Von Ira Zahorsky 3 min Lesedauer

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80 Prozent der C-Level-Befragten sehen Finanzinstitute stark von Anbietern außerhalb Europas abhängig. Souveräne Cloud nutzen jedoch erst acht Prozent. Der KPMG Cloud-Monitor zeigt, warum die Branche zögert und auf welche Architektur sie setzt.

Der KPMG Cloud-Monitor zeigt: Bei souveränen Cloud-Lösungen liegen Anspruch und Wirklichkeit in der Finanzbranche noch weit auseinander. (Bild:  Gemini / KI-generiert)
Der KPMG Cloud-Monitor zeigt: Bei souveränen Cloud-Lösungen liegen Anspruch und Wirklichkeit in der Finanzbranche noch weit auseinander.
(Bild: Gemini / KI-generiert)

Nur acht Prozent der Finanzinstitute nutzen souveräne Cloud-Angebote bereits produktiv. Dabei halten 36 Prozent der Finanzdienstleister solche Lösungen für relevant, weitere 48 Prozent prüfen sie noch. Der KPMG Cloud-Monitor 2026 für Financial Services zeigt: Banken und Versicherer wollen Abhängigkeiten verringern, scheuen aber den pauschalen Wechsel zu europäischen Anbietern.

Als Treiber für mehr Digitale Souveränität nennt KPMG geopolitische Unsicherheiten, internationale Zugriffsgesetze wie den US Cloud Act und offene Fragen zum EU-US Data Privacy Framework. Vier von fünf C-Level-Befragten stufen die Abhängigkeit von nicht europäischen Anbietern als hoch oder sehr hoch ein. Bei knapp einem Drittel reicht sie laut Studie bis in geschäftskritische Prozesse.

Hyperscaler bleiben wichtig

Der Druck zur Diversifizierung führt nicht zu einem Rückzug aus der Public Cloud. 68 Prozent der Finanzdienstleister verfolgen eine Cloud-first-Strategie, 80 Prozent nutzen mehrere Provider. 45 Prozent setzen überwiegend auf Public-Cloud-Dienste, 34 Prozent auf ein ausgewogenes Verhältnis von Public und Private Cloud.

Auch der geplante Ausbau spricht gegen einen generellen Kurswechsel: 67 Prozent der Finanzdienstleister wollen in den kommenden drei Jahren mehr als die Hälfte ihrer produktiven Anwendungen in der Public Cloud betreiben. Derzeit sind es 42 Prozent der Public-Cloud-Nutzer. Die Branche setzt damit weiter auf Cloud-Dienste, wägt aber genauer ab, welche Workloads zu welchem Anbieter und Betriebsmodell passen.

Dabei bleibt die Leistungsfähigkeit etablierter Hyperscaler ein starkes Argument. 81 Prozent nennen Leistungsfähigkeit und Stabilität als Must-have bei der Providerwahl, 79 Prozent Sicherheit und Compliance. Bei Analytics nutzen 75 Prozent Hyperscaler; 42 Prozent beziehen solche Lösungen auch von europäischen souveränen Anbietern. KPMG zufolge bieten Hyperscaler bei Servicebreite, Time-to-Market und internationaler Verfügbarkeit weiterhin Vorteile – besonders bei datenintensiven Anwendungen und KI.

Daniel Wagenknecht, Partner im Bereich Financial Services bei KPMG, ordnet die Abwägung so ein: „Mehr Digitale Souveränität bedeutet nicht, auf Leistungsfähigkeit zu verzichten. Institute entscheiden, wo sie mehr Kontrolle brauchen und wie sie Abhängigkeiten gezielt reduzieren können.“

Umsetzung bleibt selektiv

Die Zahlen legen nahe, dass souveräne Cloud in der Finanzbranche zunächst als gezielte Ergänzung verstanden wird, nicht als pauschaler Ersatz. 53 Prozent der Befragten planen, in zwei bis drei Jahren zwischen 21 und 50 Prozent ihrer Cloud-Services über europäische Anbieter zu beziehen. Ein Viertel rechnet mit einem Anteil von mehr als 50 Prozent. Konkrete strategische Anpassungen haben bislang allerdings erst 15 Prozent vorgenommen.

Auch die Bereitschaft, für mehr Kontrolle höhere Preise zu akzeptieren, hat Grenzen: 46 Prozent würden einen Aufpreis von bis zu 20 Prozent tragen. Ein Aufschlag von bis zu 30 Prozent kommt für 14 Prozent infrage; noch höhere Mehrkosten akzeptieren nur drei Prozent.

Die Integration bleibt zudem anspruchsvoll. 43 Prozent nennen Sicherheitsanforderungen als größte Hürde bei der Einbindung von Public-Cloud-Lösungen in die bestehende IT. 40 Prozent verweisen auf Anpassungen der Infrastruktur, 35 Prozent auf Compliance. Die regulatorischen Fragen sind damit nicht erledigt – sie stehen laut Studie aber weniger isoliert im Vordergrund als im Vorjahr. Technische Integration und Sicherheit prägen die praktische Umsetzung stärker.

Cloud-Nutzen bemisst sich nicht nur an Einsparungen

Auch die Kostenbilanz fällt differenziert aus: 52 Prozent der Finanzdienstleister berichten von Einsparungen durch Cloud-Nutzung, 18 Prozent von höheren Kosten. Für 40 Prozent machen Cloud-Dienste etwa ein Viertel des IT-Budgets aus, für 45 Prozent etwa die Hälfte. Das unterstreicht, warum die Wahl des Betriebsmodells nicht allein über den Preis entschieden wird.

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Der KPMG-Monitor zeichnet so das Bild einer Branche, die ihre Cloud-Architektur weiter ausbaut, zugleich aber Anbieterabhängigkeiten und Kontrolle stärker in die Planung einbezieht. Entscheidend ist weniger ein vollständiger Wechsel als die Fähigkeit, sensible Workloads gezielt zu platzieren und mehrere Anbieter steuerbar zu verbinden. Dafür braucht es neben belastbarer Cloud-Security auch klare Governance und eine realistische Bewertung von Kosten, Leistung und Souveränität.

KPMG Cloud-Monitor 2026 für Financial Services

Die Studienauskopplung erfasst 100 Finanzdienstleister – 76 Banken und 24 Versicherungen. Die Befragung fand im April und Mai 2026 statt.

Der komplette KPMG Cloud-Monitor 2026 kann nach Registrierung kostenfrei heruntergeladen werden.

Download der Studie

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