EuroCloud Pulse Check 2026 KI und Souveränität verändern die Cloud-Planung

Von Ira Zahorsky 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Hybrid Cloud bleibt verbreitet, Multicloud und Edge gewinnen an Gewicht, ebenso europäische Plattformen für KI und souveräne Workloads. Eine Techconsult-Studie für EuroCloud Deutschland und eco zeigt: Anbieterwahl allein schafft keine echte Wechseloption.

Hybrid-Cloud-Modelle sind weiterhin weit verbreitet, gleichzeitig nehmen Multicloud- und Edge-Ansätze an Bedeutung zu. Auch europäische Plattformen für KI-Anwendungen und souveräne Workloads werden wichtiger. Allerdings reicht die Wahl des Anbieters allein nicht aus, um tatsächlich eine echte Wechselmöglichkeit zu schaffen.(Bild:  Dall-E / KI-generiert)
Hybrid-Cloud-Modelle sind weiterhin weit verbreitet, gleichzeitig nehmen Multicloud- und Edge-Ansätze an Bedeutung zu. Auch europäische Plattformen für KI-Anwendungen und souveräne Workloads werden wichtiger. Allerdings reicht die Wahl des Anbieters allein nicht aus, um tatsächlich eine echte Wechselmöglichkeit zu schaffen.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

Die Cloud-Landschaft deutscher Unternehmen wird breiter – und damit komplexer. Das zeigt der „EuroCloud Pulse Check 2026“, für den 250 IT- und Business-Verantwortliche aus Unternehmen mit mindestens 50 Beschäftigten befragt wurden. Neben KI prägen geopolitische Risiken und der Wunsch nach Digitaler Souveränität die Entscheidungen.

Mit 46 Prozent bleibt die Hybrid Cloud das am häufigsten genutzte Modell. Gegenüber dem Vorjahr hat ihr Anteil jedoch abgenommen. Gleichzeitig planen 21 Prozent der Unternehmen, künftig mehrere Cloud-Anbieter einzusetzen – etwa doppelt so viele wie derzeit. Rund 64 Prozent rechnen mit steigenden Cloud-Ausgaben. Auch Edge Computing ist etabliert: Sechs von zehn Befragten sehen es als wichtigen oder zentralen Teil ihrer Infrastruktur.

Diese Entwicklung erweitert die Optionen, erhöht aber auch den Koordinationsbedarf. Unternehmen müssen Kosten, Schnittstellen und Betrieb über mehrere Umgebungen hinweg im Blick behalten. Eine verteilte Architektur bringt nicht automatisch mehr Flexibilität, wenn Integration und Verwaltung nicht Schritt halten.

KI rückt Rechenleistung und Anbieterbindung in den Fokus

64 Prozent der Befragten verwenden fertige KI-Anwendungen. 42 Prozent integrieren Modelle über APIs in eigene Software. Je stärker KI in Geschäftsprozesse einzieht, desto wichtiger werden neben der Rechenleistung auch die Abhängigkeiten von Modellen, Schnittstellen und Preisen. GPUs zählen laut Studie zu den wesentlichen Kriterien für künftige Cloud-Entscheidungen.

Für KI-Anwendungen und -Modelle setzen derzeit 54 Prozent auf internationale Hyperscaler, 40 Prozent auf europäische Anbieter. Bei den Planungen für die nächsten zwei Jahre verschiebt sich das Bild: 53 Prozent erwägen europäische Cloud-Plattformen für KI, 48 Prozent Hyperscaler. Das deutet auf den parallelen Einsatz unterschiedlicher Anbieter hin, nicht zwingend auf einen vollständigen Wechsel.

Europäische Plattformen müssen dabei mehr leisten als Datenkontrolle und rechtliche Absicherung. Für KI-Workloads zählen ebenso Rechenkapazität, Integration und verfügbare Werkzeuge. Gerade bei Training und Inferenz stehen sie im Wettbewerb mit etablierten Angeboten und deren Entwicklungsumgebungen.

Souveränität gewinnt, Governance hinkt hinterher

Sechs von zehn Unternehmen messen Digitaler Souveränität bereits heute hohe Bedeutung bei. Für die kommenden drei Jahre steigt der Anteil laut Befragung auf 68 Prozent. Im Mittelpunkt stehen regulatorische Vorgaben und der Schutz vor Zugriffen aus Drittstaaten. Die organisatorische Umsetzung bleibt eine Herausforderung: Nur rund 30 Prozent der Unternehmen verfügen bereits über umfassende KI-Governance-Strukturen. Bei 52 Prozent läuft die Umsetzung des EU AI Act oder ist abgeschlossen; weitere 28 Prozent planen entsprechende Maßnahmen.

Europäische Cloud-Anbieter sind in vielen Unternehmen bereits Teil der Infrastruktur. 76 Prozent nutzen sie als Hauptanbieter, gleichwertige Plattform oder Ergänzung. Besonders gefragt sind sie bei Anwendungen mit hohen Anforderungen an Datenkontrolle und Regulierung, etwa Geschäftsprozesssoftware, Identitätsmanagement sowie Compliance- und Datenresidenzlösungen.

Bei der Auswahl spielen spezialisierte KI- und Datendienste, einfache Bedienbarkeit und transparente Preise eine wichtige Rolle. Als Hindernisse nennen jeweils 29 Prozent der Befragten Migrationskosten und Zweifel an der langfristigen Marktposition europäischer Anbieter. 28 Prozent verweisen auf eine geringere Innovationsgeschwindigkeit.

Anbieterwechsel ist oft leichter geplant als umgesetzt

Zwei Drittel der Unternehmen planen oder erwägen einen Wechsel des Cloud-Anbieters. Doch nur 42 Prozent halten eine Migration für einfach. 39 Prozent rechnen mit spürbarem Aufwand, weitere 18 Prozent stufen sie als schwierig ein. Die formale Möglichkeit, den Anbieter zu wechseln, ist damit nicht gleichbedeutend mit einer unkomplizierten Migration.

Jetzt Newsletter abonnieren

Täglich die wichtigsten Infos zu Cloud Computing

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

EU Data Act und DADG zeigen für 45 Prozent erste positive Effekte. Bei vielen Unternehmen sind die Auswirkungen bislang allerdings nicht erkennbar oder noch offen.

Auch bei der Resilienz ergibt sich ein gemischtes Bild. 54 Prozent bewerten ihre Widerstandsfähigkeit als hoch oder sehr hoch. Zugleich zählt für 42 Prozent der Cloud-Anbieter zu den wichtigsten externen Abhängigkeiten. Im Vordergrund stehen Maßnahmen gegen Ausfälle und Cyberangriffe; die tatsächliche Wechselbarkeit bleibt dagegen vielfach ungeklärt.

Für europäische Anbieter eröffnet die Nachfrage Chancen, garantiert aber keinen Erfolg. Entscheidend sind leistungsfähige Dienste, reibungsarme Integration, kalkulierbare Kosten und praktikable Wege, Daten und Workloads zu verlagern. Unternehmen wiederum sollten Portabilität bereits bei Architektur und Beschaffung einplanen. Erst wenn sich Anwendungen tatsächlich bewegen lassen, wird aus Anbieterwahl eine belastbare Option.

(ID:50984741)