Neue Lünendonk-Studie KI treibt den Wandel im IT-Sourcing

Ein Gastbeitrag von Tobias Ganowski* 3 min Lesedauer

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Künstliche Intelligenz verändert die Leistungs- und Vertragslogik im IT-Sourcing. Wie eine neue Lünendonk-Studie zeigt, investieren IT-Provider verstärkt in KI und richten ihre Leistungserbringung neu aus. Gleichzeitig steigen auf Kundenseite die Erwartungen an Effizienz, Geschwindigkeit und messbare Ergebnisse.

Die aktuelle Lünendonk-Studie „IT-Sourcing-Trends 2026/2027“ zeigt: Unternehmen erwarten strategische Beratung, Umsetzungsnähe, Governance-Kompetenz und technologisches Verständnis.(Bild: ©  Egor - stock.adobe.com)
Die aktuelle Lünendonk-Studie „IT-Sourcing-Trends 2026/2027“ zeigt: Unternehmen erwarten strategische Beratung, Umsetzungsnähe, Governance-Kompetenz und technologisches Verständnis.
(Bild: © Egor - stock.adobe.com)

Generative künstliche Intelligenz (KI) und KI-Agenten entwickeln sich vom punktuellen Produktivitätswerkzeug zu zentralen Bestandteilen moderner Steuerungs- und Betriebsmodelle im IT-Sourcing. IT-Dienstleister integrieren sie zunehmend in ihre Prozesse und Services. Dadurch eröffnen sich etwa in der Softwareentwicklung, im Consulting und im IT-Betrieb erhebliche Effizienzpotenziale. Gleichzeitig verändert KI die Art der Leistungserbringung – und damit die Kalkulation sowie die wirtschaftlichen Grundlagen von IT-Verträgen.

KI verändert Verträge und Delivery-Modelle

Die neu erschiene Lünendonk-Studie „IT-Sourcing-Trends 2026/2027“ zeigt, dass 90 Prozent der befragten Anwenderunternehmen von ihren IT-Providern konkrete Vorschläge erwarten, wie generative KI die Effizienz und Qualität ihrer Services verbessern kann. 80 Prozent passen ihre Verträge schrittweise an, um den Einsatz von KI ausdrücklich zu regeln. Im Fokus stehen dabei die Nutzung von Daten, die Nachvollziehbarkeit von KI-Ergebnissen, der Schutz von Betriebsgeheimnissen sowie die Verteilung der erzielten Effizienzgewinne. Bei einem hohen KI-Einsatz verhandeln 70 Prozent bereits über Abschläge auf Time-and-Material- oder FTE-basierte Vergütungen. Damit geraten etablierte wirtschaftliche Kennzahlen unter Druck: Übernehmen KI-Agenten einen wachsenden Teil der Leistung, bildet die Zahl der eingesetzten Mitarbeiter den tatsächlichen Wertbeitrag nur noch unzureichend ab. IT-Dienstleister und Kunden müssen Effizienzgewinne, Risiken und Investitionen daher in neue Vertrags- und Preismodelle überführen.

Auch die Art der Leistungserbringung verändert sich. 95 Prozent erwarten eine zunehmende Bedeutung von Managed Services. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass für den Betrieb von cloudbasierten Softwareanwendungen immer höhere Anforderungen an IT-Security, Regulatorik, Verfügbarkeit und Performance bestehen. Unternehmen haben zunehmend Schwierigkeiten, diese Anforderungen regelkonform zu erfüllen und sich auf die kontinuierlich verändernden Anforderungen aus dem Business an Softwareanwendungen einzustellen.

Für 87 Prozent der Studienteilnehmer gewinnen KI-gestützte, hochautomatisierte Delivery-Modelle an Bedeutung und 77 Prozent rechnen mit einer stärkeren Relevanz ergebnisbasierter Modelle. Dagegen erwarten 61 Prozent, dass Time & Material an Bedeutung verliert. Provider werden somit stärker nach Qualität, Geschwindigkeit und messbaren Ergebnissen beurteilt – nicht nur nach bereitgestellten Kapazitäten. KI wirkt damit nicht nur als Technologieimpuls, sondern als Auslöser für eine strukturelle Neugewichtung der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und IT-Providern.

So bremsen strukturelle Hürden den Einsatz von KI-basierten Services

Der Einkauf und die Nutzung KI-gestützter Services stellen die große Mehrheit der Unternehmen aber noch vor erhebliche Herausforderungen: Nur 4 Prozent der Studienteilnehmer bewerten die Fähigkeiten ihrer Organisationen in diesem Bereich als sehr hoch. Die Ursachen hierfür sind vor allem etablierte Strukturen, ungeeignete Kennzahlen sowie starre Prozesse und Anreizsysteme. Deren Anpassung erfordert einen tiefgreifenden Wandel und eine hohe Veränderungsbereitschaft. Zugleich müssen IT, Fachbereiche und Einkauf enger zusammenarbeiten, um KI-basierte IT-Services über System- und Organisationsgrenzen hinweg wirksam zu steuern.

Fast alle befragten Anwenderunternehmen erwarten von ihren IT-Providern konkrete Vorschläge, wie generative KI die Effizienz und Qualität ihrer Services verbessern kann.(Bild:  Lünendonk & Hossenfelder GmbH)
Fast alle befragten Anwenderunternehmen erwarten von ihren IT-Providern konkrete Vorschläge, wie generative KI die Effizienz und Qualität ihrer Services verbessern kann.
(Bild: Lünendonk & Hossenfelder GmbH)

Auch wenn die meisten Unternehmen die Potenziale von KI im Sourcing-Lifecycle bislang kaum ausschöpfen, haben sie deren Nutzen klar erkannt. 93 Prozent sehen großes Optimierungspotenzial bei der Provideranalyse, der Sourcing-Vorbereitung und im Demand Management, indem Anbieterprofile und Leistungsportfolios schneller ausgewertet und Anforderungen aus IT, Fachbereichen und Einkauf besser strukturiert werden. Weitere 91 Prozent erwarten hohe Potenziale bei Vertragsanalyse und -verhandlung, 88 Prozent im laufenden Betrieb und in der Providersteuerung. Hier kann KI unter anderem Preisstrukturen und Vertragsmuster schneller auswerten sowie Anforderungen aus IT, Fachbereichen und Einkauf strukturieren.

Die Rolle von IT-Sourcing-Beratern

Die wachsende Komplexität im IT-Sourcing schlägt sich zunehmend auch in höheren Beratungsbudgets nieder. Laut Studie wollen Anwenderunternehmen im Jahr 2026 ihre Budgets für IT-Sourcing-Beratung zunächst moderat um bis zu 5 Prozent erhöhen, während 2027 bereits 56 Prozent mit einer Budgetsteigerung von mindestens 5 Prozent rechnen. Als unabhängige Vermittler zwischen Kunden und IT-Dienstleistern gewinnen IT-Sourcing-Beratungen an Bedeutung.

Ein wichtiger Erkenntnisgewinn: Provider werden künftig stärker nach Qualität, Geschwindigkeit und messbaren Ergebnissen beurteilt – nicht nur nach bereitgestellten Kapazitäten.(Bild:  Lünendonk & Hossenfelder GmbH)
Ein wichtiger Erkenntnisgewinn: Provider werden künftig stärker nach Qualität, Geschwindigkeit und messbaren Ergebnissen beurteilt – nicht nur nach bereitgestellten Kapazitäten.
(Bild: Lünendonk & Hossenfelder GmbH)

Gleichzeitig müssen sie ihr Leistungsportfolio auf neue Themen wie Cloud, digitale Souveränität, komplexe Multi-Provider-Modelle und KI ausrichten. Gefragt ist nicht mehr nur die klassische Unterstützung bei Ausschreibungen, Vertragsverhandlungen oder Transitionen. Vielmehr wird eine Kombination aus strategischer Beratung, Umsetzungsnähe, Governance-Kompetenz und technologischem Verständnis erwartet.

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Über die Studie
Für die Lünendonk-Studie „IT-Sourcing-Trends 2026/2027“ wurden über 150 IT- und Sourcing-Verantwortliche aus mittelständischen und großen Unternehmen verschiedener Branchen befragt. Ergänzend analysiert die Studie die Geschäftsentwicklung von 36 IT-Sourcing-Beratungen. Die 11. Auflage der Studie entstand in fachlicher Zusammenarbeit mit Cassini, Datagroup, Gebhardt, ISG, Metrics, Mindeight und PLS und steht ab sofort unter www.luenendonk.de zum kostenfreien Download bereit.


* Der Autor Tobias Ganowski untersucht seit 2018 als Consultant den deutschen Digital- und IT-Markt beim Analystenunternehmen Lünendonk. Schwerpunkte liegen auf den Märkten für IT-Beratung, IT-Service, IT-Sourcing, Data & AI, Digital Experience und Digital Learning sowie technologischen Entwicklungen in diesen Märkten.

Bildquelle: Lünendonk & Hossenfelder GmbH

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