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Wolfgang Schwab ergänzt, dass mit der neuesten Version von „Swift“ die Latenzzeiten verbessert wurden, ist sich aber nicht sicher, dass das für HD-Videos ausreicht. Carla Arend zeigt sich zuversichtlicher: „Die primären Anwendungen, die heute unter OpenStack laufen, sind ja die großen Webscale-Applikationen etwa im Umfeld von Social Media oder im Online-Handel. Dort werden sehr oft hochauflösende und multimediale Inhalte verwendet.“
Frage 5: Warum könnten proprietäre Cloud-Lösungen wie solche von IBM, EMC oder Quantum, die die Cloud als ein Storage Tier betreiben wollen, eine Chance gegen OpenStack haben?
„Im Moment haben proprietäre Cloud-Lösungen gute Chancen gegen OpenStack, weil dessen Verbreitung noch relativ gering ist“, hat Analystin Arend herausgefunden. Anwender sind derzeit aus Interoperabilitätsgründen dazu gezwungen in der Cloud die gleiche Technik wie im eigenen Rechenzentrum einzusetzen. Damit ist „die Cloud sozusagen die Verlängerung des eigenen Data Centers“.
Ähnlich beurteilt Schwab die derzeitige Situation, in der die Integration in eine Gesamtlösung mit „Board-Mitteln und insbesondere durch entsprechende Dienstleister durchgeführt wird“.
Crisp-Analyst Büst fordert allerdings vehement die Open-Source-Lösung beziehungsweise einen De-facto-Standard wie OpenStack. Denn nur damit sei eine Interoperabilität zwischen den Cloud-Service-Providern gegeben. Dies würde den Anwendern einerseits eine bessere Vergleichbarkeit und andererseits echte Multi-Cloud-Umgebungen und die Wahl des geeignetsten Angebots eröffnen.
Er sieht aber großen Anbieter wie IBM und EMC auf einem guten Weg, da sich beide Unternehmen stark bei OpenStack engagieren: IBM ist früher Förderer und OpenStack Foundation Platinum-Sponsor. EMC ist immerhin Gold-Member und hat mit der Übernahme von „Cloudscaling“, einem OpenStack-IaaS-Anbieter, die strategische Bedeutung von OpenStack für das eigene Kerngeschäft ausgedrückt. „Es zeigt sich daher, dass auch Anbieter, mit von Natur aus proprietären Lösungen, verstärkt auf einen offenen und kommenden De-facto-Standard setzen.“
Frage 6. Bei EMC und anderen Großunternehmen wird über ein Cloud-Betriebssystem nachgedacht. Wie werden sich Global Name Spaces und Rechnerbetriebssysteme in solche Entwicklungen einsortieren?
Experton-Analyst Schwab sieht darin kein Problem, solange entsprechende „Standards wie NFS oder CIFS eingehalten werden“. Ähnlich beurteilt Carla Arend die Überlegungen, denn damit würden die Anwender – ähnlich wie bei einem Rechnerbetriebssystem - alle Komponenten für den Betrieb einer Cloud-Lösung in einem Paket zur Verfügung gestellt bekommen. Sie sieht derzeit nur das Problem, „dass man sich im Moment für einen Technologie-Stack entscheidet und unter Umständen nur schwer von einem zum nächsten Cloud-OS wechseln kann“.
Für René Büst gehören Cloud-Betriebssysteme wie Google Chrome OS und Desktop-as-a-Service (DaaS) zur „logischen Entwicklung des Cloud Computing“. Seiner Meinung nach werden sie die bestehende „Virtual Desktop Infrastructure“ ablösen – und zwar aus gutem Grund: „Daten, die sich bereits in der Cloud befinden, sollten im besten Fall auch dort bearbeitet werden.“
Die Vorteile einer Arbeitsumgebung aus der Cloud heraus liegen für ihn auf der Hand: „Das ortsunabhängige und gemeinsame Arbeiten an Dokumenten und Projekten“. Für die Zukunft erwartet der Crisp-Analyst, dass sich das Betriebssystem auf den Browser reduzieren wird, denn er „ist bereits die einzige Zugangsmöglichkeit zu einer Reihe von Software-as-a-Services (SaaS) und kann in Tablets und Smartphones benutzt werden.“
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