Texanisches Start-up auf Deutschland-Kurs Braucht Deutschland einen Enterprise Browser?

Von Dr. Dietmar Müller 6 min Lesedauer

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Das US-amerikanische Start-up Island hat einen Enterprise Browser entwickelt, der den Zugriff auf das Netz und Clouds vollkommen sicher und damit für den Unternehmenseinsatz geeignet machen soll. Jetzt will es unter Führung von Lennart Uden auch in der DACH-Region durchstarten und viele Partnerschaften eingehen.

Island hat den Enterprise Browser entwickelt, ein Werkzeug für IT-Teams, das Phishing ausschließen, sicheren Umgang mit künstlicher Intelligenz fördern und die Produktivität steigern soll.(Bild:  Island)
Island hat den Enterprise Browser entwickelt, ein Werkzeug für IT-Teams, das Phishing ausschließen, sicheren Umgang mit künstlicher Intelligenz fördern und die Produktivität steigern soll.
(Bild: Island)

Sie wenden ihn gerade an: Browser sind ohne Zweifel das meistgenutzte IT-Tool weltweit. Doch reichen Chrome, Edge, Safari, Firefox und Co. für den Unternehmenseinsatz aus? Nein, sagt ein Start-up aus Dallas, Texas, und präsentierte nach zweijähriger Entwicklungsphase unter der Leitung der Mitgründer Mike Fey, CEO, und Dan Amiga, CTO, im Februar 2022 den „Island Enterprise Browser“.

Kein Browser für Jedermann

Ja, Firefox ist bekannt für seine starken Datenschutzfunktionen, diese reichen Island aber nicht aus. Verständlich, betrachtet man sich den Einstand des neuen Browsers vor etwas über einem Jahr: Seit September 2024 nutzen US-Bundesbehörden und -agenturen sowie die sie unterstützenden Auftragnehmer den Enterprise Browser. Island hat alle Zertifizierungen für das Department of Defense (DOD). Zudem integrierte es Anwendungen aus dem Department of Defense Information Network (DoDIN), dem global vernetzten Informationsnetzwerk des US-Verteidigungsministeriums.

„Chrome und Edge wurden für Verbraucher gebaut. Unternehmen haben sie mit einer wachsenden Zahl externer Tools, Agenten und Workarounds notdürftig zu Sicherheitsprodukten umfunktioniert. Die Folgen sind Komplexität, Kosten und Frust“, schildert Lennart Uden, Account Manager von Island in Deutschland, den Alltag in heutigen Unternehmen. Er hat seinen Sitz in Hamburg und war bis vor acht Monaten in gleicher Position beim KI/Cloud-Experten Snowflake tätig, seine Sicht der Situation. „Der Enterprise Browser wurde dagegen entwickelt, um eine sichere, verwaltbare und produktive Arbeitsumgebung direkt im Browser zu schaffen, ohne dass umfangreiche Virtual-Desktop-Infrastructure-(VDI)- oder Virtual-Private-Network-(VPN)-Lösungen erforderlich sind.“

„Führende Unternehmen aller Branchen nutzen den Enterprise Browser“, berichtete Uden. „Damit ermöglichen sie den sicheren Zugriff auf SaaS- und Webanwendungen, realisieren Zero-Trust-Netzwerkzugriff, machen BYOD praktikabel, arbeiten Anwender in Minuten statt Wochen ein, unterstützen reibungslose M&A-Übergänge und reduzieren die Abhängigkeit von der VDI.“

Aufbau des Enterprise Browsers

Der Browser verarbeite und speichere große Mengen sensibler Daten wie Passwörter, Authentifizierungstoken und Session-Cookies. Browser für Endverbraucher böten dagegen nur einen eingeschränkten Schutz für diese Daten – und ließen sie entweder unverschlüsselt auf der Festplatte oder verschlüsselten sie erst beim Speichern.

Der Browser basiert genau wie Google Chrome oder Microsoft Edge auf dem Chromium-Projekt und bietet daher volle Kompatibilität mit Web-Anwendungen. Darüber hinaus ist er um diverse Sicherheits- und Verwaltungsfunktionen erweitert und in bestehende IT-Security-Lösungen wie Security Information and Event Management (SIEM), Cloud Access Security Broker (CASB) und Identity Provider integriert.

Island positioniert sich darüber hinaus als „Last Mile Control“ und ermöglicht Data Loss Prevention (DLP) – sensible Daten werden beim Kopieren, Einfügen, Drucken, Herunterladen und Hochladen erkannt und blockiert. Darüber hinaus bietet der Browser Zero Trust Access, also einen sicheren Zugriff auf SaaS- und interne Anwendungen wie gesagt ohne VPNs. Mittels Sandboxing werden zudem potentiell gefährliche Websites isoliert ausgeführt. Und eine detaillierte Aufzeichnung aller Benutzeraktivitäten dient der Einhaltung von Compliance-Vorschriften.

Der Browser fungiert quasi als Management-Konsole und offeriert eine zentrale Richtlinienverwaltung für das Deaktivieren von Erweiterungen, das Blockieren bestimmter Websites oder das Erzwingen von Mehrfachfaktor-Authentifizierung (MFA). Das Protokoll aller Benutzererfahrung kann Performance-Engpässe und Probleme bei Web-Anwendungen aufzeigen.

Mit „Island Live“-JavaScript können Administratoren benutzerdefinierte Workflows oder Automatisierungen auf bestimmten Websites einbetten, um komplexe Aufgaben zu vereinfachen oder die Einhaltung von Prozessen zu erzwingen. Zu denken wäre etwa an das automatische Ausfüllen von Feldern.

Island baut DACH-Business auf

Nachdem das Unternehmen in den USA prominente Unterstützung erhalten hat, baut es nun unter Führung von Uden ein Team für die DACH-Region auf: „Wir planen hier eine vergleichbare Entwicklung, wie wir sie in UK beobachten konnten. Dort umfasst das Island-Team derzeit zwischen 25 und 30 Kolleginnen und Kollegen“, so der Account Manager gegenüber CloudComputing-Insider.

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„Bei vergleichbarem Wachstum“ will er das Team bis in 36 Monaten zu ähnlicher Stärke ausbauen: „Diese Positionen werden voraussichtlich im Bereich Customer Success, Sales und Marketing entstehen.“ Island unterhalte darüber hinaus neben einem Forschungszentrum in Tel Aviv bereits einen „stark wachsenden Entwicklungsstandort in Warschau“.

Um seinen Browser in den Markt zu drücken, verfolge Island eine „Channel First“-Strategie, und das gelte selbstredend auch für die DACH-Region. „Hier gibt es aber Aufholpotenzial, weil sich der erste Kundenstamm in der deutschen Region schneller gefunden hat als die Channel-Partner“, erläutert Uden. „Dies ist durch den internationalen Austausch zwischen den Unternehmen natürlich erklärbar, aber für ein gesundes Wachstum in der Zukunft, ist die Zusammenarbeit mit starken Channel-Partnern oberste Priorität.“

Funktionen eines klassischen Consumer-Browsers Erweiterte Funktionen für Unternehmen
Netzwerkfunktionen: Schneller Zugriff auf Websites und Online-Dienste Vertrauenswürdige Umgebung: Erhöhte Sicherheit und Governance im gesamten Browserbetrieb
Privates Surfen: Schutz der Privatsphäre durch Inkognito-Modi Sicheres Browsing: Schutz vor Bedrohungen und Schadsoftware bereits auf Browser-Ebene
Benutzererlebnis: Intuitive Oberfläche, vertrautes Look & Feel Automatisierung: Unterstützung von Skripten und Workflows zur Effizienzsteigerung
Prozessmodell & Isolation: Stabile Trennung einzelner Browser-Prozesse für Sicherheit und Performance Produktivität: Integrierte Tools und Funktionen für sicheres, unterbrechungsfreies Arbeiten
Erweiterungen: Unterstützung gängiger Add-ons und Plug-ins Datenschutz: Kontrolle über Datennutzung und Einhaltung gesetzlicher Vorgaben
Geräte- & Datensynchronisierung: Zugriff auf Lesezeichen, Passwörter und Verlauf über mehrere Geräte hinweg Konfigurationsmanagement: Zentrale Steuerung von Einstellungen, Richtlinien und Berechtigungen
Rendering Engine & Codecs: Darstellung moderner Webinhalte und Multimedia-Unterstützung Zentrale Verwaltung: Einheitliches Management aller Browserinstanzen im Unternehmen
  „Last-Mile“-Kontrolle: Governance dort, wo Nutzer, Anwendungen und Daten zusammenkommen
  Sicherheitsintegration: Nahtlose Anbindung an bestehende Security-Tools und -Infrastrukturen
  Benutzererlebnis: Gesteuerte, einheitliche Nutzungserfahrung für alle Mitarbeitenden
  Traffic Management: Überwachung und Steuerung von Datenströmen zur Minimierung von Risiken
  IT-Supportfähigkeit: Vereinfachte Wartung, Fehlerdiagnose und Unterstützung durch zentrale IT-Teams

Der Enterprise Browser findet Unterstützung

Das Konzept des Enterprise Browsers hat wie gesagt in den Vereinigten Staaten bereits viele Freunde gewonnen. Seit der Unternehmensgründung floss entsprechend viel Geld in die Marke, so zuletzt im Juli dieses Jahres, als JP Morgan Private Capitals Growth Equity Partners seine Beteiligung als strategischer Investor bekanntgab. Coatue Management führte die Runde an, die Island mit fast fünf Milliarden Dollar bewertete. Weitere Investoren gibt es viele, Coatue und Sequoia Capital steuerten im April 2024 über 175 Millionen US-Dollar bei. Weitere prominente Investments stammen beispielsweise von Cisco Investments, Capital One Ventures und sowie J.P. Morgan Growth Equity Partners.

„CIOs und CISOs setzen Servicenow und Island ein, um sensible Daten zu schützen, ihre IT-Transformation zu beschleunigen und die Kundenzufriedenheit zu steigern, insbesondere im Hinblick auf KI, Datenanalyse und Cloud-Technologien“, kommentierte Fey im Dezember 2024, als Servicenow mit ins Boot stieg. „Servicenow revolutioniert die Arbeitsweise effektiver IT-Organisationen, und die Investition in Island unterstreicht die Bedeutung von Enterprise-Browsern und Islands führende Rolle in diesem Bereich.“

Das sieht Gartner ähnlich: „Bis 2028 werden 25 Prozent aller Unternehmen ihre bestehenden Tools für sicheren Fernzugriff und Endpunktsicherheit durch mindestens einen sicheren Unternehmensbrowser ergänzen, um spezifische Lücken zu schließen“. Island war dann auch im November 2025 auf dem Gartner-Symposium/Xpo in Barcelona mit einem Stand vertreten.

In einem kürzlich erschienenen Bericht prognostizierte das Analystenhaus Forrester: „Bis 2030 werden Unternehmensbrowser die zentrale Plattform für die Bereitstellung von Software zur Steigerung der Mitarbeiterproduktivität und für die Sicherheit auf verwalteten und nicht verwalteten Geräten sein und so ein nahtloses hybrides Arbeitserlebnis ermöglichen.“ Tatsächlich arbeiten nach Unternehmensangaben mittlerweile sechs der zehn größten Finanzinstitute der USA mit Island. Dazu sollen Unternehmen aus Verwaltung, Industrie, Hochschulen, Hotellerie und Handel kommen.

„Auch unsere Gespräche in der DACH-Region zeigen eine klare Entwicklung: Unternehmen wollen weniger Komplexität und mehr Kontrolle. Island liefert genau das. Der Enterprise Browser ist nicht nur die bessere Art zu arbeiten, er ist die logische Antwort auf die digitale Gegenwart“, so Uden erwartungsfroh. An einer Mitarbeit Interessierte können sich gerne bei ihm melden.

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