IFS, ein schwedischer Anbieter von Business-Applikationen, hat mit IFS Cloud eine einheitliche Plattform für seine verschiedenen Business-Module vorgestellt. Diese „Cloudifizierung“ ist nach Ansicht von Analysten die Voraussetzung für eine digitale Transformation bei einem Kunden.
Mit IFS Cloud bringt der schwedische Anbieter alle Funktionen seiner Geschäftsanwendungen auf eine einzige API-basierte Plattform.
IFS möchte seit jeher seine Business-Applikationen nicht mit „ERP“ bezeichnet wissen. Der Schwerpunkt seiner Business-Anwendungen liegt mehr im Service-Bereich, und mit mehreren Firmen hat es eine marktführende Position im Field Service Management (FSM) erreicht. Dennoch entstand bislang stets der Eindruck, dass die einzelnen Applikationen wie etwa FSM, Service Management, Asset Management, HCM, CRM und ERP unzureichend integriert gewesen seien, vom Business Intelligence- und Planning-Modul ganz zu schweigen.
Damit soll nun Schluss sein, denn die IFS Cloud verfügt über ein einheitliches Datenmodell und durchgehende Schnittstellen. „Ganz wesentlich bei der Ankündigung der IFS Cloud ist die Tatsache, dass IFS mit der neuen Applikation Silo-Strukturen zwischen den früheren Lösungen aufgebrochen hat, also zwischen ERP, Enterprise Asset Management und Services Management inklusive HCM und CRM“, erläutert Joachim Hackmann, Vice President BAS bei der Unternehmensberatung PAC. „EAM und SM sind Kernfunktionen in den IFS-Lösungen, die das verarbeitende Gewerbe adressieren.“ Neben dem Manufacturing gehören Oil & Gas, Militär, Telekommunikation und Luftfahrt zu den angestammten Märkten von IFS. Jeder Branche will IFS mit einem Akzelerator als Blaupause zu einem schnellen Start verhelfen und die Funktionen alle sechs Monate erweitern.
Der strategische Hintergrund
Mit der IFS Cloud habe IFS eine Plattform geschaffen, die mit einheitlichen Datenmodellen und Anwender-Schnittstellen arbeitet und damit durchgehende Business-Prozesse ermöglicht. Das sei ein wichtiger Ansatz, der den aktuellen Anforderungen der Anwender entspricht. Im Vergleich zu anderen bedeutenden ERP-Anbietern vollzieht IFS damit eine Entwicklung, die anderswo schon früher angestoßen wurde. Oracle ist in dieser Hinsicht viel weiter fortgeschritten, SAP hat sich im letzten Jahr mit seiner Integrationsankündigung auf den Weg gemacht. Nach dem Kauf von Signavio ist SAP hinsichtlich der Integration ein gutes Stück vorangekommen.
Darren Roos, CEO IFS.
(Bild: IFS)
Der Vermutung, dass die enge Integration um den Preis der funktionalen Flachheit errungen worden, tritt CEO Darren Roos entgegen. „Zu unseren Design-Prioritäten bei der Entwicklung der IFS Cloud gehörten höhere Effizienz des Kunden, tiefe Funktionalität der Branchenlösungen, geringere Betriebskosten und schließlich dieselbe Benutzererfahrung (UX) wie mit der On-Premises-Version.“ Denn für Roos ist eines ganz klar: „Um ein profitables Cloud-Geschäft zu erzielen, brauchen wir loyale Kunden.“ Denn nur treue Kunden erneuern ihre Cloud-Subskriptionen.
Drei Betriebsmodelle
„Die neue Lösung wird es sowohl im Cloud-Betriebs-Modell als auch in einer Self-managed-Variante – on-premises – geben. Für beide Versionen stellt IFS zweimal jährlich ein Update bereit“, erläutert Hackmann. Und Dan Matthews, der CTO von IFS , listet noch die Option „Remote“ auf. „Wir stellen beim Kunden eine vorgefertigte virtuelle Appliance mit der IFS Cloud Software bereit, die der Kunde zusammen mit der Hauptdatenbank auf unterstützter Plattform-Software bei sich betreibt.“
Die Self-managed-Variante ist laut CTO so zu verstehen, dass „IFS die verschiedenen Software-Artefakte wie etwa Container und Datenbank-Skripte bereitstellt“, die der Kunde installieren und betreiben kann. „Cloud-Modell“ bedeutet im Klartext, dass IFS seine Software als Service auf der Cloud von MS Azure betreibt. „Wir haben keine Pläne, diese Plattform zu wechseln.“ Aber der Kunde hat, wie stets bei IFS Wahlfreiheit: „Bei den Betriebsmodellen Self-managed und Remote kann der Kunde wählen, wo er die Software betreibt: im eigenen Haus, bei einem Hosting-Partner oder bei einem Hyperscaler.“ Denn viele Kunden würden fragen, ob IFS auch AWS unterstützen würde.
Automation mit Künstlicher Intelligenz
Die KPIs in einem Dashboard des Automotive-Moduls.
(Bild: IFS)
Um die Effizienz der Prozesse und die Produktivität der Mitarbeiter zu erhöhen, hat IFS nach den Worten von Darren Roos und des CTO Dan Matthews viel Richtung Automation und Augmented bzw. Virtual Reality unternommen. „Sowohl die Intelligent Process Automation (IPA) als auch der Machine Learning Service (MLS) sind in IFS Cloud in allen drei Betriebsmodellen verfügbar“, so Matthews.
IPA könne interne wie externe APIs aufrufen. Der MLS beruhe auf den angestammten Funktionen des Scheduling Optimization Service. „Diesen haben wir die Fähigkeit hinzugefügt, verschiedene ML-Modelle auf TensorFlow & Co. auszuführen, die die ‚Deep-Learning‘-Fähigkeiten integrieren.“ Der Hauptvorteil liege laut Matthews darin, „dass die Arbeit eines Data Scientist hinsichtlich der Modelle und der Konfiguration des Neuronalen Netzwerks automatisch von unserem Service erledigt wird, so dass die Performance der ML-Modelle optimiert wird.“
Stand: 08.12.2025
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Kubernetes-Cluster im Einsatz
Die Software der IFS Cloud unterstützt Blockchain noch nicht, wohl aber Container mit Kubernetes. „Die IFS Cloud besteht aus einer Anzahl von Services, wie etwa dem MLS“, berichtet der CTO. „Diese sind eigentliche Container, die innerhalb eines Kubernetes-Namespaces ausgeführt werden.“ Das macht sie mandantenfähig: „Jeder Mandant der IFS Cloud hat seinen eigenen Namespace, und wir betreiben mehrere Mandanten auf dem gleichen Kubernetes-Cluster.“ Dieser weise die Last über Pods, Knoten usw. hinweg zu. „Folglich erhält jeder Mandant Zugriff auf seine private Datenbankinstanz, auf dem sich seine Geschäftsdaten befinden.“
Cloudifizierung und digitale Transformation
Die Frage ist, ob die Kunden IFS auf dem Weg in die Cloud ohne weiteres folgen werden, denn schon bei SAP war dies jahrelang ein steiniger Weg. Doch Joachim Hackmann von PAC ist sich sicher: „Die Cloudifizierung ist ein zentraler Baustein für die digitale Transformation der Unternehmen.“ Der Grund: „Mit dieser Entwicklung geht immer ein ‚Platforming‘ der ERP- beziehungsweise Business-Applikationen einher: Solche Plattformen schaffen Voraussetzungen für die Integration von Drittlösungen und für die Erweiterung durch individuelle Lösungen.“ Über offene Schnittstellen ließen sich die in den Business-Applikationen abgebildeten Prozesse um digitale Technologien [wie] Künstliche Intelligenz, IoT, Edge Computing, Blockchain erweitern. Wie andere Anbieter von Business Applikationen positioniere IFS seine neue Lösung als zentrale Daten- und Prozess-Drehscheibe für die digitale Transformation sowohl der Back-end Support-Prozesse (etwa ERP, Einkauf und HR,) als auch der industriespezifischen Fertigungs- und Services-Prozesse (EAM, Field Service Management, IoT).
Customer Service
Darüber hinaus stellt IFS die erste Tranche der IFS-Funktion für das Application Lifecycle Management vor: IFS Lifecycle Experience. Damit stehe Nutzern ein Support-Portal zur Verfügung, das ihnen vollständige Kontrolle über ihre Anwendung gebe, indem es mehrere Berührungspunkte zusammenführe, um so einen Zugang zu Informationen, Werkzeugen, Code und Berechtigungen zu gewährleisten. Geplant ist offenbar ein entsprechendes Portal für Entwickler.